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Albanien
Geographie. → Hauptartikel: Geographie Albaniens. Überblick. Bucht von Ksamil ... Bodenfruchtbarkeit, unzureichende Bewässerungssysteme, veraltete …
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Staat im Überblick
Albanien, amtlich Republik Albanien (Republika e Shqipërisë), ist ein Staat auf der westlichen Balkanhalbinsel. Er ist 28.748 km² groß, hat laut Volkszählung 2023 2.402.113 Einwohner und die Hauptstadt Tirana. Amtssprache ist Albanisch, Währung der Lek (ALL). Albanien ist eine demokratisch verfasste parlamentarische Republik; Staatspräsident ist Bajram Begaj, Ministerpräsident Edi Rama.
Das Land grenzt an Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Griechenland sowie an das Adriatische und Ionische Meer. Es wurde am 28. November 1912 vom Osmanischen Reich unabhängig; dieser Tag ist Nationalfeiertag. Albanien gehört unter anderem den Vereinten Nationen, der NATO, OSZE, dem Europarat, der Welthandelsorganisation und der Weltbank an. Seit dem 24. Juni 2014 ist es EU-Beitrittskandidat.
Naturraum und Umwelt
Die etwa 427 Kilometer lange Küste bietet Sand- und Kiesstrände an Adria und Ionischem Meer. Italien ist an der Straße von Otranto nur 73 Kilometer entfernt. Etwa die Hälfte des Staatsgebiets ist Bergland über 600 m ü. A.; die dichteste Besiedlung findet in Tälern, Hügelland, Küstenebenen und Hochebenen statt. Höchster Berg ist der Korab mit 2764 m ü. A. an der Grenze zu Nordmazedonien; die vollständig in Albanien liegende Jezerca ist 2694 m hoch.
Alle großen Flüsse münden in die Adria. Der Drin ist mit 282 Kilometern der längste Fluss. Albanien hat Mittelmeerklima mit Winterregen, durchschnittlich 16 °C Jahrestemperatur und knapp 1200 Millimetern Jahresniederschlag. Bergwinter sind hart, die ionische Südküste ist milder. Das Land liegt in einer tektonisch aktiven Zone; schwere Erdbeben ereigneten sich beispielsweise 1967, 1979 und 2019.
Die Flora umfasst über 3221 Arten, davon 489 endemisch auf der Balkanhalbinsel und 40 ausschließlich in Albanien. Nationalparks bedecken mit 15 Parks rund 7,32 % des Staatsgebiets. Zugleich bestehen Probleme wie illegale Rodung, Überweidung, Wilderei, Überfischung und Verschmutzung. Besonders Feinstaub, Lärm, unzureichende Müllentsorgung sowie verschmutzte Stadtflüsse belasten die Umwelt. 2014 lag der Feinstaub-Jahreswert in Tirana an einer Messstelle bei 65 μg/m³, während der EU-Jahresmittelwert 40 μg/m³ beträgt.
Bevölkerung, Sprachen und Religion
Nach starkem Wachstum im 20. Jahrhundert schrumpft die Bevölkerung deutlich: von 2.800.138 Einwohnern 2011 auf 2.402.113 im Jahr 2023, ein Rückgang von über 14 %. Hauptgründe sind Auswanderung und niedrige Geburtenraten. 2020 betrug die Geburtenrate 1,6 Kinder je Frau, in Tirana nur ein Kind je Frau. 2023 lebten 65 % der Bevölkerung in Städten; Tirana und Durrës wachsen durch Binnenwanderung, während viele ländliche und bergige Gebiete Einwohner verlieren.
Albaner bilden laut Volkszählung 2023 91 % der Bevölkerung, für 6 % fehlt eine Angabe. Anerkannte Minderheiten sind unter anderem Griechen, Mazedonier und Bulgaren, Aromunen, Roma, Balkan-Ägypter, Montenegriner, Bosniaken und Serben. Die Angaben zur ethnischen Zusammensetzung sind teilweise unsicher, weil beim Zensus 2011 viele Menschen keine oder ungültige Angaben machten und Minderheitenorganisationen zum Boykott aufgerufen hatten. Albaner werden kulturell und sprachlich in Gegen im Norden und Tosken im Süden gegliedert.
Albanisch ist die alleinige Amtssprache; die Standardvarietät beruht auf dem toskischen Dialekt. In Pustec hat Mazedonisch offiziellen Status, und in Gemeinden mit großer griechischer Minderheit gibt es griechischen Unterricht und teils Kommunikation mit Behörden auf Griechisch. Italienisch ist die am weitesten verbreitete Fremdsprache.
Die Verfassung von 1998 bezeichnet Albanien als laizistische Republik. 2023 waren 45,9 % Muslime und 4,8 % Bektaschi-Muslime. Christen stellten 16 %: 8,4 % römisch-katholisch, 7,2 % albanisch-orthodox und 0,4 % protestantisch/evangelikal. Weitere 14 % waren Gläubige ohne Zuordnung, 3,6 % atheistisch und 10 % machten keine Angabe. Von 1967 bis Dezember 1990 war jede Religionsausübung verboten. Zwischen den alteingesessenen Religionsgemeinschaften gilt die gegenseitige Toleranz als hoch.
Geschichte und politisches System
Das Gebiet war seit etwa 1000 v. Chr. von Illyrern besiedelt, kam Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. unter römischen Einfluss und 395 n. Chr. unter byzantinische Herrschaft. Das erste albanische Fürstentum Arbanon gründete Progon 1190. Skanderbeg führte von 1443 bis 1468 den Widerstand gegen die Osmanen; danach gehörte Albanien mehr als vier Jahrhunderte zum Osmanischen Reich. Die Unabhängigkeit wurde am 28. November 1912 ausgerufen und am 29. Juli 1913 international anerkannt.
Nach wechselnden Herrschaften, italienischer Besetzung 1939 und deutscher Besetzung 1943 bis 1944 errichtete Enver Hoxha eine kommunistische Diktatur. Sie orientierte sich nacheinander an Jugoslawien, der Sowjetunion und China, isolierte das Land zunehmend und ließ aus Furcht vor einer Invasion etwa 200.000 Bunker bauen. Im Dezember 1990 fiel die kommunistische Einparteienherrschaft. Die Umstellung von Zentralverwaltungs- zu Marktwirtschaft war von Krisen, Auswanderung und 1997 vom Zusammenbruch staatlicher Strukturen im Lotterieaufstand geprägt.
Die geltende Verfassung wurde am 28. November 1998 per Volksabstimmung angenommen. Das Parlament, das Kuvendi i Shqipërisë, hat 140 Abgeordnete und wird alle vier Jahre gewählt. Der Präsident wird vom Parlament für fünf Jahre gewählt; die Regierung ist dem Parlament verantwortlich und wird vom Ministerpräsidenten geführt. Die Politik wird vor allem von der Demokratischen Partei (PD) und der Sozialistischen Partei (PS) geprägt. Internationale Indizes bewerteten Albanien 2024 als „unvollständige Demokratie“ (Demokratieindex 6,2 von 10); Korruption, organisierte Kriminalität, Probleme bei Wahlen und Diskriminierung von Roma bleiben wichtige Herausforderungen.
Wirtschaft und Verkehr
Albanien befindet sich im Übergang von der früheren Zentralverwaltungswirtschaft zur Marktwirtschaft. Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 27 Milliarden USD, pro Einwohner 9.948 USD; nach Kaufkraftparität lagen die Werte bei 59 Milliarden USD beziehungsweise 21.813 USD. Tourismus und Bau sind wichtige Wachstumsbranchen, doch Armut, Ungleichheit, Korruption, schwache Infrastruktur und geringe öffentliche Leistungen bleiben Probleme. Laut Weltbank leben weiterhin 20 % der Menschen in Armut. Rücküberweisungen ausgewanderter Albaner machten 2024 fast 10 % des BIP aus.
Dienstleistungen erbringen 59,2 % des BIP, Landwirtschaft 21,4 % und Industrie 19,4 %. In der Landwirtschaft arbeiten 58 % der Erwerbstätigen, oft in Subsistenzwirtschaft, also für den eigenen Bedarf. Kleine, zerstückelte Betriebe, ungeklärte Eigentumsverhältnisse, geringe Bewässerung und fehlendes Kapital begrenzen die Produktivität. Die Zentralbank Banka e Shqipërisë steuert die Geldpolitik und gibt den Lek aus.
Der Tourismus stieg stark: 2021 wurden 5,52 Millionen Touristen gezählt. Natur, Mittelmeerklima und kulturelle Orte wie Berat und Gjirokastra sind wichtige Grundlagen. Der Ausbau kann jedoch Umweltprobleme verstärken. Bei Energie ist Albanien stark von Wasserkraft abhängig: 97 % des Stroms wurden aus Wasserkraft erzeugt, weshalb Trockenheit und fehlende Importe zu Stromausfällen führten. Neue Wasserkraftwerke verbesserten die Lage; Staudammprojekte, besonders an der Vjosa, sind umstritten.
Das Relief prägt den Verkehr; fast alle Nationalstraßen führen nach Tirana. Wichtige Autobahnen verbinden unter anderem Tirana mit Durrës, Elbasan, Vlora und Kosovo. Der Llogara-Tunnel ist mit 5992 Metern der längste Tunnel des Landes. Das Eisenbahnnetz ist schwach und der Personenverkehr stark zurückgegangen. Durrës ist der wichtigste Hafen. Der Flughafen Tirana liegt 17 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt; daneben ging 2021 der Flughafen Kukës in Betrieb, während der Flughafen Vlora gebaut wird.
Kultur und Sport
Die albanische Kultur verbindet eigene Traditionen mit osmanischen, venezianischen, italienischen und mediterranen Einflüssen. Volkskultur umfasst Trachten, Tänze, mündlich überlieferte Epen und Kanun-Versionen, also gewohnheitsrechtliche Gesetzeswerke. Die iso-polyphone Musik der Tosken in Südalbanien wurde 2005 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Typisch für den Norden sind homophone Musik, epische Lieder und die Lahuta, eine einsaitige Schalenhalslaute. Die Küche ist mediterran und orientalisch geprägt; Beispiele sind Byrek, Fli, Tarator und Bakllava.
Berat und Gjirokastra sind wegen ihrer Architektur aus osmanischer Zeit UNESCO-Weltkulturerbe. In vielen Orten prägen außerdem Plattenbauten aus der sozialistischen Zeit das Bild. Seit 2000 wurden in Tirana und später landesweit viele Gebäude farbig gestaltet. Medien bestehen aus staatlichen und privaten Rundfunkangeboten; 2020 nutzten 72 % der Einwohner das Internet.
Beliebtester Sport ist Fußball. Die Nationalmannschaft nahm 2016 erstmals an einer Fußball-Europameisterschaft teil. Gewichtheben ist der erfolgreichste Individualsport; bei den Weltmeisterschaften 2021 gewann Birken Calja Silber. Luiza Gega gewann 2022 über 3000 Meter Hindernis das erste europäische Leichtathletik-Gold für Albanien. Albanien hat jedoch bislang keine olympische Medaille gewonnen.