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Neue Wege

Neue Wege – Religion. Sozialismus. Kritik ist eine monatlich erscheinende schweizerische Zeitschrift, herausgegeben von der «Vereinigung der Freundinnen und …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Profil und Bedeutung
  2. 2. Gründung, Pazifismus und religiöser Sozialismus
  3. 3. Friedensarbeit, Faschismus und Zweiter Weltkrieg
  4. 4. Entwicklung seit 1945

Profil und Bedeutung

Neue Wege – Religion. Sozialismus. Kritik ist eine monatlich erscheinende schweizerische Zeitschrift mit Hauptsitz in Zürich. Sie erscheint auf Deutsch seit 1906 und wird von der Vereinigung «Freundinnen und Freunde der Neuen Wege» herausgegeben. Inhaltlich behandelt sie Politik, Menschenrechte, Theologie und Ethik. Sie veröffentlicht Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren zu globalen Herausforderungen sowie zur Schweizer Innenpolitik aus linker Perspektive.

Die Zeitschrift ist in der religiös-sozialistischen Bewegung verwurzelt. Religiöser Sozialismus verbindet hier christlich geprägte Fragen mit sozialistischen Positionen. Neue Wege versteht sich als kritischer Diskurs zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche. Die Zeitschrift zeichnet sich laut Artikel durch große Kontinuität aus, auch wenn sich ihre Untertitel im Lauf der Zeit änderten.

Gründung, Pazifismus und religiöser Sozialismus

Gegründet wurde Neue Wege 1906 in Zürich von sozial engagierten Theologen und Pfarrern: Benedikt Hartmann, Rudolf Liechtenhan, Paul Wernle und Leonhard Ragaz. Unter Ragaz’ Einfluss näherten sich die damals als Blätter für religiöse Arbeit bezeichneten Hefte der Arbeiterbewegung an. Redaktoren wie Jean Matthieu und Lukas Stückelberger (jeweils 1912–1921) sowie Robert Lejeune (1920–1924) trugen diesen Kurs mit.

Während des Ersten Weltkriegs vertrat die Zeitschrift einen radikalen Pazifismus; Lenin bescheinigte ihr dies, als die Sozialdemokratie laut Artikel dem Nationalismus verfiel. Nach Kriegsende unterstützte Neue Wege den Landesstreik vom November 1918. Sie wandte sich jedoch gegen einen Beitritt der SPS zur Dritten Internationale, den die Parteimitglieder im September 1919 in einer Urabstimmung abgelehnt hatten.

Von 1924 bis zu seinem Tod 1945 betreute Leonhard Ragaz die Zeitschrift allein. Als Organ der Religiös-sozialen Vereinigung der Schweiz wurde sie finanziell von der Vereinigung der Freunde der Neuen Wege unterstützt. Ragaz trat für Antimilitarismus und internationalen Zivildienst ein. Er vertrat ein prophetisches Christentum, das das Reich Gottes gegen eine religionsförmige Verfestigung stellte, sowie einen demokratischen und genossenschaftlichen Sozialismus gegen den «bolschewistischen Gewaltkommunismus».

Friedensarbeit, Faschismus und Zweiter Weltkrieg

In Neue Wege startete Ragaz 1924 die Initiative «Die Abrüstung als Mission der Schweiz». Seine Frau Clara Ragaz-Nadig dokumentierte dort die Abrüstungsarbeit der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Die Zeitschrift warnte früh vor der faschistischen Gefahr in Europa, verlangte eine Stärkung des Völkerbundes zur Friedenssicherung und unterstützte ab 1933 Flüchtlinge aus Deutschland.

Im Zweiten Weltkrieg unterstellten die Behörden die Zeitschrift der Vorzensur. Begründet wurde dies mit einer angeblich neutralitätswidrigen Gesinnung und der Gefahr für «die guten Beziehungen zum Ausland». Ragaz verschickte Neue Wege daraufhin etwa drei Jahre lang in halb illegalen Sendungen an Abonnenten. Im Juli 1944 erschien sie wieder; ihr Untertitel lautete nun Blätter für den Kampf der Zeit.

Entwicklung seit 1945

Nach Ragaz’ Tod Ende 1945 übernahmen Paul Trautvetter und Hugo Kramer die Redaktion. Sie gerieten über die Beurteilung der Sowjetunion und die Rolle des Antikommunismus in Streit. In der Folge spaltete sich die Religiös-soziale Vereinigung; über Jahre bestanden in der Schweiz zwei Organisationen des religiösen Sozialismus. Hugo Kramer, ein Linkssozialist, prägte Neue Wege von 1948 bis 1969. Zu den weiteren Redaktoren gehörten Bruno Balscheit, Carmen Weingartner-Studer, Albert Böhler, Paul Furrer und Berthe Wicke.

1977 begannen die Schweizer Christen für den Sozialismus, die auf chilenische Anregung gegründet worden waren, bei Neue Wege mitzuarbeiten. Willy Spieler und Albert Böhler übernahmen die Redaktion. Ab 1980 trug die Zeitschrift den Untertitel Beiträge zu Christentum und Sozialismus. Willy Spieler betreute sie von 1982 bis 2007 allein, unterstützt durch eine Redaktionskommission. In dieser Zeit erschienen wichtige Texte der Befreiungstheologie und der feministischen Theologie. Die Zeitschrift wurde außerdem zu einem Ort unpolemischer Diskussion der Schweizer Linken über linke und grüne Parteigrenzen hinweg; besonders gefördert wurde die Diskussion über Selbstverwaltung.

1989 schlossen sich die Religiös-soziale Vereinigung und die Christen für den Sozialismus zur Religiös-sozialistischen Vereinigung der Deutschschweiz zusammen, die der Zeitschrift weiterhin verbunden ist. Zum 100-Jahr-Jubiläum 2006 würdigten beide Schweizer Landeskirchen Neue Wege und die religiös-sozialistische Bewegung als «Sauerteig» des offiziellen Christentums. Ab 2008 hieß der Untertitel Beiträge zu Religion und Sozialismus, seit 2018 lautet er Religion. Sozialismus. Kritik.

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