Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Neue Religionen in Japan
Neue Religionen in Japan oder Shinshūkyō (japanisch 新宗教) sind neue religiöse Bewegungen in Japan, dort auch als Shinkō shūkyō (新興宗教) bekannt, …
Inhalt4 Abschnitte
Begriff und Einordnung
Neue Religionen in Japan, japanisch Shinshūkyō (新宗教), sind neue religiöse Bewegungen und Organisationen in Japan. Japanische Religionswissenschaftler zählen grundsätzlich alle seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten religiösen Organisationen dazu. Das gilt auch dann, wenn eine Organisation organisatorisch einer traditionellen buddhistischen Schule zugeordnet ist. Der Begriff umfasst deshalb eine sehr große Vielfalt religiöser Gemeinschaften.
Die meisten Shinshūkyō entstanden Mitte des 20. Jahrhunderts. Sie sind häufig von älteren Religionen beeinflusst, besonders von Shintō und Buddhismus, teilweise auch von Hinduismus und Christentum. Einige Bewegungen verbinden Elemente verschiedener Religionen und sind damit synkretistisch. Andere zeigen fundamentalistische Züge. Viele beanspruchen jedoch, nicht von anderen Religionen beeinflusst zu sein.
Eine weitere Bezeichnung ist Shinkō shūkyō (新興宗教). Sie wird weniger als wissenschaftlicher Fachausdruck verwendet und bringt vielmehr eine gesellschaftliche Bewertung zum Ausdruck, die häufig ein Gefühl der Verachtung einschließt. Kritiker benutzen Shinshūkyō teilweise abwertend im Sinne von „Sekten“. Sie warnen vor einem Beitritt, weil sie den Glauben, die Methoden, die Ziele oder die Missionierungsmethoden bestimmter Organisationen problematisch finden. Ein häufig genanntes Beispiel ist Ōmu Shinrikyō, die durch den Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn im Jahr 1995 international bekannt wurde.
Solche Bewertungen müssen jedoch eingeordnet werden. Vertreter traditioneller, monastisch orientierter buddhistischer Schulen könnten auch deshalb kritisieren, weil sie durch die starke Abwanderung ihrer Laienanhänger betroffen sind. Neuere religionswissenschaftliche Studien versuchen daher zunehmend, Glauben und religiöse Praxis nicht wertend zu beurteilen. Dieser wissenschaftliche Maßstab gilt bei etablierten Religionen bereits als Norm, wird auf neue religiöse Organisationen aber noch nicht konsequent angewendet.
Entstehung vor dem Zweiten Weltkrieg
In den 1860er-Jahren erlebte Japan tiefgreifende soziale Umwälzungen und eine rasche Verwestlichung. Dadurch entstanden neue soziale Konflikte und mehrere neue religiöse Bewegungen. Zu den bekanntesten gehörten Tenrikyō, Kurozumikyō und Ōmoto. Diese drei werden manchmal als Nihon Sandai Shinkōshūkyō bezeichnet, wörtlich „Japans drei große Shinshūkyō“. Sie waren stark von Shintō und Schamanismus beeinflusst.
Der Meiji-tennō erhob den Shintō zum Staatskult, dem Staats-Shintō. Im Zuge dieser politischen Veränderung entstanden wichtige neue, auf Shintō beruhende Religionen, die auch im Zusammenhang mit dem Sekten-Shintō stehen. Gleichzeitig wurde das etwa 250 Jahre alte Verbot des Christentums aufgehoben. Christliche Missionare wirkten dadurch wieder in Japan und regten andere religiöse Bewegungen an.
In derselben Zeit bildeten sich verschiedene buddhistisch beeinflusste Laienbewegungen. Sie griffen unterschiedliche traditionelle Richtungen des japanischen Buddhismus auf; einige verbanden diese zusätzlich mit neuem Gedankengut. Die japanische Regierung betrachtete solche Bewegungen als verdächtig und versuchte, sie zu unterdrücken. Besonders stark war diese Unterdrückung im frühen 20. Jahrhundert. Damals war der Staats-Shintō eng mit dem japanischen Nationalismus verbunden. Zugleich hatte der Buddhismus bei den Eliten an Ansehen verloren, da er als fremdländisch, abergläubisch und rückständig angesehen wurde.
Religionsgemeinschaften und Mitgliederzahlen
Zuverlässige Angaben zur Mitgliederzahl der einzelnen Organisationen gibt es nicht. Eine sichere Erhebung ist schwierig, weil viele Gemeinschaften keine feste Mitgliedschaft anbieten oder ihre Zahlen nicht öffentlich zugänglich machen. Statistiken beruhen deshalb häufig auf den Selbstauskünften der jeweiligen Organisationen.
Im Dezember 2007 registrierte das japanische Kulturamt, bunkachō (文化庁), insgesamt 182.709 religiöse Körperschaften, japanisch shūkyō hōjin (宗教法人). Die meisten waren shintōistisch oder buddhistisch ausgerichtet. Sie unterlagen dem Gesetz über die Religionsgesellschaften von 1951.
Die Bedingungen für die Anerkennung oder das Verbot religiöser Gemeinschaften waren zunächst im Gesetz über die Religionsgesellschaften von 1939 geregelt. Dieses Gesetz bezog sich bereits auch auf neu entstandene Religionen wie Ōmoto und Sōka Gakkai.
Wichtige Organisationen
Zu den im Artikel genannten wichtigen Shinshūkyō gehören:
- Aleph, früher Ōmu Shinrikyō
- Bussho Gonenkai Kyōdan
- Fuji Taisekiji Kenshōkai
- Izumo Ōyashirokyō
- Kōfuku no Kagaku
- Konkōkyō
- Mahikari Kyōdan
- Makuya
- Myōchikai Kyōdan
- Ōmoto
- PL (Perfect Liberty) Kyōdan
- Reiyūkai
- Risshō Kōseikai
- Seichō-no-Ie
- Sekai Kyūseikyō
- Shinnyo-En
- Sōka Gakkai
- Sūkyō Mahikari
- Tenrikyō
- Tenshō Kōtai Jingūkyō