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Ōmu Shinrikyō

Ōmu Shinrikyō (jap. オウム真理教; zu Deutsch etwa „Om-Lehre der Wahrheit“), heutiger Name Aleph (アレフ, Arefu), in der deutschsprachigen Presse häufig als …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Entstehung und Aufstieg
  2. 2. Lehre, Initiationen und Erlösung
  3. 3. Apokalyptik und Hinwendung zur Gewalt
  4. 4. Der Giftgasanschlag von 1995
  5. 5. Gerichtsverfahren und staatliche Reaktionen
  6. 6. Organisation, Nachfolge und Bedeutung

Entstehung und Aufstieg

Ōmu Shinrikyō (japanisch オウム真理教, etwa „Om-Lehre der Wahrheit“) war eine ursprünglich in Japan entstandene neureligiöse Gruppierung. International bekannt wurde sie durch den Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn am 20. März 1995. Gründer und Führer war Shōkō Asahara, der am 6. Juli 2018 hingerichtet wurde. Seit Januar 2000 heißt die Organisation Aleph; laut einem Deutschlandfunk-Beitrag zum 30. Jahrestag des Anschlags existieren drei Folgeorganisationen.

1984 gründete der stark sehbehinderte Chizuo Matsumoto mit zunächst 15 Mitgliedern den Yoga-Verein Ōmu Shinsen no Kai („Versammlung der Om-Einsiedler“). Die Übungen sollten psychische Kräfte aktivieren. Matsumoto behauptete unter anderem, schweben, lange unter Wasser tauchen, die Zukunft vorhersagen und durch feste Objekte sehen oder hindurchgehen zu können. Er änderte seinen Namen in Shōkō Asahara und erklärte später, 1986 im Himalaja „die höchste Wahrheit“ erhalten zu haben. 1987 benannte er die Gruppe in Ōmu Shinrikyō um. Die Silbe Om beziehungsweise Ōmu sollte nach Asaharas Erklärung für die Erschaffung, Bewahrung und Zerstörung des Universums stehen.

1985 traf Asahara in Dharamsala erstmals den Dalai Lama. Zwischen Mai 1988 und Juli 1992 spendete Ōmu Shinrikyō insgesamt mehr als 2,7 Millionen US-Dollar an den Dalai Lama. Treffen, Fotografien und Empfehlungsschreiben wurden später bei der Mitgliederwerbung und bei Bemühungen um den steuerfreien Status einer Religionsgemeinschaft verwendet. Der Dalai Lama bezeichnete seine damalige Unterstützung später als Fehler.

Im August 1989 erkannte die Präfektur Tokio Ōmu Shinrikyō als Religionsgesellschaft an. Gleichzeitig beging die Organisation bereits schwere Gewalttaten: Im Februar 1989 wurde das austrittswillige Mitglied Shuji Taguchi auf Asaharas Befehl getötet. Im November 1989 ermordeten Mitglieder den Rechtsanwalt Tsutsumi Sakamoto, seine Frau und ihren einjährigen Sohn. 1990 gründete Asahara die politische Vertretung Shinritō, deren Kandidaten bei der Parlamentswahl scheiterten. Danach verschärften sich die finanziellen Probleme, und viele Mitglieder verließen die Gruppe.

Ab Herbst 1987 expandierte Ōmu Shinrikyō international. Niederlassungen entstanden unter anderem in New York, Bonn und Sri Lanka. Das wichtigste Rekrutierungsfeld wurde Russland. Nach einer intensiven Medienkampagne mit Fernseh- und Radioprogrammen sowie Flugblättern wurden die Anhänger dort in landesweite Sektionen eingeteilt. Für 1995 werden etwa 40.000 Anhänger geschätzt: rund 10.000 in Japan und 30.000 in Russland; einige Dutzend lebten in Deutschland, Australien und den USA.

Lehre, Initiationen und Erlösung

Die ursprüngliche Lehre verband indischen und tibetischen Buddhismus, Hinduismus und Taoismus. Im Mittelpunkt standen körperliche und geistige Übungen wie Yoga, Atemtechniken, Meditation und Askese. Ein Ritual namens Shaktipat, das aus dem Hinduismus stammt, sollte durch Berührung positive Energie übertragen und negative Energie aufnehmen.

Asahara stellte sich zunehmend als heiliger Krieger, Buddha, Guru, Prophet, lebender Gott und Weltretter dar. Er behauptete, die Welt durch ein neues spirituelles Zeitalter retten zu müssen. Dafür sollten weltweit Zentren entstehen und mindestens 30.000 spirituell Erleuchtete der Welt entsagen. Diese Anhänger sollten Shukkesha werden, also ihr Haus, ihre Familie und ihre weltlichen Besitztümer verlassen und klosterähnlich in Armut leben. Die erwartete Zukunft umfasste einen Messias, eine utopische Gesellschaft und ein buddhistisches Königreich Shambala als Verbindung von Religion und Politik.

Die Lehre erklärte die moderne Welt zum Zeitalter des Mappō, das vom Materialismus beherrscht werde. Nur Ōmus Wahrheit könne den Übergang zum Zeitalter des wahren Gesetzes, Zōbō, ermöglichen. Ōmu Shinrikyō verband dabei Yoga-Traditionen und tibetischen Buddhismus mit pseudowissenschaftlichen Vorstellungen, Large Group Awareness Training, Nostradamus-Prophezeiungen, chiliastischem Christentum, Science-Fiction und apokalyptischen Anime- und Manga-Ideen. Zentrale Gottheit war Shiva, der hinduistische Gott der Zerstörung. Die äußere Welt galt als korrupt und musste notfalls gewaltsam bekämpft werden.

Nach Asahara beruhte die Besonderheit der Lehre auf vier Säulen: einem konkreten Lehrsystem aus Yoga und Buddhismus, der Initiation zum spirituellen Erwachen, der Hilfe bereits erleuchteter Asketen sowie der charismatischen Existenz des Gurus und seiner schriftlichen Lehren.

Initiationen sollten die geheime Übermittlung der Lehre und die Übertragung der Erfahrungen des Meisters ermöglichen. Asahara beschrieb vier Formen: eine Zeremonie, in der der Schüler zu fünf Buddhas werden sollte; geheime Initiationen mit symbolischer oder tatsächlicher Aufnahme von Sperma und Blut des Meisters; Mahasuka („höchstes Vergnügen“), bei dem sexuelle Energie zur Erweckung der Kundalini und Chandali aufsteigen sollte; sowie die Führung von mystischen Erfahrungen zur Verschmelzung mit Körper und Geist des Buddha und zum Zustand des Guhyasamaja. Zusätzlich wurden PSI-Kappen („Perfect-Salvation-Initiation“) für eine Million Yen pro Monat vermietet. Sie sollten die Gehirnschwingung des Trägers an Asahara angleichen.

Der soteriologische Weg, also der Weg zur Erlösung, umfasste drei Stufen: Befreiung von Krankheiten, Glück in diesem Leben sowie Erleuchtung und Emanzipation. Zur höchsten Erlösung sollten die Mitglieder sechs „Extreme Disziplinen“ praktizieren: Opfergaben, Einhaltung individueller Gebote, Geduld, Hingabe, Meditation und höchste Weisheit. Diese Übungen sollten Begierden überwinden, Karma verändern und letztlich die Rückkehr ins Maha-Nirvana ermöglichen.

Apokalyptik und Hinwendung zur Gewalt

Ōmu Shinrikyō radikalisierte sich ideologisch und praktisch. Asahara verschob seine Vorhersagen des Weltuntergangs zunächst von 1999 auf 1997 und schließlich auf 1995. Die öffentliche Kritik an der Organisation begann 1989. Ōmu deutete Kritik, Ermittlungen und Razzien als Teil einer Verschwörung von Staat, Polizei, Sicherheitsapparat, Sōka Gakkai, japanischen Selbstverteidigungsstreitkräften und US-Streitkräften.

Ein entscheidender Wendepunkt war der Tod des 21-jährigen Majima Terayuki 1988 während einer 24-stündigen Meditation. Asahara übernahm aus dem Vajrayana-Buddhismus den Begriff Poa und deutete ihn als „heiliges Töten“: Wer schlechtes Karma anhäufe, könne durch den Tod im nächsten Leben besser wiedergeboren werden. Nach der Wahlniederlage von 1990 erklärte Asahara die Gesellschaft außerhalb Ōmus für nicht rettungswürdig. Mahayana, die freiwillige und allmähliche Errettung aller Seelen, sei gescheitert; nun müsse der Vajrayana-Weg einer unfreiwilligen und plötzlichen Erlösung durch die Kraft des Gurus beschritten werden.

Die Zahl der neuen Shukkesha fiel von 537 zwischen 1986 und 1990, mit einem Höchststand von 246 im Jahr 1990, auf nur 43 in den Jahren 1991 und 1992. Insgesamt entsagten rund 1200 Mitglieder der Welt. Diese Entwicklung könnte Asaharas apokalyptische Rhetorik verstärkt haben. In „Shivering Predictions of Shoko Asahara“ wurde vorhergesagt, dass zwischen 1996 und Januar 1998 ein Atomwaffenangriff Japan verwüsten, neun von zehn Menschen in großen Städten sterben und nur ein Zehntel überleben werde. Auch das Erdbeben von Kobe im Januar 1995 deutete Asahara als Waffenangriff und ersten Schlag eines bereits begonnenen Krieges.

Die Organisation bereitete terroristische Handlungen vor und forschte an biologischen, chemischen und möglicherweise nuklearen Waffen. 1990 scheiterten Versuche mit Botulinumtoxin-Extrakten aus fermentiertem Schlamm gegen den Flughafen Tokio-Narita, den Kaiserpalast und US-Militärstützpunkte. Ab 1992 wandte sich das Programm dem Milzbranderreger Bacillus anthracis zu. Der verwendete Stamm war jedoch ein veterinärmedizinischer Impfstoff. Eine Verbreitung in Kameido im Juni 1993 verursachte keine Krankheiten oder Todesfälle.

Eine Expedition Asaharas mit 16 Ärzten und Pflegekräften nach Zaire sollte 1992 Ebola-Proben beschaffen, blieb aber erfolglos. Für tatsächliche Q-Fieber-Kulturen gibt es laut Milton Leitenberg keinen Beweis; Aums Versuche hätten sich auf die Beschaffung eines Diagnose-Testkits beschränkt. Die Gruppe erwarb außerdem einen grünen Laser für 400.000 US-Dollar, erwog Laser- und Nukleartechnologie und plante eine Uranbombe. Diese Pläne waren von Asaharas Faszination für Laser geprägt.

1994 stellte Ōmu erstmals erfolgreich Sarin her. Ein Anschlag auf das Parlamentsviertel in Tokio scheiterte. Beim Sarin-Anschlag in Matsumoto am 27. Juni 1994 starben sieben Menschen. Weitere Anschläge mit selbstproduziertem VX töteten im September 1994 insgesamt 20 Menschen. Außerdem wurde mit Sarin, VX, Botulinumtoxin, Soman, Tabun, Senfgas und Cyanwasserstoff experimentiert.

Der Giftgasanschlag von 1995

Am 20. März 1995 deponierten fünf Mitglieder von Ōmu Shinrikyō während der morgendlichen Hauptverkehrszeit in fünf Zügen am U-Bahnhof Kasumigaseki in Tokio elf in Zeitungspapier eingewickelte Kunststoffbeutel mit flüssigem Sarin. Kurz vor dem Aussteigen bohrten sie die Beutel mit Regenschirmen an. Die austretenden Dämpfe verbreiteten sich in den Zügen und etwa 15 Stationen. Die Täter flohen mit bereitstehenden Fluchtautos.

Die Opferzahlen wurden unterschiedlich angegeben und später revidiert. Zunächst wurden 12 Todesopfer anerkannt; 2008 stellte sich heraus, dass ein Mann am Tag nach dem Anschlag ebenfalls an Sarin-Inhalation gestorben war. Damit stieg die offiziell anerkannte Zahl auf 13. Genannt werden insgesamt 13 Tote, 1039 Verletzte und 4460 Menschen, die mit Symptomen ein Krankenhaus aufsuchten; insgesamt waren dies 5511 Personen. 688 wurden mit Krankenwagen transportiert, mehr als 4000 kamen zu Fuß, mit Taxi oder Privatfahrzeugen. 2010 revidierte die Polizei die Opferzahl auf 6252.

Bei der Ankunft im Krankenhaus galten 17 Personen als kritisch, 37 als schwer und 984 als mittelschwer verletzt. Häufige Symptome waren Miosis (99,0 %), Kopfschmerzen (74,8 %), Dyspnoe (63,1 %), Übelkeit (60,4 %), Augenschmerzen (45,0 %), verschwommenes Sehen (39,6 %), Hemeralopie (37,8 %), Erbrechen und Fatigue (je 36,9 %), Husten (34,2 %), Agitation (33,3 %), Faszikulation (23,4 %) und tonisch-klonische Krampfanfälle (2,7 %).

Der Anschlag wurde wegen einer erwarteten Polizeirazzia hastig vorbereitet. Wenige Tage zuvor war Sarin in der Produktionsanlage freigesetzt worden. Das verwendete Sarin hatte deshalb nur etwa 30 Prozent Reinheit. Zusätzlich war die Ausbreitung wenig effektiv geplant: Die Täter berechneten Verdunstung, Luftstrom und die Reaktion des Zugpersonals falsch.

Nach dem Anschlag verhaftete die Polizei zahlreiche Mitglieder und durchsuchte landesweit Niederlassungen. Im Hauptquartier in Kamikuishiki wurden unterernährte Gefangene, große Mengen Chemikalien, LSD, Methamphetamin, Bargeld und Gold im Wert von mehreren Millionen US-Dollar, Sprengstoff und Material für AK-47-Sturmgewehre gefunden. Hideo Murai, das für Wissenschaft und Technologie zuständige Führungsmitglied, wurde am 23. April 1995 vor laufenden Kameras erstochen. Asahara wurde am 16. Mai in einem verborgenen Raum festgenommen. Danach folgten weitere, von Richard Danzig als „spasmodisch“ bezeichnete Angriffe, darunter ein versuchtes Attentat auf den Polizeichef Takaji Kunimatsu, Gasangriffe in Zügen und Bahnhöfen sowie die Entführung des Flugs All Nippon Airways 857 am 21. Juni 1995, um Asahara freizupressen.

Gerichtsverfahren und staatliche Reaktionen

Zwölf Mitglieder wurden im Zusammenhang mit dem Sarin-Anschlag zum Tode verurteilt, darunter die Attentäter Masato Yokoyama und Yasuo Hayashi, die Sarin-Hersteller Seiichi Endō und Masami Tsuchiya sowie der Mediziner Tomomasa Nakagawa. Shōkō Asahara wurde als Drahtzieher des Anschlags in Tokio und des Anschlags von Matsumoto verurteilt. Die Todesurteile gegen Asahara und sechs weitere Mitglieder wurden am 6. Juli 2018 vollstreckt, die Urteile gegen die restlichen sechs am 25. Juli 2018. Hayashi erhielt als einziger der Sarin-Ausbringer lebenslange Haft, unter anderem weil er sich gestellt und bei den Ermittlungen kooperiert hatte.

Weitere Todesurteile betrafen Verbrechen, die erst durch die Ermittlungen bekannt wurden, insbesondere den Mord an der Familie des Opferanwalt Tsutsumi Sakamoto. Am 15. Juni 2012 wurde mit Katsuya Takahashi der letzte flüchtige Verdächtige des Anschlags festgenommen; wenige Tage zuvor war Naoko Kikuchi festgenommen worden.

Japan entzog Ōmu Shinrikyō am 30. Oktober 1995 nach Artikel 81 des Gesetzes über die Religionsgesellschaften den Religionsstatus und konfiszierte das Eigentum. Die Entscheidungen wurden am 19. Dezember 1995 vom Obergericht Tokio und am 31. Januar 1996 vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Eine Gesetzesnovelle vom 15. Dezember 1995 verschärfte unter anderem die Registrierung überregional tätiger Religionsgesellschaften, die Prüfung finanzieller Unterlagen und staatliche Untersuchungen bei Gesetzesverstößen.

1997 wurde Ōmu nicht nach dem Gesetz gegen subversive Aktivitäten verboten, weil nach Einschätzung der Prüfungskommission keine unmittelbare Gefahr mehr bestand. 1999 verabschiedete das Parlament das „Gesetz in Bezug auf die Kontrolle von Gruppierungen, die Akte wahllosen Massenmords verübt haben“, auch „Neues Ōmu-Gesetz“ genannt. Auf dieser Grundlage wurde ab 2000 die Überwachung durch die Public Security Intelligence Agency (PSIA) genehmigt und mehrfach verlängert.

Im Insolvenzverfahren wurden die Vermögenswerte ab 1996 liquidiert. Sondergesetze von 1998 und 1999 räumten den Opfern Vorrang ein. Bis zum Ende des Verfahrens im November 2008 wurden 1,54 Milliarden Yen, rund 12 Millionen Euro, ausgezahlt. Dies entsprach 40 % der zugesprochenen Summe von 3,8 Milliarden Yen. Russland, die Ukraine und Kasachstan verboten die Organisation vollständig. Von 2010 bis 2011 stand sie auf der EU-Terroristenliste; in den USA ist sie seit dem 8. Oktober 1997 als „Foreign Terrorist Organization“ eingestuft.

Organisation, Nachfolge und Bedeutung

Ōmu Shinrikyō bestand aus kleinen, von der Außenwelt abgeschotteten Freiwilligengruppen. Die Mitglieder lebten teilweise in isolierten Wohnprojekten und waren in landesweite Sektionen aufgeteilt. Die Finanzierung beruhte auf hohen Mitgliederbeiträgen, Spenden und kostenpflichtigen religiösen Dienstleistungen. 1992 besaß die Organisation nach den Angaben des Artikels etwa eine Milliarde US-Dollar.

Ab 1994 ahmte sie die japanische Staatsstruktur nach und gliederte sich in 21 Ministerien und Abteilungen, die von Asaharas 23 engsten Vertrauten geleitet wurden. Dazu gehörten unter anderem Ministerien für Verteidigung, Gesundheit, Wissenschaft, Nachrichtendienste, Justiz, Finanzen sowie für östliche, westliche und neue Anhänger. Asahara stand als „göttlicher Führer“ an der Spitze.

Das Rekrutierungspotenzial lag vor allem in den neuen Mittelschichten sowie bei Jungakademikern und naturwissenschaftlichen Studierenden. Alle fünf Attentäter von Tokio hatten Abschlüsse an den prestigeträchtigsten Universitäten Japans. Ōmu gewann mehr als 300 Wissenschaftler mit Abschlüssen in Medizin, Biochemie, Biologie und Genetik. Für manche bot die Organisation finanzierte Labore, moderne Ausstattung und eine zweite berufliche Chance. 1995 waren 75 % der Mitglieder zwischen 20 und 30 Jahre alt. Anime, Manga und eigene Medienproduktionen dienten dazu, Asaharas Prophezeiungen, die Apokalypse und angeblich positive Erfahrungen neuer Mitglieder zu vermitteln.

Nach dem Anschlag verlor die Organisation die Mehrheit ihrer Mitglieder und ihres Vermögens. In Japan sank die Mitgliederzahl von etwa 10.000 am 20. März 1995 auf 5000 im Jahr 1998. Im Jahr 2000 sagte sich Ōmu offiziell von Asahara und der Gewalt los; Tatsuko Muraoka wurde Repräsentantin und entschuldigte sich Ende 1999 öffentlich für den Anschlag. Die Umbenennung in Aleph erfolgte im Januar 2000. Die Gruppe blieb unter staatlicher Überwachung und hatte etwa 1500 bis 2000 Anhänger. Bei einer Razzia im Februar 2004 wurden offiziell 1650 Mitglieder in Japan und 300 in Russland geschätzt. Nach Asaharas Hinrichtung 2018 änderte sich ihre Zahl kaum. 2007 gründete Fumihiro Jōyū die Abspaltung Hikari no Wa („Rad des Lichts“), der sich etwa ein Viertel der Aleph-Mitglieder anschloss.

Ōmu Shinrikyō gilt als Beispiel charismatischer Führung, blinder Gefolgschaft und quasi-totalitärer Gruppenstruktur. Meditationstechniken wie schnelles Atmen konnten religiöse Erregung fördern und eine besondere „Aum-Identität“ erzeugen. Der Anschlag beeinflusste in mehreren europäischen Ländern Maßnahmen gegen nicht etablierte religiöse Gruppierungen. In den USA führte er vor allem zu verstärkter Forschung nach Gegenmitteln gegen Biowaffen. Haruki Murakami verarbeitete das Ereignis in Interviews; die Dokumentarfilme „A“ und „A2“ von Tatsuya Mori wurden wegen des großen Raums für Aum-Mitglieder kontrovers aufgenommen.

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