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Nein, meine Söhne geb’ ich nicht

Nein, meine Söhne geb' ich nicht ist ein pazifistisches Lied des deutschen Liedermachers Reinhard Mey aus dem Jahr 1986. Er veröffentlichte den Song auf …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernaussage und Bedeutung
  2. 2. Aufbau, Text und Musik
  3. 3. Einordnung in Meys Werk
  4. 4. Veröffentlichung und Erfolg
  5. 5. Neue Interpretationen

Kernaussage und Bedeutung

„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ ist ein pazifistisches Lied des deutschen Liedermachers Reinhard Mey aus dem Jahr 1986. Es gehört zu den Genres Chanson und Liedermacher, dauert in der Originalfassung 4:53 Minuten und erschien bei Intercord auf dem Album „Alleingang“. Inhaltlich richtet es sich gegen Krieg und Kriegsdienst. Es behandelt außerdem die Kriegsdienstverweigerung und die Flucht vor dem Krieg.

Mey verbindet die politische Botschaft mit seiner persönlichen Perspektive als Vater zweier Söhne. Er erklärt, dass kein Ziel, keine Ehre und keine Pflicht es wert seien, dafür zu töten oder zu sterben. Der Schutz des Lebens und der Widerstand gegen militärischen Gehorsam stehen deshalb im Mittelpunkt.

Aufbau, Text und Musik

Das Lied ist eine ruhig vorgetragene Ballade im 4/4-Takt. In der Originalversion begleitet sich Reinhard Mey auf der akustischen Gitarre. Teilweise kommen ein elektronisches Piano und in der vierten Strophe eine Trommel hinzu. Eine kurze Folge von Gitarren- und Pianoklängen bildet die Einleitung.

Der Text besteht aus sechs Strophen. Jede endet mit dem Refrain „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“. Mey gestaltet den Text als offenen Brief an einen nicht näher benannten Adressaten. Als mögliche Empfänger erscheinen etwa das Kreiswehrersatzamt oder das Verteidigungsministerium. Der Vater schildert, dass er seine Söhne aufgezogen, beschützt und „zur Achtung vor dem Leben“ erzogen habe. Daher wolle er alles dafür tun, dass sie keine Waffen tragen und nicht in den Krieg ziehen.

In der ersten Hälfte der vierten Strophe verändert sich die Begleitung: Die Gitarre tritt zurück, während eine Trommel einen düsteren Marschrhythmus spielt. Dazu beschreibt der Text, was den Söhnen erspart bleiben soll: das Marschieren „in Reih’ und Glied“, der Kampf bis zuletzt und das Sterben auf einem verlassenen Schlachtfeld, während die Verantwortlichen sicher und bequem bleiben.

In den letzten beiden Strophen kündigt der Vater an, seine Söhne „Ungehorsam […], den Widerstand und die Unbeugsamkeit“ zu lehren. Sie sollen vor allem ihrem eigenen Gewissen verantwortlich sein. Lieber würde er mit ihnen fliehen und ein Leben in der Fremde führen, als sie der Obrigkeit und dem Krieg auszuliefern.

Einordnung in Meys Werk

Reinhard Mey war im Unterschied zu Liedermachern wie Franz Josef Degenhardt und Hannes Wader nie parteipolitisch engagiert. Während der 68er-Bewegung wurde er von links dafür kritisiert, zu unpolitisch zu schreiben. Gesellschaftskritik erschien in seinem Werk jedoch schon früh, meist aus einer emotionalen und persönlichen Perspektive. Dadurch verband er das sogenannte private Lied mit politischen Fragen.

„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ gehört einerseits zu Meys persönlichen Liedern aus seiner Perspektive als Vater, zu denen auch „Menschenjunges“ von 1977 und „Keine ruhige Minute“ von 1979 zählen. Andererseits steht es in der Reihe seiner gesellschaftskritischen und pazifistischen Texte. Spätestens seit den 1980er Jahren trat dieser Pazifismus häufig ausdrücklich hervor, etwa später in „Alle Soldaten woll’n nach Haus“ von 1990, „Die Waffen nieder“ von 2004 und „Kai“ von 2007.

Veröffentlichung und Erfolg

Reinhard Mey veröffentlichte das Lied 1986 auf dem Album „Alleingang“. 1987 erschien es zusammen mit „Asche und Glut“ als Single. Das Album erreichte Platz 27 der deutschen Albumcharts und blieb dort insgesamt 12 Wochen; die Single wurde dagegen kein Charthit.

Mey nahm das Stück außerdem in mehrere Live-Alben auf, beginnend mit „Die Große Tournee ’86“. Es erschien auch auf Kompilationen, darunter 1989 auf „Mein Apfelbäumchen“. Im Jahr 1996 wurde das Lied mit dem SWF-Liederpreis ausgezeichnet.

Neue Interpretationen

2016 veröffentlichte die österreichische Sängerin Angelika Sacher gemeinsam mit dem Pianisten Klaus Bergmaier eine Coverversion auf dem Album „Mehr als nur ein bisschen Frieden“.

Im September 2020 erschien unter dem Namen „Reinhard Mey und Freunde“ eine gemeinschaftliche Neuaufnahme als Musikvideo. Die Benefizaktion unterstützte Friedensdorf International, eine Organisation, die kranke und verletzte Kinder aus Kriegsgebieten versorgt. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker wirkten mit, darunter Reinhard Mey, Eric Fish, Ally Storch, Joachim Witt und Luci Van Org. Im Unterschied zum ruhigen Original enthält diese Fassung in der fünften Strophe eine rockbetonte Passage mit verzerrter E-Gitarre und energischem Gesang. Mey singt anschließend selbst die letzte Strophe, sodass das Lied ruhig endet. Vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine wurde das Video auf YouTube bis Anfang Oktober 2022 mehr als 11,5 Millionen Mal abgespielt.

Im August 2022 veröffentlichten sechs junge Musikerinnen und Musiker aus Kolumbien unter dem Namen Unidos por un cambio, auf Deutsch „gemeinsam für den Wandel“, die spanische Fassung „No te daré a mis hijos“ („Ich werde dir meine Söhne nicht geben“). Die Einnahmen gingen an eine Stiftung für notleidende Kinder in Kolumbien.

Ebenfalls 2022 nahmen 28 Sängerinnen und Sänger verschiedener Chöre aus der Region Aachen unter der Leitung von Manuela Frey eine A-cappella-Version auf. Daneben entstanden weitere Amateuraufnahmen. Am 9. August 2024 veröffentlichten sechs Freundinnen und Freunde von Reinhard Mey die schwedische Version „Nej mina söner får ni ej“.

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