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Reinhard Mey

Mey besuchte das Französische Gymnasium in Berlin, an dem er 1963 das französische Baccalauréat und das deutsche Abitur absolvierte. Die 12. Klasse musste …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Leben und musikalischer Weg
  3. 3. Durchbruch, Alben und Konzerte
  4. 4. Erfolge und Werk
  5. 5. Themen seiner Lieder
  6. 6. Öffentlichkeit, Privatleben und Ehrungen

Überblick und Bedeutung

Reinhard Friedrich Michael Mey (* 21. Dezember 1942 in Berlin) ist ein deutscher Musiker, Texter und Komponist. Er singt deutsch- und französischsprachige Chansons. Ein Chanson ist ein meist textbetontes Lied, bei dem Sprache, Erzählung und Melodie eng zusammenwirken. Seit Ende der 1960er Jahre gilt Mey als einer der populärsten Vertreter der deutschen Liedermacher-Szene. Liedermacher schreiben und singen ihre Lieder in der Regel selbst; bei Mey sind Text und Melodie oft besonders wichtig.

Bekannt wurde er vor allem in den 1970er Jahren mit Liedern wie Der Mörder ist immer der Gärtner, Über den Wolken, Wie vor Jahr und Tag und Gute Nacht, Freunde. Seine Pseudonyme sind Frédérik Mey in Frankreich, Alfons Yondraschek und Rainer May. Meys Musik ist stark vom französischen Chanson beeinflusst. Viele seiner Lieder sind eher leise, haben umfangreiche Texte und eingängige Melodien.

Leben und musikalischer Weg

Reinhard Mey wurde 1942 im Berliner Bezirk Wilmersdorf geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt, seine Mutter Lehrerin. Der Vater weckte sein Interesse an fremden Kulturen und Sprachen. Mey besuchte das Französische Gymnasium in Berlin und machte dort 1963 das französische Baccalauréat und das deutsche Abitur. Danach absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Schering AG Berlin. Ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der TU Berlin brach er nach sechs Semestern ab, um Liedermacher zu werden. Sein ursprünglicher Berufswunsch war Pilot.

Schon früh machte Mey Musik: Mit zwölf Jahren bekam er 1955 seine erste Klavierstunde, mit 14 eine Gitarre. Er brachte sich auch Trompete bei. In der Schulzeit spielte er mit Freunden Skiffle-Musik, einer einfachen, vom Jazz und Folk beeinflussten Musikform. 1961 gründete er mit Wolfgang „Schobert“ Schulz und Christian Pechner die Gruppe Les Trois Affamés. Sein erstes Chanson Ich wollte wie Orpheus singen erschien 1964. Im selben Jahr trat er beim Festival Chanson Folklore International auf der Burg Waldeck auf, wo er 1966 Hannes Wader kennenlernte.

Durchbruch, Alben und Konzerte

1967 trat Mey für Deutschland beim Knokke-Festival in Belgien an. Dadurch bekam er seinen ersten französischen Plattenvertrag. Im selben Jahr erhielt er auch in Deutschland einen Plattenvertrag bei Intercord. Zunächst blieb der große Erfolg aus; Mey spielte in Studentenlokalen, Kellern, Kneipen und kleineren Sälen. Erst 1971 erreichte er mit der Doppel-LP Reinhard Mey live und dem Lied Der Mörder ist immer der Gärtner ein breites Publikum. Die Doppel-LP verkaufte sich bis Oktober 1971 rund 250.000-mal.

Seinen größten frühen Erfolg hatte Mey mit der LP Mein achtel Lorbeerblatt von 1972, auf der Gute Nacht, Freunde enthalten ist. Über den Wolken erschien 1974 zunächst als B-Seite der Single Mann aus Alemannia und wurde später eines seiner bekanntesten Lieder. Bei der ZDF-Wahl der 100 besten Lieder des Jahrhunderts erreichte Über den Wolken 2005 Platz 4.

Mey spielte bislang über 1300 Konzerte. Seine Tourneen führten ihn durch Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie nach Frankreich, Belgien und in die Niederlande. In Frankreich trat er unter seinem französischen Künstlernamen auf, unter anderem 1976 im Palais des Congrès in Paris und 1979 in der Pariser Music-Hall Bobino. 1989 durfte er nach langen Anfragen in Dresden auftreten; das Konzert fand am 11. November 1989 statt, kurz nach dem Mauerfall. Dort sang er unter anderem Über den Wolken und Gute Nacht, Freunde.

Erfolge und Werk

Mey hatte nicht nur im deutschsprachigen Raum Erfolg, sondern auch in Frankreich und den Niederlanden. In französischer Sprache erschienen sieben Frédérik-Mey-Alben und zwei Live-LPs. In französischen Schulbüchern wurden Texte von ihm abgedruckt. Auf Niederländisch erschien 1975 Als de dag van toen, eine Version von Wie vor Jahr und Tag; sie wurde seine einzige Doppel-Platin-Platte. Ein Versuch, 1970 mit One Vote for Tomorrow in Großbritannien Fuß zu fassen, blieb erfolglos.

Zwischen 1967 und 2020 veröffentlichte Mey 29 deutsche Studioalben; das erste war Ich wollte wie Orpheus singen von 1967, das bisher letzte Nach Haus von 2024. Für September 2026 wurde das 30. Studioalbum Schatzhauser angekündigt. Dazu kamen 18 deutsche Livealben, viele Sampler und Singles sowie zwei DVDs. Viermal erreichte Mey Platz eins der deutschen Albumcharts: 1972 mit Mein achtel Lorbeerblatt, 2007 mit Bunter Hund, 2013 mit dann mach’s gut und 2024 mit Nach Haus. Seine erste Goldene Schallplatte erhielt er für Ich bin aus jenem Holze von 1971. Bis 2024 schrieb und komponierte Mey mehr als 500 Songs.

Themen seiner Lieder

Meys Lieder behandeln häufig Themen aus dem Alltag und aus dem persönlichen Leben. In den 1960er und 1970er Jahren schrieb er unter anderem Liebeslieder, Lieder über das Fliegen, über den Tod, über Familie, über alltägliche Schwierigkeiten und über gesellschaftliche Zustände. Beispiele sind Und für mein Mädchen, Wie vor Jahr und Tag, Über den Wolken, Ikarus, Schade, dass du gehen musst, Diplomatenjagd, Ein Antrag auf Erteilung eines Antragformulars und Die heiße Schlacht am kalten Buffet. Mit Der Mörder ist immer der Gärtner prägte er eine bekannte Formulierung.

Politische Themen spielten anfangs eher selten eine Rolle. Seit den 1990er Jahren finden sich aber häufiger gesellschaftskritische und politische Lieder auf seinen Alben. Viele davon sind pazifistisch geprägt, also auf Frieden und Gewaltlosigkeit ausgerichtet. Dazu gehören Die Waffen nieder, Sei wachsam, Das Narrenschiff, Frieden, Nein, meine Söhne geb’ ich nicht und Kai. Mit Die Kinder von Izieu erinnerte Mey an die Deportation von 44 jüdischen Kindern aus Frankreich und stellte sich gegen das Vergessen nationalsozialistischer Verbrechen. Außerdem kritisierte er in mehreren Liedern das deutsche Schulsystem, etwa in Zeugnistag und Faust in der Hand.

Ein weiteres Thema ist der Tierschutz. Mey ist Vegetarier und engagierte sich bei PETA. Seit 1992 schrieb er mehrere Lieder zu diesem Bereich, darunter Die Würde des Schweins ist unantastbar, Hasengebet, Tierpolizei, Erbarme dich, Hundgebet und Miserere mei. 2006 erschienen Tierlieder aus verschiedenen Jahrzehnten gesammelt auf dem Sampler Frei!.

Öffentlichkeit, Privatleben und Ehrungen

Mey war auch im Fernsehen präsent. Er moderierte Sendungen wie die Reinhard-Mey-Show, Chansonnade, Die Montagsmaler und von 1987 bis 1996 das Musikfestival Songs an einem Sommerabend. Von 2004 bis 2014 nahm er wieder regelmäßig an diesem Festival teil. 2024 sang er mit Helene Fischer im Duett das Lied Wir.

Privat war Mey von 1967 bis 1976 mit der Französin Christine verheiratet. Seit 1977 ist er mit Hella Mey verheiratet und lebt in Berlin-Frohnau. Aus dieser Ehe stammen die Söhne Frederik und Maximilian sowie die Tochter Victoria-Luise Mey. Maximilian starb im Mai 2014 nach etwa fünf Jahren im Wachkoma im Alter von 32 Jahren. Meys Tochter Victoria-Luise sang auf mehreren Alben Duette mit ihm.

Ein wichtiges privates Motiv ist die Fliegerei. Mey erwarb 1973 die Privatpilotenlizenz für Motorflugzeuge und später weitere Flugberechtigungen. Diese Leidenschaft erscheint auch in Liedern wie Über den Wolken, Lilienthals Traum und Golf November. Außerdem engagierte er sich 2000 als „Bootschafter“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.

Mey erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehören der Prix International de la Chanson française 1968, die Goldene Europa 1971, 1973 und 1994, das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1983, der Verdienstorden des Landes Berlin 1987, der ECHO Pop für das Lebenswerk 1992, der Deutsche Kleinkunstpreis 1994, das Verdienstkreuz 1. Klasse 2001, die Goldene Europa für das Lebenswerk 2002 und der Deutsche Musikautorenpreis 2011 in der Kategorie Text/Liedermacher.

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