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Negation (Grammatik)
Eine enge Verbindung sieht man zum Beispiel bei der Negation im Französischen, die am Anfang der Klitik-Gruppe vor dem Verb steht: Je ne l'ai pas vu. ich …
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Grundidee und Bedeutung
Negation ist in der Grammatik – wie zunächst auch in der Logik – eine Operation, die die Bedeutung eines Ausdrucks in die entgegengesetzte Bedeutung überführt. Dazu dient ein Negationselement, auch Negator oder Negationsträger genannt. Der deutsche Negator „nicht“ kann beispielsweise auf „einschlafen“ angewandt werden; daraus entsteht „nicht einschlafen“. Sowohl der ganze entstandene Ausdruck als auch manchmal der Negator selbst können als Negation bezeichnet werden. In der aristotelischen Tradition heißt die Negation auch Apophasis.
In der Sprachwissenschaft ist Negation ein grammatisch-semantischer Begriff: Sie betrifft also Form und Bedeutung sprachlicher Ausdrücke. Davon wird Verneinung im engeren Sinn unterschieden. Verneinung ist die sprachliche Handlung, die durch das Äußern einer Negation entsteht, und gehört damit zur Pragmatik, also zur Verwendung von Sprache in einer Gesprächssituation.
Wichtig ist besonders die Satznegation, die einen Aussagesatz insgesamt verneint. Anders als in der Logik ist der Negator in natürlichen Sprachen meist nicht einfach vor einen ganzen Satz gesetzt. Er ist häufig tief in den Satz eingebettet oder mit anderen Wörtern verbunden. So ist „Ich habe niemanden gesehen“ die Negation von „Ich habe jemanden gesehen“: „niemand“ ist wie „jemand“ ein Indefinitpronomen, enthält aber zugleich eine Negation.
Verneinungen sind vor allem dann informativ, wenn sie Erwartungen oder Voraussetzungen widersprechen. Daher verbindet sich ein Negator oft direkt mit dem Satzteil, der neue Information liefert. Für die richtige Deutung können Wortstellung, Betonung und Fokussierung wichtig sein. Außerdem kann eine Negation im Wirkungsbereich eines anderen Satzteils stehen, also diesem logisch untergeordnet sein.
Inhaltliche Formen der Negation
Unterschieden werden Satznegation, Negation eines Satzteils innerhalb eines sonst nicht verneinten Hauptsatzes, metasprachliche Negation und lexikalische Negation. Die Satznegation entspricht dem logischen Negationsoperator für Aussagen: Sie lässt sich oft mit „Es ist nicht der Fall, dass ...“ oder „Es ist nicht so, dass ...“ umschreiben.
Beispiele:
- „Otto hat die Schere nicht in den Müll geworfen.“ = „Es ist nicht der Fall, dass Otto die Schere in den Müll geworfen hat.“
- „Kinder unter 12 Jahren benötigen keinen Fahrschein.“ = „Es ist nicht so, dass Kinder unter 12 Jahren einen Fahrschein benötigen.“
Die oft abgegrenzte Satzteilnegation, auch Sondernegation, ist offenbar kein völlig anderer Negationstyp. Sie kann durch das Zusammenspiel von Negation und Fokus erklärt werden. In „Offenbar hat nicht OTTO die Schere in den Müll geworfen, sondern Oskar“ wird „Otto“ kontrastiv betont. Dennoch bleibt die Aussage sinngemäß eine Satznegation: Es ist nicht so, dass Otto die Schere in den Müll geworfen hat. Ebenso wird in „Otto hat die Schere glücklicherweise nicht in den MÜLL geworfen, sondern in die SCHUBlade gelegt“ die Alternative zum Müll durch Betonung und den „sondern“-Satz hervorgehoben.
Grammatische Wirkungen können Satznegation und Satzteilnegation unterscheiden. Im Englischen löst eine vorangestellte Satznegation Inversion aus, also die Stellung des Hilfsverbs vor dem Subjekt: „With no job will I be happy.“ bedeutet „Es gibt keinen Job, mit dem ich glücklich sein würde.“ Dagegen bedeutet „With no job, I will be happy.“: „Ohne Job werde ich glücklich sein.“ Im zweiten Satz wird der Ausdruck nicht als Negation des ganzen Hauptsatzes verstanden. Bei Satzteilnegation kann die Negation tiefer eingebettet sein als das Hauptprädikat, etwa in einem gedanklichen Nebensatz: „Wenn es nicht so ist, dass ich einen Job habe, dann ...“.
Lexikalische und metasprachliche Negation
Lexikalische Negation, auch Wort-Negation oder morphologische Negation, bildet Gegensätze zu Begriffen. „Für Nichtmitglieder ist die Teilnahmegebühr höher“ besagt, dass es Personen gibt, für die die Gebühr höher ist, und dass diese Personen nicht zur Bedeutung von „Mitglieder“ gehören. Das unterscheidet sich von „Kinder unter 12 Jahren benötigen keinen Fahrschein“: Dieser Satz sagt nicht, dass es Dinge gibt, die Kinder brauchen, sondern verneint den gesamten Sachverhalt.
„Nicht-Mitglieder“ ist eine kontradiktorische Negation. Sie umfasst den gesamten Rest außerhalb der Bedeutung von „Mitglieder“, also das mathematische Komplement der Mitgliedermenge. Auch Satznegation ist kontradiktorisch: Es besteht ein Entweder-Oder zwischen wahr und falsch. Lexikalische Negation kann aber auch ein konträres Gegenteil bezeichnen, also das entgegengesetzte Ende einer Skala. Bei Adjektiven geschieht dies meist mit „un-“: „unanständig“ bezeichnet, was den Anstand verletzt. Zwischen „anständig“ und „unanständig“ kann jedoch ein neutraler mittlerer Bereich liegen.
Häufige Mittel lexikalischer Negation sind Präfixe wie „un-“, „nicht-“ und „non-“ in „nonverbal“. Manche Verben mit „ent-“ können ebenfalls so beschrieben werden: „entkoppeln“ bedeutet, zu bewirken, dass etwas nicht mehr gekoppelt ist; „entsalzen“ bedeutet, zu bewirken, dass etwas nicht mehr salzhaltig ist. Bei „entnehmen“ bedeutet „ent-“ dagegen „heraus“.
Metasprachliche Negation führt nicht einfach eine negative Aussage ein. Sie korrigiert oder weist eine vorherige Formulierung zurück, ähnlich wie eine Echofrage eine Bestätigung oder Korrektur verlangt. „Ich DENKE das nicht, ich WEIẞ es!“ verlangt eine stärkere Formulierung; die schwächere Aussage „Ich denke es“ wird daher nicht im gewöhnlichen logischen Sinn verneint.
Metasprachliche Negation kann auch Präsuppositionen zurückweisen. Präsuppositionen sind Hintergrundannahmen, die erfüllt sein müssen, damit ein Satz überhaupt wahr oder falsch sein kann. „Mit dem Rauchen aufhören“ setzt voraus, dass die Person vorher geraucht hat; „der König“ setzt voraus, dass es einen König gibt. „Ich habe nicht AUFGEHÖRT zu rauchen – ich HAB nie geraucht“ weist die erste Voraussetzung zurück. „Der König der Schweiz IST nicht KAHLKÖPFIG – die Schweiz HAT gar keinen König!“ weist die Existenzvoraussetzung zurück.
Negatoren ohne inhaltliche Negation
Bedeutungsleere oder expletive Negatoren gehören nicht zu den inhaltlichen Negationstypen. Ein sichtbares „nicht“ trägt hier nicht die gewöhnliche negative Bedeutung. Solche Verwendungen waren im älteren Deutsch häufiger und kommen heute gelegentlich nach Konjunktionen wie „bis“, „bevor“ oder „ohne dass“ vor.
„Ich lasse dich nicht fort, bevor du nicht unterschrieben hast“ kann bedeuten: „... bevor du unterschrieben hast“ oder „... solange du nicht unterschrieben hast“. Auch „Wo schon kann eine Regierung an ihrem Profil schnitzen, ohne dass nicht auch von Geld die Rede ist?“ bedeutet: „... ohne dass von Geld die Rede ist“.
Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Form „Er ist der Erste gewesen, welcher gezeiget, dass man mehr könnte auf der Lauten machen, als man sonsten nicht geglaubet“ wäre im heutigen Deutsch nicht möglich. Gemeint ist: „... dass man auf der Laute mehr machen könnte, als man sonst geglaubt hatte.“
Grammatische Ausdrucksmittel
Sprachen können Satznegation auf unterschiedliche Weise ausdrücken. Es besteht aber die Tendenz, dass das Verb eine starke Anziehungskraft auf die Negation ausübt. Negationselemente stehen daher oft nahe beim Verb oder sind in ein Verb beziehungsweise Hilfsverb integriert. Eine weitere wichtige Gruppe sind Indefinitpronomen und im Deutschen der indefinite Artikel „kein“.
Im Deutschen ist „nicht“ das direkteste Mittel der Negation. Es wird als Partikel klassifiziert, weil es im deutschen Verbzweitsatz nicht ins Vorfeld verschoben werden kann. Verstärkende Formen sind „keinesfalls“, „keineswegs“ und „ebensowenig“; sie sind Adverbien. Sprachvergleichend stehen Negationspartikeln häufig eng vor dem Verb. Im Französischen lautet ein Beispiel „Je ne l’ai pas vu“: „Ich habe ihn nicht gesehen.“
Auch ein scheinbar satzendständiges deutsches „nicht“ steht vor der Grundposition des Verbs, der rechten Satzklammer. Dies zeigen Varianten wie „... dass die Kinder wahrscheinlich nicht schlafen können werden“, „Die Kinder werden wahrscheinlich nicht schlafen können“, „Die Kinder können wahrscheinlich nicht schlafen“ und „Die Kinder schlafen wahrscheinlich nicht“.
Negation kann als Affix im Verb vorkommen. Im Arabischen heißt „fiih biira hina“ „Es gibt hier Bier“, während „mafiish biira hina“ „Es gibt hier kein Bier“ bedeutet. Finnisch verwendet ein selbstständiges negierendes Hilfsverb: „laulan“ bedeutet „Ich singe“, „en laula“ bedeutet „Ich singe nicht“.
„Kein“ kann Satznegation ausdrücken, etwa in „Kinder brauchen keinen Fahrschein“. Negative Indefinita verbinden Negation mit Quantifikation, also einer Aussage über das Vorhandensein von Dingen, Personen, Zeiten oder Orten. Deutsche Beispiele sind „nichts“, „niemand“, „nie“ und „nirgends“. Sie sagen jeweils, dass es keine Sache, keine Person, keine Zeit oder keinen Ort gibt, für den ein Sachverhalt gilt. „Ich habe niemanden gesehen“ bedeutet: Es gibt keine Person x, derart dass ich x gesehen habe; gleichbedeutend: Es ist nicht der Fall, dass es eine Person x gibt, derart dass ich x gesehen habe.