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Indefinitpronomen

In der Grammatik bilden Indefinitpronomen (auch -pronomina; deutsch: unbestimmte Fürwörter) eine Untergruppe der Pronomen. Sie werden in derselben Bedeutung …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktion
  2. 2. Abgrenzung zu ähnlichen Wortarten
  3. 3. Deutsche Indefinitpronomen im engeren Sinne
  4. 4. Weitere deutsche Formen
  5. 5. Indefinitpronomen in anderen Sprachen

Begriff und Funktion

Indefinitpronomen, auch unbestimmte Fürwörter oder kurz Indefinita genannt, sind eine Untergruppe der Pronomen. Ihre Funktion ähnelt meist der einer Nominalphrase mit unbestimmtem Artikel, allerdings führen sie keine zusätzliche Beschreibung ein. Sie verweisen auf Individuen, deren Identität nicht näher bestimmt ist, etwa jemand, oder machen Angaben über eine unbestimmte Anzahl beziehungsweise über die Existenz von Individuen. Diese Mengen- oder Existenzaussage heißt Quantifikation; Beispiele sind niemand, mancher und jeder.

Indefinitpronomen können grammatisch im Singular oder Plural stehen, auch wenn die tatsächliche Anzahl der bezeichneten Individuen davon abweicht. So bezeichnen keiner im Singular und keine im Plural beide die Anzahl Null; ebenso können jeder im Singular und alle im Plural vergleichbare Verallgemeinerungen ausdrücken. Manche Indefinitpronomen werden nach dem Genus, also dem grammatischen Geschlecht, gebeugt. Andere erscheinen häufig in Verbindung mit maskulinen Formen, etwa „jemand, der so etwas schreibt“. Dieses grammatische Maskulinum muss nicht mit dem natürlichen Geschlecht der gemeinten Person übereinstimmen.

Abgrenzung zu ähnlichen Wortarten

Anders als Personalpronomen und generalisierende Pronomen wie man können Indefinitpronomen keine referenzielle Identität herstellen. Das bedeutet: Wiederholungen eines Indefinitpronomens beziehen sich nicht automatisch auf dasselbe Individuum. In „Sie weiß, was sie will“ haben beide Vorkommen von sie denselben Referenten. Das gilt auch für man in „Man weiß, was man will“. Dagegen bezeichnet das zweite jemand in „Jemand weiß, was jemand will“ nicht dieselbe Person wie das erste.

Von Indefinitpronomen zu unterscheiden sind indefinite Adverbien wie irgendwo, irgendwie und irgendwann. Pronomen können wie Substantive Merkmale wie Kasus, Numerus und Genus tragen. Die genannten Wörter sind dagegen Adverbien, ebenso wie die Grundformen wo, wie und wann. Ihr indefiniter Charakter lässt sich durch Umschreibungen mit Indefinitpronomen zeigen: irgendwo bedeutet „an irgendeiner Stelle“, irgendwie „auf irgendeine Weise“ und irgendwann „zu irgendeiner Zeit“.

Deutsche Indefinitpronomen im engeren Sinne

Je nach grammatischer Schule wird die Klasse der deutschen Indefinitpronomen enger oder weiter gefasst. Für Indefinitpronomen im engeren Sinne ist kennzeichnend, dass ihre unspezifische Grundbedeutung durch das Präfix irgend- verstärkt werden kann. In der Standardsprache stehen für Belebtes, also animat, (irgend)jemand und für Unbelebtes, also inanimat, (irgend)etwas. Im Plural wird (irgend)welche verwendet. Umgangssprachliche Formen sind (irgend)wer, (irgend)was sowie (irgend)einer, (irgend)eine und (irgend)ein. Dabei gibt es häufig keine besondere feminine Form.

Eine Ausnahme bilden wer auch immer und was auch immer. Sie dienen als indefinite Relativpronomen nur in einem untergeordneten Nebensatz. Die Formen unterscheiden ebenfalls zwischen Belebtem und Unbelebtem.

Die Form ein- kann je nach Zusammenhang verschiedenen Wortarten angehören. In „Eines der Autos parkt falsch“ ist Eines ein Indefinitpronomen. In „Ein Auto parkt falsch“ ist Ein ein Zahlwort, und in „Er hat sie in einem Auto wegfahren sehen“ ist einem ein unbestimmter Artikel.

Einige substantivisch gebrauchte Indefinitpronomen weisen Merkmale generischer Maskulina auf. Obwohl sie selbst kein Genus haben, verlangen die Kongruenzregeln häufig maskuline Personal- oder Relativpronomen. Dazu gehören wer beziehungsweise irgendwer; jeder, jedweder, jeglicher und jedermann; keiner und mancher; außerdem meinesgleichen, deinesgleichen und ähnliche Formen sowie unsereiner. Beispiele sind „Jeder, der mitmacht, ist willkommen“ und „Sie kennt keinen, mit dem sie tauschen möchte.“ Für jemand und niemand nennt die Duden-Grammatik neben dem generisch maskulinen auch einen femininen Gebrauch: „Sie ist jemand, der/die nicht so schnell aufgibt“ und „Die Nachbarin ist niemand, mit dem/der ich reden kann.“ Das generalisierende Pronomen man zeigt ein vergleichbares Verhalten.

Weitere deutsche Formen

In einer weiteren, je nach Grammatik unterschiedlichen Auffassung werden auch Pronomen zu den Indefinitpronomen gerechnet, die vor allem Mengenverhältnisse ausdrücken und deshalb ebenfalls keine referenzielle Identität herstellen. Zu den genannten Frequenzpronomen gehören kein-, manch- und niemand sowie jed-, jedwed- und jedermann. Für zählbare Mengen stehen die Pluralpronomen einige, ein paar, etliche, das veraltete etwelche, mehrere, viele und wenige. Weitere Pluralformen sind alle, allesamt, beide und sämtliche. Als Singularformen werden ein bisschen, nichts, viel und (ein) wenig sowie alles und beides genannt. Diese erweiterte Einordnung ist im Artikel als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.

Manche dieser Wörter können auch als Substantive verstanden und deshalb großgeschrieben werden, etwa die Vielen in „Sie kümmerte sich nicht um die Vielen, die anderer Meinung waren“ oder die Eine in „Er wartete immer noch auf die Eine, die ihn glücklich machen sollte.“

Einen Sonderfall bilden so jemand, so etwas, solch- und Formen auf -gleichen wie meinesgleichen. Sie sind einerseits deiktisch, das heißt, ihre Bedeutung hängt von einer Zeige- oder Verweissituation ab. Andererseits beziehen sie sich nicht auf einen einzelnen Referenten aus dem Kontext, sondern auf Arten oder Typen.

Indefinitpronomen in anderen Sprachen

Zu den wichtigsten lateinischen Indefinitpronomen gehören quisquam, quicquam; ullus, -a, -um; aliqui, -qua, -quod; aliquis, aliquid; quidam, quaedam, quoddam; quivis, quaevis, quivis sowie quisque. Teilweise wird zwischen substantivischem und adjektivischem Gebrauch unterschieden.

Im Englischen werden im Singular Formen für Belebtes und Unbelebtes unterschieden. Für Belebtes stehen someone beziehungsweise somebody, anyone beziehungsweise anybody und whoever; für Unbelebtes stehen something, anything und whatever. Die zugehörigen Pluralformen sind some und any.

Die französischen Indefinitpronomen beruhen auf dem Adjektiv quelque. Im Singular wird ebenfalls zwischen Belebtem und Unbelebtem unterschieden. Für belebte Personen stehen quelqu’un im Maskulinum und quelqu’une im Femininum, für Unbelebtes quelque chose. Die Pluralformen lauten quelques-uns im Maskulinum, quelques-unes im Femininum und quelques choses für Unbelebtes.

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