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Nationalität
... Melting Pots“ (‚Schmelztiegel') mit tatsächlichen Verschmelzungen der ... ↑ Melting Pot vs Salad Bowl: Easy Definitions and Theories (englisch) als PDF.
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Grundbedeutung und Abgrenzung
Nationalität bezeichnet zunächst die Zugehörigkeit eines Menschen zu einer Ethnie und zu deren Volk, also die Volkszugehörigkeit. Davon ist die Staatsangehörigkeit zu unterscheiden: Sie ist die rechtliche Zuordnung einer Person zu einem Staat. In einem reinen Nationalstaat, von denen es nur sehr wenige gibt, kann sie sich auf eine gemeinsame Ethnie der Bürger beziehen. Ein Nationalitäten- oder Vielvölkerstaat umfasst dagegen mehrere Nationalitäten beziehungsweise Volksgruppen.
Ebenfalls unabhängig davon ist die nationale Identität. Sie beschreibt, welcher Gemeinschaft sich ein Mensch zugehörig fühlt oder mit welcher er sich identifiziert, etwa mit einem Staat oder einer Sprach- und Kulturgemeinschaft. Staaten können sich als Nation verstehen, obwohl ihre Bevölkerung keine gemeinsame Ethnie bildet; dies kann auch dem Ziel dienen, das Gemeinschaftsgefühl der Bürger zu stärken.
Nationalität als ethnische Zugehörigkeit
In Deutschland war „Nationalität“ im Unterschied zu nationality im englischen Sprachgebrauch kein Rechtsbegriff, sondern ein ethnisch-sozialer Begriff. Sie wurde nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit gleichgesetzt. In der DDR konnte eine Person beispielsweise Staatsbürger der DDR und zugleich deutscher oder sorbischer Nationalität sein.
Nach der in der DDR verwendeten Umschreibung umfasst Nationalität ethnische Eigenschaften, Züge und Merkmale einer Bevölkerung, etwa Herkunft, Sprache, Lebensgewohnheiten und Traditionen. Sie ist damit enger als der Begriff Nation: Nationalität ist nur eine Komponente der Nation, während Nation die Gesamtheit der Faktoren einschließlich des Ethnischen umfasst.
Auch in der Sowjetunion enthielten Inlandsausweise Angaben wie russisch, armenisch, georgisch oder tatarisch zur Nationalität. Im Verständnis des Ostblocks konnten Volksgruppen in Mehrnationalitätenstaaten entweder den Status einer souveränen Nation oder den einer nationalen Minderheit haben. In postkommunistischen Staaten wird bis heute teilweise zwischen Staatsbürgerschaft und Nationalität unterschieden und beides in amtlichen Dokumenten vermerkt.
Unterscheidungen in Russland und China
In Vielvölkerstaaten wie Russland und der Volksrepublik China wird sprachlich zwischen Staatsbürgerschaft und ethnischer Nationalität unterschieden. Rossijanin („Russländer“) meint alle Staatsbürger der Russischen Föderation unabhängig von ihrer Ethnie. Russkij beziehungsweise russkie bezeichnet dagegen ausschließlich ethnische (Groß-)Russen.
In China heißen chinesische Staatsbürger Zhōngguóren („Mensch aus den Mittellanden“ beziehungsweise „Menschen aus dem Reich der Mitte“). Die dominanten Han-Chinesen werden als Hànrén, „Menschen des Han-Volkes“, bezeichnet. Erst in jüngerer Geschichte wird versucht, eine übergeordnete chinesische Nationalität, Zhōnghuá Mínzú, auszuprägen.
Nationalität als Staatszugehörigkeit und politische Nation
Nationalität kann auch die Zugehörigkeit zu einem als Nation definierten Nationalstaat meinen. In diesem Gebrauch sind Nationalität (englisch nationality, französisch nationalité) und Staatsangehörigkeit oder Staatsbürgerschaft Synonyme; Staatsbürgerschaft wird dabei besonders im innerstaatlichen Recht Westeuropas verwendet. Die Annahme, ein Nationalstaat werde mehrheitlich von Menschen gleicher Nationalität im ethnischen Sinn bewohnt, ist nach dem Artikel häufig falsch.
In den USA und Kanada wird trotz unterschiedlicher ethnischer Herkünfte und fehlender Mehrheitsethnie von amerikanischer beziehungsweise kanadischer Nationalität gesprochen. Dort wird Nation als Ergebnis politischer und verfassungsmäßiger Entwicklungen verstanden. Dolf Sternberger bezeichnete dieses Verständnis, bezogen auf Deutschland, als Verfassungspatriotismus. Ein verwandtes Konzept ist die Willensnation, etwa die Schweiz: Sie besitzt keine einheitliche Sprache oder Religion, versteht sich aber als Nation.
Ein Vielvölkerstaat beruht auf mehreren Volkszugehörigkeiten und hat mehrere größere sprachlich, ethnisch oder religiös unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Umstritten ist, ob langes Zusammenleben und eine gemeinsame Landessprache in Ländern wie den USA oder Kanada neue ethnische Gruppen hervorbringen. Dafür stehen die gegensätzlichen Bilder des „Melting Pots“ mit tatsächlicher Verschmelzung und der „Salad Bowl“ mit nebeneinander lebenden, aber nicht ineinander übergehenden Individuen.