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National Rifle Association
Die National Rifle Association („Nationale Gewehr-Vereinigung“), kurz NRA, wurde 1871 in den USA als Organisation für das Sportschießen und Training an …
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Kernprofil und Ziele
Die National Rifle Association (NRA) ist eine US-amerikanische Organisation für Sportschießen, Schusswaffentraining und politische Interessenvertretung. William Conant Church und George Wood Wingate gründeten sie am 17. November 1871 im Bundesstaat New York. Ihr Rechtssitz ist New York City, ihre Hauptverwaltung liegt im Fairfax County in Virginia. Seit 1977 wirkt sie vor allem als Waffenlobby und beeinflusst politische Wahlen und Gesetzgebung finanziell sowie durch Öffentlichkeitsarbeit.
Die NRA erklärt die Verteidigung der Verfassung der Vereinigten Staaten, besonders des 2. Zusatzartikels, zu ihrem Hauptziel. Sie deutet ihn als garantiertes individuelles Recht aller US-Bürger auf Erwerb, Besitz, Tragen, Transport, Weitergabe und legitimen Gebrauch von Waffen. Dieses Recht soll nach ihrer Auffassung der Selbstverteidigung, dem Schutz von Familie und Eigentum sowie dem Dienst in einer Miliz zur Verteidigung der Republik und der individuellen Freiheit dienen.
Daraus leitet die NRA ihre Opposition gegen fast jede gesetzliche Waffenkontrolle ab. Sie bekämpft insbesondere Lizenzen, Registrierung und Wartefristen beim Waffenkauf, Verbote halbautomatischer Schusswaffen und Begrenzungen der Kapazität von Waffenmagazinen. Sie beansprucht, nicht nur ihre Mitglieder, sondern alle Jäger und Schusswaffenbesitzer der USA zu vertreten.
Mitglieder, Führung und Finanzierung
Die Mitgliederzahl entwickelte sich unterschiedlich: 2010 gehörten 9900 Schützenvereine und 51 Vereinigungen zur NRA; 2013 erreichte sie fünf Millionen eingetragene Mitglieder, bis 2023 sank die Zahl auf 4,3 Millionen. Für 2023 werden außerdem 10.700 Vereinigungen und ein Umsatz von 175.677.097 US-Dollar genannt.
Bei der steuerrechtlichen Einordnung enthält der Artikel unterschiedliche Angaben: In den Grunddaten erscheint die NRA als Organisation nach § 501(c)(3), im Abschnitt zur Struktur als steuerbefreite gemeinnützige Körperschaft nach § 501(c)(4) des United States Code.
Der Vorstand besteht aus 75 Personen. Jährlich stehen 25 von ihnen zur Ab- oder Wiederwahl. Wahlberechtigt sind feste Mitglieder mit mindestens fünfjähriger Mitgliedschaft. Anfang der 1990er Jahre beteiligten sich etwa 140.000 von 2,6 Millionen Mitgliedern, also rund 4 Prozent, an diesen Wahlen. Kandidaten, die zu Kompromissen bei der Waffenkontrolle bereit waren, hatten gewöhnlich geringe Wahlchancen.
Das Jahrestreffen von Cincinnati 1977 veränderte die Machtstruktur grundlegend: Die Mitgliederversammlung ersetzte vorgeschlagene Kandidaten, löste das bisherige Management Committee auf und stattete den Executive Vice President (EVP) mit exekutiven Vollmachten aus. Seit einer späteren Satzungsänderung wählt wieder der Vorstand den EVP. Die politische Lobbyarbeit übernimmt vor allem das 1975 gegründete Institute for Legislative Action (ILA). Präsidenten werden seit 2003 für ein Jahr gewählt und dürfen höchstens ein weiteres Jahr amtieren; ihre Funktion ist im Gegensatz zu der des EVP und des ILA-Direktors hauptsächlich repräsentativ. Charles L. Cotton ist seit 2021 Präsident.
Weitere Unterorganisationen sind die NRA Foundation, Friends of the NRA und der Political Victory Fund (PVF), der Wahlkampfausgaben finanziert. Beiträge, Spendenaufrufe, Anzeigen und Zahlungen aus der Waffenbranche bildeten wichtige Einnahmequellen. 1994 nahm die NRA 70 Millionen US-Dollar ein. Von 1988 bis 1994 erhielt der PVF durch zweckgebundene Mitgliederspenden mehr als 16,5 Millionen Dollar. 1993/94 entfiel mehr als ein Drittel aller parteiunabhängigen Wahlkampfgelder auf die NRA; damals galt sie als größte und effektivste Lobbygruppe der USA.
Ausbildung, Jugendarbeit und Medien
Die NRA bietet zielgruppenspezifische Kurse für Kinder, Jugendliche, Frauen, Lehrkräfte, Jäger, Polizei-, Justiz- und Militärangehörige an. Seit 1903 organisiert sie Schießwettbewerbe für Jugendliche, seit 1949 Jägertrainings und seit 1960 Programme für Polizisten. In einigen Bundesstaaten müssen Jäger an NRA-Kursen teilnehmen. Um 2010 trainierten 55.000 zertifizierte Ausbilder ungefähr 750.000 Waffenbesitzer; 10.000 Angehörige der Strafverfolgungsbehörden besaßen ein NRA-Zertifikat als Schusswaffenausbilder. 2012 nutzten jährlich bis zu eine Million Jugendliche die Kursangebote. Für Frauen gab es das Programm „Refuse to be a Victim“.
Seit 1988 richtet sich das Programm mit dem Maskottchen Eddie Eagle an Kinder vom Vorschulalter bis zur sechsten Klasse. Es soll ihnen vorsichtiges Verhalten gegenüber Schusswaffen vermitteln und Unfälle verhindern. Kritiker sehen darin Werbung für die Waffenindustrie und eine Förderung der Waffenkultur. Sie beanstanden außerdem, dass das Programm Kindern Verantwortung übertrage, statt Erwachsene zur unzugänglichen Aufbewahrung von Waffen zu verpflichten. Gleichzeitig bekämpft die NRA gesetzliche Einschränkungen des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zu Waffen.
Zu ihren Publikationen gehören unter anderem American Rifleman, American Hunter, Shooting Illustrated, America’s 1st Freedom, Shooting Sports USA und NRA Family. Bis Juni 2019 betrieb sie außerdem die Online-Fernsehplattform NRATV. Deren tägliche Nachrichtensendung argumentierte auch nach Naturkatastrophen für einen unregulierten Zugang zu Schusswaffen als Mittel des persönlichen Schutzes.
Vom Schützenverein zur politischen Lobby
Die Gründer waren ehemalige Offiziere des Sezessionskriegs von 1861 bis 1865. Nach dem Vorbild der britischen NRA wollten sie die Treffsicherheit von Milizreservisten und Zivilisten verbessern, den Schießsport fördern und die Kriegsbereitschaft erhalten. 1872 gab die Regierung New Yorks 25.000 US-Dollar zum Kauf eines Schießplatzes auf Long Island. Dort fand 1874 vor etwa 8000 Zuschauern der erste NRA-Schießwettbewerb zwischen US-Milizangehörigen und irischen Schützen statt. Nachdem staatliche Hilfen endeten und die NRA ihren Platz abgeben musste, gründete sie sich 1901 neu als nationale, von einzelnen Bundesstaaten unabhängige Bürgerorganisation.
Im frühen 20. Jahrhundert arbeitete sie eng mit Staat und Militär zusammen. Der Kongress förderte ihre Wettbewerbe und das zivile Waffentraining. Ein Gesetz von 1916 stellte dafür 300.000 US-Dollar bereit. Bis 1939 überließ die US-Armee den NRA-Vereinen 200.000 Waffen. Beim National Fire Arms Act von 1934 erreichte eine Briefkampagne der NRA einen Kompromiss ohne allgemeine polizeiliche Hintergrundchecks. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Organisation viele ehemalige Soldaten auf und entwickelte sich zunehmend von einer regierungsnahen Trainingsorganisation zur Interessenvertretung ziviler Waffenbesitzer.
Der Gun Control Act von 1968 verbot unter anderem den Waffenverkauf per Fernbestellung und über Staatsgrenzen hinweg, beschränkte Importe, setzte das Mindestalter auf 21 Jahre und führte eine Prüfung der Kaufberechtigung per Fragebogen ein. Die damalige Führung akzeptierte Kontrollen, stieß damit aber auf den Widerstand einer jüngeren Gruppe um Harlon Carter. 1975 gründete die NRA das ILA. Beim Jahrestreffen 1977 setzte Carters Lager mehr Mitgliederrechte, einen Führungswechsel und einen kompromisslosen politischen Kurs durch. Von 1977 bis 1983 wuchs die NRA von einer Million auf 2,6 Millionen Mitglieder.
1980 unterstützte sie mit Ronald Reagan erstmals einen Präsidentschaftskandidaten. Der Firearms Owners Protection Act von 1986 lockerte anschließend mehrere Regeln des Gesetzes von 1968: Er erleichterte unter anderem private Verkäufe und Geschäfte auf Waffenshows und untersagte eine zentrale Erfassung der Waffenbesitzer. Zugleich blieben ein Verbot des bundesstaatenübergreifenden Verkaufs von Handfeuerwaffen und ein Verbot des privaten Besitzes von Maschinengewehren erhalten. Die NRA investierte 1,6 Millionen Dollar in Werbung für das Gesetz.
Später unterstützte sie vor allem republikanische Kandidaten, darunter George W. Bush und Donald Trump. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 2008 erkannte im 2. Zusatzartikel ein individuelles Recht auf Waffenbesitz und -tragen. Die NRA förderte danach Gesetze zum verdeckten Tragen, zur bewaffneten Selbstverteidigung und zum Schutz von Herstellern vor Haftungsansprüchen. Von 1998 bis Anfang 2018 spendete sie mindestens 4,1 Millionen US-Dollar an Kongressabgeordnete; ihre jährlichen Lobbyausgaben stiegen von 1,67 Millionen Dollar 2008 auf 5,12 Millionen Dollar 2017.
Waffenindustrie und politische Konflikte
NRA-Jahrestreffen dienen internationalen Waffenherstellern als Werbe- und Verkaufsplattform. Als wichtiger Lobbyerfolg gilt ein Gesetz von 2005, das Hersteller von der Haftung für den missbräuchlichen Einsatz ihrer Waffen freistellte. Ebenfalls 2005 begann ein besonderes Spendenprogramm für Waffenhersteller. In den folgenden Jahren nahm die Bedeutung von Mitgliedsbeiträgen und Kleinspenden ab, während die direkte Unterstützung großer Hersteller zunahm.
Nach Amokläufen wie 2007 an der Virginia Tech und 2012 an der Sandy Hook Elementary School verlangte die NRA weitere Lockerungen. Waffenverbote in Schulen, Universitäten, Kinos und Krankenhäusern sollten aufgehoben werden, damit gesetzestreue Bürger sich bewaffnet verteidigen könnten. Wayne LaPierre forderte im Dezember 2012 bewaffnete Schulwächter und die Erlaubnis für Lehrkräfte, im Unterricht Waffen zu tragen.
Präsident Barack Obama schlug 2013 dagegen ein Verbot automatischer und halbautomatischer Schusswaffen, eine Begrenzung von Magazinen auf 10 Patronen, Hintergrundchecks für alle Käufer und Fördermittel zur Untersuchung psychisch Kranker vor; zudem erließ er 23 Exekutivanordnungen. Die NRA lehnte seine Vorschläge ab. Initiativen zum Verbot halbautomatischer Gewehre und zur Magazinbegrenzung kamen nicht zur Abstimmung. Ein parteiübergreifender Entwurf für umfassendere Hintergrundchecks scheiterte am 18. April 2013 im Senat trotz 54 Ja-Stimmen an einer Sperrminorität von 46 Nein-Stimmen. Die NRA hatte Politikern bei Zustimmung mit öffentlicher Abwertung und dem Entzug von Unterstützung gedroht. Eine Gallup-Umfrage vom Oktober 2015 ergab dagegen eine repräsentative Mehrheit für strengere Waffengesetze.
Zu den Gegnern der NRA gehören unter anderem die Brady Campaign to Prevent Gun Violence, das Violence Policy Center, Mayors Against Illegal Guns und Americans for Responsible Solutions. Kritik lösten 2016 auch veränderte Kindermärchen von Amelia Hamilton aus, in denen verfügbare Waffen die Geschichten zum Guten wenden. Kritiker verwiesen darauf, dass Kinder sich und andere durch Schusswaffen verletzen oder töten können.
Betrugsprozess und gescheiterte Insolvenz
Am 6. August 2020 beantragte die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James die vollständige Auflösung der NRA und den Abtritt von Wayne LaPierre. Der Organisation und mehreren Führungspersonen werden Betrug, Korruption, Selbstbereicherung und die Veruntreuung von 64 Millionen US-Dollar vorgeworfen. Vereinsmittel sollen einen luxuriösen Lebensstil finanziert haben; ein Vertrag sollte LaPierre bei seinem Ausscheiden 17 Millionen Dollar sichern. Ein paralleles Verfahren richtete sich gegen die NRA Foundation, die ebenfalls Luxusausgaben von Führungspersonen finanziert haben soll.
Am 15. Januar 2021 beantragten die NRA und Sea Girt LLC in Dallas Gläubigerschutz nach Chapter 11. Angegeben wurden jeweils Vermögen und Verbindlichkeiten zwischen 100 und 500 Millionen Dollar. Die NRA wollte ihren Rechtssitz nach Texas verlegen und sich neu organisieren, erklärte aber, sie sei nicht bankrott und werde ihre Tätigkeit im Wesentlichen fortsetzen. Letitia James bezeichnete dies als Versuch, sich der New Yorker Aufsicht zu entziehen. Bundesrichter Harlin Hale lehnte den Antrag am 11. Mai 2021 ab, unter anderem weil die NRA damit das New Yorker Verfahren vermeiden wollte und dies nicht dem Zweck des Insolvenzrechts entspreche.
Kurz vor Prozessbeginn erklärte die NRA am 5. Januar 2024, LaPierre werde wegen „gesundheitlicher Bedenken“ zum Monatsende als Geschäftsführer zurücktreten. Seit 2021 ist die Organisation damit in ein Verfahren verwickelt, das schwere Vorwürfe gegen ihre Führung und die mögliche Auflösung der NRA betrifft.