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Befreiungskriege

Nach einem wechselhaften Kriegsverlauf wurde Napoleon im Oktober 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen. Er musste sich über den Rhein zurückziehen, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Vom Russlandfeldzug zum preußischen Aufstand
  3. 3. Die Feldzüge des Jahres 1813
  4. 4. Sturz Napoleons und Feldzug in Frankreich
  5. 5. Hundert Tage, Waterloo und Friedensordnung
  6. 6. Nationale Wirkung und historische Einordnung

Überblick und Bedeutung

Als Befreiungskriege oder Freiheitskriege werden die militärischen Auseinandersetzungen von 1813 bis 1815 bezeichnet, durch die Frankreichs Vorherrschaft unter Napoleon Bonaparte über große Teile Europas beendet wurde. Sie gehörten zum Sechsten Koalitionskrieg. Hauptgegner Frankreichs waren zunächst Russland und Preußen; später traten Großbritannien, Schweden, Österreich und weitere Staaten der Koalition bei. Der Kriegsschauplatz erstreckte sich über Mitteleuropa und schließlich bis nach Frankreich und Belgien.

Die Kämpfe endeten 1814 zunächst mit der Besetzung von Paris, Napoleons Abdankung und dem Ersten Pariser Frieden. Nach seiner Rückkehr 1815 wurde Napoleon bei Waterloo endgültig geschlagen. Insgesamt standen laut Übersicht etwa 860.000 alliierte Soldaten rund 700.000 Soldaten Frankreichs und seiner Verbündeten gegenüber. Die Verluste werden mit 299.000 beziehungsweise 446.000 Toten, Verwundeten und Gefangenen angegeben.

Der Krieg war zugleich ein Volks-, Staaten- und Machtkrieg. Besonders in Preußen verbanden sich Widerstand gegen die französische Herrschaft, Patriotismus und Hoffnungen auf nationale Einheit und politische Freiheit. Für die Regierungen standen dagegen dynastische Interessen, territoriale Ansprüche und die Wiederherstellung des europäischen Mächtegleichgewichts im Vordergrund. Die Hoffnungen auf einen geeinten deutschen Staat erfüllte die Friedensordnung nicht.

Vom Russlandfeldzug zum preußischen Aufstand

Ausgangspunkt war Napoleons Russlandfeldzug von 1812. Etwa ein Drittel seiner mehr als 600.000 Mann starken Invasionsarmee kam aus deutschen Staaten. Russische Abwehr, der Brand von Moskau sowie Kälte, Hunger und Krankheiten vernichteten den größten Teil der Armee. Über die Zahl der Rückkehrer bestehen unterschiedliche Angaben: Genannt werden insgesamt 100.000 Soldaten, nur 20.000 Mann der Hauptarmee oder 40.000 Mann, von denen wiederum nur ein kleiner Teil einsatzfähig war. Zar Alexander I. entschied, den Krieg bis zur Niederlage Napoleons und zur Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts fortzusetzen.

In Preußen handelte General Ludwig Yorck von Wartenburg zunächst ohne Erlaubnis König Friedrich Wilhelms III.: Mit der Konvention von Tauroggen vom 30. Dezember 1812 schloss er einen Waffenstillstand mit Russland. In Ostpreußen entstanden eine Landwehr von 20.000 Mann und eine Reserve von 10.000 Mann. Der König löste sich nur zögernd von Frankreich, führte aber am 9. Februar 1813 die allgemeine Wehrpflicht ein. Das Krümpersystem, bei dem fortlaufend kurz ausgebildete Soldaten durch neue Rekruten ersetzt wurden, ermöglichte zu Kriegsbeginn 107.000 Feldsoldaten sowie 30.000 Garnisons- und Reservetruppen.

Am 26. Februar schlossen Preußen und Russland im Vertrag von Kalisch eine Koalition. Am 17. März erklärte Preußen Frankreich den Krieg und veröffentlichte den Aufruf „An Mein Volk“. Der Appell an die Opferbereitschaft für König, Vaterland und Ehre war neu. Spenden unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ erbrachten 6,5 Millionen Taler. Auch jüdische Männer konnten erstmals eingezogen werden und beteiligten sich vielfach freiwillig; Frauen unterstützten den Krieg in etwa 600 örtlichen Vereinen.

Neben regulären Truppen entstanden Landwehr, Landsturm, Freiwillige Jäger und Freikorps wie das Lützowsche Freikorps. Insgesamt stellte Preußen in kurzer Zeit ungefähr 280.000 Mann auf, darunter etwa 120.000 Landwehrsoldaten und 30.000 Freiwillige. Die Freiwilligeneinheiten machten nur 12 % der Gesamtarmee aus. Unter den Freiwilligen waren Handwerker mit 41 % die größte Gruppe; die gebildeten Stände stellten etwa 12 %, Studenten etwa 5 %. Ausrüstung, Disziplin und Kampfkraft der Landwehr waren zunächst schwach, verbesserten sich jedoch im Kriegsverlauf.

Die Feldzüge des Jahres 1813

Im Frühjahrsfeldzug standen Russland und Preußen Napoleon zunächst zahlenmäßig gegenüber einer stärkeren Streitmacht gegenüber. Großbritannien band zugleich französische Truppen in Spanien. Russische und preußische Einheiten rückten über die Elbe vor; in mehreren norddeutschen Städten kam es zu antifranzösischen Aufständen. Am 2. April wurde im Gefecht bei Lüneburg ein französisch-sächsisches Korps geschlagen. Hamburg und Lübeck konnten jedoch später von Frankreich zurückerobert werden.

Napoleon verfügte Ende April einschließlich der Armee Eugène de Beauharnais’ über etwa 151.500 Mann, aber nur 7.800 Kavalleristen und 358 Geschütze. Die Verbündeten hatten etwa 95.000 Mann, darunter 19.000 Kavalleristen, 9.000 Kosaken und 560 Geschütze. In der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai erlitten beide Seiten hohe Verluste. Napoleon siegte am 21. und 22. Mai bei Bautzen, konnte die verbündeten Armeen wegen seiner schwachen Kavallerie aber nicht vernichten. Ihr Kampfgeist und die hohen französischen Verluste überraschten ihn. Am 4. Juni begann der sechswöchige Waffenstillstand von Pläswitz.

Während des Waffenstillstands traten Großbritannien und Schweden der Koalition bei. Österreich wechselte nach erfolglosen Vermittlungsversuchen ebenfalls die Seite und erklärte Frankreich am 11. August den Krieg. Metternich wollte den nationalen Volkskrieg in einen begrenzten Krieg der Regierungen verwandeln, Frankreich als europäische Großmacht erhalten und sowohl eine russische Vorherrschaft als auch deutsche und italienische Nationalstaaten verhindern. In den Verträgen von Teplitz vom 9. September vereinbarten Österreich, Preußen und Russland die Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts auf Grundlage der Grenzen von 1805.

Im Herbst standen Napoleons etwa 400.000 Feldsoldaten mehr als 500.000 alliierte Soldaten gegenüber. Die Verbündeten teilten sich in die Hauptarmee unter Karl Philipp zu Schwarzenberg, die Nordarmee unter Kronprinz Karl Johann Bernadotte und die Schlesische Armee unter Gebhard Leberecht von Blücher. Der Trachenberg-Plan regelte ihre gemeinsame Strategie. Französische Armeen wurden bei Großbeeren am 23. August, an der Katzbach am 26. August, bei Kulm am 30. August und bei Dennewitz am 6. September geschlagen. Napoleon errang am 26. und 27. August bei Dresden seinen letzten großen Sieg in Deutschland.

Bayern wechselte durch den Vertrag von Ried vom 8. Oktober auf die Seite der Alliierten; weitere Rheinbundstaaten folgten. In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober erlitt Napoleon die entscheidende Niederlage des Jahres. Frankreich verlor 60.000 bis 73.000 Mann, die Alliierten 54.000, darunter etwa 16.000 Preußen. Napoleon zog sich über den Rhein zurück, und der Rheinbund zerfiel.

Sturz Napoleons und Feldzug in Frankreich

Nach Leipzig lösten sich weitere Teile von Napoleons Herrschaftssystem. Holland und die Schweiz befreiten sich; Joachim Murat, König von Neapel und Napoleons Schwager, wechselte ebenfalls die Seite. Die Alliierten boten Napoleon im Frankfurter Memorandum Frieden auf Grundlage der „natürlichen Grenzen Frankreichs“ an. Er reagierte abwartend. Gleichzeitig nahm der Widerstand in Frankreich gegen neue Aushebungen und seine Herrschaft zu.

In der Neujahrsnacht 1813/14 überschritt Blüchers Armee bei Kaub den Rhein. Die Alliierten beschlossen, Frankreich solle alle seit 1792 gewonnenen Gebiete verlieren. In der Quadrupelallianz von Chaumont vom 4. März 1814 schlossen Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen ein zwanzigjähriges Bündnis. Es sollte unter anderem die Unabhängigkeit Deutschlands, Spaniens, der Niederlande und der Schweiz sichern.

Napoleon führte noch etwa 70.000 Mann und erzielte im Februar mehrere Siege gegen Blücher und österreichische Truppen. Der Feldzug blieb deshalb trotz der alliierten Überlegenheit schwierig. Friedensverhandlungen in Châtillon scheiterten. Nach Napoleons Niederlage bei Arcis-sur-Aube am 20. März marschierten die Schlesische und die Böhmische Armee auf Paris. Napoleons Versuch, ihre Nachschublinien abzuschneiden, kam zu spät. Am 31. März besetzten die Verbündeten die französische Hauptstadt.

Napoleon verzichtete am 11. April im Vertrag von Fontainebleau auf den Thron und erhielt Elba als Fürstentum. In Frankreich wurde unter Ludwig XVIII. die Bourbonenmonarchie wiederhergestellt. Der Erste Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 beließ Frankreich als Großmacht in den Grenzen von 1792 und gab ihm sogar besetzte Kolonien und Handelsniederlassungen zurück. Über die europäische Nachkriegsordnung sollte der Wiener Kongress entscheiden.

Hundert Tage, Waterloo und Friedensordnung

Napoleon kehrte am 1. März 1815 von Elba zurück und übernahm während der „Herrschaft der Hundert Tage“ erneut die Macht. Der Wiener Kongress erklärte ihn am 13. März für geächtet. Am 25. März erneuerten Großbritannien, Russland, Österreich und Preußen ihre Koalition und verpflichteten sich, bis zu seiner endgültigen Niederlage zu kämpfen.

Napoleon stellte trotz Widerstands gegen neue Aushebungen eine Armee von etwa 125.000 Mann auf. Wellington verfügte bei Waterloo über ungefähr 95.000 Mann, Blücher über 125.000. Napoleon wollte Briten und Preußen trennen und einzeln besiegen. Am 16. Juni schlug er die Preußen bei Ligny, während Marschall Ney Wellington bei Quatre-Bras aufhielt. Beide gegnerischen Armeen blieben jedoch handlungsfähig. Am 18. Juni griff Napoleon die Briten bei Waterloo an. Das rechtzeitige Eintreffen der Preußen führte zu seiner entscheidenden Niederlage.

Napoleon wurde nach St. Helena verbannt, die Bourbonen wurden erneut eingesetzt. Der Zweite Pariser Frieden vom 20. November 1815 gab Frankreich die Grenzen von 1790, jedoch ohne Philippeville, Mariembourg, Saarlouis und Landau; außerdem blieben Saarbrücken, Savoyen und Nizza außerhalb Frankreichs. Das Land musste 700 Millionen Francs Reparationen zahlen.

Die Friedensordnung restaurierte in vielen Ländern frühere Dynastien und ordnete Europa neu. Die Niederlande wurden mit den früheren Österreichischen Niederlanden zum Königreich der Niederlande vereinigt. Die Schweiz erhielt eine staatenbündische Verfassung sowie garantierte dauernde Neutralität. Norwegen blieb mit Schweden verbunden. Österreich gewann Venetien und die Lombardei und sicherte sich starken Einfluss in Italien. Das 1806 aufgelöste Heilige Römische Reich wurde nicht wiederhergestellt; an seine Stelle trat der Deutsche Bund als lockeres Bündnis souveräner Staaten. Damit blieb die während des Krieges verbreitete Hoffnung auf einen geeinten deutschen Verfassungsstaat unerfüllt.

Nationale Wirkung und historische Einordnung

Die Befreiungskriege förderten die Bildung eines deutschen Nationalbewusstseins. Die Vorstellung einer Kulturnation, die sich über gemeinsame Geschichte, Sprache und Literatur definiert, erreichte nun größere Bevölkerungskreise. Nationales Denken verband sich teilweise mit religiösen Vorstellungen, Franzosenfeindschaft sowie Forderungen nach Freiheitsrechten und einer Verfassung. Dennoch darf die damalige Verbreitung nationaler und frühliberaler Ideen nicht überschätzt werden: Für viele Menschen blieben die eigene Dynastie und der jeweilige Einzelstaat wichtiger.

Nach 1815 wurde der Krieg gegensätzlich gedeutet. Liberale und studentische Gruppen verstanden ihn als Freiheitskrieg von Freiwilligen und Volk; konservative Kreise betonten den Kampf regulärer Armeen und Monarchen gegen die französische Vorherrschaft. Das Wartburgfest von 1817 verband die Erinnerung an die Völkerschlacht mit Forderungen der Nationalbewegung. Schwarz-Rot-Gold knüpfte dabei bewusst an die Uniformen des Lützowschen Freikorps an. Später erinnerten Denkmäler wie die Befreiungshalle bei Kelheim und das Leipziger Völkerschlachtdenkmal an den Krieg.

Auch die Geschichtsschreibung stritt lange über den Charakter der Ereignisse: Hatte sich das Volk für Freiheit nach innen und außen erhoben, oder war der Sieg hauptsächlich das Werk verbündeter Regierungen und Armeen? In der DDR wurden die Kriege als Teil des „nationalen Erbes“ und als Beispiel deutsch-russischer Waffenbrüderschaft interpretiert. Neuere Forschung untersucht zusätzlich Nationalismus, Militär, Gesellschaft, Kultur und Geschlechterrollen. Eine umfassende moderne Gesamtdarstellung aus sozial-, kultur- und mentalitätsgeschichtlicher Sicht gilt laut Artikel weiterhin als Forschungslücke.

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