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Musik Griechenlands

In vielen Bereichen weist die griechische Volksmusik Einflüsse aus der Kirchenmusik auf, bzw. sind noch ältere Elemente, so z. B. die Pentatonik in Epirus, aus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der griechischen Musik
  2. 2. Antike und byzantinische Kirchenmusik
  3. 3. Volksmusik aus Regionen und Inseln
  4. 4. Rembetiko und Laïkó
  5. 5. Éntechno und neuere Entwicklungen
  6. 6. Kunstmusik

Grundzüge der griechischen Musik

Die Musik Griechenlands ist vielseitig und regional sehr unterschiedlich. Volksmusik besitzt einen hohen Stellenwert; auch moderne Musik ist häufig stark durch Folklore geprägt. In der Volksmusik finden sich Einflüsse der Kirchenmusik sowie ältere Elemente aus der Antike, etwa die Pentatonik in Epirus. Pentatonik bezeichnet eine Tonordnung mit fünf Tönen.

Die regionalen Stile unterscheiden sich deutlich in Melodien und verwendeten Instrumenten, haben aber Gemeinsamkeiten bei Rhythmik und Textthemen. Die Unterschiede hängen überwiegend mit geografischen Trennungen durch Wasser oder Gebirgszüge zusammen. Grundsätzlich stehen eine festländisch-mutterländische und eine kleinasiatische Musiktradition nebeneinander; die kleinasiatische enthält orientalische Elemente. Die Musik der Ägäis besitzt einen eigenen Stil und kann je nach Nähe zum Mutterland oder zu Kleinasien von beiden Traditionen beeinflusst sein.

Antike und byzantinische Kirchenmusik

Die Kirchenmusik des oströmischen byzantinischen Reiches ist ein wichtiges Bindeglied zwischen der Musik der Antike und der mittelalterlichen Musikgeschichte. Als Beispiel wird der Gregorianische Gesang in seiner Urform in Byzanz genannt. Die byzantinische Kirchenmusik prägte die Kirchenmusik osteuropäischer Länder entscheidend und lebt heute in veränderter Form in der griechischen Kirchenmusik fort.

Volksmusik aus Regionen und Inseln

Dimotiki Mousiki, auch Ellinika dimotika tragoudia, ist die traditionelle griechische Volksmusik, besonders aus ländlichen Räumen. Typische Begleitinstrumente sind Klarinette, Gitarre, Rahmentrommel mit Schellen (Defi) und Geige. Zu ihren Tanzformen gehören der chaniotische Syrto, der Reigentanz Kalamatiano, Tsamiko, Arvanitikos („Tanz der Tapferkeit“) und Chasaposerviko.

Vokalmusik umfasst unter anderem Kleften-Lieder. Sie wurden während des Partisanenkrieges gegen die osmanische Herrschaft ab 1715 von Rebellen gesungen. Ihre Themen sind meist Kampf, Tod, Treue und Verrat; dadurch sind sie häufig tragisch. Neben der Liebe bilden diese Themen bis heute ein tragendes Element griechischer Musik. Die Paradosiaka, alte Volkslieder aus Thessalien und Mittelgriechenland, werden überwiegend mit Klarinette und Violine gespielt und handeln oft vom osmanischen Joch, Krieg und Vertreibung.

Die Nisiotika, Volkslieder der Inseln, können temperamentvoll oder melancholisch sein. Vorherrschend sind Laute, Violine, das Hackbrett Santouri mit 100 bis 140 Saiten und die birnenförmige Kretische Lyra. In Nordgriechenland sind Gajda und Zurna verbreitet: Die Gajda ist ein auch in Bulgarien vorkommender Dudelsack, die Zurna ein konisches Doppelrohrblattinstrument. Die Zurna spielt meist mit der großen Trommel Daouli zusammen. Auf Inseln wird die Tsambouna gespielt, ein Dudelsack ohne Bordunpfeife, aber mit zwei Parallelspielpfeifen; auf Karpathos klassisch im Trio mit Lyra und Laute.

Bis zu den nationalsozialistischen Pogromen im Zweiten Weltkrieg bestand in Thessaloniki eine starke sephardische Musiktradition. Griechische Folklore nutzt oft Instrumente, die bereits Griechen und Perser im Altertum spielten; später übernahmen Araber und Mauren diese und übermittelten sie dem Westen. Als in deutschen Übersetzungen populär gewordene Volkslieder werden Der Eseltreiber und Kawuras, der Krebs genannt.

Rembetiko und Laïkó

Laïki Mousiki hat ihre Wurzeln im Rembetiko, der in den 1920er- und 1930er-Jahren vor allem in städtischen Subkulturen entstand. Seit den 1820er Jahren verbreiteten sich in griechisch geprägten Vierteln kleinasiatischer Städte wie Smyrna, heute Izmir, und Konstantinopel, heute Istanbul, Smyrnéïka tragoudia („Lieder im Smyrna-Stil“). Nach dem Bevölkerungsaustausch infolge der Kleinasiatischen Katastrophe entwickelten aus Kleinasien stammende Griechen, die in Städten ein Subproletariat bildeten, den klassisch-türkisch geprägten Stil weiter. Er zählt zu den Wurzeln des Rembetiko.

Typische Instrumente sind Bouzouki, Gitarre, Baglamas, Akkordeon und Geige. Rembetiko-Lieder behandeln oft Fremde, Liebe, Gefängnis, Alltag und Elend. Wegen ihrer schwermütigen Stimmung und Herkunft aus Elendsquartieren wird diese Musik häufig als „griechischer Blues“ bezeichnet. Die meisten traditionellen Lieder entstanden von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre. Im Bürgertum waren sie verpönt, bis Manos Chatzidakis und Mikis Theodorakis musikalische und thematische Elemente aufgriffen und den Stil salonfähig machten.

Laïkó löste den Rembetiko in der Mitte der 1950er-Jahre als populäre Musik ab. Lieder von Vassilis Tsitsanis erreichten bereits zu Beginn der 1950er-Jahre ein breiteres Publikum, weil sie nicht nur Probleme des Subproletariats behandelten. Dies brachte starke Stiländerungen: Interpreten wurden wichtiger, Komponisten traten zurück. Manolis Chiotis ergänzte die Bouzouki um eine Doppelsaite, führte Rhythmen wie Mambo und Rumba ein und wollte Bouzoukimusik salonfähig machen. Obwohl Musiker eigene Stile entwickelten, wurde Laïkó lange von gebildeten Kreisen nicht akzeptiert und jahrzehntelang nicht im Radio gespielt; kritisiert wurden seine apolitische Grundhaltung und türkische Ursprünge.

Éntechno und neuere Entwicklungen

Éntechno Tragoudi verbindet Elemente des Rembetiko mit westlichen Lied- und Chansonformen, bei einigen Komponisten auch mit Dimotiki Mousiki. Mikis Theodorakis und Manos Chatzidakis gelten in den 1950er-Jahren als Begründer. Viele Éntechna Tragoudia vertonen Gedichte bekannter griechischer Dichter und machten Lyrik außergewöhnlich populär. Neo kyma vermischte Éntechno und französische Chansons; Dionysis Savvopoulos verband zudem Einflüsse von Bob Dylan und Frank Zappa mit makedonischer Volksmusik und politischen Liedtexten.

Während der Militärdiktatur 1967–1974 und danach griffen Texte oft politische Themen auf, auch in versteckten Anspielungen. Künstler beteiligten sich am Widerstand gegen die Obristen; ihre Musik wirkte für die Opposition über Generationen und politische Gruppen hinweg identitätsstiftend. Die Obristen verboten die Musik von Theodorakis sowie Besitz, Singen und Hören seiner Platten und Lieder.

Seit den 1980er- und 1990er-Jahren treten vielfältige Weiterentwicklungen auf. Nikos Xydakis modernisierte Laïkó mit orientalischen Instrumenten; sein erfolgreichstes Album war Konta sti Doxa Mia Stigmi (1987, mit Eleftheria Arvanitaki). Vangelis war in diesen Jahrzehnten international besonders erfolgreich; Chariots of Fire (1981) und Conquest of Paradise (1995) wurden Welthits. Elektronische Musik kann modernen Klang mit traditionellem Gesang verbinden, etwa auf Michalis Deltas Album To chroma tis meras (2001, mit Tania Tsanaklidou). Auch Rock, Black Metal und Techno erhielten griechische Ausprägungen.

Kunstmusik

Bis ins 19. Jahrhundert fand griechische Kunstmusik in Westeuropa kaum Beachtung. Kreta besaß jedoch vor 1669 eine bedeutende Musikkultur. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts entstand auf den Ionischen Inseln die Ionische Schule. Ihre Komponisten schufen nach italienischer Tradition vor allem Vokal- und Instrumentalwerke, nutzten seit 1830 aber auch Elemente der Volks- und Populärmusik.

Dionissios Rodotheatos und Dimitris Lialios führten romantische symphonische Musik in Griechenland ein. Gegen Ende des Jahrhunderts besannen sich Komponisten nach Gründung des Athener Konservatoriums stärker auf die Volksmusiktradition. Manolis Kalomiris und Dimitri Mitropoulos etablierten eine griechische Nationale Schule. Mitropoulos war zugleich Komponist der Neuen Musik, etwa von Ostinata, Concerto Grosso und 10 Inventiones. Nikos Skalkottas war als Schüler Schönbergs der erste seriell komponierende Grieche; serielle Komposition ordnet musikalische Elemente nach festgelegten Reihen. Als bekannteste Vertreter der Neuen Musik aus Griechenland werden Theodore Antoniou und Iannis Xenakis genannt.

Auch Mikis Theodorakis und Manolis Hadjidakis, bekannt für Rembetiko beziehungsweise griechische Filmmusik, schrieben Werke für klassische Besetzungen. Zeitgenössische griechische Komponisten orientieren sich am internationalen Musikgeschehen, beziehen teilweise jedoch traditionelle Melodien und Instrumente ein.

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