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Laute
Als Laute im engeren Sinn bezeichnet man die aus der arabischen Kurzhalslaute Oud entstandene europäische Laute. Laute mit einer gerissenen Saite, Ausschnitt …
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Grundform und Bedeutung
Die Laute ist ein Zupfinstrument. Sie besitzt einen Resonanzkörper, einen angesetzten Hals und Saiten, die parallel zur Decke verlaufen. Im engeren Sinn bezeichnet der Name die europäische Laute, die aus der arabischen Kurzhalslaute Oud hervorging. Im weiteren Sinn umfasst der instrumentenkundliche Begriff Lauteninstrument eine bestimmte Gruppe von Saiteninstrumenten nach der Hornbostel-Sachs-Systematik. Wer eine Laute spielt, heißt Lautenist, seltener Lautist.
Die europäische Laute war besonders in Renaissance und Barock von großer Bedeutung. Während der Renaissance galt sie als „Königin der Instrumente“. Sie eignete sich sowohl für solistische, mehrstimmige Musik als auch zur Begleitung von Gesang und als leicht transportierbares Fundamentinstrument im Ensemble.
Aufbau und Saiten
Der charakteristische, tränenförmige Resonanzkörper heißt „Muschel“. Er wird aus mehreren gebogenen Holzspänen zusammengesetzt. Dafür verwendete man unter anderem Pflaume, Birne, Kirsche und besonders Ahorn, außerdem Blumenesche, Eibe, Palisander, Ebenholz, Schlangenholz und im 16. bis 18. Jahrhundert auch Elfenbein. Die meist aus Fichtenholz bestehende Decke wird innen durch mehrere Balken verstärkt.
Hals, Muschel und ein Holzklotz unter der Decke sind so miteinander verleimt, dass Griffbrett und Decke in einer Ebene liegen. In die Decke ist eine verzierte Schallöffnung, die Rosette oder der „Stern“, eingeschnitzt. Zwischen Rosette und unterem Deckenrand befindet sich der aufgeleimte Saitenhalter, der „Steg“ oder „Riegel“. Der Wirbelkasten am oberen Halsende ist nach hinten abgewinkelt; deshalb zählt die europäische Laute zu den Knickhalslauten.
Etwa ab 1600 entstanden Instrumente mit mehr Saiten, verlängertem Hals und einem zweiten Wirbelkasten für zusätzliche Basschöre. Diese „theorbierten Lauten“ umfassen Arciliuto, Liuto attiorbato, Theorbe, Angelica und die deutsche Barocklaute mit Schwanenhals. Arciliuto und Theorbe wurden besonders für den Generalbass verwendet, also die harmonische Bassbegleitung in der Barockmusik.
Die Saiten bestanden in Renaissance und Barock hauptsächlich aus Schafdarm. Michael Praetorius erwähnte 1618 außerdem Stahl- und Messingsaiten für Laute und Theorbe; heute werden häufig Kunststoffsaiten verwendet. Meist sind zwei zusammengehörige Saiten zu einem „Chor“ verbunden. Der höchste Chor, die Chanterelle, besteht heute gewöhnlich aus nur einer Saite. Bei Barocklauten sind oft die ersten beiden Chöre einzeln besaitet. Das tiefste Saitenpaar hieß „Groß-Brummer“.
Bis 1500 besaßen Lauten vier oder fünf Chöre, danach zunächst sechs. Ab etwa 1600 kamen Instrumente mit sieben und mehr Chören auf. Bis ungefähr 1640 stieg die Zahl auf zwölf, um 1720 auf dreizehn Chöre.
Stimmung und Spieltechnik
Die sechs- bis siebenchörige Renaissancelaute verwendet eine Terz-Quart-Stimmung. Vor 1550 lautete die übliche Intervallfolge Quart – Quart – große Terz – Quart – Quart. Eine mögliche Stimmung ist e′ – h – fis – d – A – E; für eine Tenorlaute werden beispielsweise g′ – d′ – a[is] – f – c – G – F und in Deutschland auch a′ – e′ – h – g – d – A genannt. Die absolute Tonhöhe war zunächst nicht festgelegt. Lehrwerke wie Martin Agricolas „Musica instrumentalis“ von 1528 empfahlen, die höchste Saite einfach so hoch wie möglich zu stimmen.
Im 16. Jahrhundert bestanden der vierte, fünfte und sechste Chor meist jeweils aus einem Grundton und einer eine Oktave höher klingenden Saite. Auch die ab 1600 ergänzten Basschöre waren in Oktaven gestimmt. Bei einer siebenchörigen Laute lag der siebte Chor einen Ganzton oder eine Quarte unter dem sechsten. Bei einer achtchörigen Laute lag der siebte Chor einen Ganzton und der achte eine Quarte unter dem sechsten. Bei zehn Chören wurden die Saiten ab dem sechsten Chor diatonisch absteigend angeordnet. Bei einer Laute in G lauteten die Chöre sieben bis zehn daher F – E – D – C. Die Basssaiten konnten abhängig von der Tonart eines Stückes umgestimmt werden; dieses Verfahren hieß „Abzug“.
Ab etwa 1620 erprobten französische Lautenisten wie René Mézangeau und Pierre Gaultier neue Stimmungen. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzte sich für die Barocklaute die d-Moll-Stimmung durch. Sie ist erstmals in zwei Drucken aus dem Jahr 1638 belegt: bei Ballard in Paris und bei Pierre Gaultier in Rom.
Bis ins 15. Jahrhundert schlug man die Saiten wie beim Oud mit einem Plektrum an, meist einem kräftigen Vogelfederkiel. Um 1500 entstand das Spiel mit den Fingern; Johannes Tinctoris beschrieb diese Technik erstmals 1484. Sie ermöglichte polyphones, also mehrstimmiges Spiel. Läufe wurden mit Daumen und Zeigefinger ausgeführt, Akkorde mit Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Die Finger lagen parallel zu den Saiten, während der kleine Finger auf der Decke ruhte. Diese Haltung heißt heute häufig „Daumen-innen-Technik“, weil der Daumen nach innen schlägt und sich unterhalb des Zeigefingers befindet.
Um 1600 führte die beweglichere Bassstimme der spätrenaissance- und barockzeitlichen Musik zur „Daumen-außen-Technik“. Der kleine Finger blieb auf der Decke abgestützt, doch die übrigen Finger trafen die Saiten nun nahezu im rechten Winkel. Der ausgestreckte Daumen übernahm vor allem die Basssaiten; das Handgelenk blieb dabei unbewegt.
Historische Entwicklung
Die ältesten eindeutigen Lautendarstellungen stammen vom Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. aus einem Gebiet zwischen Nordsyrien und Mesopotamien. Zwei ältere Figuren auf Siegelabrollungen aus der Akkadzeit, von der Mitte des 24. bis zur Mitte des 22. Jahrhunderts v. Chr., lassen sich dagegen nicht sicher als Lautenspieler bestimmen. Die weite Verbreitung der späteren Darstellungen im Fruchtbaren Halbmond deutet darauf hin, dass Lauteninstrumente zuvor bereits zur Kultur dortiger Nomadenvölker gehörten.
Im Alten Ägypten erschien die Laute während der Hyksoszeit, etwa 1650 bis 1550 v. Chr., und verbreitete sich von dort nach Süden. Zu den erhaltenen ägyptischen Instrumenten gehören mit Plektren gespielte Schalenspießlauten. Bei einer Spießlaute bildet ein einfacher Stiel den Saitenträger und wird durch einen Resonanzkörper aus Holz, einer Kalebasse oder etwa einem Schildkrötenpanzer gesteckt oder in ihn eingesetzt.
In den ersten Jahrhunderten n. Chr. wurden auch im indischen Raum Lauteninstrumente verwendet. Die persische Langhalslaute setar, deren Name „Dreisaiter“ bedeutet, geht möglicherweise auf altindische Vorbilder zurück. Die indische sitar gilt als spätere Entwicklung aus Langhalslauten, die seit dem 9./10. Jahrhundert auf indischen Tempelreliefs erscheinen; zugleich wird sie mit Einflüssen aus Persien und Zentralasien während der Mogulzeit verbunden. Die Oud entwickelte sich aus dem im 9. Jahrhundert in Persien verbreiteten barbat und gilt als Vorläuferin der europäischen Laute. Möglicherweise übernahmen die Chinesen aus diesem Umfeld um das 4. Jahrhundert n. Chr. die Schalenhalslaute, die heute pipa heißt.
Nach Europa gelangten Vorformen der Laute möglicherweise durch die Kreuzfahrer. Ein früherer Übertragungsweg könnte über das maurische Spanien oder das Byzantinische Reich geführt haben. In Europa erhielt das Instrument Bünde und Darmsaiten; ungefähr ab 1500 ersetzte das Spiel mit den Fingern das Plektrum.
Die ältesten erhaltenen europäischen Lauten stammen aus der Zeit um 1500. Im 17. Jahrhundert verlor das Instrument allmählich an Bedeutung. Im 18. Jahrhundert wurden Barocklaute, Mandora, Theorbe und Angélique durch andere Saiten- und Tasteninstrumente verdrängt; in der Romantik trat schließlich die Gitarre an ihre Stelle. Eine späte Weiterentwicklung, die Gitarrenlaute, war im frühen 20. Jahrhundert bei den Wandervögeln und in der Jugendmusikbewegung beliebt. Mit der Wiederentdeckung der Alten Musik wurden die verschiedenen Lautenformen im 20. Jahrhundert erneut verbreitet und als fester Bestandteil der historischen Aufführungspraxis etabliert.
Musik und Notation
Mittelalterliche Bilder zeigen die Laute gemeinsam mit Streichinstrumenten und Harfe. Die schriftliche Überlieferung eigenständiger Lautenmusik beginnt unter anderem mit Francesco Spinacinos 1507 in Venedig erschienener „Intabulatura de Lauto“. Sie enthält neben Übertragungen von Vokalmusik und instrumentaler Tanzmusik bereits eigens komponierte Solostücke, sogenannte Ricercare. Mit der zunehmenden Selbstständigkeit der Instrumentalmusik entstanden freie Formen wie Toccata, Fantasie, Präambulum und Präludium.
Um 1600 blühte in England das elisabethanische Lautenlied, besonders bei John Dowland. Danach gewann in Frankreich das Air de court an Bedeutung: Die Laute begleitete den Gesang zunächst mit einem eigenständigen Instrumentalpart. Im Verlauf des 17. Jahrhunderts übernahm die Theorbe diese Aufgabe zunehmend.
Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts prägten französische Lautenisten die europäische Lautenmusik. Sie schrieben vor allem stilisierte instrumentale Tanzsätze und entwickelten den „style luthé“, den lautenistischen oder gebrochenen Stil. Dabei wird eine Melodie auf einzelne, nacheinander erklingende Töne und Akkordbestandteile verteilt. Auch Spieler von Tasteninstrumenten ahmten diese Satzweise nach.
Um 1700 verband man den französischen Stil in Schlesien, Böhmen und Österreich stärker mit kantablen, also gesanglichen Elementen. Silvius Leopold Weiss führte die Lautenmusik im italienischen Stil noch einmal zu einem Höhepunkt. Danach spielte das Instrument bis in die Vorklassik zwischen 1720 und 1780 nur noch eine geringe Rolle.
Vom 15. bis zum 18. Jahrhundert wurde Lautenmusik in Tabulatur notiert. Eine Tabulatur zeigt vor allem die zu greifenden Saiten und Bünde statt nur der klingenden Tonhöhen. Spätere Übertragungen in gewöhnliche Notenschrift behandeln die Laute als transponierendes Instrument: Die Noten werden eine Oktave höher geschrieben, als sie tatsächlich klingen. Nach dem 18. Jahrhundert entstanden fast keine Werke mehr für die europäische Laute, auch wenn bis in die Gegenwart vereinzelt neue Kompositionen geschrieben wurden.
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