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Geschichte Griechenlands

146 v. Chr. fiel Griechenland an das Römische Reich. Damit endete die politische Geschichte des unabhängigen Griechenland für fast zwei Jahrtausende. Doch lebte …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Siedlungsraum und Frühgeschichte
  2. 2. Antike: Poleis, Hellenismus und Rom
  3. 3. Byzantinisches Mittelalter und Kreuzzüge
  4. 4. Osmanische Herrschaft und Entstehung der Nation
  5. 5. Schisma, Katastrophe und politische Instabilität
  6. 6. Zweiter Weltkrieg, Bürgerkrieg und Gegenwart

Siedlungsraum und Frühgeschichte

Die Geschichte Griechenlands umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der heutigen Republik Griechenland sowie griechischer Reiche von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die südliche Balkanhalbinsel ist durch schroffe Gebirge gegliedert. Dadurch entstanden viele eigenständige Kleinstaaten; wichtige Verkehrswege verliefen meist entlang der nach Osten gerichteten Flüsse. Die Ägäis mit ihren Inseln bildete eine Verbindung nach Kleinasien und Kreta und förderte Handel und kulturellen Austausch. Landwirtschaft und wirtschaftliche Entwicklung wurden jedoch durch wenig nutzbaren Boden, Verkarstung infolge früher Abholzung und Waldbrände, Dürreperioden und Erdbeben erschwert.

Auf Kreta entwickelte sich unter orientalischem Einfluss die vorgriechische, nicht-griechischsprachige minoische Kultur. Erste Siedlungsspuren reichen bis etwa 3600 v. Chr. zurück; ihre Hochblüte lag ungefähr zwischen 3300 und 1100 v. Chr. Zentren waren die Paläste von Knossos, Phaistos und Malia. Knossos hatte möglicherweise mindestens 50.000 Einwohner. Die Paläste waren zugleich Herrschafts-, Wirtschafts- und Verwaltungszentren. Vorratsräume, Werkstätten und Tontafeln mit geordneter Buchführung belegen eine organisierte Wirtschaft. Eine Flotte und der Handel mit Vorderasien, Ägypten, Zypern und den Ägäisinseln machten Kreta zu einer bedeutenden Seemacht. Fresken und weibliche Gottheiten weisen auf eine besondere Stellung der Frauen hin; daraus wurde teilweise auf eine matriarchale Ordnung geschlossen.

Die Datierung der indogermanischen Kolonisierung des heutigen Griechenlands ist nicht überzeugend geklärt. Vorgeschlagene Ansätze reichen etwa von 3600 v. Chr. bis 2200/2000–2000 v. Chr. Um 1600 v. Chr. entstand auf dem Festland die mykenische Kultur, die erste Hochkultur des europäischen Festlands und die früheste Kultur mit Schriftzeugnissen in griechischer Sprache. Zentren waren unter anderem Mykene, Theben, Tiryns und der Palast des Nestor bei Pylos. Die Paläste wurden durch mächtige Mauern geschützt; der König regierte als Stammesführer im Einvernehmen mit Rat und Heeresversammlung. Linear-B-Tafeln dokumentieren Verwaltung. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage, ergänzt durch spezialisiertes Handwerk, Straßenbau, Fernhandel und vermutlich Raubzüge.

Um beziehungsweise kurz nach 1200 v. Chr. wurden viele mykenische Zentren zerstört. Ursachen und Zusammenhänge sind bis heute umstritten; wahrscheinlich standen die Ereignisse mit den weitreichenden Umwälzungen im östlichen Mittelmeerraum und den sogenannten Seevölkern in Verbindung. Die mykenische Kultur blieb in der Ägäis dennoch noch etwa 150–200 Jahre prägend. Die Dorische Wanderung, bei der Dorer von Nordwest-Griechenland auf den Peloponnes und später nach Kreta und Rhodos vordrangen, ist zeitlich umstritten; wahrscheinlich erfolgte sie zwischen dem 12. und 10. Jahrhundert v. Chr. Ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. gründeten Griechen Kolonien im Mittelmeerraum, an der nordafrikanischen Küste, in Kleinasien und rund um das Schwarze Meer.

Die Zeit zwischen 1200 und etwa 750 v. Chr. wurde traditionell als „Dunkle Jahrhunderte“ bezeichnet, weil Schriftquellen und archäologische Funde zunächst selten waren. Neue Funde zeigen jedoch eine Konsolidierung und teilweise Nachblüte der mykenischen Kultur ab etwa 1150 v. Chr. Fernhandel bestand weiter. Erst die Zeit zwischen dem späten 11. und dem frühen 8. Jahrhundert v. Chr. gilt heute im engeren Sinn als „dunkel“.

Antike: Poleis, Hellenismus und Rom

Die antike griechische Geschichte gliedert sich in drei Hauptabschnitte: die Archaische Zeit (ca. 750–500 v. Chr.), die Griechische Klassik (500–336 v. Chr.) und den Hellenismus (336–146 v. Chr.). In dieser Zeit entwickelte sich eine Kultur, die den Vorderen Orient und Europa nachhaltig prägte.

In der Archaischen Zeit entstanden zahlreiche Poleis, also griechische Stadtstaaten, im Mittelmeerraum und am Schwarzen Meer. Die große Kolonisation wurde durch Überbevölkerung, die Sicherung von Handelswegen und innere Kämpfe begünstigt. Im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. verbreitete sich außerdem die Tyrannis, eine Alleinherrschaft, beispielsweise in Korinth. Sparta gründete um 550 v. Chr. den Peloponnesischen Bund und stärkte damit seinen Herrschaftsanspruch.

Während der Klassik bestand Griechenland überwiegend aus Stadtstaaten. Die bedeutendsten waren Athen, Sparta und Theben; an der Peripherie lagen anders organisierte Reiche wie Makedonien, Epirus und das Bosporanische Reich. In den Perserkriegen behaupteten sich die Griechen gegen das Perserreich. Athen siegte 490 v. Chr. bei Marathon. 480 v. Chr. vernichteten die Griechen bei Salamis die zahlenmäßig überlegene persische Flotte, 479 v. Chr. folgte der Sieg über das persische Landheer bei Plataiai. Athen gründete 478/477 v. Chr. den Attischen Seebund. Auf den Reformen Solons und Kleisthenes’ sowie der athenischen Seeherrschaft entwickelte sich Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die Attische Demokratie, deren führender Staatsmann Perikles war.

Der Peloponnesische Krieg zwischen Athen und Sparta um die Vorherrschaft endete 404 v. Chr. mit der Niederlage Athens. Spartas Hegemonie zerbrach jedoch 371 v. Chr. nach der Niederlage bei Leuktra; anschließend beherrschte Theben Griechenland kurzzeitig von 371 bis 362 v. Chr. Philipp II. von Makedonien machte sein Land ab 359 v. Chr. zur führenden Militärmacht. Nach seiner Ermordung 336 v. Chr. setzte sein Sohn Alexander der Große die Expansionspläne fort. Alexander besiegte das Perserreich und stieß bis nach Indien vor.

Im Hellenismus spielten die griechischen Städte gegenüber den Großreichen, die nach Alexanders Tod 323 v. Chr. entstanden, politisch eine untergeordnete Rolle. Die Diadochen, die Könige der Nachfolgereiche, förderten jedoch die Verbreitung der griechischen Kultur bis nach Indien. Makedonien blieb unter den Antigoniden die Vormacht im griechischen Mutterland; in Kleinasien herrschten unter anderem Ptolemäer, Attaliden und Seleukiden. Viele Poleis schlossen sich zu Bundesstaaten, den Koina, zusammen. Rom besiegte Makedonien im Zweiten Makedonisch-Römischen Krieg (200–197 v. Chr.) und endgültig 168 v. Chr. bei Pydna. 146 v. Chr. wurde Griechenland als Provinz Achaea in das Römische Reich eingegliedert; damit endete die unabhängige politische Geschichte des antiken Griechenlands.

Die griechische Kultur lebte unter römischer Herrschaft fort und prägte die römische Zivilisation. 27 v. Chr. entstand die senatorische Provinz Achaea mit Korinth als Hauptstadt; 44 n. Chr. wurde sie wieder senatorisch, unter Vespasian kam die Provinz Epirus hinzu. Das Christentum hatte Griechenland bis 400 weitgehend christianisiert. Bei der faktischen Reichsteilung 395 fiel Griechenland an das Oströmische beziehungsweise Byzantinische Reich.

Byzantinisches Mittelalter und Kreuzzüge

Um 630 wurde Griechisch alleinige Amtssprache des Byzantinischen Reiches. Dieses war nach arabischer und slawischer Expansion von einem Mittelmeerreich zu einem griechisch dominierten Großreich im östlichen Mittelmeerraum geworden, beanspruchte aber weiterhin die Nachfolge des Römischen Reiches. Thessaloniki war die zweitwichtigste Stadt des mittel- und spätbyzantinischen Reiches.

Um 650 beherrschten slawische Stämme große Teile Griechenlands bis zum Peloponnes. Diese Gebiete wurden später schrittweise für Byzanz zurückgewonnen und unter anderem durch die Ansiedlung von Menschen aus Kleinasien re-gräzisiert. Im Binnenland bestanden neben griechischen und byzantinischen Gemeinden noch lange slawische Gemeinwesen. Arabische Ansiedlungsversuche im 9. Jahrhundert scheiterten. Im 10. Jahrhundert unternahmen Bulgaren mehrere Plünderungszüge, unter anderem nach Nikopolis, Thessalien, Boiotien, Attika und auf den Peloponnes. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts bedrohten die sizilianischen Normannen Griechenland; ihre Eroberungen in Durazzo und Korkyra wurden 1083 von byzantinischen Truppen zurückgeschlagen.

Das Griechenland des 11. und 12. Jahrhunderts war trotz äußerer Bedrohungen vergleichsweise friedlich und wohlhabend. Thessaloniki hatte vermutlich etwa 150.000 Einwohner, Theben ungefähr 30.000, Athen und Korinth jeweils etwa 10.000. Das griechische Festland lieferte Getreide nach Konstantinopel.

Nach der Eroberung Konstantinopels durch das Heer des Vierten Kreuzzugs 1204 wurde Griechenland unter den Kreuzfahrern aufgeteilt. Es entstanden das Königreich Thessaloniki, das Fürstentum Achaia und das Herzogtum Athen; die Ägäischen Inseln bildeten ein Herzogtum unter venezianischer Oberhoheit. Als byzantinischer Nachfolgestaat bestand außerdem das Despotat Epirus. Michael VIII. Palaiologos stellte 1261 das Byzantinische Reich durch die Rückeroberung Konstantinopels wieder her. Bis 1282 gewann er die Ägäischen Inseln, Thessalien, Epirus und den größten Teil Achaias zurück. Athen und Teile der nördlichen Peloponnes blieben zunächst unter Kreuzfahrerherrschaft, wurden aber im 15. Jahrhundert zunehmend von den Osmanen bedrängt.

Osmanische Herrschaft und Entstehung der Nation

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 gehörte der größte Teil des griechischen Sprachraums etwa 400 Jahre zum Osmanischen Reich. Im griechischen Kernland lebten nur wenige Türken; vielfach regierten Griechen, die mit dem Sultan kooperierten. Athen wurde 1456 in das Osmanische Reich eingegliedert. Der Besitz des Peloponnes und einzelner Inseln wechselte wiederholt zwischen Venedig und den Osmanen. Morea war von 1686 bis 1715 venezianisch, fiel dann an die Osmanen und wurde 1718 im Frieden von Passarowitz formell abgetreten. Griechenland wurde in Paschaliks geteilt; die Ägäisinseln unterstanden türkischen Beamten. Die griechische Oberschicht der Phanarioten bekleidete wichtige Ämter in Regierung und Armee.

Der Machtzerfall des Osmanischen Reiches, der Einfluss der Französischen Revolution und das Entstehen einer neuen Bildungsschicht aus Kaufleuten und Fernhändlern förderten gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine griechische Nationalbewegung. Gebildete Griechen beriefen sich zunehmend auf die pagane Antike statt auf das christliche Byzanz. Die 1814 in Odessa gegründete politische Hetärie der Philiker bereitete den Freiheitskampf vor.

Am 25. März 1821 begann die Griechische Revolution. Die Erhebung in den Donaufürstentümern scheiterte, während die Aufständischen in Morea und auf zahlreichen Inseln erfolgreich waren. Eine Nationalversammlung verabschiedete im Januar 1822 eine provisorische Verfassung und proklamierte die Unabhängigkeit. Nach wechselvollen Kämpfen griff Ibrahim Pascha 1825 auf osmanischer Seite ein. Großbritannien, Frankreich und Russland forderten im Londoner Vertrag vom 6. Juli 1827 die griechische Unabhängigkeit; der Sieg ihrer Flotten bei Navarino am 20. Oktober 1827 wurde entscheidend. Ioannis Kapodistrias wurde 1827 zum ersten Staatsoberhaupt gewählt, 1831 jedoch ermordet.

Die Großmächte erkannten Griechenland nur als Monarchie an. 1832 wurde Otto von Bayern König Otto I.; 1833 traf er in Nafplio ein, 1834 wurde Athen Hauptstadt. Nach einer Rebellion von Militär und Volk musste Otto 1843 eine Verfassung gewähren. 1862 wurde er gestürzt; 1863 folgte Georg I. 1864 stärkte eine neue Verfassung das Parlament.

Die „Megali Idea“ („große Idee“) zielte auf die Vereinigung aller mehrheitlich griechisch bewohnten Gebiete. Griechenland gewann 1864 die Ionischen Inseln, 1881 Thessalien und Teile von Epirus sowie 1913 Kreta, Makedonien und die östliche Ägäis; Westthrakien kam 1919 hinzu, die Dodekanes-Inseln 1947. Die Politik verursachte hohe Rüstungsausgaben und Infrastrukturkosten. Nach dem Staatsbankrott von 1893 und der Niederlage im Türkisch-Griechischen Krieg 1896/1897 blieb die territoriale Expansion dennoch ein zentrales Ziel. Premierminister Eleftherios Venizelos setzte sich in den Balkankriegen 1912–1913 besonders für die Vergrößerung des Staates ein.

Schisma, Katastrophe und politische Instabilität

Seit 1915 spalteten die Auseinandersetzungen zwischen Eleftherios Venizelos und dem Königshaus das Land in Venizelisten und Anti-Venizelisten, Republikaner und Monarchisten. Venizelos bildete zeitweise eine Gegenregierung und kontrollierte den Norden, Kreta und die ostägäischen Inseln. 1917 wurde König Konstantin I. ins Exil gedrängt. Nach seiner Rückkehr 1920 musste er 1922 infolge der kleinasiatischen Katastrophe abdanken; sein Sohn Georg II. verließ 1923 Griechenland und dankte 1924 ab.

1919 entsandte Griechenland mit Billigung der Siegermächte Truppen nach Kleinasien, um Smyrna und weitere griechisch bewohnte Gebiete zu kontrollieren. Der Vormarsch wurde jedoch kurz vor Ankara vernichtend geschlagen. Der Krieg endete 1922 mit der griechischen Niederlage. Der Vertrag von Lausanne 1923 legte einen radikalen Bevölkerungsaustausch fest. Imbros, Tenedos, Smyrna und Ostthrakien fielen an die Türkei, Nordepirus an Albanien. Etwa 1,1 Millionen als Griechen geltende Christen, darunter auch Menschen ohne griechische Sprachkenntnisse und viele Armenier, kamen nach Griechenland; im Gegenzug wurden 380.000 Muslime in die Türkei geschickt. Die Flüchtlinge veränderten die ethnische und soziale Struktur Griechenlands. Land wurde aufgeteilt, doch viele Flüchtlinge lebten zunächst in großer Armut und verschärften die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Ein großes Krankenhaus- und Schulbauprogramm begann 1928.

Am 12. März 1924 entstand die Zweite Griechische Republik; in einem Referendum vom 13. April stimmte die Mehrheit für die Abschaffung der Monarchie. Die Republik blieb politisch instabil. General Theodoros Pangalos kam 1925 durch einen Putsch an die Macht, setzte 1926 die Verfassung außer Kraft und ließ sich zum Präsidenten wählen. Nach seinem Sturz wechselten Regierungen und politische Bündnisse häufig. 1935 gewann die Volkspartei unter Panagis Tsaldaris die Parlamentswahl, worauf König Georg II. zurückgerufen wurde. 1936 ernannte der König Ioannis Metaxas zum Ministerpräsidenten. Metaxas suspendierte Parlament und Verfassung und errichtete ein autoritäres Regime, das bis April 1941 dauerte.

Die Niederlage von 1922 und der Bevölkerungsaustausch zerschlugen endgültig die „Megali Idea“. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Griechenland 1947 noch die Dodekanes-Inseln von Italien.

Zweiter Weltkrieg, Bürgerkrieg und Gegenwart

Am 28. Oktober 1940 lehnte Ioannis Metaxas ein italienisches Ultimatum ab. Griechenland schlug die italienischen Truppen zurück und drängte sie weit nach Albanien. Am 6. April 1941 begann Deutschland den Balkanfeldzug gegen Griechenland und Jugoslawien; der griechische Widerstand brach schnell zusammen. Griechenland wurde in Besatzungszonen aufgeteilt: Italien kontrollierte Athen und den größten Teil des Landes, Bulgarien annektierte Ostmakedonien westlich des Strymon und Westthrakien, Deutschland besetzte strategisch wichtige Gebiete wie Thessaloniki, Piräus und Teile Kretas.

Die Besatzer plünderten Wirtschaftsgüter, demontierten Maschinen und führten eine systematische wirtschaftliche Ausbeutung durch. Griechenland musste besonders hohe Besatzungskosten tragen. Die Beschlagnahmung von Lebensmitteln und Rohstoffen führte zur Großen Hungersnot; in den Wintern 1941/42 und 1942/43 starben etwa 300.000 Menschen, vor allem in den Städten, den Hungertod. Die Säuglingssterblichkeit wurde mit 80 % angegeben. Ab 1943 wurden über 100.000 Menschen zur Arbeit für Wehrmacht und Besatzungsbehörden gezwungen. Beim Rückzug 1944 zerstörten deutsche Truppen Infrastruktur. Deutsche, italienische und bulgarische Einheiten ermordeten bei Vergeltungsaktionen und im Partisanenkrieg schätzungsweise 70.000 bis 80.000 Griechen. Die etwa 60.000 Juden der sephardischen Gemeinde Salonikis wurden nach Auschwitz deportiert. Die deutsche Besatzung endete im Oktober 1944, einzelne Inseln blieben bis Mai 1945 besetzt. Entschädigungs- und Reparationsforderungen blieben weitgehend ungelöst; 1959–1964 wurden 115 Millionen D-Mark für Opfer nationalsozialistischer Verfolgung gezahlt.

Nach der Befreiung begann ein Bürgerkrieg. Im Dezember 1944 kämpften die überwiegend kommunistische EAM und ELAS in Athen gegen britische Truppen und griechische Regierungskräfte. Nach dem Abkommen von Varkiza im Februar 1945 folgte ein „weißer Terror“ gegen vor allem kommunistische ehemalige Widerstandskämpfer. Die Kommunistische Partei Griechenlands boykottierte die Wahl von 1946; dadurch begann die bis September 1949 dauernde „dritte“ und heißeste Phase des Bürgerkriegs. Die USA unterstützten die Regierung im Rahmen der Truman-Doktrin massiv, während Stalin die kommunistische Seite nicht unterstützte. Etwa 100.000 Menschen starben, die Infrastruktur brach weitgehend zusammen. Über 50.000 Sympathisanten der Volksbefreiungsarmee wurden vertrieben; mehr als 1100 Kinder kamen unter ihnen in die DDR. Erst nach 1974 durften die Vertriebenen wieder einreisen.

Nach 1949 blieb das politische Klima durch die Spaltung zwischen Kommunisten und Antikommunisten belastet, zugleich setzte wirtschaftlicher Aufschwung ein. Griechenland trat 1952 der NATO bei und wurde 1981 Mitglied der EWG. 1967 putschte das Militär unter Georgios Papadopoulos. Die Diktatur herrschte mit Verhaftungen, Internierungen, Folter, Bespitzelung und Zensur bis 1974. Ein Studentenaufstand am Athener Polytechnikum wurde im November 1973 blutig niedergeschlagen. Der von der Junta unterstützte Putsch gegen den zypriotischen Präsidenten Makarios III. führte im Juli 1974 zum Eingreifen der Türkei und zum Zusammenbruch des Regimes.

Konstantinos Karamanlis leitete ab 1974 die Rückkehr zur Demokratie ein. Beim Referendum vom 8. Dezember 1974 stimmten 69,2 % für die Republik; im Juni 1975 trat eine neue Verfassung in Kraft. Griechenland wurde parlamentarische Präsidialdemokratie. 2001 trat es der Eurozone bei und führte zum Jahreswechsel 2001/2002 den Euro als Bargeld ein. Die Finanzkrise 2007–2008 verschärfte die Staatsschulden; EU, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds gewährten Kredite. Ab 2010 führten Sparmaßnahmen zu Verarmung und neuer Auswanderung. 2015/2016 war Griechenland besonders von der Flüchtlingskrise betroffen. Seit 2020 belastet die COVID-19-Pandemie das Land.

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