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Demos

Demos (altgriechisch δῆμος dḗmos, meist als „Staatsvolk“ aufgefasst, im Gegensatz zu ἔθνος éthnos, deutsch ‚Volk'; Plural im Deutschen Demen) bezeichnet im …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und politische Funktion
  2. 2. Die Demen in der Ordnung Athens
  3. 3. Bürgerlisten, Ämter und politische Vertretung
  4. 4. Dimos als moderne Gemeinde
  5. 5. Politisch-rechtlicher Volksbegriff

Grundbedeutung und politische Funktion

Demos bezeichnete im antiken Griechenland in der Regel eine Dorf- oder Siedlungsgemeinschaft und damit die kleinste Verwaltungseinheit innerhalb einer Polis, also eines griechischen Stadtstaates. Diese Bedeutung ist besonders für das ionisch-attische Gebiet, aber auch für einige dorische Poleis belegt. Als Demos konnten außerdem die Gesamtheit der Vollbürger einer Polis, die zur Teilnahme an der Volksversammlung berechtigten Bürger, das „einfache Volk“ und schließlich nahezu der Staat selbst bezeichnet werden.

In der Spätantike und in byzantinischer Zeit meinte Demos vor allem die unteren und mittleren Bevölkerungsschichten einer Stadt, insbesondere Konstantinopels. Die Pluralform Demoi bezeichnete dagegen die dortigen Fraktionen der Wagenrennen. In der Gegenwart lebt die Bedeutung „Gemeinde“ in der kommunalen Verwaltung Griechenlands und Zyperns fort. In der Soziologie dient Demos als politisch-rechtlicher Begriff für ein Volk.

Die Demen in der Ordnung Athens

In Athen bestanden Demen bereits vor den Reformen des Kleisthenes. Zunächst waren damit meist dörfliche Siedlungskerne außerhalb der asty genannten athenischen Kernstadt gemeint; eine politische oder administrative Funktion ist für diese frühe Zeit nicht nachweisbar.

Durch die Kleisthenischen Reformen von 508/507 v. Chr. wurden die Demen zu Grundeinheiten der neuen politischen Ordnung. Jeder Demos gehörte zu einer der dreißig neu geschaffenen Trittyen, also territorialen Untergliederungen. Über die Trittyen war er einer der zehn attischen Phylen zugeordnet, den größeren politischen Verbänden der Bürgerschaft. Die Demen konnten nach ihrem Hauptort, nach Adelsfamilien, Landschaftsmerkmalen, Besonderheiten der Pflanzenwelt, örtlichem Handwerk oder Heroen benannt sein. Eleusis war beispielsweise zugleich der Name eines Ortes, eines Demos und einer Trittys.

Kleisthenes ordnete jeden freien Bewohner Athens und Attikas einem der ursprünglich 100 Demen zu. Ein Mitglied hieß Demotes. Durch spätere Teilungen wuchs die Zahl der Demen; zur Zeit Strabons gab es 174 Einheiten. Die Zugehörigkeit war dauerhaft und erblich. Ein Umzug änderte sie nicht. Nur eine Adoption führte wegen der erblichen Zuordnung zu einem Wechsel. Der Demosname wurde durch das Demotikon Teil des offiziellen Namens, etwa bei Panaitios aus dem Demos Hamaxanteia.

Bürgerlisten, Ämter und politische Vertretung

Erhielten Fremde das athenische Bürgerrecht, mussten sie sich in einen Demos ihrer Wahl einschreiben. Die Demoten entschieden durch Abstimmung über die Aufnahme. Eine Ablehnung konnte vor der allgemeinen Volksversammlung angefochten und dort erneut entschieden werden. Dasselbe Verfahren galt für volljährig gewordene Söhne von Demoten. Nach ihrer Aufnahme wurden sie in die Bürgerliste ihres Demos eingetragen. Bewohner, die einem anderen Demos angehörten, sowie Metoiken – in Athen lebende Fremde ohne Bürgerrecht – standen in gesonderten Listen.

Die Bürgerlisten waren für mehrere staatliche Aufgaben wichtig: für die Verteilung des Steueraufkommens, die Aushebung von Demoten im Kriegsfall und die Beteiligung an Staatsfesten einschließlich der Festlegung der dafür zu leistenden Beiträge.

Jeder Demos entsandte Vertreter in die Bule, den Rat der Fünfhundert. Ihre Zahl war festgelegt, richtete sich aber nach der Größe des Demos. Die Vertreter wurden unter den Mitgliedern ausgelost. Kleine Demen konnten nur einen Vertreter stellen, große bis zu 22. Acharnes, der größte attische Demos, entsandte beispielsweise bis zu 22 Vertreter. Halimus stellte bei ungefähr 73 bis 90 Demoten drei Vertreter.

Die Mitglieder eines Demos kamen zu regelmäßigen oder außerordentlichen Versammlungen zusammen. An der Spitze stand der Demarchos. Daneben gab es Verwalter, Rechenschaftsbeamte, Schreiber und Herolde sowie Priester und Priesterinnen für die örtlichen Kulte und Heiligtümer. Namen von Demen sind auch aus Milet, Naxos, Lindos und anderen Orten auf Rhodos sowie aus Mantineia, Tegea und Patrai überliefert. Wie diese Demen jeweils in die politische Ordnung ihrer Polis eingebunden waren, ist jedoch meist unklar.

Dimos als moderne Gemeinde

Das neugriechische Wort Dimos hat die Bedeutung „Gemeinde“ bewahrt. Schon während der osmanischen Zeit lag die örtliche Verwaltung griechischer Gemeinden bei den demogerontes, den „Gemeindeältesten“. Nach dem griechischen Unabhängigkeitskrieg scheiterte Ioannis Kapodistrias noch am Widerstand dieser Gemeindeältesten, als er eine neue kommunale Verwaltungsgliederung durchsetzen wollte.

Das 1832 gegründete Königreich Griechenland nahm diese Reform als eine seiner ersten Aufgaben in Angriff. Im Jahr 1833 wurden die historischen Gemeinden aufgelöst und durch neu konzipierte Dimoi als kleinste Einheiten der kommunalen Verwaltung ersetzt. Trotz mehrfacher Neugliederungen bilden sie auch seit der Umsetzung des Kallikratis-Programms im Jahr 2010 weiterhin die kommunale Ebene der politischen Gliederung Griechenlands. Auch in Zypern ist der Dimos eine Gemeindeform.

Politisch-rechtlicher Volksbegriff

In der Soziologie wird Demos vom ethnischen Volksbegriff Ethnos unterschieden. Demos bezeichnet das Volk als politisches und rechtliches Gebilde. Seine Legitimation für soziales Handeln leitet dieses Gebilde allein aus den Willensbekundungen der Gemeinschaft ab, nicht aus einer ethnischen Zugehörigkeit.

Diese Verwendung geht besonders auf die „soziologischen Beiträge zur Volkstheorie“ des Soziologen Emerich K. Francis (1906–1994) zurück. Friedrich Heckmann und andere griffen den Begriff unter anderem auf, um neue Konzepte von Ethnizität zu bestimmen.

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