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Museum Berlin-Karlshorst

Geschichte · Historischer Kapitulationssaal · Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht im …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ort, Bedeutung und Aufgaben
  2. 2. Kapitulation und wechselnde Funktionen des Gebäudes
  3. 3. Entstehung und Dauerausstellung
  4. 4. Sonderausstellungen, Forschung und Sammlungen
  5. 5. Gedenkort und politische Verantwortung
  6. 6. Trägerschaft und aktuelle Spannungen

Ort, Bedeutung und Aufgaben

Das Museum Berlin-Karlshorst befindet sich in der Zwieseler Straße 4 in Berlin-Karlshorst. Es ist Museum und Baudenkmal. Im ehemaligen Offizierskasino wurde am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht ratifiziert. Damit endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Der historische Kapitulationssaal ist der Mittelpunkt des Museums.

Das Museum erinnert als einziges Museum in Deutschland mit einer Dauerausstellung an den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, der als Deutsch-Sowjetischer Krieg 1941–1945 in die Geschichte einging. In der ehemaligen Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten wird dieser Krieg als „Großer Vaterländischer Krieg“ bezeichnet. Die Anlage wurde ab 1936 als Festungspionierschule errichtet und diente während und nach der Schlacht um Berlin als Hauptquartier der Roten Armee.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei. Leiter war 2022 Jörg Morré.

Kapitulation und wechselnde Funktionen des Gebäudes

Am 7. Mai 1945 unterzeichnete Generaloberst Alfred Jodl im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims eine von Karl Dönitz autorisierte Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Sie trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft. Weil Jodl nicht im Namen aller Teilstreitkräfte unterschrieben hatte, wurde ein zweites Dokument vereinbart.

Dieses ratifizierende Dokument unterzeichneten am 8. Mai 1945 kurz vor Mitternacht im Offizierskasino von Berlin-Karlshorst Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht und das Heer, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg für die Kriegsmarine sowie Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff für die Luftwaffe. Für das sowjetische Oberkommando unterschrieb Marschall Georgi Schukow, für das SHAEF Marschall Arthur Tedder. Als Zeugen unterzeichneten der französische General Jean-Marie de Lattre de Tassigny und US-General Carl Spaatz. Die Urkunde trat am 9. Mai nach Mitternacht in Kraft.

Nach Mai 1945 war das Gebäude zunächst Amtssitz des Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Von 1949 bis 1953 nutzte es die Sowjetische Kontrollkommission, von 1953 bis 1954 residierte dort der sowjetische Hohe Kommissar. Mit der Beendigung des Besatzungsstatuts über die DDR am 25. März 1954 endete diese Funktion.

Die Bezeichnungen des Gebäudes spiegeln diese Veränderungen wider: 1938–1945 Offizierskasino der Pionierschule I der Wehrmacht, April 1945 Hauptquartier der 5. Stoßarmee der Belorussischen Front, 1945–1949 Sitz der Sowjetischen Militäradministration, 1949–1954 Sitz der Sowjetischen Kontrollkommission, 1967–1986 Museum der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, 1986–1994 Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg, 1995–2022 Deutsch-Russisches Museum und seit 2022 Museum Berlin-Karlshorst.

Entstehung und Dauerausstellung

Die museale Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg setzte in der Sowjetunion zum 20. Jahrestag des Kriegsendes 1965 ein. Am 5. November 1967 wurde im ehemaligen Offizierskasino ein sowjetisches Museum auf deutschem Boden eröffnet. Es war eine Außenstelle des Zentralmuseums der Streitkräfte der UdSSR in Moskau. Nach der deutschen Wiedervereinigung vereinbarten die Bundesrepublik Deutschland und die UdSSR in einem Freundschaftsvertrag vom 9. November 1990, am historischen Ort gemeinsam an den Deutsch-Sowjetischen Krieg und das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern. 1994 gründeten Deutschland und die Russische Föderation das Museum als Verein; im Mai 1995 wurde es als Deutsch-Russisches Museum eröffnet. 1997/1998 kamen die nationalen Weltkriegsmuseen der Ukraine und von Belarus als Vereinsmitglieder hinzu.

Nach der grundlegenden Überarbeitung, die eine rund einjährige Schließung erforderte, wurde die Dauerausstellung am 24. April 2013 wiedereröffnet. Sie umfasst etwa 1000 m² und zieht jährlich ungefähr 40.000 Besucher an. Inhaltlich vermittelt sie die Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917 bis 1990. Im Zentrum steht der Deutsch-Sowjetische Krieg von 1941 bis 1945 als Teil des Zweiten Weltkriegs, einschließlich des Alltags von Soldaten und Zivilisten beider Seiten.

Der im ursprünglichen Zustand erhaltene ehemalige Speisesaal ist der wichtigste Ausstellungsort. Dort zeigt eine Endlosschleife einen Film über die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde. Die Ausstellung verbindet moderne Räume mit Teilen älterer Ausstellungen und sowjetischen Denkmälern, darunter das Diorama „Sturm auf den Reichstag“ von Michail Ananjew aus dem Jahr 1967. Auf dem Außengelände stehen ein Denkmal mit einem sowjetischen T-34-Panzer sowie weiteres Militärgerät aus dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit, darunter IS-2, ISU-152, SU-100, der Mehrfachraketenwerfer BM-13 „Katjuscha“, eine 122-mm-Haubitze M-30, ein 76-mm-Geschütz SIS-3 und eine 57-mm-Panzerabwehrkanone SIS-2.

Sonderausstellungen, Forschung und Sammlungen

Das Museum zeigt jährlich zwei bis drei Sonderausstellungen. Seit Ende 1997 steht dafür ein 100 m² großer Raum zur Verfügung. Die Themen reichen von Kriegserinnerung und Kriegsfotografie bis zu deutsch-sowjetischen Beziehungen, Militärgeschichte, Besatzung, Kriegsgefangenschaft und Erinnerungskultur. Ausstellungen wurden auch in deutschen, russischen, ukrainischen und slowenischen Städten gezeigt.

Zu den behandelten Themen gehören unter anderem Frauen in der Roten Armee, die Blockade Leningrads, Stalingrad im deutschen und russischen Gedächtnis, sowjetische Truppen in Deutschland 1945–1994, der Abzug der russischen Truppen, sowjetische Kriegsgefangene sowie die Folgen des Hitler-Stalin-Pakts. Zu den neueren Ausstellungen zählen „Was erzählen Fotografien?“ über Albert Dieckmanns Bilder aus dem besetzten Osteuropa 1941/42 (22. Juni–17. Dezember 2023), „Riss durch Europa. Die Folgen des Hitler-Stalin-Pakts“ (23. August 2024–26. Januar 2025) und „Das letzte Kriegsjahr“ über sowjetische Kriegsfotografen (8. Mai–14. September 2025).

Das Museum veröffentlicht zu seinen Sonderausstellungen meist Kataloge in deutscher, russischer und englischer Sprache. Außerdem veranstaltet es wissenschaftliche Tagungen, Konferenzen und Studienreisen. Im Auftrag der Bundesregierung organisierte es 2011 den zentralen Gedenktag zum 70. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 („Unternehmen Barbarossa“). Dazu gehörten ein Gedenkkonzert, eine bis Ende 2012 laufende Veranstaltungsreihe, eine Wanderausstellung und eine internationale Tagung.

Die Sammlungen bestehen überwiegend aus Objekten des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau. Ergänzt werden sie durch Objekte und Leihgaben anderer deutscher und osteuropäischer Sammlungen sowie durch Schenkungen und Nachlässe. Gesammelt werden Schriftgut, Plakate, Alltagskultur, Militaria mit einem Schwerpunkt auf Militärmedizin und Fotografien. Das wachsende Bildarchiv enthält vor allem Aufnahmen sowjetischer und deutscher professioneller und nichtprofessioneller Fotografen aus der Kriegszeit. Die Spezialbibliothek umfasst rund 8000 Bände zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen, besonders zum Krieg an der Ostfront, und ist nach Absprache wissenschaftlich nutzbar. Die Publikationen des Museums sind vor allem Ausstellungskataloge und Forschungsbegleitbände zu diesen Themen.

Gedenkort und politische Verantwortung

Das Museum weist darauf hin, dass in Berlin ein zentraler Gedenkort für die Millionen osteuropäischen Opfer der nationalsozialistischen Mordpolitik im Namen eines „deutschen Lebensraums“ fehlt. Deshalb gründeten Peter Jahn, Daniel Ziemer und Florian Wieler 2013 die Initiative „Gedenkort für die Opfer der NS-Lebensraumpolitik“. Unterstützt wurde sie unter anderem von Historikern wie Stefanie Schüler-Springorum, Michael Wildt und Peter Steinbach sowie von Institutionen wie dem Deutschen Historischen Museum, der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, dem Jüdischen Museum Berlin und mehreren KZ-Gedenkstätten.

Als mögliche Standorte wurden der Lustgarten und die Straße des 17. Juni mit Bezug zum Sowjetischen Ehrenmal vorgeschlagen. Im Zusammenhang mit einer parallelen Initiative für ein Denkmal für polnische NS-Opfer forderten im August 2019 240 Bundestagsabgeordnete einen zentralen Gedenkort für die gesamte polnische Bevölkerung. Die Karlshorster Initiative hält jedoch einen gemeinsamen Gedenkort für wichtig, weil die rassistische „Lebensraum“-Ideologie gleichermaßen gegen Polen, Belarussen, Russen und Ukrainer gerichtet gewesen sei.

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 verwendet das Museum den im Vereinsregister eingetragenen Namen Museum Berlin-Karlshorst. Damit soll die Erinnerung an alle sowjetischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges unabhängig von ihrer Nationalität betont werden. Das Museum unterstützt zudem ukrainische Einrichtungen, ist Mitglied im Hilfsnetzwerk zur Unterstützung von NS-Überlebenden in der Ukraine und organisierte Hilfen für vom Krieg betroffene Museen und Sammlungen.

Trägerschaft und aktuelle Spannungen

Das Museum ist eine multinationale Einrichtung der Bundesrepublik Deutschland, der Russischen Föderation, der Ukraine und von Belarus. Finanziert wird es jedoch allein aus Bundesmitteln; im Haushaltsjahr 2023 betrug die Förderung 1,55 Millionen Euro. Der 1994 gegründete Trägerverein hatte zunächst 16 institutionelle Mitglieder, zu gleichen Teilen deutsche und russische Einrichtungen. Später kamen das Museum des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk und das Nationale Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg in Kiew hinzu. Im Vorstand sitzen ein Vertreter des Deutschen Historischen Museums und ein Vertreter des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau.

Die Trägerschaft soll Räume für kritische Geschichtsauseinandersetzung, Bildung, Begegnung und Verständigung schaffen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine geriet jedoch der Einfluss russischer staatlicher Einrichtungen in die Kritik. Ein Vorstandsmitglied, Wladimir Lukin, ist stellvertretender Leiter des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau, das den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt. Im März 2023 erklärte ein Sprecher der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Vereinsstruktur sei „im Lichte der jetzigen politischen Situation nicht mehr tragfähig“ und solle geändert werden. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass russische und belarussische Institutionen in der Mitgliederversammlung über eine Sperrminorität verfügen. Kulturstaatsministerin Claudia Roth kündigte am 8. Mai 2023 eine Änderung der Trägerschaft an.

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