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Ukraine

Die Ukraine (ukrainisch Ukrajina [ʊkraˈjina]; im Deutschen [ ʊkʁaˈiːnə] oder [ ʊˈkʁaɪ̯nə]) ist ein Staat in Osteuropa mit knapp 39 Millionen Einwohnern.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und Raum
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen und Religion
  3. 3. Historische Entwicklung und Krieg
  4. 4. Politisches System und Außenbeziehungen
  5. 5. Wirtschaft, Energie und Landwirtschaft
  6. 6. Verkehr, Infrastruktur und Kultur

Staat und Raum

Die Ukraine ist ein Staat in Osteuropa mit Hauptstadt Kiew. Sie ist eine semipräsidentielle Republik: Staatsoberhaupt ist Präsident Wolodymyr Selenskyj, Regierungschef Ministerpräsident Serhij Korezkyj; das Parlament heißt Werchowna Rada. Amtssprache ist Ukrainisch, Währung die Hrywnja. Die Fläche beträgt 603.628 km². Damit ist die Ukraine nach Russland der zweitgrößte Staat Europas und der größte, dessen Gebiet vollständig in Europa liegt. Für 2025 werden 38.980.376 Einwohner und 65 Einwohner je km² geschätzt.

Das Land grenzt an Russland, Belarus, Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Moldau sowie im Süden an das Schwarze und Asowsche Meer. Weitere große Städte sind Charkiw, Odessa, Dnipro und Donezk. Etwa 95 % des Landes liegen in der Osteuropäischen Ebene. Höchster Berg ist die Howerla in den Karpaten mit 2061 m; auf der Krim ist der Roman Kosch mit 1545 m die höchste Erhebung.

Wichtige Landschaftsformen sind Tiefländer, höher gelegene Platten sowie Karpaten, Krimgebirge und Steppen. Die Platten enthalten bedeutende Rohstoffe: Eisenerz vor allem im Krywbass um Krywyj Rih, Kohle vor allem im Donezbecken um Donezk. Der Dnepr ist 2201 km lang, nach Wolga und Donau der drittlängste Fluss Europas und auf rund 1700 km schiffbar. Er durchquert die Landesmitte und ist in der Ukraine zu sechs künstlichen Seen angestaut. Die 2782 km lange Südküste liegt am Schwarzen und Asowschen Meer.

Das Klima gliedert sich überwiegend in drei Zonen: Im feuchteren Nordwesten liegen die Prypjatsümpfe; in der Waldsteppe dominieren besonders fruchtbare Schwarzerdeböden; im trockeneren Südosten liegt die Steppe. Die Schwarz- und Kastanienbraunerden wurden durch Bewässerung nutzbar gemacht. 16,06 % der Landesfläche waren 2020 bewaldet. Die Karpaten besitzen die letzten warmgemäßigten Urwälder Europas, die seit Juli 2007 UNESCO-Weltnaturerbe sind. Die Krim gehört seit 1954 zur Ukraine, wird aber seit 2014 von Russland beansprucht und faktisch kontrolliert.

Bevölkerung, Sprachen und Religion

Die Bevölkerungszahl ist wegen niedriger Geburtenrate, hoher Sterblichkeit, Auswanderung und Krieg stark rückläufig. 2020 hatte die Ukraine 44,1 Millionen Einwohner; die UN schätzte die Bevölkerung 2024 auf rund 37,9 Millionen. Reuters berichtete im Juli 2023, im von Kiew kontrollierten Landesteil lebten möglicherweise nur noch 28 Millionen Menschen. 2020 betrug die Geburtenziffer 7,8, die Sterbeziffer 15,9 je 1000 Einwohner; die Geburtenzahl lag bei 1,2 Kindern je Frau. Die Lebenserwartung betrug 2020 71,2 Jahre, bei Frauen 76,2 und bei Männern 66,4 Jahre.

Der russische Überfall seit 2022 verursachte große Fluchtbewegungen. 2024 waren rund 6,75 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in Europa registriert; Polen und Deutschland nahmen innerhalb der EU die meisten auf. Bis zu 5,7 Millionen Menschen waren im Juli 2023 Binnenflüchtlinge.

Nach der Volkszählung 2001 waren 77,8 % Ukrainer und 17,3 % Russen. Weitere Gruppen waren unter anderem Rumänen/Moldauer, Belarussen, Krimtataren, Bulgaren, Magyaren, Polen, Juden und Armenier. Ukrainisch ist seit 1991 die einzige Amtssprache. Viele Menschen beherrschen Ukrainisch und Russisch; Surschyk ist eine verbreitete mündliche Mischform beider ostslawischer Sprachen. 2001 bezeichneten 67,5 % Ukrainisch und 29,6 % Russisch als Muttersprache. Sprachzugehörigkeit und ethnische Zugehörigkeit fallen dabei nicht immer zusammen.

Die Sprachfrage ist politisch bedeutsam. Ein Gesetz von 2012 erlaubte regionalen offiziellen Status für andere Sprachen ab mindestens 10 % Muttersprachlern, wurde jedoch im Februar 2018 vom Verfassungsgericht für nichtig erklärt. Seit 2014 und besonders seit 2022 nahm das Interesse an ukrainischer Sprache und Kultur zu. Russland betreibt laut Artikel in besetzten Gebieten eine erzwungene Russifizierung, etwa durch ausschließlich russischsprachigen Unterricht und das Verbot ukrainischer Schulbücher.

Etwa 75 % der Ukrainer gehören orthodoxen Kirchen an. 2018 entstand durch Fusion der Kirche des Kiewer Patriarchats und der autokephalen Kirche die Orthodoxe Kirche der Ukraine; die dem Moskauer Patriarchen unterstehende Kirche nahm an dieser Fusion nicht teil. Rund 5,5 Millionen Gläubige gehören der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche an, hauptsächlich im Westen. Daneben gibt es etwa 2 Millionen Muslime, 1,1 Millionen römisch-katholische und 1,2 Millionen evangelische Christen sowie etwa 56.000 bis 140.000 Juden.

Historische Entwicklung und Krieg

Die staatliche Tradition wird auf die Kiewer Rus zurückgeführt, den ersten ostslawischen Staat mit Zentren in Kiew und Nowgorod. Sie erreichte im 10. und 11. Jahrhundert ihre Blüte, wurde 988 griechisch-orthodox christianisiert und zerfiel politisch im 12. Jahrhundert. Die Mongolen unterwarfen sie 1237 bis 1240. Danach gehörten Teile des heutigen ukrainischen Gebiets unter anderem zu Litauen, Polen-Litauen, dem Krimkhanat unter osmanischer Oberhoheit, dem Russischen Reich und der Habsburgermonarchie.

1648 entstand nach dem Aufstand unter Bohdan Chmelnyzkyj das Kosakenhetmanat. Im Vertrag von Perejaslaw 1654 unterstellten sich die Kosaken dem russischen Zaren. Das Hetmanat wurde geteilt: Die linksufrige Ukraine mit Kiew blieb unter russischer Herrschaft, die rechtsufrige Ukraine kam zunächst zu Polen-Litauen. Ende des 18. Jahrhunderts fiel auch ihr Gebiet an Russland; Galizien und Bukowina gelangten an das Habsburgerreich. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich eine ukrainische Nationalbewegung, die einen ukrainischen Nationalstaat anstrebte.

Nach der Revolution von 1917 verkündete die Zentralna Rada am 25. Januar 1918 die unabhängige Ukrainische Volksrepublik. Der Versuch dauerhafter Staatlichkeit scheiterte im Bürgerkrieg. Die meisten Gebiete wurden von der Roten Armee erobert; 1922 wurde die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik Gründungsmitglied der Sowjetunion. Die staatliche Ukrainisierung dauerte bis 1931. Die Zwangskollektivierung unter Josef Stalin führte zum Holodomor; nach neuesten Schätzungen starben in der Ukraine etwa 3,5 Millionen Menschen. Ob die Hungersnot absichtlich herbeigeführt wurde, ist umstritten.

Im Zweiten Weltkrieg war die Ukraine von Deutschland besetzt. Sie war Schauplatz von Massenmorden an Juden, Polen, Roma und sowjetischen Kriegsgefangenen. Etwa vier Millionen Zivilisten starben, darunter etwa 1,5 Millionen jüdische Ukrainer. Nach dem Krieg war erstmals nahezu die gesamte Ukraine in der Sowjetunion vereinigt. Die Krim wurde 1954 von der RSFSR in die Ukrainische SSR überführt. Die Katastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 verseuchte fast 150.000 km² radioaktiv.

Nach einem Referendum mit 90,3 % Zustimmung wurde die Ukraine im Dezember 1991 unabhängig. Sie verzichtete auf das damals mit 1832 Nuklearsprengköpfen drittgrößte Kernwaffenarsenal der Welt; im Budapester Memorandum von 1994 gaben Russland, die USA und Großbritannien Sicherheitsgarantien. Der Euromaidan begann im November 2013, nachdem ein EU-Assoziierungsabkommen ausgesetzt worden war. 2014 annektierte Russland die Krim völkerrechtswidrig, und im Donbas begann ein bewaffneter Konflikt.

Am 24. Februar 2022 griff Russland die Ukraine von Russland, Belarus, der Krim und zuvor besetzten Gebieten aus an. Selenskyj verhängte Kriegszustand und Kriegsrecht. Nach dem zurückgeschlagenen Angriff auf Kiew konzentrierten sich die Kämpfe vor allem auf Osten und Südosten. Russland annektierte am 30. September 2022 Teile der Süd- und Ostukraine. Bis 2024 starben mehrere zehntausend ukrainische Soldaten sowie tausende bis zehntausende Zivilisten. Die materiellen Kriegsschäden wurden bis Ende 2023 auf mindestens 152 Milliarden US-Dollar geschätzt; für den Wiederaufbau rechnete man mit fast 500 Milliarden US-Dollar.

Politisches System und Außenbeziehungen

Die Verfassung von 1996 beschreibt die Ukraine als demokratischen, republikanischen, sozialen und rechtsstaatlichen Einheitsstaat mit semipräsidentiellem Regierungssystem. Der Präsident vertritt den Staat, wahrt Souveränität und territoriale Integrität, ernennt mit parlamentarischer Zustimmung den Ministerpräsidenten und kann Gesetze mit Veto zurückweisen. Er ist Oberbefehlshaber und kann Kriegsrecht sowie Generalmobilmachung ausrufen. Er wird direkt für fünf Jahre gewählt und darf höchstens zwei Amtszeiten hintereinander amtieren.

Die Werchowna Rada ist ein Einkammerparlament und übt die Gesetzgebung aus. Sie beschließt Haushalt, Verfassungsänderungen und Referenden, kontrolliert Präsident und Regierung und kann den Präsidenten des Amtes entheben. Das Ministerkabinett wird vom Ministerpräsidenten geführt und ist auf Unterstützung des Präsidenten und parlamentarische Mehrheiten angewiesen. Die Ukraine umfasst 24 Oblaste, die Autonome Republik Krim sowie die Städte mit Sonderstatus Kiew und Sewastopol. Seit 2014 übt Kiew über die Krim, Sewastopol und Teile von Donezk und Luhansk keine Gebietshoheit aus; seit 2022 gilt dies auch für Teile von Cherson und Saporischschja.

Die Außenpolitik schwankte nach 1991 zwischen Annäherung an EU und NATO sowie guten Beziehungen zu Russland. Seit Februar 2019 sind EU- und NATO-Beitritt als Ziele in der Verfassung festgeschrieben. Mit der EU besteht ein Assoziierungsabkommen: Der politische Teil wurde im März 2014, der wirtschaftliche Teil einschließlich Freihandelsabkommen am 28. Juni 2014 unterzeichnet. Im März 2022 wurden die Stromnetze der Ukraine und Moldaus mit dem westeuropäischen Netz synchronisiert.

Die Ukraine ist unter anderem Gründungsmitglied der UNO seit dem 24. Oktober 1945, Mitglied von UNESCO, OSZE, Europarat und WTO. Der Krieg beeinträchtigt Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Medien: Der Artikel nennt Korruption in Justiz und Polizei, Menschenrechtsverletzungen im Konflikt sowie seit 2022 ein einheitliches, vom Präsidialamt beeinflusstes Nachrichtenprogramm. Zugleich bestehen unabhängige Medien und Qualitätsjournalismus.

Wirtschaft, Energie und Landwirtschaft

Die Ukraine ist eine Transformationswirtschaft: Nach dem Ende der Sowjetunion wurden Staatswohnungen, kleine Unternehmen und weitere Betriebe privatisiert. Die Privatisierung begünstigte eine hohe Konzentration von Eigentum und die Entstehung einflussreicher Oligarchen. Der Dienstleistungssektor wuchs von rund 40 % des BIP im Jahr 2000 auf über 50 % 2019; der Industrieanteil fiel bis 2019 auf rund 22,5 %. Die Schattenwirtschaft entsprach 2009 bis 2016 etwa 34 bis 43 % des offiziellen BIP.

2024 betrug das BIP nach Kaufkraftparität 657,5 Milliarden US-Dollar, das BIP je Einwohner 19.719 US-Dollar. Das reale BIP-Wachstum lag 2022 wegen des Krieges bei −28,8 %, 2023 bei 5,5 % und 2024 bei 2,9 %. Zu den wichtigsten Exportgütern 2019 bis 2021 zählten Mais, Sonnenblumensamen und pflanzliche Öle, Eisenerz, Weizen sowie Eisen- und Stahlprodukte. Die Handelsstruktur verlagerte sich seit 2013 von Russland stärker zur EU. 2021 war China wichtigster Export- und Importpartner; Polen war ein wichtiger Absatzmarkt, Deutschland ein wichtiger Lieferant.

Die Landwirtschaft nutzt 69,41 % der Landesfläche, davon 55,96 % als Ackerland. Rund 56 % der Landfläche bestehen aus Ackerboden bester Qualität mit fruchtbarer Schwarzerde. Jährlich wurden rund 60 Millionen Tonnen Getreide produziert, vor allem Mais, Weizen und Gerste; 2019 lag die Rekordernte bei rund 75 Millionen Tonnen. Bodenerosion und Versteppung führten zum Verlust von rund einem Achtel der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Krieg führte bis Juni 2022 zum Verlust von etwa 25 % der Agrarfläche sowie von etwa 25 Millionen der 85 Millionen Tonnen Getreidelagerkapazität.

Der Energieverbrauch stützte sich bis 2021 vor allem auf Kohle, Gas, Öl und Kernenergie. Kernenergie lieferte 2021 etwa 55 % des Stroms. Die Ukraine verfügt über geschätzte Gasvorkommen von 1,09 Billionen Kubikmetern und über etwa 3 % der weltweit nachgewiesenen Kohlevorkommen. Seit 2016 importiert sie Erdgas nicht direkt aus Russland, sondern vor allem über Slowakei, Ungarn und Polen. Russische Angriffe beschädigten oder zerstörten große Teile der Energieinfrastruktur; im April 2024 waren laut Energieminister bis zu 80 % der Wärmekraftwerke und mehr als die Hälfte der Wasserkraftwerke angegriffen worden.

Der IT-Sektor erreichte 2021 4 % des BIP und exportierte vor allem Dienstleistungen in die USA und EU-Staaten. Informations- und Kommunikationstechnik machte 2021 38,1 % der Dienstleistungsexporte aus. Der Krieg zerstörte Produktionsmittel und Infrastruktur, verringerte Arbeitskräfte und Exporte und erhöhte die Abhängigkeit des Staatshaushalts von Unterstützung durch EU, USA, IWF und Weltbank.

Verkehr, Infrastruktur und Kultur

Die Infrastruktur war historisch vor allem in Nord-Süd-Richtung auf Moskau ausgerichtet. Seit der Unabhängigkeit sollte sie stärker West-Ost-Verbindungen zu Polen, Slowakei, Ungarn und Rumänien schaffen. Wichtigster Verkehrsträger ist die Eisenbahn, gefolgt von Straße und Binnenschifffahrt auf dem Dnepr. Seit 2014 und besonders seit 2022 sind Verkehr und Infrastruktur in großen Teilen eingeschränkt; der Verkehr zwischen Ukraine und Russland ist eingestellt.

Das Eisenbahnnetz verwendet die in ehemaligen Sowjetstaaten übliche Breitspur von 1520 mm. Die staatliche Gesellschaft Ukrsalisnyzja wurde 1991 gegründet. Das Straßennetz umfasste 2012 etwa 169.694 km, davon 166.095 km asphaltiert; ein geschlossenes Autobahnnetz gibt es nicht. Wichtige Schwarzmeerhäfen sind Odessa, Tschornomorsk, Mykolajiw und Cherson. Über Odessa wird fast die Hälfte der Ex- und Importe abgewickelt. Seit der Annexion der Krim hat die Ukraine keinen Zugang mehr zu Sewastopol und Kertsch.

In Kultur und Alltag prägen unter anderem traditionelle Stickereien wie Wyschywanka und Ruschnyk die Volkskunst. Der Nationalfeiertag ist der Unabhängigkeitstag am 24. August. Zu den wichtigen Bildungsinstitutionen gehört die Universität Kiew. Der Tourismus konzentrierte sich unter anderem auf Kiew, die Schwarzmeerküste und Krim, die Altstadt von Lwiw als UNESCO-Weltkulturerbe, die Karpaten und die Sperrzone von Tschernobyl. 2018 besuchten rund 14,2 Millionen Touristen die Ukraine; der Krieg verändert diese Voraussetzungen grundlegend.

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