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Claudia Roth
Claudia Benedikta Roth(* 15. Mai 1955 in Ulm) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2001 bis 2002 sowie von 2004 bis 2013 eine …
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Profil und frühe Jahre
Claudia Benedikta Roth (* 15. Mai 1955 in Ulm) ist eine deutsche Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen. Sie war von 2001 bis 2002 sowie von 2004 bis 2013 eine von zwei Bundesvorsitzenden ihrer Partei, von 2013 bis 2021 Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Seit der Bundestagswahl 2025 ist sie Fachsprecherin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Grünen-Bundestagsfraktion.
Roth wuchs mit zwei jüngeren Schwestern in Babenhausen bei Memmingen auf. 1974 legte sie am Simpert-Kraemer-Gymnasium in Krumbach das Abitur ab. Danach arbeitete sie zunächst am Landestheater Schwaben in Memmingen und studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Theaterwissenschaft, Geschichte und Germanistik. Das Studium brach sie nach zwei Semestern ab. Es folgten Tätigkeiten als Dramaturgie-Assistentin und Dramaturgin an den Städtischen Bühnen Dortmund und bei Hoffmanns Comic Teater in Unna.
Von 1982 bis 1985 war Roth Managerin der Politrockband Ton Steine Scherben um Rio Reiser. Sie lebte in dieser Zeit mit der Band in Fresenhagen in Nordfriesland. Die Band löste sich 1985 unter anderem wegen finanzieller Probleme auf. 1980 war Roth aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil sie deren Haltung zur Rolle der Frau ablehnte.
Vom Europaparlament zum Parteivorsitz
Roth war von 1971 bis 1990 Mitglied der Deutschen Jungdemokraten und gehört seit 1987 den Grünen an, die seit 1993 Bündnis 90/Die Grünen heißen. Von 1985 bis 1989 war sie Pressesprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion.
Von 1989 bis 1998 saß Roth als deutsche Grünen-Abgeordnete im Europäischen Parlament. Ab 1994 war sie Vorsitzende der Grünen-Fraktion. Sie arbeitete unter anderem im Ausschuss für Bürgerliche Freiheiten und Innere Angelegenheiten, im Auswärtigen Ausschuss und in Untersuchungsausschüssen mit. Außerdem war sie Vizepräsidentin des parlamentarischen Ausschusses EU-Türkei. Zu ihren Schwerpunkten gehörten die Gleichberechtigung homosexueller Menschen und die Rechte der Kurden in der Türkei. 1994 verabschiedete das Europäische Parlament den sogenannten „Roth-Rapport“ zur Gleichberechtigung von Homosexuellen. Nach einer Beleidigung durch den türkischen Staatsminister Ayvaz Gökdemir erhielt Roth Schadenersatz und spendete das Geld dem türkischen Frauenverein Mor Çatı.
1998 wurde Roth in den Deutschen Bundestag gewählt und übernahm den Vorsitz des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Am 9. März 2001 wurde sie erstmals Bundesvorsitzende der Grünen. Wegen der damaligen Trennung von Amt und Mandat schied sie am 31. März 2001 aus dem Bundestag aus. Nachdem sie 2002 erneut ein Bundestagsmandat gewonnen hatte, kandidierte sie im Dezember 2002 nicht wieder für den Parteivorsitz.
Ab 2002 war Roth erneut Mitglied des Bundestages, stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und Mitglied im Unterausschuss Vereinte Nationen. Von März 2003 bis Oktober 2004 war sie Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Kabinett Schröder II. Nachdem die Grünen 2003 die Trennung von Amt und Mandat gelockert hatten, wurde Roth am 2. Oktober 2004 gemeinsam mit Reinhard Bütikofer erneut zur Bundesvorsitzenden gewählt. Sie wurde 2006 mit 66 %, 2008 mit 82,7 % und 2010 mit 79,3 % bestätigt. Mit mehr als neun Jahren war sie die am längsten ununterbrochen amtierende Vorsitzende der Grünen. 2012 unterlag sie bei der Urwahl für das Spitzenduo zur Bundestagswahl 2013 mit 26 % der Stimmen Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt, wurde aber am 17. November 2012 mit 88,5 % als Parteivorsitzende bestätigt. Nach dem schlechten Abschneiden der Grünen bei der Bundestagswahl 2013 trat der gesamte Bundesvorstand zurück; Roth kandidierte im Oktober 2013 nicht erneut.
Parlamentsämter und aktuelle Aufgabe
Am 22. Oktober 2013 wurde Roth zur Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages gewählt. Zusätzlich war sie Vorsitzende des Ältestenrates. Sie arbeitete im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie als Obfrau des Unterausschusses „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“ und war stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Der 19. Deutsche Bundestag bestätigte sie am 24. Oktober 2017 erneut als Vizepräsidentin.
Mit ihrer Berufung zur Staatsministerin für Kultur und Medien im Jahr 2021 schied Roth aus dem Bundestagspräsidium aus; ihre Nachfolgerin wurde Katrin Göring-Eckardt. Von 2021 bis 2025 war Roth Staatsministerin beim Bundeskanzler und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 kandidierte Roth im Wahlkreis Augsburg-Stadt. Sie unterlag Volker Ulrich (CSU) mit 20,6 % der Stimmen. Das Direktmandat blieb wegen fehlender Zweitstimmendeckung unbesetzt. Über Platz 3 der bayerischen Landesliste der Grünen zog Roth in den 21. Deutschen Bundestag ein. Bei der parteiinternen Abstimmung für das Amt des stellvertretenden Bundestagspräsidenten unterlag sie Omid Nouripour. Seit 2025 ist sie Fachsprecherin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Grünen-Fraktion und Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Politische Schwerpunkte und Engagement
Zu Roths politischen Schwerpunkten gehören multikulturelles Zusammenleben, der Schutz von Minderheiten und die europäische Integration. Sie engagierte sich öffentlich für die Rechte homosexueller Menschen, unter anderem bei der Parada Równości in Warschau und beim Christopher Street Day in Dresden 2010. Sie ist Mitglied im Lesben- und Schwulenverband in Deutschland.
Roth nahm an den Protesten in der Türkei 2013 als Demonstrantin und Beobachterin teil und forderte angesichts von Drohungen gegen Demonstranten klare politische Worte der NATO sowie mehr zivilgesellschaftliche Solidarität. 2016 wandte sie sich dagegen, die Einreisefreiheit für türkische Staatsbürger von einem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei abhängig zu machen. 2020 übernahm sie die Patenschaft für die belarussische Bürgerrechtlerin und politische Gefangene Maryja Kalesnikawa.
Als Kulturpolitikerin plädierte Roth 2021 dafür, Kultur als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern und Bund, Länder und Gemeinden in diese Verpflichtung einzubeziehen. Sie ist unter anderem Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Europa-Union Deutschland. Am 21. Oktober 2021 reiste sie zum 80. Jahrestag der Massaker in Kragujevac und Kraljevo als erste höhere Repräsentantin Deutschlands nach Serbien, verneigte sich vor den Opfern und betonte die Bedeutung gemeinsamen Erinnerns und Gedenkens.
Roth war außerdem in verschiedenen ehrenamtlichen Gremien tätig, etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, der Universität Augsburg und der Humanistischen Union. Sie engagierte sich im Fußballbereich, unter anderem in der Kommission Nachhaltigkeit des Deutschen Fußball-Bundes. Eine juristische Auseinandersetzung entstand um die Verwendung von Anti-Nazi-Symbolen: Roth erstattete Selbstanzeige, nachdem sie solche Abzeichen verwendet hatte. Ein Urteil des Stuttgarter Landgerichts gegen den Händler wurde am 15. März 2007 vom Bundesgerichtshof aufgehoben.
Öffentliche Wahrnehmung, Werke und Auszeichnungen
Roth gilt als polarisierende Politikerin. Sie wird als emotional, diszipliniert, prinzipientreu und unermüdliche Wahlkämpferin beschrieben. Gleichzeitig wurde ihr moralischer Rigorismus als möglicherweise antiquiert und als Erinnerung an die „grüne Betroffenheitspolitik der 80er Jahre“ bewertet. Innerhalb der Grünen galt sie als Vertreterin des linken Flügels und als „linkes Gewissen“ der Partei. Vertreter des Realo-Flügels kritisierten sie teilweise, andere bescheinigten ihr, die Parteiflügel zusammenzuhalten.
Öffentliche Kritik betraf unter anderem ihren Kontakt zu Politikern des iranischen Regimes, ihre verspätete Meldung einer Sonderzahlung aus dem Jahr 2013 sowie ihre Haltung zur BDS-Entschließung des Bundestages von 2019. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 distanzierte sie sich von der BDS-Bewegung. Im Zusammenhang mit antisemitischen Kunstwerken auf der Documenta fifteen 2022 wurde ihr Rücktritt als Kulturstaatsministerin gefordert. 2023 und 2024 gab es weitere Kritik wegen ihrer Rolle bei der Berlinale und wegen ihres Applauses nach einer Rede, in der Israel als „Apartheid“ bezeichnet wurde. Roth erklärte, ihr Applaus habe der Forderung nach einer politischen Lösung und friedlichem Zusammenleben gegolten. Auch Vorwürfe einer „Amigo-Affäre“ wies sie erfolgreich gerichtlich zurück.
2011 spielte Roth etwa sechs Minuten lang sich selbst in dem türkischen Film Entelköy Efeköy'e Karşı („Entelköy gegen Efeköy“). 2006 veröffentlichte sie das Buch Das Politische ist privat, Erinnerungen für die Zukunft. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Rosa-Courage-Preis (1995), die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW (2002), die Ernennung zum Ritter der französischen Ehrenlegion (2004), der Bayerische Verdienstorden (2014) und der Bayerische Verfassungsorden (2022).