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Singapur

Die Republik regelt per Rechtsanordnung das multiethnische Zusammenleben zwischen den drei größten Bevölkerungsgruppen der Chinesen (74 % der Bevölkerung), der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Stadtstaat, Lage und Bevölkerung
  2. 2. Geschichte und politisches System
  3. 3. Recht, Sicherheit und Streitkräfte
  4. 4. Wirtschaft und Welthandel
  5. 5. Bildung, Verkehr und Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Tourismus und Sport

Stadtstaat, Lage und Bevölkerung

Singapur ist ein Insel- und Stadtstaat in Südostasien. Er liegt vor der Südspitze der Malaiischen Halbinsel, von Malaysia durch die Straße von Johor getrennt; im Süden liegen Indonesiens Sumatra und die Riau-Inseln. Amtlich heißt er Republik Singapur. Staats- und Regierungsform ist eine parlamentarische Republik; Hauptstadt ist Singapur. Die Unabhängigkeit von Malaysia besteht seit dem 9. August 1965.

Die Fläche beträgt 736,3 km² (Juni 2025), die Einwohnerzahl 5.640.000 (2025). Damit ist Singapur der bevölkerungsreichste Zwergstaat der Erde und hat mit 8286 Einwohnern je km² nach Monaco die zweithöchste Bevölkerungsdichte aller Staaten. Die Hauptinsel Pulau Ujong wird durch Pulau Ubin, Pulau Tekong, Jurong Island und 58 kleinere Inseln ergänzt. Landgewinnung ist besonders wichtig: Die Landfläche wuchs von 581,5 km² in den 1960er Jahren auf 725,1 km² und soll bis 2030 rund 800 km² erreichen. Höchste Erhebung ist der 163,63 m hohe Bukit Timah Hill.

Das Klima ist tropisch-feucht (Köppen-Typ Af). Die mittlere Tageshöchsttemperatur beträgt 30,9 °C, die mittlere Tagesminimumtemperatur 23,9 °C. Jährlich fallen 2150 mm Niederschlag an 220 Regentagen; besonders niederschlagsreich sind Oktober bis Februar während des Monsuns.

Die vier Amtssprachen sind Malaiisch, Mandarin, Tamil und Englisch. Malaiisch ist Nationalsprache, Englisch aber die wichtigste Verkehrs- und Geschäftssprache sowie häufig Unterrichtssprache. Zu Hause wird am häufigsten Englisch beziehungsweise Singlish gesprochen (37 %), danach Hochchinesisch (35 %). Die Wohnbevölkerung umfasste 2023 4.149.300 Menschen, darunter 3.610.700 Staatsbürger und 538.600 permanent residents. Von den Staatsbürgern und dauerhaft Aufenthaltsberechtigten waren 76,8 % Chinesen, 13,8 % Malaien, 7,9 % Inder und 1,4 % andere Gruppen. Etwa 1,2 Millionen Arbeitsmigranten und Ausländer lebten zusätzlich im Land.

Die Geburtenrate ist sehr niedrig: 2022 lag sie bei 1,0 Kindern pro Frau. Die Lebenserwartung betrug 2022 82,9 Jahre. 2023 waren 11,7 % der Bevölkerung unter 15 Jahre und 16,1 % über 64 Jahre alt. Die größten Religionsgruppen ab 15 Jahren sind Buddhismus (33 %), Christentum (19 %), Islam (14 %), Daoismus (10 %) und Hinduismus (5 %); 18,5 % gehören keiner Religion an.

Geschichte und politisches System

Frühe chinesische Aufzeichnungen zu Singapur stammen aus dem 3. Jahrhundert. Die Insel, ursprünglich Temasek genannt, war Außenposten des Srivijaya-Reichs und zeitweise Handelsstadt. Am 28. Januar 1819 kam Thomas Stamford Raffles als Handelsagent der Britischen Ostindien-Kompanie an; am 6. Februar 1819 gründete er die erste britische Niederlassung. 1826 wurde Singapur Teil der Straits Settlements, 1836 deren Hauptstadt und am 1. April 1867 britische Kronkolonie.

Im Zweiten Weltkrieg eroberte Japan Singapur im Februar 1942 und hielt es bis September 1945. 1959 erhielt Singapur Selbstregierung; Lee Kuan Yew wurde nach dem Wahlsieg der People’s Action Party (PAP) erster Premierminister. 1963 trat Singapur einer Föderation mit Malaya, Sabah und Sarawak bei. Nach Konflikten und Unruhen wurde es am 7. August 1965 aus der Föderation ausgeschlossen; Malaysia erkannte seine Souveränität am 9. August 1965 an. Dieser Tag ist Nationalfeiertag. Nach anfänglicher Massenarbeitslosigkeit sowie Mangel an Wohnraum, Ackerland und Rohstoffen entwickelte sich Singapur innerhalb einer Generation vom Entwicklungsland zum Industriestaat und zu einem der vier asiatischen Tigerstaaten.

Staatsoberhaupt ist der Präsident, der in Schlüsselbereichen Vetorechte besitzt und oberste Richter benennt. Er wird theoretisch alle sechs Jahre direkt gewählt. Seit dem 14. September 2023 ist Tharman Shanmugaratnam Präsident. Das Parlament wird alle fünf Jahre gewählt. Es gilt Mehrheitswahlrecht (first-past-the-post) mit Group Representation Constituencies: Parteien treten dort als Teams an, von denen mindestens ein Mitglied einer ethnischen Minderheit angehören muss. Regierungschef ist der Premierminister; das Kabinett bildet die Exekutive. Es besteht Wahlpflicht.

Die PAP dominiert die Politik seit der Staatsgründung 1959. Kritiker bezeichnen Singapur deshalb als Einparteienstaat und werfen der PAP unter anderem rigides Vorgehen gegen die Opposition vor. Der Bertelsmann Transformation Index 2022 ordnete Singapur wegen der Unterdrückung der Opposition autokratisch regierten Staaten zu. Gleichzeitig prägen eine erfolgreiche Marktwirtschaft, öffentlicher Wohnungsbau, staatliche Unternehmen, geringe Korruption, strenge Gesetze und Überwachung das Land. Im Demokratieindex 2024 erhielt Singapur 6,18 von 10 Punkten und galt als „unvollständige Demokratie“; im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 erreichte es mit 84 von 100 Punkten Rang 3 von 181.

Die Verwaltung besteht aus fünf CDC-Distrikten: Central Singapore, North East, North West, South East und South West. Für die Landesplanung gibt es fünf andere Regionen mit insgesamt 55 Planungsgebieten. Der Staat bezeichnet sein Verhältnis zur Religion als muscular secularism, einen „wehrhaften“ oder „wachsamen Säkularismus“. Er soll sozialen Zusammenhalt sichern und religiösen Extremismus verhindern.

Recht, Sicherheit und Streitkräfte

Das Rechtssystem Singapurs ist international umstritten, weil es strenge Strafen zur Abschreckung vorsieht. Für Vandalismus und Graffiti sind Haft und Prügel mit dem Rohrstock möglich. Müll wegzuwerfen, Essen, Trinken oder Rauchen in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie andere Verstöße können hohe Geld- oder Sozialarbeitsstrafen nach sich ziehen. Für den privaten Autobesitz und viele Bereiche des öffentlichen Lebens gelten starke staatliche Regelungen.

Körperstrafen, Caning genannt, werden zusätzlich zu Gefängnisstrafen ausschließlich gegen Männer zwischen 16 und 50 Jahren verhängt. Bis zu 24 Hiebe können in einem Durchgang auf das entblößte Gesäß erfolgen. Das Verfahren wird auch bei Ausländern angewandt und international kritisiert.

Seit 1991 wurden mindestens 420 Menschen hingerichtet; 85 bis 90 % davon wegen Drogenhandels. Für bestimmte Mengen von Drogen drohte die Todesstrafe, etwa bei mehr als 15 g Heroin, 30 g Kokain, 250 g Methamphetamin oder 500 g Cannabis. Seit November 2012 ist sie bei Drogenhandel und Tötungsdelikten nicht mehr zwingend: Richter können bei bloßen Drogenkurieren, die mit Ermittlungsbehörden kooperieren, lebenslange Freiheitsstrafe verhängen. Nach dem dargestellten UNODC-Vergleich erwies sich die Todesstrafe nicht als wirksames Instrument zur Senkung der Kriminalität.

Singapur weist sehr niedrige Tötungsraten auf: 2017 waren es 0,2 Fälle je 100.000 Einwohner beziehungsweise 11 Tötungsdelikte. Das UNODC nennt als wichtige mögliche Gründe Rechtsstaatlichkeit, Korruptionsbekämpfung, leistungsorientierte Verwaltung, Investitionen in Bildung, Gesundheit und sozialen Wohnungsbau sowie die Förderung von Arbeit, Zusammenhalt und gegenseitigem Respekt.

Die Sicherheitspolitik heißt Total Defence und umfasst militärische, zivile, wirtschaftliche, soziale und psychische Säulen. Die Singapore Armed Forces bestehen aus Heer, Marine und Luftwaffe. 2020 umfasste das Heer etwa 45.000 aktive Soldaten und 170.000 Reservisten. Für die Streitkräfte gab Singapur 2020 10,7 Milliarden Dollar aus, knapp 3,3 % seiner Wirtschaftsleistung.

Wirtschaft und Welthandel

Singapur besitzt kaum natürliche Ressourcen und praktisch kein Hinterland, ist aber ein global bedeutender Finanz-, Handels- und Logistikknotenpunkt. Seine Lage an den Seewegen zwischen China beziehungsweise Japan und Europa machte es früh zu einem Umschlagplatz. Nach der Unabhängigkeit begann eine schnelle Industrialisierung; heute ist die Volkswirtschaft überwiegend dienstleistungsorientiert. 2021 entfielen 69,4 % des Bruttoinlandsprodukts auf Dienstleistungen und 30,6 % auf Produktion, die Arbeitslosigkeit lag bei 2,6 %.

Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 nominal 547 Milliarden US-Dollar und nach Kaufkraftparität 911 Milliarden US-Dollar. Das BIP pro Kopf lag nach Kaufkraftparität bei 150.908 US-Dollar. Singapur ist eines der reichsten Länder und trägt bei allen großen Ratingagenturen die Bonitätsbewertung „AAA“. Zugleich gilt es als eine Stadt mit besonders hohen Lebenshaltungskosten. 79 % der Einwohner wohnen im öffentlichen Wohnungsbau des Housing and Development Board; der Staat nimmt über die Holding Temasek strategischen Einfluss auf Unternehmen.

Wichtige Wirtschaftsbereiche sind Verarbeitung und Veredelung von Nahrungsmitteln, Erdöl, Kautschuk, Stahl und Maschinen, Forschung sowie Biotechnologie. Der Hafen ist einer der modernsten und größten Umschlagplätze der Welt. Singapur war 2016 mit Waren- und Dienstleistungsexporten von 511 Milliarden US-Dollar die elftgrößte Exportnation. 2020 betrugen Einfuhren 328,6 Milliarden Euro und Ausfuhren 373,7 Milliarden Euro; der Außenhandel erzielte also einen Überschuss von 45,1 Milliarden Euro. Wichtigste Handelspartner waren unter anderem China, Malaysia, Taiwan, die Vereinigten Staaten, Hongkong, Japan und Südkorea.

Als internationaler Finanzplatz und Standort der Vermögensverwaltung hat Singapur besondere Bedeutung. Das Volumen der dort verwalteten Vermögen verdoppelte sich nach der Finanzkrise 2008/09 bis 2015 auf etwa 2,5 Billionen Singapur-Dollar. Die Monetary Authority of Singapore ist die Zentralbank. Zu den Staatsfonds gehören Temasek Holdings und die Government of Singapore Investment Corporation. Singapur schließt zahlreiche Freihandelsabkommen, ist Mitglied von ASEAN und APEC und unterzeichnete am 19. Oktober 2018 mit der EU ein Freihandels- und Investitionsabkommen.

Bildung, Verkehr und Infrastruktur

Bildung gilt als zentrale Stärke Singapurs. Es gibt staatliche und private Schulen, darunter Eliteschulen mit Auswahlverfahren. Englisch ist meist Unterrichtssprache. In den 18 Junior Colleges legen Schüler gewöhnlich nach zwei Jahren die Singapore-Cambridge GCE „Advanced“ Level Examinations ab. Sehr gute Schüler können zusätzlich Französisch, Deutsch, Japanisch, Malaiisch, Indonesisch oder Arabisch lernen. Singapur erzielt besonders in Mathematik und Naturwissenschaften hohe Leistungen: In PISA 2015 erreichte es in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen jeweils Platz 1 unter 72 Ländern; laut Artikel lag es auch 2026 bei PISA auf Platz 1. Der Leistungsdruck gilt als hoch. Seit dem ICT-Education-Masterplan von 1997 wurde Informations- und Kommunikationstechnik stark in den Unterricht eingebunden.

Staatliche Universitäten sind unter anderem die National University of Singapore (NUS), Nanyang Technological University (NTU), Singapore Management University, Singapore University of Social Sciences, Singapore University of Technology and Design und Singapore Institute of Technology. Daneben bestehen private und ausländische Einrichtungen.

Wegen der britischen Vergangenheit herrscht Linksverkehr. Zwei Verbindungen führen nach Malaysia: der Johor–Singapore Causeway im Norden und der Malaysia–Singapore Second Link im Westen. Der private Autobesitz ist durch das versteigerte Certificate of Entitlement begrenzt, das nach zehn Jahren verfällt; 2023 galten 532.000 registrierte Kraftfahrzeuge als Obergrenze. Zusätzlich gibt es im Stadtzentrum eine elektronische Maut.

Der Flughafen Changi ist ein wichtiger südostasiatischer Flughafen mit vier Terminals und über 100 internationalen Fluggesellschaften. Der öffentliche Nahverkehr besteht vor allem aus Mass Rapid Transit (MRT), Bussen und Taxis. Das MRT-Netz wird systematisch ausgebaut. Der Hafen Singapurs gehört zu den geschäftigsten der Welt und ist ein besonders bedeutender Containerumschlagplatz.

Kultur, Tourismus und Sport

Das Zusammenleben der ethnischen und religiösen Gruppen wird staatlich gefördert. Im sozialen Wohnungsbau bestehen ethnische Quoten; der Presidential Council for Minority Rights prüft Gesetzentwürfe auf mögliche Diskriminierung. Singlish ist eine englische Sprachvarietät mit Begriffen und Grammatik aus allen vier Amtssprachen. Medien sind staatlich kontrolliert und unterliegen Zensur; nach Angaben von Reporter ohne Grenzen ist die Lage der Pressefreiheit „sehr ernst“.

Die Küche verbindet chinesische, malaiische, indische und weitere Einflüsse. Als Bestandteile der Nationalgerichte gelten etwa Laksa, Yong Tau Foo und Roti Prata. Singapur hat elf Feiertage, darunter Neujahr, Tag der Arbeit und den Nationalfeiertag am 9. August sowie chinesische, buddhistische, islamische, hinduistische und christliche Feiertage.

Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. 2017 besuchten 17,4 Millionen Touristen die Stadt; typische Aufenthalte dauern durchschnittlich 3,67 Tage. Bedeutende Ziele sind die Marina Bay mit Marina Bay Sands, Singapore Flyer und Gardens by the Bay, die Stadtviertel Chinatown, Little India und Kampong Glam, Sentosa, das Raffles Hotel, der Singapore Botanic Gardens und das Bukit-Timah-Reservat. Wahrzeichen ist der Merlion, ein Fabelwesen mit Löwenkopf und Fischkörper.

Sportlich gewann Joseph Schooling bei den Olympischen Spielen 2016 Gold über 100 m Schmetterling. Singapur war 2010 erster Austragungsort Olympischer Jugendspiele. Das erste Formel-1-Rennen fand am 28. September 2008 auf dem Marina Bay Street Circuit statt und war das erste Nachtrennen der Formel-1-Geschichte. Sebastian Vettel ist dort mit fünf Siegen (Stand 2024) der erfolgreichste Fahrer.

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