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Zoroastrismus

Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus sowie zoroastrische Religion und Zoroastrianismus) ist eine Religion, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Schriften
  2. 2. Ethik, Gut und Böse
  3. 3. Schöpfung, Jenseits und Umgang mit Tieren
  4. 4. Riten und Totenkult
  5. 5. Ausbreitung und heutige Gemeinschaften
  6. 6. Einfluss auf andere Religionen

Grundzüge und Schriften

Der Zoroastrismus, auch Zarathustrismus, Mazdaismus oder Parsismus, ist eine von Zarathustra gestiftete Religion. Sie fußt auf sehr alten indoiranischen Traditionen und Überlieferungen. Ihre Entstehung wird zwischen 1800 und 600 v. Chr. angesetzt, ihre Herkunft ist jedoch umstritten. Zentral ist Ahura Mazda, mittelpersisch Ohrmazd, der Schöpfergott und „Herr der Weisheit“. Sein Gegenspieler ist Angra Mainyu, mittelpersisch Ahriman, der Herrscher über die Daeva, also dämonische Mächte. Gottesbilder sind der Religion fremd. Heiliges Feuer gilt als Symbol der Gottheit und vollkommener Reinheit; deshalb gibt es Feuertempel mit ständig gehüteten Flammen.

Die heilige Schrift heißt Avesta. Ihre ältesten Teile wurden mindestens 1000 Jahre mündlich weitergegeben; ältere und jüngere Texte wurden erst in der Zeit des Sassanidenreichs schriftlich fixiert. Die ältesten erhaltenen Handschriften stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. Sie stehen in avestischer und oft auch mittelpersischer Sprache. Handschriften mit mittelpersischen Übersetzungen, Deutungen und Kommentaren heißen Pahlavi-Texte. Unterschieden werden das ursprüngliche mündliche Avesta, reine avestische Texte (sǎda) und mittelpersische Erweiterungen. Bedeutende Werke sind der Denkard als Sammlung älterer Quellen, das Bundahischn zur Schöpfung und das Rechtsbuch Madayan-i Hazar Dadestan.

Als historische Selbstbezeichnung erscheint avestisch mazdaiiasna-, „Mazdaverehrer“. Spätere Schriften sprechen von der guten, wahren oder reinen Religion. Heute nennen sich die indischen Anhänger Parsen und bezeichnen ihre Religion meist als Zoroastrismus. Der Ausdruck wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert gebräuchlich; er leitet sich von Zōroástrēs, der griechischen Form von Zarathustra, ab.

Ethik, Gut und Böse

Die Lehre fordert eine bewusste Entscheidung für das Gute. Yasna 12, 8 fasst das Glaubensgelübde zusammen: „Ich schwöre mich ein auf den gutgedachten Gedanken, Ich schwöre mich ein auf das gutgesprochene Wort, Ich schwöre mich ein auf die gutgetane Handlung.“ Gute Gedanken, Worte und Werke stehen somit im Mittelpunkt.

Die Welt ist ein Kampfplatz zwischen Licht und Finsternis. Ahura Mazda wohnt im Reich des Lichtes, Ahriman steht für Negation, Zerstörung und Tod im Abgrund der Finsternis. Der Kampf soll enden, wenn Ahura Mazda die dämonischen Gegenmächte zurückdrängt. Das Ende wird als tan-i pasen, „leibliche Auferstehung“, bezeichnet.

Der Dualismus beschreibt zwei Zwillinge: Spenta Mainyu, den Guten Geist, und Angra Mainyu, den Bösen Geist. Sie unterscheiden sich in Geist, Rede und Taten; der eine ist sehr gut, der andere schlecht. Im ältesten Teil des Avesta gelten sie nicht als ursprünglich, sondern als Ausdruck Ahura Mazdas oder als von ihm geschaffen. Sie errichten gemeinsam Leben und Tod. Wahrheit und kosmische Ordnung heißen aša-: Harmonie, Ordnung, Gerechtigkeit und Wahrheit. Ihr Gegenbegriff ist druj-, also Unordnung, Lüge und Täuschung. Wer die Wahrheit wählt, heißt ashawan, „Besitzer der Wahrheit“; wer die Lüge wählt, drugwant, „Besitzer der Lüge“. Der freie Wille macht jeden Menschen selbst für Erlösung oder Verdammnis verantwortlich.

Ahura Mazda ist von sechs Amescha Spenta, den „Wohltätigen Unsterblichen“, umgeben und bildet mit ihnen die göttliche Siebenheit. Im jüngeren Avesta erscheinen sie als sechs allegorische Aspekte oder Hypostasen Ahura Mazdas. Daneben gibt es Yazatas, „des Opfers würdige“ Gottheiten wie Mithra und sein Gefolge, sowie Ratus, zu denen etwa Sonne, Mond und der Stern Tištriia gehören. Der ältere Avesta, besonders die Gathas, wird als „unfertiger“ Monotheismus beschrieben; der jüngere Avesta zeigt ein vielgestaltigeres Pantheon. Feuer und Wasser gelten als reine, von Gott geschaffene Substanzen. Die Bezeichnung „Feueranbeter“ ist deshalb irreführend.

Schöpfung, Jenseits und Umgang mit Tieren

Die mittelpersischen Bücher Bundahischn und Anthologie von Zādspram überliefern die Kosmogonie. Ohrmazd befand sich im reinen Licht, Ahriman in der Dunkelheit; dazwischen lag leerer Raum. Ohrmazd schuf seine Geschöpfe zunächst für 3000 Jahre in einem geistigen, unbewegten und lichtvollen Zustand. Um den Krieg mit Ahriman zu begrenzen, vereinbarten beide einen zeitlichen Rahmen. Nach einem spirituellen Yasna mit den Amescha Spenta schuf Ohrmazd Himmel, Wasser, Erde, eine einzelne Pflanze, den Ochsen und den Menschen. In der folgenden Vermischung geriet die Schöpfung durch Ahrimans Angriffe in Bewegung und wurde zur bekannten Welt. Nach 3000 Jahren der Vermischung soll die Erneuerung die endgültige Trennung von Gut und Böse und den Sieg über das Böse bringen. Die letzte Epoche dauert wiederum 3000 Jahre. Zarathustra und drei seiner Nachkommen stehen an den Schwellen der Millennien; drei weitere Söhne sollen die endzeitliche „Herrlichmachung“ und Unsterblichkeit der Schöpfung herbeiführen.

Nach dem Tod gelangen Seelen zur Činvat-Brücke, welche die Welt der Lebenden von jener der Toten trennt. Dort werden ihre Taten beurteilt. Die Seelen der Ašagerechten werden zur geistigen Welt der Yazatas geführt, schlechte Seelen in die Finsternis gezogen.

Tiere werden im jüngeren Avesta als Wasser-, Land-, Flug-, Wild- und Weidetiere in Verehrungen eingeschlossen. Mittelpersische Texte unterscheiden „wohltätige“ Tiere, etwa Rinder, Hunde und andere nützliche Haustiere, von Xrafstra, den „Tieren des Teufels“. Die wohltätigen Tiere sollen von einem ersten Rind abstammen und dürfen gezähmt, gegessen oder geopfert werden. Xrafstra wie Insekten, Schlangen und Mäuse gelten als schädlich, ungenießbar und nicht opferfähig; Priester sollen sie töten. Für die Tierwelt wird eine fünfteilige Einteilung bis zu einzelnen Arten beschrieben; ihre Anzahl beträgt 282.

Riten und Totenkult

Zoroastrische Zeremonien dienen insgesamt dazu, die Kräfte des Guten zu stärken und jene des Bösen zu schwächen. Dazu zählen Danksagungen, Reinigungen des Feuers und von Personen, die Zubereitung von Haoma, Priesterordinationen sowie Heirats- und Bestattungsriten. Das wichtigste traditionelle Ritual ist das Yasna, das Rezitieren von Texten mit ursprünglich dargebrachten Opfergaben, Trank und Lobliedern. Zu besonderen Gelegenheiten wird es durch Visperad und Videvdad verlängert. Heute führen üblicherweise zwei Priester ein Yasna durch. Eine vollständige, 2017 in Indien aufgenommene Zeremonie dauerte mit Vorbereitungen 4 Stunden und 55 Minuten.

Wichtige Riten erfolgen im Feuertempel durch rituell gereinigte Priester. Der Rang eines Tempels richtet sich nach seinem Feuer: Hausfeuer werden von Bewohnern gepflegt; ein Feuer höherer Reinheit wird an einem reinen Ort von Priestern versorgt; das Bahramfeuer wird ungefähr ein Jahr lang fortwährend gereinigt und benötigt Priester in hoher ritueller Reinheit. Gläubige lösen und binden vor dem Gebet ihre heilige Schnur, den Kusti, unter vorgeschriebenen Gebeten erneut und treten dann zum Feuer.

Der Vendidâd verbindet Leichen mit Nasu, einer weiblichen Leichendämonin: Sie vergifte den Körper unmittelbar nach dem Tod und mache ihn ansteckend. Deshalb sind Kremieren, Versenken im Wasser und Beerdigen verboten. Vorgesehen ist, eine nackte Leiche erhöht auszulegen, damit aasfressende Hunde und Vögel sie erreichen. Übrig gebliebene Knochen sollen in einem Behälter aus Stein, Kalk oder Lehm geschützt werden; fehlt dieser, sollen sie Licht und Sonne ausgesetzt sein. Die frühere Luft- oder Himmelsbestattung fand in offenen Türmen des Schweigens, Dachmas, statt. Im Iran ist sie seit 1970 aus Hygienegründen verboten; dort werden Zoroastrier seither in Betongräbern beerdigt. In Indien, etwa in Mumbai, wird sie weiterhin praktiziert.

Ausbreitung und heutige Gemeinschaften

Die avestischen Konzepte stammen ursprünglich aus ostiranischen oder zentralasiatischen Gebieten und breiteten sich vom 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. im iranischen Kulturraum aus. Achämenidische Inschriften rufen Ahuramazda an und lehnen teilweise Daevas ab, nennen Zarathustra aber nicht. Unter den Sassaniden vom 3. bis 7. Jahrhundert n. Chr. war der Zoroastrismus die wichtigste, jedoch nicht die allein erlaubte Religion. Einzelheiten dieser Zeit sind umstritten, weil viele zoroastrische Quellen erst nach dem Untergang des Reiches entstanden. Die zurvanistische Variante nahm Zurvan, die unendliche Zeit, als gemeinsame Quelle von Ahura Mazda und Ahriman an und war im 5. Jahrhundert n. Chr. unter Yazdegerd I. offenbar vorherrschend.

Nach der islamischen Eroberung ab 636 verlor die Religion ihren bevorzugten Status; erst um 900 wurden Muslime zur Mehrheit im Iran. Verfolgung führte vor etwa 1000 Jahren zur Auswanderung vieler Zarathustrier in das heutige Indien und Pakistan. Nouruz bewahrt zarathustrisches Erbe. Heute gibt es weltweit etwa 130.000 Zoroastrier. Rund 75.000 leben in Indien, mehr als 70 % davon in Mumbai; für Iran werden etwa 25.000 genannt, für USA und Kanada etwa 10.000 und für Westeuropa etwas weniger. Die Angaben für Iran schwanken: Für 2006 werden knapp 20.000, für die jüngere Zeit über 25.000 genannt. Eine Internetumfrage von 2020, nach der sich 7,7 % der Iraner als Zoroastrier bezeichnen, ist eine Hochrechnung und kann auch iranischen Nationalismus oder Unzufriedenheit mit dem Islam erfassen.

Heute werden vor allem Traditionalisten und Reformisten unterschieden. Traditionalisten, meist Parsen, akzeptieren Gathas, Avesta und mittelpersische Literatur und lassen meist keinen Übertritt zu. Reformisten betonen die Gathas, die universelle Natur des Glaubens, geringere Ritualisierung sowie Zoroastrismus als Philosophie. In Iran steht oft die rationale ethische Haltung zu Ahura Mazda im Vordergrund: aus freiem Willen gut denken, gut sprechen und gut handeln. In Indien sind Amescha Spenta und Rituale besonders wichtig. In Pakistan lebten 2012 schätzungsweise 1.675 Zoroastrier; für die Wahlen wurden 2013 3.650 und 2018 4.235 Parsen-Wähler registriert. In Deutschland werden bis zu 700 Anhänger geschätzt, rund 400 gehören dem Zarathustrischen Verein Deutschland an.

Einfluss auf andere Religionen

Nach dem Babylonischen Exil, im 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr., übernahm das Judentum nach Darstellung des Artikels viele zoroastrische Bilder. Dazu gehören besonders Vorstellungen vom Ende der Welt; der Teufel als Gegenspieler Gottes geht vermutlich auf Ahriman zurück. Himmel und Hölle waren dem älteren Judentum unbekannt und können vom Zoroastrismus, aber auch von der griechischen Hades-Vorstellung beeinflusst sein. Über das Judentum gingen solche Vorstellungen in Christentum und Islam ein. Ein direkter Einfluss auf den frühen Islam in Persien ist im Einzelnen schwer nachweisbar.

Als weitere Beispiele gelten Mithraismus und Manichäismus. Der Manichäismus entstand im 3. Jahrhundert n. Chr. aus zoroastrischen, christlichen und buddhistischen Lehren, war zeitweise von China über Mittelasien bis Italien, Spanien und Südfrankreich verbreitet und verschwand im 14. Jahrhundert. Der jesidische Autor Darwis Hasso vertritt die Auffassung, das Jesidentum habe sich aus dem Zoroastrismus entwickelt. Mazdaznan versteht sich als reformierter Zoroastrismus, enthält aber auch christliche, hinduistische und tantrische Elemente. Die Anthroposophie Rudolf Steiners übernahm Ahriman, allerdings mit stark veränderten Eigenschaften.

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