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Mohandas Karamchand Gandhi

Er wünschte sich Indien als säkularen Staat, in dem Hindus und Moslems friedlich zusammenleben sollten. Er favorisierte eine auf Arbeit beruhende Autarkie und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundideen
  2. 2. Frühe Jahre und Prägungen
  3. 3. Südafrika und Entstehung des Satyagraha
  4. 4. Unabhängigkeitskampf in Indien
  5. 5. Kastenlose, Krieg und Teilung
  6. 6. Tod, Kritik und Nachwirkung

Bedeutung und Grundideen

Mohandas Karamchand Gandhi, genannt Mahatma Gandhi, wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar in Britisch-Indien geboren und am 30. Januar 1948 in Neu-Delhi ermordet. Er war Rechtsanwalt, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist. Er wurde zum geistigen und politischen Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung gegen den britischen Raj.

Seine wichtigste politische und ethische Grundhaltung nannte er Satyagraha, wörtlich etwa „Festhalten an der Wahrheit“. Gemeint war eine aktive Form des gewaltlosen Widerstands: ungerechte Gesetze sollten offen übertreten, Zusammenarbeit mit ungerechter Herrschaft verweigert, Boykotte, Streiks und auch Hungerstreiks eingesetzt werden. Satyagraha war für Gandhi eng mit Ahimsa verbunden, also Gewaltlosigkeit. Er begründete dies damit, dass der Mensch die absolute Wahrheit nicht vollständig erkennen könne und daher nicht berechtigt sei, andere zu bestrafen.

Weitere wichtige Begriffe waren Swaraj und Swadeshi. Swaraj bedeutete für Gandhi nicht nur politische Selbstregierung Indiens, sondern auch Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle jedes Einzelnen. Swadeshi meinte die Verwendung einheimischer Produkte und wurde besonders durch das Spinnrad zum Symbol: Inder sollten selbst Kleidung herstellen und britische Importwaren boykottieren. Gandhi strebte ein einfaches, selbstversorgendes, dörflich geprägtes Indien an. Er wollte Indien als säkularen Staat, in dem Hindus und Muslime friedlich zusammenleben. Zugleich setzte er sich für die Rechte der Dalit, der sogenannten Unberührbaren, ein, stellte aber das Kastensystem nicht grundsätzlich in Frage.

Frühe Jahre und Prägungen

Gandhi stammte aus einer politisch einflussreichen Familie der Bania-Kaste, die zum Stand der Vaishya, der Kaufleute, gehört. Sein Vater Karamchand Gandhi und sein Großvater Uttamchand waren Diwans, also Premierminister, von Porbandar. In Gandhis Elternhaus kamen verschiedene religiöse Einflüsse zusammen: Vishnuismus, andere hinduistische Strömungen, Islam, Parsentum und Jainismus. Besonders der Jainismus mit seiner strikten Betonung der Gewaltlosigkeit prägte Gandhis Denken.

1882 wurde Gandhi im Alter von 13 Jahren mit der gleichaltrigen Kasturba Makthaji verheiratet. Später kritisierte er Kinderheirat öffentlich. Das Paar hatte mehrere Kinder; das erste starb nach wenigen Tagen, später folgten Harilal, Manilal, Ramdas und Devdas. Kasturba begleitete Gandhi auch politisch, lebte mit ihm in Südafrika und wurde dort während Protesten inhaftiert.

Von 1888 bis 1891 studierte Gandhi in London Jura. Er versprach seiner Mutter, sich dort weiterhin an religiöse Regeln zu halten, vor allem auf Fleisch, Alkohol und Prostitution zu verzichten. In London trat er der Vegetarischen Gesellschaft bei, beschäftigte sich mit Christentum, der Bhagavad Gītā, Buddha und Mohammed und entwickelte die Überzeugung, dass wahrer Glaube Menschen verschiedener Religionen verbinden könne. 1891 wurde er als Barrister zugelassen. Zurück in Indien arbeitete er von 1891 bis 1893 als Rechtsanwalt in Bombay und Rajkot, hatte aber wenig beruflichen Erfolg.

Südafrika und Entstehung des Satyagraha

1893 reiste Gandhi nach Südafrika, um für den indischen Geschäftsmann Dada Abdullah einen Rechtsstreit zu bearbeiten. Dort erlebte er rassistische Diskriminierung, besonders bei einer Zugfahrt, als er trotz Fahrkarte erster Klasse als „Farbiger“ aus dem Zug geworfen wurde. Diese Erfahrungen brachten ihn dazu, sich für die Rechte der indischen Minderheit in Südafrika einzusetzen. Seine Kritik bezog sich zunächst vor allem auf die Benachteiligung der Inder; gegenüber der schwarzen Bevölkerung übernahm er damals selbst kolonial geprägte abwertende Begriffe und sprach sich gegen eine Vermischung von Indern mit der lokalen Bevölkerung aus.

1894 gründete Gandhi den Natal Indian Congress, um die Interessen der Inder zu vertreten. Er kämpfte gegen diskriminierende Gesetze, etwa gegen den Entzug des Wahlrechts und gegen Kopfsteuern für indische Vertragsarbeiter. Während des Zweiten Burenkrieges und des Zulu-Aufstands organisierte er indische Sanitätseinheiten zur Unterstützung Verwundeter.

Ab 1907 entwickelte sich im Widerstand gegen ein Meldegesetz in Transvaal die Satyagraha-Bewegung. Inder sollten Fingerabdrücke abgeben und Meldescheine ständig bei sich tragen. Gandhi organisierte Schwüre zur Gesetzesverweigerung, wurde mehrfach verhaftet und provozierte gemeinsam mit Anhängern Massenverhaftungen. 1908 verbrannten Tausende Inder ihre Meldescheine. 1913 protestierte Gandhi gegen ein Ehegesetz, das nur christlich geschlossene Ehen anerkannte. Streiks, Märsche und Verhaftungen führten 1914 zum Indian Relief Act: Nichtchristliche Ehen wurden wieder anerkannt, Kopfsteuer und Registrierungspflicht aufgehoben, indische Einwanderung erlaubt. Ende 1914 kehrte Gandhi endgültig nach Indien zurück.

Unabhängigkeitskampf in Indien

1915 trat Gandhi dem Indischen Nationalkongress bei. In seinem Harijan Aschram lebte er von 1918 bis 1930 nach strengen Selbstverpflichtungen, darunter Wahrheit, Gewaltlosigkeit, Keuschheit, körperliche Arbeit, religiöse Gleichheit, Einsatz für die Unberührbaren und Verwendung inländischer Produkte. Das Aschramleben sollte ein Modell für ein unabhängiges Indien sein.

1919 protestierte Gandhi gegen den Rowlatt Act, der Ausnahmezustand und Kriegsrecht verlängerte. Er rief zu Hartal auf, also zu einem Tag des Arbeits- und Handelsstillstands mit Fasten und Gebet. Nach Gewalt in Amritsar und dem Massaker vom 19. April 1919, bei dem britische Soldaten 379 Männer, Frauen und Kinder töteten und 1200 verletzten, fühlte Gandhi sich mitschuldig, weil seine Bewegung nicht gewaltfrei geblieben war.

1920 rief Gandhi die Kampagne der Nichtkooperation aus. Inder sollten nicht mehr für die Kolonialmacht arbeiten, britische Waren boykottieren und selbstgesponnene Kleidung tragen. Die Bewegung wurde sehr groß; zugleich kam es 1922 in Chauri Chaura zu tödlicher Gewalt gegen Polizisten. Gandhi brach die Kampagne ab, wurde am 18. März 1922 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt und 1924 entlassen.

1930 führte Gandhi den 388 km langen Salzmarsch von Ahmedabad nach Dandi an. Er protestierte gegen das britische Salzmonopol und die Salzsteuer. Der Marsch dauerte vom 12. März bis zum 6. April 1930 und wurde zur bekanntesten Kampagne des zivilen Ungehorsams. Als Inder massenhaft selbst Salz gewannen, wurden 60.000 Personen inhaftiert, darunter Gandhi und viele Kongressmitglieder. 1931 führte der Gandhi-Irwin-Pakt zur Freilassung der Gefangenen und erlaubte Salzproduktion für den persönlichen Bedarf.

Kastenlose, Krieg und Teilung

Gandhi setzte sich besonders ab 1933 für die Dalit ein, die er Harijan, „Menschen Gottes“, nannte. Er gab die Zeitschrift Harijan heraus, sammelte Geld für Kastenlose und wollte Tempel und gesellschaftliche Bereiche für sie öffnen. 1932 begann er in Haft ein „Fasten bis zum Tode“, um separate Wahlen der Kastenlosen zu verhindern. Mit Bhimrao Ramji Ambedkar einigte er sich nach sechs Tagen auf getrennte Vorwahlen mit anschließender gemeinsamer Wahl. Gandhis Haltung blieb umstritten: Er bekämpfte Unberührbarkeit, befürwortete aber weiterhin ein idealisiertes Kastensystem aus vier Varna. Ambedkar forderte dagegen die Abschaffung des Kastenwesens.

Im Zweiten Weltkrieg änderte Gandhi seine Haltung gegenüber Großbritannien zeitweise. Solange Großbritannien unmittelbar durch das nationalsozialistische Deutschland bedroht schien, wollte er die Lage nicht ausnutzen. Später verlangte er die sofortige Unabhängigkeit. Die Quit-India-Bewegung begann im August 1942 unter dem Motto „Handeln oder sterben!“. Fast die gesamte Führung des Indischen Nationalkongresses wurde verhaftet, Gandhi im Aga Khan Palace in Pune festgesetzt und nach zwei Jahren aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Insgesamt saß er in Südafrika und Indien acht Jahre im Gefängnis.

Gandhi lehnte die Teilung Indiens ab. Die Muslimliga forderte mit der Lahore-Resolution von 1940 einen eigenen Staat für Muslime. Verhandlungen Gandhis mit Muhammad Ali Jinnah scheiterten. Am 3. Juni 1947 kündigte der britische Premierminister Clement Attlee die Unabhängigkeit und Teilung Indiens nach dem Mountbattenplan an: ein mehrheitlich hinduistisches Indien und ein mehrheitlich muslimisches Pakistan. Gandhi widersetzte sich der Teilung, setzte sich danach aber für eine gerechte Aufteilung der Staatskasse und für Frieden zwischen den Religionsgruppen ein.

Tod, Kritik und Nachwirkung

Am 30. Januar 1948 wurde der 78-jährige Gandhi von Nathuram Godse erschossen, einem fanatischen nationalistischen Hindu. Gandhi hatte die Gewalt zwischen Hindus und Muslimen sowie die Teilung Indiens bis zuletzt bekämpft. Nach seiner Einäscherung am Raj Ghat in Delhi wurde ein Teil seiner Asche im Ganges verstreut, weitere Teile an anderen Orten.

Gandhi blieb umstritten. Kritiker warfen ihm Machtstreben, politische Isolierung von Rivalen und eine unzureichende Kritik am Kastensystem vor. Auch sein offener Brief „Die Juden“ von 1938 wurde scharf kritisiert, weil er jüdischen Menschen unter nationalsozialistischer Verfolgung gewaltlosen Widerstand empfahl und den Zionismus ablehnte. Martin Buber widersprach ihm und warf ihm Unkenntnis über die Lage in deutschen Konzentrationslagern und die besondere Gewalt des Nationalsozialismus vor.

In Indien gilt Gandhi bis heute als Nationalheld und „Vater der Nation“. Sein Geburtstag, der 2. Oktober, ist ein Nationalfeiertag; sein Todestag, der 30. Januar, wird als Märtyrer-Tag begangen. Seit 1995 verleiht die indische Regierung den Internationalen Gandhi-Friedenspreis. International beeinflusste Gandhi Persönlichkeiten und Bewegungen wie Martin Luther King, Nelson Mandela, den ANC in Südafrika, Johan Galtung und gewaltlose Protestbewegungen. Zugleich bleibt umstritten, ob Gandhis Methoden in jedem politischen System wirksam sein können. Einige Autoren betonen, dass sein gewaltloser Widerstand gerade im britischen Kolonialreich mit kritischer Presse wirken konnte; andere sehen auch Beispiele für Erfolg gewaltlosen Widerstands unter härteren Herrschaftsformen.

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