Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Modernes Englisch
Modernes Englisch oder Neuenglisch (engl. Modern English, auch New English) ist eine Sprachstufe des Englischen, die je nach Definition um das Jahr 1700 …
Inhalt6 Abschnitte
Definition und zeitliche Einordnung
Modernes Englisch oder Neuenglisch (englisch Modern English beziehungsweise New English) ist eine Sprachstufe des Englischen. Je nach Definition beginnt sie um 1700 und folgt auf das Frühneuenglische (etwa 1500–1700). Andere Darstellungen setzen den Beginn bereits um 1500 an, weil sie das Frühneuenglische als frühen Abschnitt des modernen Englisch betrachten. Als weitere mögliche Beginnjahre werden 1650, 1725 und 1750 genannt, da die Abgrenzung zwischen Frühneuenglisch und modernem Englisch weniger eindeutig ist als die Abgrenzung älterer Sprachstufen.
In der Forschung werden verschiedene Einteilungen verwendet. Manche unterscheiden Frühneuenglisch (1500–1700) und Neuenglisch (ab 1700) als eigenständige Sprachstufen. Andere fassen beide unter Neuenglisch zusammen und unterscheiden Frühneuenglisch (Early Modern English, 1500–1700) und Spätneuenglisch (Late Modern English, ab 1700). Eine feinere Einteilung nennt Frühneuenglisch (1500–1700), Spätneuenglisch (1700–1900) und heutiges Englisch (Present-Day English, ab 1900). Vor dem modernen Englisch liegen Altenglisch und Mittelenglisch.
Linguistisch gehört das moderne Englisch zur indogermanischen Sprachfamilie, zu den germanischen und darin zu den westgermanischen Sprachen. Die Sprachcodes sind ISO 639-1: en, ISO 639-2: eng und ISO 639-3: eng.
Internationale Verbreitung
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Englisch fast ausschließlich in England und teilweise in Schottland, Irland und Wales gesprochen. Heute ist es eine internationale Sprache. Über 340 Millionen Menschen sprechen es als Muttersprache auf den Britischen Inseln, in Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika, Australien und Neuseeland.
In vielen weiteren Ländern dient Englisch als offizielle Sprache für Unterricht und Verwaltung, unter anderem in Indien, Pakistan sowie in weiteren afrikanischen und asiatischen Staaten. Die nationalen Formen des Englischen in diesen Ländern werden als eigenständige Varietäten bezeichnet. Als Nebensprache wird Englisch weltweit in über 50 weiteren Ländern verwendet.
Standardisierung und Sprachbeschreibung
Der Beginn des modernen Englisch ist von Bemühungen begleitet, die englische Sprache zu standardisieren. Mehrere Versuche, nach italienischem Vorbild eine englische Sprachakademie zu gründen, blieben erfolglos.
Im späten 17. und im 18. Jahrhundert wirkten besonders Grammatiker und Lexikografen, also Fachleute für Grammatik und Wörterbücher, an der Beschreibung und Regulierung des Englischen. Samuel Johnsons Dictionary of the English Language erschien 1755 nach mehr als sieben Jahren Vorbereitung und blieb lange vorbildhaft. Daneben entstanden präskriptive Grammatiken, die Regeln für den als korrekt angesehenen Sprachgebrauch formulierten. Dazu gehörten William Loughtons Practical English Grammar (1738), John Priestleys The Rudiments of English Grammar (1761) und Robert Lowths Short Introduction to English Grammar (1762). Noah Websters A Grammatical Institute of the English Language erschien 1784 in Großbritannien und den USA und war besonders in den USA sehr beliebt.
Ab 1850 begann die Arbeit am Oxford English Dictionary. Trotz dieser Beschreibungs- und Regelungsversuche wurde keine zentrale englische Sprachakademie eingerichtet.
Lautsystem und Aussprache
Ein wichtiges Merkmal des modernen Englisch ist der Zusammenfall bestimmter Phoneme, also bedeutungsunterscheidender Laute. Dadurch werden Wörter, die ursprünglich unterschiedlich ausgesprochen wurden, zu Homophonen, also Wörtern mit gleicher Aussprache. So wurden see („sehen“) und sea („See“) zu Homophonen, weil sich [e:] und [i:] zu [i:] entwickelten.
Einige Konsonanten am Wortanfang werden im modernen Englisch nicht mehr gesprochen. In wring und knight wurden [w] beziehungsweise [k] im Mittelenglischen und zu Beginn des Frühneuenglischen noch ausgesprochen; im modernen Englisch sind diese Laute stumm.
Seit dem 18. Jahrhundert wurde im britischen Englisch das Phonem /r/ vor Konsonanten und am Wortende nicht mehr ausgesprochen. Das britische Englisch war während der mittelenglischen und frühneuenglischen Zeit rhotisch, das heißt, /r/ wurde in diesen Positionen gesprochen. Seit dem 18. Jahrhundert ist es dort nicht-rhotisch. Auch australisches und neuseeländisches Englisch sind nicht-rhotisch. Amerikanisches und irisches Englisch sowie Scots blieben dagegen beispielsweise rhotisch.
Grammatische Entwicklungen
Bei den Personal- und Possessivpronomina setzte sich für unbelebte Dinge its anstelle von his als Possessivpronomen durch. Die Formen thou, thee und thy wurden zugunsten von you, you und your aufgegeben; auch die Kurzform ye verschwand.
Typisch für das Neuenglische sind phrasal verbs, also feste Verbindungen aus einem Verb und einem nachfolgenden Adverb. Die Verbindung besitzt eine eigenständige Bedeutung und muss von Nichtmuttersprachlern häufig als eigene Einheit gelernt werden. Beispiele sind: take up („aufnehmen, einnehmen“), take in („lernen, verstehen, täuschen“), take on („einstellen, übernehmen“) und take off („ausziehen, abheben“).
Die Wortstellung Subjekt–Verb–Objekt, die im Altenglischen nur in Hauptsätzen regelmäßig war, wurde im modernen Englisch zwingend. Außerdem wurde das Hilfsverb do in Fragen und Verneinungen obligatorisch.
Die Verlaufsform oder Progressive war im Altenglischen und Mittelenglischen selten. In der neuenglischen Zeit verbreitete sie sich stark und wurde in bestimmten Zusammenhängen verpflichtend. Sie ist in allen Zeitformen möglich, etwa in is laughing, was laughing und will be laughing. Außerdem wurde sie auf das Passiv ausgedehnt: the house is being built.
Schreibung und Wortschatz
In der neuenglischen Zeit entwickelten sich eine standardisierte Orthografie und Zeichensetzung. Die Orthografie entspricht jedoch häufig nicht der heutigen Aussprache, sondern bewahrt vielfach den Lautstand des Spätmittelenglischen. Besonders die frühneuenglische Vokalverschiebung (Great Vowel Shift) vergrößerte den Abstand zwischen Schriftbild und Aussprache. Deshalb lässt sich aus der Schreibweise oft nicht sicher auf die Aussprache schließen und umgekehrt nicht zuverlässig von der Aussprache auf die Schreibweise.
Als Beispiel wird häufig die angebliche Schreibweise ghoti für fish genannt: gh sollte wie in cough, o wie in women und ti wie in nation ausgesprochen werden. Der Vorschlag wird George Bernard Shaw zugeschrieben, ist für ihn jedoch nicht belegt und tauchte bereits vor ihm auf. Tatsächlich kann der Laut [f] in der englischen Orthografie durch vier Schreibweisen dargestellt werden: f, ff, gh und ph. Alle bisherigen Bemühungen um eine durchgreifende Orthografiereform scheiterten.
Durch die weltweite Verbreitung des Englischen wurden Wörter aus mehr als 50 Sprachen übernommen. Beispiele sind volcano und violin aus dem Italienischen, alligator und sombrero aus dem Spanischen, fetish und tank aus dem Portugiesischen, kindergarten und zeitgeist aus dem Deutschen, putsch und muesli aus dem Schweizerdeutschen, samovar und troika aus dem Russischen, magazine und coffee aus dem Arabischen, naphtha und chess aus dem Persischen, guru und chutney aus dem Hindi, sake, soy und tycoon aus dem Japanischen, sampan und ginseng aus dem Chinesischen sowie coyote und wigwam aus indigenen Sprachen Amerikas und kangaroo und boomerang aus indigenen Sprachen Australiens.