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Neuseeland

Neuseeland (englisch New Zealand [njuːˈziːlənd], Maori Aotearoa [ aɔˈtɛaɾɔa]) ist ein geographisch isolierter Inselstaat im südlichen Pazifik.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat, Lage und Naturraum
  2. 2. Artenvielfalt und Umwelt
  3. 3. Bevölkerung, Sprache und Bildung
  4. 4. Geschichtliche Entwicklung
  5. 5. Politik und Verwaltung
  6. 6. Wirtschaft, Infrastruktur, Kultur und Sport

Staat, Lage und Naturraum

Neuseeland, auf Englisch New Zealand und auf Māori Aotearoa, ist ein geographisch isolierter Inselstaat im südwestlichen Pazifik. Er umfasst die Nordinsel, die Südinsel und mehr als 700 kleinere Inseln. Die Cookstraße trennt die beiden Hauptinseln an ihrer schmalsten Stelle auf 23 km. Mit 269.652 km² ist das Land etwas kleiner als Italien; seine Küstenlinie ist ungefähr 15.134 km lang. Australien liegt mindestens 1530 km entfernt. Wegen seiner Lage, seiner polynesischen Verbindungen und seiner europäisch geprägten Kultur wird Neuseeland je nach Betrachtung Ozeanien, Polynesien oder dem Kontinent Australien zugeordnet. Hauptstadt ist Wellington, größte Stadt Auckland.

Die Nordinsel ist mit 113.729 km² kleiner, aber dichter besiedelt. Ihr Zentrum bildet ein vulkanisches Hochland mit Tongariro, Ngauruhoe und dem 2797 m hohen Ruapehu. Der 622 km² große Lake Taupō ist der größte See des Landes. Der Waikato River ist mit 425 km der längste Fluss. Die 151.215 km² große Südinsel wird von den Neuseeländischen Alpen geprägt. Ihr höchster Berg ist der Aoraki/Mount Cook mit 3724 m; insgesamt erreichen 17 Gipfel mehr als 3000 m. An der sehr niederschlagsreichen Westküste reichen Gletscher wie der Fox- und der Franz-Josef-Gletscher bis nahe an Regenwälder heran. Östlich des Gebirges liegen die landwirtschaftlich genutzten Canterbury Plains.

Geologisch liegt Neuseeland auf dem weitgehend versunkenen Kontinentbruchstück Zealandia und an der Grenze zwischen Australischer und Pazifischer Platte. Zealandia trennte sich spätestens vor 85 Millionen Jahren von der Antarktis. Plattenbewegungen heben Gebirge an und verursachen Transformstörungen, häufige Erdbeben und Vulkanismus. Als Teil des Pazifischen Feuerrings besitzt Neuseeland besonders auf der Nordinsel aktive Vulkane und Geothermalgebiete. Der Ruapehu brach zuletzt 2007 aus, Whakaari/White Island hatte 2019 eine große Eruption.

Das Klima reicht von immerfeucht-subtropisch im Norden bis gemäßigt und kühl im Süden. Westwinde sorgen westlich der Gebirge für feuchteres, östlich davon für trockeneres Wetter. Meist fallen jährlich 600 bis 1600 mm Niederschlag. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen zwischen 10 °C im Süden und 16 °C im Norden; mit je 100 Höhenmetern sinkt die Temperatur durchschnittlich um 0,7 °C.

Artenvielfalt und Umwelt

Die lange Isolation ließ eine außergewöhnliche Pflanzen- und Tierwelt mit vielen Endemiten entstehen, also Arten, die nur dort vorkommen. Etwa 85 % der Pflanzenarten sind endemisch. Vor der Ankunft der Māori waren ungefähr 80 % des Landes bewaldet; heute bedecken einheimische Wälder gut 24 %, von denen rund 77 % geschützt sind. Zu den typischen Pflanzen gehören Kauri-Bäume, Scheinbuchen, Steineibengewächse, Baumfarne und der Silberfarn als Nationalpflanze. Weitere Flächen tragen Tussock-Grasland, Busch- und Heidelandschaften. Rund ein Drittel der Landesfläche steht unter Naturschutz.

Vor der menschlichen Besiedlung gab es außer Robben und drei Fledermausarten keine landlebenden Säugetiere. Viele ökologische Nischen wurden deshalb von Vögeln besetzt. Besonders bekannt sind die flugunfähigen Kiwi, Kakapo, Takahē und Weka sowie der ausgestorbene Moa. Weitere besondere Tiere sind Kea und Kaka, das Tuatara, Neuseeländische Urfrösche und bis zu zehn Zentimeter lange Wetas. Terrestrische Schlangen fehlen; im umgebenden Meer kommen drei Seeschlangenarten vor. Der Hector-Delfin und der Maui-Delfin sind vom Aussterben bedroht; von Letzterem nennt der Artikel noch 55 Tiere gegenüber etwa 1500 in den 1970er Jahren.

Durch Menschen eingeführte Ratten, Katzen, Hunde, Igel, Hermeline, andere Wieselarten und Fuchskusus bedrohen die heimische Tierwelt. Seit der Besiedlung verschwanden unter anderem etwa 70 Vogelarten. Die staatliche Organisation Predator Free 2050 Ltd verfolgt das Ziel, Neuseeland bis 2050 von besonders schädlichen eingeschleppten Raubtieren zu befreien. Dazu dienen Giftköder, eingezäunte raubtierfreie Zonen und die Wiederansiedlung einheimischer Arten.

Gleichzeitig bestehen erhebliche Umweltprobleme. Ein Bericht von 2019 bezeichnet Landwirtschaft und zunehmend auch Tourismus als Gefahren für ganze Ökosysteme. Danach waren 95 % der Fließgewässer im Tiefland verschmutzt; in den meisten durfte wegen schlechter Wasserqualität nicht gebadet werden. In jedem zweiten Fließgewässer lag die bakterielle Belastung fünfmal über den Richtlinien des Gesundheitsministeriums.

Bevölkerung, Sprache und Bildung

2023 lebten 5,2 Millionen Menschen in Neuseeland; für 2025 nennt die Übersicht eine Schätzung von 5,3 Millionen. 2023 betrug das Bevölkerungswachstum 2,0 %, die Lebenserwartung lag 2022 bei 82,8 Jahren. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt: Auf der Südinsel lebt nur gut eine Million Menschen, während die Metropolregion Auckland etwa 1,3 Millionen Einwohner zählt. 2023 lebten 87 % der Bevölkerung in Städten; auf Auckland entfielen fast 32 % der Gesamtbevölkerung.

Nach den im Artikel aufgeführten, überwiegend älteren Volkszählungsdaten bilden europäischstämmige Pākehā mit etwa 67,6 % die größte Gruppe. 14,6 % ordneten sich den Māori zu, 9,6 % asiatischen Gruppen und 6,9 % Bevölkerungsgruppen pazifischer Inseln. Mehrfachzuordnungen waren möglich. 2017 waren 22,7 % der Einwohner Migranten. Die Kultur verbindet deshalb britisch-europäische, indigene Māori- und weitere pazifische sowie asiatische Einflüsse.

Te Reo Māori und die neuseeländische Gebärdensprache sind Amtssprachen. Englisch wird von ungefähr 96 % der Bevölkerung gesprochen und dient als De-facto-Amtssprache in Verwaltung und Gesetzgebung. Māori wurde am 1. August 1987 Amtssprache; 2006 gaben 4,2 % der Bevölkerung an, es sprechen zu können. Die neuseeländische Gebärdensprache erhielt am 10. April 2006 den Amtssprachenstatus. Religiös ist das Land vielfältig und stark säkularisiert: 2013 gehörten 42 % keiner Religion an, 48,9 % waren Christen. Zu den weiteren Religionen gehörten Hinduismus mit 2,3 %, Buddhismus mit 1,5 % und Islam mit 1,2 %.

Die Unterrichtspflicht gilt vom 6. bis zum 16. Lebensjahr. Die Grundschule umfasst gewöhnlich die Jahre 1 bis 8, danach folgt die Secondary School. Nach Jahrgang 11 kann das National Certificate of Educational Achievement Level 1 erworben werden; Level 3 am Ende des 13. Schuljahrs entspricht ungefähr dem deutschen Abitur oder dem britischen A Level. Neuseeland besitzt 36 tertiäre Bildungseinrichtungen, darunter acht staatliche Universitäten. Die älteste ist die 1869 gegründete University of Otago; drei Wānanga richten sich besonders auf die Kultur der Māori aus.

Geschichtliche Entwicklung

Polynesier entdeckten und besiedelten Neuseeland gegen Ende des 13. Jahrhunderts, spätestens in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts; Radiokohlenstoffdatierungen weisen auf eine früheste Ankunft um 1280 hin. Aus ihren Nachkommen entstand die Māori-Kultur, auf den Chatham Islands die Moriori-Kultur. Intensive Jagd führte bereits früh zum Aussterben des Moa und weiterer Arten.

Der Niederländer Abel Tasman sichtete 1642 als erster Europäer Neuseeland, betrat es aber nicht. James Cook umsegelte und kartierte 1769/70 Nord- und Südinsel und zeigte damit, dass sie nicht Teil eines Kontinents waren. Danach kamen Walfänger, Robbenfänger und Missionare; Handel und gemeinsames Leben mit Māori nahmen zu.

Europäische Waffen verschärften innerindigene Konflikte. Die Musketenkriege gipfelten von 1829 bis 1835 und kosteten nach Regierungsschätzungen etwa 20.000 Menschen das Leben. Von Europäern eingeschleppte Krankheiten verringerten die Māori-Bevölkerung zusätzlich. 1835 unterzeichneten mehr als 30 Māori-Anführer eine Unabhängigkeitserklärung der United Tribes of New Zealand. Am 6. Februar 1840 folgte der Vertrag von Waitangi: Er band das Land an die britische Krone, sicherte Māori Bürgerrechte und den Besitz ihrer vorhandenen Ländereien zu, bedeutete aber zugleich die Aufgabe ihrer Souveränität. Seit 1975 behandelt das Waitangi Tribunal Streitfälle und Vertragsverletzungen.

Wachsende europäische Einwanderung und Landkonflikte führten zu den Neuseelandkriegen. 1891 lebten nur noch 44.000 Māori gegenüber über 120.000 vor 1820. Neuseeland wurde 1841 eine eigene Kolonie. Männliche Māori erhielten 1867 Wahlrecht und Parlamentssitze. Am 19. September 1893 trat das aktive Frauenwahlrecht für Neuseeländerinnen mit britischer Staatsbürgerschaft ab 21 Jahren in Kraft, einschließlich Māori-Frauen; das passive Wahlrecht für das Unterhaus folgte 1919.

1907 wurde Neuseeland Dominion. Weitere Schritte zur Souveränität waren der Statute of Westminster Adoption Act 1947 und der Constitution Act 1986. Die Weltwirtschaftskrise förderte den Aufbau eines Wohlfahrtsstaates durch Labour. Nach dem EG-Beitritt Großbritanniens 1973 verlor Neuseeland seinen bevorzugten Absatzmarkt und liberalisierte ab 1984 seine Wirtschaft umfassend. 1987 erklärte es sich zur atomwaffenfreien Zone. Sprache und Kultur der lange marginalisierten Māori werden seit den 1970er Jahren stärker gefördert.

Politik und Verwaltung

Neuseeland ist eine unabhängige parlamentarische Monarchie nach dem Westminster-System und Mitglied des Commonwealth of Nations. Staatsoberhaupt ist König Charles III., vertreten durch Generalgouverneurin Cindy Kiro; Regierungschef ist Premierminister Christopher Luxon. Das Land besitzt keine einheitlich kodifizierte Verfassung. Parlament und Regierung sitzen in Wellington.

Die Exekutive wird vom Premierminister und einem Kabinett geleitet, dessen Mitglieder zugleich dem Parlament angehören müssen. Die Legislative besteht aus einem Einkammerparlament, dem Repräsentantenhaus, mit normalerweise 120 Abgeordneten; Überhangmandate können die Zahl erhöhen. Sieben Sitze sind für Māori-Abgeordnete reserviert. Seit 1996 gilt personalisiertes Verhältniswahlrecht, und für Parteistimmen besteht eine 5-%-Hürde; ein gewonnenes Direktmandat kann diese Hürde umgehen. Bedeutende Parteien sind National Party, Labour Party, Green Party, ACT New Zealand, New Zealand First und Te Pāti Māori. Die Judikative umfasst Supreme Court, Court of Appeal, High Court und District Courts sowie besondere Einrichtungen wie das Māori Land Court und das Waitangi Tribunal.

Internationale Indizes bewerten Neuseeland als sehr stabil, frei und demokratisch. 2024 erreichte es im Demokratieindex 9,61 von 10 und Rang 2 von 167; Freedom in the World vergab 2024 99 von 100 Punkten. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 lag das Land mit 81 von 100 Punkten auf Rang 4 von 181.

Neuseeland ist Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und des Commonwealth und gehört unter anderem OECD, APEC, WTO und Pacific Islands Forum an. Die strikte Anti-Atom-Politik belastete zeitweise das ANZUS-Bündnis mit Australien und den USA. Die Streitkräfte bestehen aus Marine, Luftwaffe und Heer; 2018 entsprachen die Militärausgaben rund 1,2 % der Wirtschaftsleistung.

Die Verwaltung ist zentralistisch und seit der Reform von 1989 dreistufig. Es gibt 16 Regionen und seit 2010 insgesamt 78 lokale Councils: 11 Regional Councils, 12 City Councils, 54 District Councils und den Auckland Council. Fünf Gebiete sind Unitary Authorities und verbinden regionale mit lokalen Aufgaben. Regionalräte befassen sich etwa mit Land- und Wassernutzung, Hochwasserschutz, Verkehr und Katastrophenschutz; lokale Gebietskörperschaften verantworten unter anderem Straßen, Kanalisation, Baugenehmigungen und örtliche Infrastruktur.

Wirtschaft, Infrastruktur, Kultur und Sport

Neuseeland ist eine entwickelte, stark liberalisierte Volkswirtschaft. Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 258 Milliarden US-Dollar, kaufkraftbereinigt 288 Milliarden US-Dollar; der HDI lag 2023 bei 0,938. Währung ist der Neuseeland-Dollar. Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie sind ungewöhnlich wichtig: Neuseeland exportiert 90 % seiner Milchprodukte und zählt zu den führenden Exporteuren von Milch- und Rindfleischprodukten. Die Zahl der Schafe sank von 70,3 Millionen im Jahr 1982 auf 26,8 Millionen 2019. Auch Kiwifrüchte, Forstwirtschaft, Fischerei und Gartenbau sind bedeutend.

Der Tourismus stützt sich auf Küsten, Fjorde, Seen, Gletscher, Vulkane, heiße Quellen und Nationalparks; nach Regierungsschätzungen hängt etwa jeder zehnte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von ihm ab. Wichtige Handelspartner sind Australien, China, Japan und ostasiatische Staaten. Neuseeland weist laut Artikel seit Langem eine negative Handelsbilanz auf. Australien ist besonders eng über die seit 1983 bestehende Freihandelszone Closer Economic Relations verbunden.

Erneuerbare Energien lieferten 2019 39,5 % der Primärenergie und 82,4 % des Stroms. Wichtigste Stromquelle war 2014 Wasserkraft mit 57 %, gefolgt von Geothermie mit 16,2 %. Erdgas, Windenergie, Biomasse und Solarenergie ergänzen den Energiemix; Kernkraftwerke wurden nicht gebaut. Die Verkehrsinfrastruktur stützt sich wegen Insellage und geringer Bevölkerungsdichte vor allem auf Straßen, Luft- und Schifffahrt. Das Straßennetz umfasste 2017 rund 94.000 km, davon etwa 61.600 km asphaltiert; es gilt Linksverkehr. Die Interislander-Fähre verbindet Wellington und Picton. 99 % der Exporte werden über Häfen abgewickelt. Das Eisenbahnnetz besitzt heute vor allem Bedeutung für Güter, Pendler und touristische Fernzüge.

Die Kultur verbindet britische Traditionen mit einer wiedererstarkten Māori-Kultur und Einflüssen pazifischer und asiatischer Einwanderer. Waitangi Day am 6. Februar erinnert an den Vertrag von 1840; Matariki, das Māori-Neujahrsfest, ist seit 2022 gesetzlicher Feiertag. Neuseeland besitzt englisch- und māorisprachige Medien sowie eine international bekannte Filmwirtschaft. Besonders Peter Jacksons Trilogien Der Herr der Ringe und Der Hobbit machten das Land als Produktions- und Drehort bekannt; Weta Workshop erstellt Spezialeffekte für internationale Produktionen. Die Literatur umfasst mündlich überlieferte Māori-Erzählungen und englischsprachige Werke, unter anderem von Witi Ihimaera und Janet Frame.

Sport hat einen hohen Stellenwert. Nationalsport ist Rugby Union. Die All Blacks gewannen die Weltmeisterschaften 1987, 2011 und 2015; die Black Ferns errangen sechs WM-Titel. Vor Spielen führen die All Blacks den aus der Māori-Kultur stammenden Haka auf. Neuseeland gehört außerdem in Cricket, Netball und Segeln zur Weltspitze. Das Cricket-Team Black Caps gewann 2000 die ICC KnockOut und 2021 die erste ICC World Test Championship. Fußball, Motorsport, Rudern, Surfen und Wintersport sind ebenfalls verbreitet.

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