Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Moderne französische Malerei
Die Ausstellung zeigte einen Überblick der Malerei in Frankreich vom Impressionismus bis zur zeitgenössischen Kunst. Dazu gehörten auch Werke von Künstlern, …
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und Bedeutung
„Moderne französische Malerei“ (französisch: La peinture française moderne) war eine von 1946 bis 1947 organisierte Wanderausstellung der Militärregierung der Französischen Besatzungszone in Deutschland. Sie zeigte einen Überblick über die französische Malerei vom Impressionismus bis zur zeitgenössischen Kunst. Dazu gehörten auch Werke ausländischer Künstler, die in Frankreich lebten, etwa Vincent van Gogh, Pablo Picasso und Amedeo Modigliani.
Die Ausstellung hatte neben der Kunstvermittlung eine politische und kulturpolitische Funktion. Nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Kulturpolitik sollten besonders junge Menschen Zugang zur modernen Kunst erhalten. Die Organisatoren verbanden damit ausdrücklich eine „geistige und moralische Umerziehung der Deutschen“. Zugleich wollte Frankreich seine Rolle als führende Kulturnation gegenüber den anderen Besatzungsmächten zeigen. Deshalb waren Berlin und Wien mit ihrem Vier-Mächte-Status besonders wichtige Stationen. Die Ausstellung präsentierte außerdem Künstler, deren Werke in Deutschland zuvor als „Entartete Kunst“ diffamiert worden waren.
Kulturpolitik und Vorgeschichte
Frankreich verfügte seit Juni 1945 über eigene Besatzungszonen in Deutschland und Österreich. In seiner Zone betrachtete es Kulturvermittlung als ein wichtiges Mittel, Einfluss auszuüben und die Bevölkerung neben der Entnazifizierung geistig neu zu orientieren. Zuständig für das Ausstellungswesen war Raymond Schmittlein, Leiter der Erziehungsabteilung der Militärregierung. Die Unterabteilung für Kunst leitete seit April 1946 der Historiker Michel François. Zwischen 1946 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 organisierte die französische Militärregierung insgesamt etwa fünfzig Ausstellungen.
Eine erste Ausstellung zeitgenössischer Kunst in der französischen Zone fand im Oktober 1945 in Überlingen statt. Die privat organisierte Ausstellung Deutsche Kunst unserer Zeit zeigte expressionistische Werke und wurde von Walter Kaesbach vorbereitet und von der französischen Militärregierung unterstützt. Die erste von der französischen Verwaltung selbst organisierte Ausstellung fand im Mai 1946 in Baden-Baden statt und behandelte unter dem Titel Frankreich – Baden im Spiegel der Geschichte 1660–1860 die kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und Baden.
Im Juni 1946 folgten in Freiburg Meisterwerke mittelalterlicher Kunst in Baden und in Konstanz Neue deutsche Kunst. Während der Konstanzer Kunstwoche zeigte das französische Kulturministerium außerdem Neue französische Malerei mit Werken unter anderem von Pierre Bonnard, Raoul Dufy, Maurice Denis und Marie Laurencin. Ziel war, das deutsche Publikum „Schritt für Schritt“ mit der modernen französischen Kunst vertraut zu machen und ihre Entwicklung vom ausgehenden Impressionismus bis zur konkreten Kunst sichtbar zu machen.
Die Ausstellung in Baden-Baden
Ursprünglich sollte in Baden-Baden die Ausstellung 250 Artistes du Salon d’Automne übernommen werden, die vom 11. Juli bis 31. August 1946 im Wiener Kunstgewerbemuseum gezeigt worden war. Philippe Erlanger lehnte eine Ausstellung in Deutschland jedoch zunächst ab. Raymond Schmittlein überzeugte Émile Laffon und schließlich Militärgouverneur Pierre Kœnig von der politischen Bedeutung des Vorhabens. Daraufhin stellte Bernard Poissonnier in Paris eine neue Auswahl zusammen. Unterstützt wurde er von Jean Cassou, dem Direktor des Musée National d’Art Moderne; außerdem halfen Pariser Galerien mit Leihgaben.
Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft Pierre Kœnigs. Als Eröffnung wird im Artikel der 17. September 1947 im Kurhaus Baden-Baden genannt; zugleich bezeichnet der weitere Verlauf die Baden-Badener Ausstellung als Ausstellung von 1946 und nennt den 8. Oktober 1946 als Ende. Diese Datumsangaben widersprechen sich daher. Die Schau dauerte nach der Darstellung drei Wochen und verzeichnete 9000 Besucher. Die Festrede hielt Kurt Martin, Direktor der Kunsthalle Karlsruhe; dass ein Deutscher diese Aufgabe übernahm, war in der Nachkriegszeit außergewöhnlich.
Der zweisprachige Katalog enthielt ein Vorwort von Michel François und eine Einleitung von Jean Cassou. Auf dem Titelbild war Édouard Manets Die Bierkellnerin abgebildet. Michel François erklärte, Frankreich habe eine „Mission“ zu erfüllen und müsse sich nicht nur als militärische Macht, sondern auch „in seiner Gesamtheit“ als Kulturnation präsentieren. Die Ausstellung wurde als Zeichen eines kulturellen Neuanfangs wahrgenommen; Heinz Tröskes beschrieb sie als „einen großen, freien Atemzug durch alle Zonen“.
Leihgeber und institutioneller Hintergrund
Die Leihgeber stammten überwiegend aus Frankreich. Zu den wichtigsten Institutionen gehörten der Louvre, das Musée National d’Art Moderne in Paris und das Musée municipal de Strasbourg. Die Kunstabteilung der Amerikanischen Militärverwaltung stellte außerdem Werke aus der Kunsthalle Mannheim und der Berliner Nationalgalerie bereit, ohne dass diese deutschen Museen im Katalog als Leihgeber namentlich genannt wurden.
Ein Teil der bedeutenden Werke des Musée National d’Art Moderne stammte aus der Sammlung des japanischen Sammlers Matsukata Kōjirō. Frankreich hatte diese Werke nach dem Krieg als Feindvermögen beschlagnahmt; einige gelangten dauerhaft in französischen Staatsbesitz. Auch Manets Die Bierkellnerin, das Titelbild des Katalogs, kam aus dieser Sammlung.
Daneben wurden zahlreiche Werke von privaten Sammlern und aus Pariser Galerien ausgeliehen. Maurice Jardot, französischer Kunstschutzoffizier und Leiter des Bureau des Beaux-Arts der Region Baden, nutzte seine Kontakte zu privaten Leihgebern. Auf deutscher Seite arbeitete er mit Kurt Martin zusammen. Über Martins Verbindung zur amerikanischen Militärverwaltung, insbesondere zu Edith Standen vom Wiesbaden Central Collecting Point, konnten weitere Werke aus deutschem Museumsbesitz vermittelt werden.
Stationen der Wanderausstellung
Nach Baden-Baden wurde die Ausstellung vom 22. Oktober bis 6. November 1946 im schwer beschädigten Berliner Schloss gezeigt. Der historische Weiße Saal war für Ausstellungen hergerichtet worden. In 15 Tagen kamen 30.000 Besucher. Die Eröffnung fand im Beisein von Vertretern aller alliierten Mächte und des Berliner Oberbürgermeisters Arthur Werner statt. Karl Hofer bezeichnete die Ausstellung als „französische Geste der Versöhnung“. Die Berliner Presse beschrieb einen außergewöhnlich starken Besucherandrang und deutete die Schau als kulturellen Friedensschluss. In Berlin trat der französische Kulturanspruch unmittelbar mit der Kulturarbeit der anderen Besatzungsmächte in Konkurrenz.
Vom 19. November bis 5. Dezember 1946 gastierte die Ausstellung in der Mainzer Kunsthalle am Dom. Der Katalog übernahm erneut das Vorwort von Michel François, die Einleitung von Jean Cassou, die zweisprachigen Texte und das Werkverzeichnis. Anschließend wurde die unveränderte Zusammenstellung vom 15. Dezember 1946 bis 8. Januar 1947 im Hetjens-Museum in Düsseldorf gezeigt. Der dortige Katalog war kürzer; er enthielt weder Abbildungen noch die Leihgeberliste und kein Vorwort von Michel François. Das Titelbild zeigte diesmal Toulouse-Lautrecs Berthe-la-sourde.
Vom 10. Februar bis 3. März 1947 war die Ausstellung unter dem Titel Classiques de la peinture française moderne / Meister der modernen französischen Malerei in Wien zu sehen. Die Zahl der Werke wurde von 130 auf 163 erhöht. Leihgaben aus Mannheim und Berlin entfielen, hinzu kamen unter anderem Werke des Wallraf-Richartz-Museums in Köln, des Museum Folkwang in Essen und der Wiener Galerie des 19. Jahrhunderts. 25.000 Menschen besuchten die Wiener Ausstellung.
Die letzte Station war vom 11. bis 25. März 1947 das unzerstörte Haus der Kunst in München. Dort wurden die Werke unter dem Titel Moderne Französische Malerei gezeigt. Der Ort war besonders aussagekräftig, weil anstelle nationalsozialistischer Kunst, wie Adolf Zieglers Triptychon Die vier Elemente von 1937, nun Werke vormals verfemter Künstler zu sehen waren. Wilhelm Hausenstein schrieb für den Katalog den neuen Text München und das Französische. Zusätzlich wurden umfangreiche Bestände der Neuen Pinakothek gezeigt, besonders Werke von Paul Cézanne, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Édouard Manet, Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Henri de Toulouse-Lautrec. Insgesamt sahen etwa 150.000 Menschen die Wanderausstellung; 55.000 davon besuchten die Münchner Station.
Werke, Kataloge und Dokumentation
Für jede Station erschien ein eigener Katalog. Die Kataloge von Baden-Baden, Mainz und teilweise Düsseldorf trugen den programmatischen Zusatz „vom Impressionismus bis zur Gegenwart“. Die Kataloge waren meist französisch und deutsch abgefasst; der Berliner Katalog enthielt die Einleitung von Jean Cassou zusätzlich auf Russisch und Englisch. Der Münchner Katalog war nur deutschsprachig, führte die Bildtitel jedoch französisch und deutsch auf. Die Titelbilder wechselten: In Baden-Baden, Berlin und Mainz war Manets Die Bierkellnerin zu sehen, in Düsseldorf, Wien und München Toulouse-Lautrecs Berthe-la-sourde.
Die Werkverzeichnisse dokumentierten die ausgestellten Gemälde, sind aber nicht für jedes Werk eindeutig. In den Katalogen fehlen häufig Abbildungen, Angaben zu Technik, Bildträger oder Maßen. Allgemeine Titel wie Landschaft, Akt oder Stillleben erlauben ebenfalls nur eine ungefähre Bestimmung. Die Nummerierung der Baden-Badener Hängung wurde in Berlin, Mainz und Düsseldorf beibehalten. Für Wien und München wurden die Werke alphabetisch geordnet.
Die Auswahl umfasste unter anderem impressionistische Werke von Monet, Renoir, Degas, Pissarro, Sisley und Berthe Morisot, Werke von Manet, Cézanne, Gauguin und van Gogh sowie Beiträge von Picasso, Braque, Léger, Gris, Matisse, Chagall, Dalí und weiteren Künstlern. Beispiele aus dem Verzeichnis sind Cézannes La montagne Sainte-Victoire, Monets Le jardin de Monet à Giverny, van Goghs La chambre de l’artiste à Arles, Picassos La joueuse de mandoline und Rouaults „Homo homini lupus“. Die Kataloge machten damit die Entwicklung von der impressionistischen Malerei über verschiedene Richtungen der Moderne bis zu jüngeren zeitgenössischen Positionen nachvollziehbar.