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Schloss Versailles

Ursprünglich von Philibert Le Roy als Jagdschloss für König Ludwig XIII. errichtet, wurde die Anlage ab 1661 unter Ludwig XIV. durch Louis Le Vau, François …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entwicklung
  2. 2. Aufbau und Innenräume
  3. 3. Gärten, Wassersystem und Nebenschlösser
  4. 4. Hofleben, Macht und Kosten
  5. 5. Revolution, Nachgeschichte und Gegenwart

Bedeutung und Entwicklung

Schloss Versailles liegt in der gleichnamigen Stadt nahe Paris. Es war von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Beginn der Französischen Revolution die wichtigste Residenz der französischen Könige und zugleich politisches, kulturelles und gesellschaftliches Zentrum Frankreichs. Die barocke Palastanlage ist mehr als einen halben Kilometer breit und gilt als Höhepunkt europäischer Palastarchitektur. Von Versailles gingen architektonische und höfische Vorbilder für zahlreiche Residenzen in Europa aus.

Ursprünglich ließ Ludwig XIII. ab 1623 ein kleines Jagdhaus errichten. Philibert Le Roy erweiterte es von 1631 bis 1634 zu einem dreiflügeligen Jagdschloss. Ludwig XIV. übernahm das Gebäude 1643 und begann ab 1661 mit dem systematischen Ausbau. Beteiligt waren unter anderem Louis Le Vau, François II d’Orbay, Jules Hardouin-Mansart und Robert de Cotte; die Innenausstattung entwarf Charles Lebrun, die Gartenanlagen André Le Nôtre.

Ludwig XIV. entschied sich bewusst dafür, das alte Jagdschloss nicht abzureißen, sondern es in die neue Anlage einzubeziehen. Von 1668 bis 1671 wurde der ursprüngliche Bau durch eine sogenannte Ummantelung mit äußeren Trakten umgeben. Ab 1678 entstanden die Spiegelgalerie sowie die Salons des Krieges und des Friedens. Gleichzeitig wurden Süd- und Nordflügel für den Hofstaat errichtet. 1677 bestimmte Ludwig XIV. Versailles zum Regierungssitz; ab dem 5. Mai 1682 zog der Hof von Saint-Germain-en-Laye nach Versailles um.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Anlage weitgehend vollendet. Die Gartenfassade ist 570 Meter breit. Zeitweise arbeiteten über 22.000 Menschen an und in Versailles; ein Zeitgenosse nannte für 1685 sogar 36.000 Arbeiter. Der Palast war nicht nur Residenz, sondern auch Regierungssitz. Ludwig XIV. band den Adel durch Hofämter, Zeremonien, Geschenke und die Aussicht auf königliche Gunst an den Hof und schwächte dadurch seine politische Eigenständigkeit in den Provinzen.

Aufbau und Innenräume

Die Anlage besteht aus dem zentralen Corps de Logis, den großen Seitenflügeln und mehreren Nebengebäuden. Stadtseitig liegen drei hintereinander angeordnete Höfe: der kleine Marmorhof, der Königshof und der große Ministerhof. Daran schließen sich die Ministerflügel, der kleine und der große Marstall sowie das Grand Commun an. Das Grand Commun wurde 1682 als Wirtschaftsbau errichtet und enthielt Küchen und Wohnungen für mehr als 1.000 Hofangestellte.

Die Stadtfassaden bewahren den frühen französischen Barock des ursprünglichen Jagdschlosses: roter Ziegelstein, Sandsteinelemente und sichtbare Mansarddächer bestimmen das Bild. Die Gartenfassaden folgen dagegen dem klassizistischen Barock. Sie bilden einen langen, einheitlichen Block mit horizontaler Gliederung, Sandsteinfassaden, Risaliten und einer Balustrade. Zeitgenossen kritisierten den Gegensatz zwischen den kleinteiligen Stadtfassaden und der strengen, teilweise als eintönig empfundenen Gartenfront. Pläne für eine vollständige klassizistische Neugestaltung wurden nicht verwirklicht.

Im Corps de Logis lagen die Wohnungen des Königs und der Königin, die Appartements der königlichen Familie, Räume für Mätressen und die offiziellen Staatssäle. Die Seitenflügel dienten vor allem dem Hofstaat. Je nach Rang erhielten Bewohner große Appartements oder kleine, teilweise unbeheizbare Kammern. 1789 gab es 288 Wohnungen, 1.252 heizbare Räume und 600 Räume ohne Kamin; die königliche Familie bewohnte weitere 152 Zimmer.

Heute sind vor allem die Räume im Corps de Logis erhalten oder rekonstruiert. Die Staatssäle gehören überwiegend zum Louis-quatorze, den schweren Stil unter Ludwig XIV.; unter Ludwig XV. kamen privatere Räume im Louis-quinze hinzu, unter Ludwig XVI. und Marie-Antoinette einzelne Räume im Louis-seize. Durch Revolution und Versteigerungen gingen große Teile des Mobiliars verloren. Zwischen 1793 und 1794 wurden über 17.000 Stücke in Verkaufskatalogen angeboten; im 19. Jahrhundert wurden Teile zurückerworben oder stilgerecht ergänzt.

Die fast 75 Meter lange und mehr als 10 Meter breite Spiegelgalerie besitzt 17 große Spiegel gegenüber den Bogenfenstern der Gartenfassade, insgesamt 357 Spiegelflächen und 30 Deckengemälde. Sie war Festsaal, vor allem aber eine überdachte Promenade des Hofes. Das zentrale königliche Schlafzimmer entstand 1701 hinter der Spiegelgalerie. Dort fanden die Zeremonien des Lever und des Coucher, des Aufstehens und Schlafengehens des Königs, statt; Ludwig XIV. starb dort am 1. September 1715.

Die 1710 vollendete Schlosskapelle ist dem Heiligen Ludwig geweiht, 25 Meter hoch und zweigeschossig. Oben saßen König und königliche Familie, unten der Hof. Das Opernhaus wurde 1769 bis 1770 von Ange-Jacques Gabriel im Nordflügel eingerichtet. Es ist aus Gründen der Akustik vollständig aus Holz gebaut und bot 712 Zuschauern Platz.

Gärten, Wassersystem und Nebenschlösser

Die Gartenanlagen gingen aus dem Petit Parc Ludwigs XIII. hervor und wurden von 1662 bis 1689 in drei großen Bauabschnitten unter André Le Nôtre gestaltet. Sie gliedern sich in Parterres, Bosketten und den fernen Jagdwald. Die Hauptachse führt von der Stadt durch das Schloss und den Park bis zum kreuzförmigen Großen Kanal. Mehr als 75.000 geschnittene Bäume und Bäumchen prägten den Park.

Die Parterres liegen unmittelbar vor dem Schloss. Das Parterre du Nord und das Parterre du Midi besitzen ornamentale Blumenpflanzungen, Vasen und Statuen; vor dem Corps de Logis liegen die Wasserbecken des Parterre d’Eau. In fünfzehn Bosketten wurden offene Gartensäle mit Hecken, Bäumen, Skulpturen und Springbrunnen angelegt. Bedeutende Anlagen sind die Kolonnade, der Salle de Bal, der Latonabrunnen, die Königliche Allee mit dem Grünen Teppich und der Apollo-Brunnen. Der Große Kanal entwässerte zugleich das sumpfige Gelände.

Die Bildsprache des Parks bezieht sich wie die Schlossdekoration auf Ludwig XIV. Mythologische Figuren stellen politische und königliche Bedeutungen dar. Der Apollo-Brunnen zeigt den Sonnengott, der sich symbolisch in Richtung des Königs erhebt. Die Mittelachse, auf die die Hauptwege zulaufen, verweist auf die Wege, die beim König zusammenlaufen. Die Skulpturen des Parterre d’Eau versinnbildlichen die großen Flüsse Frankreichs.

Unterhalb des Südflügels liegt die 155 Meter lange Orangerie von Jules Hardouin-Mansart. Im Sommer stehen dort hunderte Orangenbäumchen; im Winter werden sie im Gebäude geschützt. Dahinter liegt der Schweizer See, der von der im Schloss stationierten Schweizergarde ausgehoben wurde. Östlich davon befindet sich der ab 1678 angelegte Gemüsegarten des Königs. Jean-Baptiste de La Quintinie erprobte dort beheizte Gewächshäuser und zur Sonne ausgerichtete, schräge Beete. Der weiterhin bewirtschaftete Garten erzeugt jährlich bis zu 80 Tonnen Obst und Gemüse.

Zu den nördlichen Anlagen gehören die von 1668 bis 1672 geschaffene Pyramide, die Wasserallee mit sieben kleinen Becken auf jeder Seite sowie das Drachenbecken und das große Neptunbecken. Vom Neptunbecken gehen insgesamt 99 Wasserstrahlen aus. Für die Wasserversorgung wurden künstliche Seen, Aquädukte, Leitungen und die Maschine von Marly gebaut. Das Rohrsystem war über 160 Kilometer lang. Dennoch konnten wegen der technischen Grenzen nicht alle Fontänen gleichzeitig betrieben werden; zu Ludwigs XIV. Zeiten liefen die Wasserspiele höchstens zwei Stunden durchgehend.

Im Park liegen das Grand Trianon, das Petit Trianon und der Weiler der Königin. Sie dienten der Erholung abseits des überfüllten Hauptschlosses. Das Grand Trianon stammt aus der Zeit Ludwigs XIV.; das Petit Trianon ließ Ludwig XV. für Madame de Pompadour errichten und schenkte es später Marie-Antoinette. Sie ließ dort einen Garten, ein kleines Theater und den künstlich gestalteten Weiler mit scheinbar einfachen, tatsächlich aber prunkvollen Häusern anlegen.

Hofleben, Macht und Kosten

Versailles war eine dicht besiedelte höfische Welt. Am Ende des Ancien Régime umfasste der Hofstaat rund 10.000 Personen, von denen bis zu 5.000 direkt im Schloss lebten. Dazu gehörten etwa 1.000 eigentliche Höflinge sowie Kammerfrauen, Köche, Leibwachen und andere Bedienstete. Händler, Küchen und Arbeitsräume machten den Palast zu einer Stadt unter einem Dach.

Ludwig XIV. begann seinen streng geregelten Tagesablauf gegen 8 Uhr mit dem Lever, einem öffentlichen Zeremoniell. Danach folgte die Arbeit im Kabinett, außerdem gab es Jagden, Ausfahrten, Besuche, Theateraufführungen und abends häufig einen Hofball. Die Etikette regelte selbst kleinste Handlungen: Wer dem König ein Hemd oder Wasser reichen durfte, welche Tür jemand benutzen durfte und ob man in seiner Gegenwart sitzen oder sprechen durfte, zeigte den jeweiligen Rang.

Das Leben war trotz des Luxus wenig komfortabel. Die hohen, zugigen Räume ließen sich schlecht heizen; die Spiegelgalerie und das zentrale Schlafzimmer Ludwigs XIV. besaßen keine Kamine. Es gab zunächst weder fließendes Wasser noch fest installierte Toiletten. Nachttöpfe und Leibstühle wurden geleert, und das Schloss hatte wiederholt Probleme mit Ratten und Mäusen. Auch die Versorgung des Hofes mit Nahrung beschäftigte mehrere hundert Angestellte.

Die Kosten waren gewaltig, zugleich blieb Geld häufig knapp. Von 1661 bis 1663 wurden mehr als 1.500.000 Livres ausgegeben. Von 1664 bis 1688 wurden jährlich durchschnittlich eine Million Livres verbaut. Bis zum Tod Ludwigs XIV. sollen 300 Millionen Livres in die Versailler Schlösser, den Park, Ausstattung und Unterhalt geflossen sein; davon entfielen 50 bis 60 Millionen auf das Mobiliar und zwei Millionen auf den Bau des Eure-Kanals. 1689 musste sogar das Silbermobiliar der Spiegelgalerie verkauft und eingeschmolzen werden, um Kriegsausgaben zu finanzieren.

Revolution, Nachgeschichte und Gegenwart

Am 5. Mai 1789 traten in Versailles die Generalstände zusammen. Der Dritte Stand erklärte sich zur Nationalversammlung und leistete am 20. Juni im Ballhaus den Ballhausschwur. Am 5. Oktober 1789 stürmten die Poissarden das Schloss. Ludwig XVI. und seine Familie mussten Versailles verlassen und nach Paris ziehen. Das Schloss wurde anschließend teilweise geplündert und stand weitgehend leer.

Im 19. Jahrhundert wurde Versailles zum Museum umgestaltet. Unter Louis-Philippe I. entstand ein historisches Nationalmuseum; in den Seitenflügeln wurden große historische Ausstellungsräume, darunter der Schlachtensaal, eingerichtet. Dadurch gingen die ursprünglichen Wohnungen des Hofstaats weitgehend verloren. 1871 wurde das Schloss erneut zu einem politischen Schauplatz: Im Spiegelsaal wurde am 18. Januar das Deutsche Reich mit der Proklamation Wilhelms I. zum deutschen Kaiser gegründet. 1919 wurde dort der Versailler Vertrag unterzeichnet; die Wahl des Ortes war als französische Revanche für 1871 gedacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Versailles auch zu einem Ort der deutsch-französischen Aussöhnung.

1979 nahm die UNESCO Schloss und Park in die Liste des Weltkulturerbes auf; die Welterbestätte umfasst 1.070 Hektar, die Pufferzone 9.467 Hektar. 1978 beschädigte ein Sprengstoffanschlag bretonischer Separatisten mehrere Säle; der Schaden wurde auf fünf Millionen Francs geschätzt.

Heute sind Schloss, Museen, Gärten sowie Grand Trianon, Petit Trianon und der Weiler der Königin für Besucher geöffnet. Versailles zählt zu den meistbesuchten Schlössern Frankreichs; 2022 wurden fast sieben Millionen Besucher gezählt. Rund 900 Personen arbeiten an Pflege und Verwaltung. Seit 2003 läuft eine umfangreiche Restaurierungskampagne, für die rund 390 Millionen Euro bereitgestellt wurden. Unter anderem wurden die Deckengemälde der Spiegelgalerie, das Latonabecken, mehrere Boskette sowie Dachstuhl, Fenster und Außenbereich der Schlosskapelle restauriert; die Kapelle wurde im April 2021 fertiggestellt. Bei den Olympischen Sommerspielen 2024 fanden auf den Außenanlagen die Reitsportwettbewerbe und die Entscheidungen im Modernen Fünfkampf statt.

Versailles wurde im 17. und 18. Jahrhundert zum Vorbild zahlreicher Residenzen, darunter Schloss Schönbrunn, die Würzburger Residenz, Schloss Peterhof und Schloss Caserta. Das Neue Schloss Herrenchiemsee kopiert die Mittelpartie der Gartenfront sowie Spiegelgalerie und Gesandtentreppe weitgehend, war jedoch im 19. Jahrhundert als private Hommage Ludwigs II. an Ludwig XIV. und nicht als politisches Herrschaftszentrum geplant.

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