Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Mindestumsatz
... break-even-Point) genannt. Wird er überschritten, entsteht ein Gewinn, wird er unterschritten, ein Verlust. Die Break-even-Analyse ermittelt in diesem …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Grundprinzip
Mindestumsatz bezeichnet allgemeine Vertragsbedingungen, nach denen ein Vertragspartner aus einem Vertrag einen bestimmten Umsatzerlös oder Ertrag erbringen muss. Er gehört zur Preisdifferenzierung und damit zur Preispolitik von Unternehmen. Das Unternehmen kann dadurch einen höheren Stückpreis und Umsatzerlös erzielen und sein Absatzrisiko verringern.
Erreicht der Kunde den vereinbarten Mindestumsatz nicht, muss er ihn trotzdem bezahlen. Beispiel: Ohne Mindestumsatz kostet ein Stück 5 Euro. Wird ein Mindestumsatz von 30 Euro verlangt, der beispielsweise 4 Stück entspricht, beträgt der rechnerische Stückpreis zunächst 7,50 Euro. Bei einem höheren Umsatz kann der Stückpreis wieder auf 5 Euro sinken. Ab einem bestimmten Mindestumsatz kann außerdem ein nach Umsatzhöhe gestaffelter Mengenrabatt gewährt werden. Mindestumsatz und Mengenrabatt stehen daher in engem Zusammenhang.
Anwendungsbereiche
Mindestumsätze kommen in vielen Wirtschaftszweigen vor. Im Tourismus können Reiseveranstalter in Agenturverträgen Mindestumsätze festlegen. Außerdem kann die Durchführung einer Gruppen- oder Pauschalreise von einer Mindestteilnehmerzahl abhängig gemacht werden.
In der Telekommunikation können Mindestumsätze an die Stelle einer Grundgebühr oder einer Flatrate treten. Beim Franchising kann der Franchise-Nehmer vertraglich verpflichtet werden, einen bestimmten Mindestumsatz zu erreichen. Auch der Take-or-Pay-Vertrag der Energie- und Abfallwirtschaft enthält Merkmale eines Mindestumsatzes.
Betriebswirtschaftliche Kennzahlen
1921 stellte Johann Friedrich Schär in der Handelsbetriebslehre eine Mindestumsatzformel auf:
MU = K_f / (HS − K_f).
Dabei ist MU der Mindestumsatz, K_f sind die Fixkosten und HS die Handelsspanne. Der Artikel beschreibt den Mindestumsatz als Gegenüberstellung der Fixkosten mit den um die Handelsspanne verminderten variablen Kosten K_v.
Für Unternehmen, die Mindestumsätze von ihren Kunden verlangen, nennt der Artikel drei verfeinerte Kennzahlen:
- Mindestumsatz zur Deckung ausgabewirksamer Fixkosten: MU_kf = (ausgabewirksame K_f / DB in Prozent vom Umsatz) × 100.
- Mindestumsatz der Substanzerhaltung: MU_S = (K_f / DB in Prozent vom Umsatz) × 100.
- Mindestumsatz der Plangewinnerzielung: MU_PG = ((K_f + Plangewinn) / DB in Prozent vom Umsatz) × 100.
In allen Formeln wird der Deckungsbeitrag (DB) als Frühwarnindikator verwendet. Bei Unternehmen mit mehreren Produkten gibt es unendlich viele Preis-Mengen-Kombinationen, mit denen der erforderliche Mindestumsatz erreicht werden kann. Bei einem Einproduktunternehmen gibt es dafür nur eine solche Kombination.
Wirtschaftliche Bedeutung
In der Betriebswirtschaftslehre ist der Mindestumsatz der Umsatzerlös, der mindestens erforderlich ist, damit die variablen Kosten und die gesamten Fixkosten gedeckt sind. Wann diese Kostendeckung erreicht wird, hängt unter anderem von der Kostenstruktur ab. Der Mindestumsatz stellt die Deckung der Gesamtkosten durch die Gesamterlöse dar und wird auch Gewinnschwelle oder Break-even-Point genannt.
Wird die Gewinnschwelle überschritten, entsteht ein Gewinn; wird sie unterschritten, entsteht ein Verlust. Die Break-even-Analyse untersucht, welches Absatzvolumen notwendig ist, um einen bestimmten Mindestumsatz und/oder Mindestgewinn zu erzielen.
Mindestumsätze verhindern zu kleine Losgrößen und zu geringe Aufträge oder Bestellungen. Mengenrabatte wirken ähnlich, beruhen aber auf Freiwilligkeit: Den Rabatt erhält nur, wer die erforderliche Mindestmenge kauft. Nach dem Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen sinkt beim Konsum jeder zusätzlichen Einheit der Grenznutzen. Dadurch nimmt die Zahlungsbereitschaft für weitere Einheiten ab. Bei einem mengenunabhängigen Preis würde ein Konsument deshalb weniger Einheiten kaufen als bei einem mengenabhängigen Preis.
Rechtliche Bedeutung
Bei Dauerschuldverhältnissen ist das Nichterreichen eines beispielsweise einem Handelsvertreter vorgegebenen Mindestumsatzes allein noch kein wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung.
Im Kartellrecht dienen Mindestumsätze als Schwellenwerte für die Fusionskontrolle. Nach § 35 Abs. 1 GWB wird die Fusionskontrolle angewandt, wenn die beteiligten Unternehmen weltweit insgesamt mehr als 500 Millionen Euro Umsatzerlöse erzielen und im Inland mindestens ein beteiligtes Unternehmen mehr als 50 Millionen Euro sowie ein anderes beteiligtes Unternehmen mehr als 17,5 Millionen Euro erzielt. Werden diese Mindestumsätze erreicht oder überschritten, gelten die Voraussetzungen des § 37 GWB.
Mindestverzehr in der Gastronomie
Mindestverzehr bedeutet in der Gastronomie eine Lieferbedingung, nach der ein Gast mindestens einen bestimmten Geldbetrag für Getränke und/oder Speisen ausgeben muss. Wird kein gesondertes Eintrittsgeld verlangt, gilt der Mindestverzehr als verdecktes Eintrittsgeld. Der geforderte Betrag muss bereits bei der ersten Bestellung erreicht werden.
Als Mindestverzehr können auch ein obligatorisches Damengedeck, Herrengedeck oder ein Verzehrbon gelten. Mindestverzehr kann in Gaststätten, Bars und Clubs, darunter sogenannten „Supper Clubs“, auch zusätzlich zu einem Eintrittsgeld verlangt werden. Häufig ist damit Livemusik verbunden.