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Johann Friedrich Schär
Dazu propagierte Schär die Berechnung des sogenannten «toten Punktes» (Break-even-Point), das heisst, derjenigen Produktionsmenge, bei der die Erlöse erstmals …
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Bedeutung und Grundideen
Johann Friedrich Schär (* 21. März 1846 in Ursellen; † 25. September 1924 in Muttenz) war ein Schweizer Pädagoge und Wirtschaftswissenschaftler. Er zählt zu den „Gründervätern“ und Pionieren der Betriebswirtschaftslehre (BWL) und gilt außerdem als Pionier der Schweizerischen Genossenschaftsbewegung. Er versuchte als einer der ersten Wissenschaftler seines Fachs, die BWL als geschlossenes System aufzubauen, und betrachtete sie als eng mit der Volkswirtschaftslehre verbunden.
Gemeinsam mit Rudolf Dietrich (1896–1974) und Heinrich Nicklisch vertrat Schär die ethisch-normative Richtung der BWL. Diese beurteilt wirtschaftliches Handeln nicht allein nach seinem Erfolg, sondern auch nach ethischen und gesellschaftlichen Maßstäben. Schär meinte, das Leitmotiv des Handels solle nicht das Gewinnstreben sein. Stattdessen müsse das ökonomische Prinzip gelten: Produzenten und Konsumenten sollen mit möglichst geringen Kosten miteinander vermittelt werden. Deshalb wollte er die Privatwirtschaftslehre in der Nationalökonomie verankern.
Ausbildung, Beruf und öffentliches Wirken
Schär wurde als ältestes von drei Geschwistern im Emmentaler Weiler Ursellen geboren; sein Vater war Käser. Nach der Primarschule besuchte er die Sekundarschule in Zollbrück und das Lehrerseminar in Münchenbuchsee. Mit 19 Jahren wurde er Lehrer in Wattenwil. 1867 bestand er an der Universität Bern das Patentexamen für Sekundar- und Gymnasiallehrer. Danach unterrichtete er als Seminarlehrer Physik, Chemie, Mathematik und Turnen. 1869 wurde er Hauptlehrer für Physik und Chemie am bernischen Lehrerseminar in Münchenbuchsee.
Von 1870 bis 1874 leitete Schär eine Käseexportgesellschaft. Daneben arbeitete er als Hotelier und Wirt sowie kurzzeitig als Fabrikdirektor. Später wurde er Sekundarlehrer in Bischofszell und dort 1875 Rektor. Von 1880 bis 1882 leitete er die Mädchensekundarschule in Biel. Anschließend unterrichtete er bis 1903 Handelswissenschaften an der Oberen Realschule und später an der kantonalen Handelsschule in Basel.
Schär engagierte sich besonders für Genossenschaften. Er wurde Mitglied und bald Präsident des Basler Allgemeinen Consumvereins. Von 1892 bis 1903 stand er dem Verband Schweizerischer Konsumvereine, der heutigen Coop, als Präsident vor. Auf seine Anregung wurde 1889 die Schweizerische Gesellschaft Freiland gegründet. Als Mitglied der FDP gehörte er von 1891 bis 1893 und erneut von 1896 bis 1903 dem Basler Grossen Rat an. Zudem war er Mitgründer der Basler Kantonalbank und Mitglied ihres Bankrats.
1903 übernahm Schär an der Universität Zürich den ersten an einer Universität eingerichteten Lehrstuhl für Handelswissenschaften. 1906 wechselte er an die neu gegründete Handelshochschule Berlin. Dort lehrte er bis 1919 als ordentlicher Professor für Buchhaltung, Organisation und Zahlungsverkehr. Nach seiner Emeritierung kehrte er in die Schweiz zurück und lebte in der Genossenschaftssiedlung Freidorf in Muttenz.
Beiträge zu Betriebswirtschaft und Buchhaltung
Schär veröffentlichte seit 1888 rund 50 Schriften. Im Mittelpunkt standen Buchhaltung, ihre verständliche Vermittlung und das Genossenschaftswesen. In „Buchhaltung und Bilanz“ von 1911 behandelte er unter anderem die Zweikontentheorie. Seine Vereinfachung der Kontensystematik wirkte über sein eigenes Werk hinaus: Die 1937 vom Reichswirtschaftsministerium vorgeschriebene Verwendung von Kontenrahmen beruhte auf Schärs Kontensystem und Schmalenbachs Kontenrahmen. Ein Kontenrahmen ist ein geordnetes Schema zur Gliederung der Konten eines Unternehmens.
Die „Allgemeine Handelsbetriebslehre“ von 1911 war ein wichtiges Standardwerk. Sie zielte innerhalb der Wirtschaftsordnung auf Solidarismus, also auf eine Ordnung, die gegenseitige Verbundenheit und Verantwortung betont, und führte zur Allgemeinen Betriebswirtschaftslehre hin.
Schär propagierte außerdem die Berechnung des „toten Punktes“, heute Break-even-Point genannt. Damit ist diejenige Produktionsmenge gemeint, bei der die Erlöse erstmals genau die Kosten decken. An diesem Punkt entsteht somit weder ein Verlust noch ein darüber hinausgehender Gewinn. Schär gilt als Entdecker dieses Konzepts. Seine Werke „Allgemeine Handelsbetriebslehre“ und „Buchhaltung und Bilanz“ fanden laut Artikel auch 2018 noch Beachtung.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Schärs zentralen Veröffentlichungen gehören „Freiland, die wahren Ursachen der sozialen Not, vom Standpunkt der Bodenbesitzreformer“ (1892), das „Handbuch der Kontorpraxis“ mit Huber-Schär (1895), „Die Bank im Dienste des Kaufmanns“ (1904), „Allgemeine Handelsbetriebslehre“ (1911) und „Buchhaltung und Bilanz“ (1911).
Mit dem Genossenschaftswesen befassen sich unter anderem „Die Genossenschaft im Lichte der wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe der Gegenwart“ (1912), die gemeinsam mit Stanisław Marciniak verfasste Schrift „Erfolge der Kalkulation und Statistik im genossenschaftlichen Grossbetriebe“ (1912) sowie „Genossenschaftliche Reden und Schriften, Pioniere und Theoretiker des Genossenschaftswesens“ (1920). 1922 erschien sein Beitrag „Die Siedlungsgenossenschaft Freidorf“.
Weitere Themen waren der bargeldlose Verkehr, Geld- und Währungsverhältnisse sowie der zwischenstaatliche Zahlungsverkehr. 1924 veröffentlichte Schär den ersten Band seiner „Lebenserinnerungen“ unter dem Titel „Von der Emmentaler Sennhütte zum Katheder und Kontor“. Mehrere Lehrbücher erschienen später in überarbeiteten Auflagen oder als Reprint, darunter „Doppelte Buchhaltung“, „Einfache und doppelte Buchhaltung“ und „Buchhaltung und Bilanz“.
Ehrungen und Nachwirkung
Die Universität Zürich verlieh Schär 1904 die Ehrendoktorwürde Dr. rer. pol. h. c.; 1923 erhielt er dieselbe Auszeichnung von der Universität Köln. Die 1905 gegründete Deutsche Gesellschaft für Betriebswirtschaft vergab bis in die 1970er Jahre die Johann-Friedrich-Schär-Plakette.