Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Michael Lüders

Michael Andreas Lüders (* 8. Mai 1959 in Bremen) ist ein deutscher Politik- und Islamwissenschaftler, der als Publizist sowie Politik- und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Parteipolitisches Engagement
  4. 4. Politische Positionen und Kontroversen
  5. 5. Bücher, Themen und Rezeption
  6. 6. Romane und Thriller

Person und Bedeutung

Michael Andreas Lüders (* 8. Mai 1959 in Bremen) ist ein deutscher Politik- und Islamwissenschaftler, Publizist sowie Politik- und Wirtschaftsberater. Sein Schwerpunkt ist das Verhältnis zwischen dem Westen und der arabisch-islamischen Welt. Bekannt wurde er durch Sachbücher, Romane, Medienauftritte und politische Stellungnahmen zum Nahen und Mittleren Osten. Seine Analysen betonen häufig die negativen Folgen westlicher Interventionen; sie werden teils gelobt, teils wegen Einseitigkeit und problematischer Quellenwahl deutlich kritisiert.

Von 2015 bis 2022 war Lüders Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft. Außerdem gehörte er dem Beirat des Nah- und Mittelost-Vereins an und war stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Orient-Stiftung. Seit Januar 2024 ist er Mitglied des Parteivorstands des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), seit Dezember 2025 einer von sieben stellvertretenden Bundesvorsitzenden.

Ausbildung und beruflicher Weg

Nach dem Abitur in Bremen-Vegesack leistete Lüders über die Aktion Sühnezeichen Zivildienst in Israel. Er studierte arabische Literatur in Damaskus sowie Islamwissenschaften, Politologie und Publizistik in Berlin. 1988 wurde er mit einer Arbeit über das ägyptische Kino zum Dr. phil. promoviert.

Danach arbeitete er als Dokumentarfilmer und Hörspielautor für SWR und WDR. Von 1993 bis 2002 war er Nahost-Redakteur bei der ZEIT, anschließend bis 2003 Berater der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Später war er freiberuflich als Publizist sowie Politik- und Wirtschaftsberater tätig. Er beriet unter anderem das Auswärtige Amt und erstellte Fachgutachten für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Lüders übernahm Lehraufträge und Gastdozenturen an der Philipps-Universität Marburg, der Sakarya Üniversitesi in der Türkei und der Universität Trier. Gegen seine drei Trierer Einzelvorlesungen im Jahr 2017 protestierten unter anderem der örtliche AStA und die Trierer Deutsch-Israelische Gesellschaft. Lüders lebt in Berlin. 2004 erhielt er den Muhammad-Nafi-Tschelebi-Preis.

Parteipolitisches Engagement

Lüders trat im Januar 2024 dem Bündnis Sahra Wagenknecht bei und wurde beim ersten Parteitag mit 97,6 % in den erweiterten Parteivorstand gewählt. Bei der Europawahl 2024 stand er auf Platz 9 der BSW-Liste.

Er gehört zum BSW-Landesverband Sachsen-Anhalt und kandidierte dort als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2025. Das BSW erreichte in Sachsen-Anhalt mit 11,2 % sein bundesweit bestes Ergebnis. Am 6. Dezember 2025 wurde Lüders zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 kandidiert er auf Platz 2 der BSW-Liste.

Politische Positionen und Kontroversen

Lüders führt die Verschärfung vieler Konflikte im Nahen Osten wesentlich auf die militärische Interventionspolitik der USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zurück. Die Einsätze in Afghanistan, Irak, Syrien, Libyen und Jemen hätten nach seiner Auffassung Staatsverfall, Anarchie und Chaos gefördert. Auch das Erstarken terroristischer Bewegungen wie des „Islamischen Staates“ sieht er als Folge dieser Politik. Er vertritt die These, westliche Politik stehe nur vermeintlich für Demokratie und Gerechtigkeit.

Zur Beendigung des Syrienkrieges und zur Verringerung der Flüchtlingszahlen plädierte Lüders für eine Zusammenarbeit mit Baschar al-Assad, Russland und Iran. Nach dem amerikanischen Luftangriff auf den syrischen Militärflugplatz asch-Schaʿirat 2017 warnte er vor einer ernsthaften Konfrontation der Nuklearmächte USA und Russland. Der Historiker Michael Wolffsohn widersprach und verwies darauf, dass Russland vor dem Angriff gewarnt worden sei und die US-Marschflugkörper nicht abgeschossen habe.

Zum Afghanistan-Krieg fordert Lüders eine kritische Prüfung der westlichen Verantwortung. Er behauptete außerdem, die US-Regierung habe dafür gesorgt, dass Verfahren wegen mutmaßlicher amerikanischer Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof eingestellt worden seien.

Besonders umstritten waren seine Aussagen zu Giftgasangriffen in Syrien. 2017 erklärte er unter Berufung auf Can Dündar, die Türkei habe 2013 Giftgas an syrische Rebellen geliefert. Dündar bezeichnete diese Darstellung zunächst als „totalen Unsinn“, korrigierte sich später jedoch teilweise und sagte, seine Zeitung habe entsprechende Berichte veröffentlicht, allerdings nicht aus seiner Feder. Eine UN-Sonderkommission kam im September 2017 zu dem Schluss, dass die syrische Regierung für den Giftgasangriff von Chan Schaichun verantwortlich war.

Lüders’ These, radikalislamische Rebellen hätten mit türkischer Unterstützung den Giftgasangriff von Ghuta verübt, stützte sich auf Seymour Hersh. Kritiker wie Eliot Higgins widersprachen unter Hinweis auf die verwendeten Munitionstypen. Der ARD-„faktenfinder“ bewertete Lüders’ Quellenlage als dünn und widersprüchlich und bemängelte, dass entgegenstehende Hinweise, etwa von Human Rights Watch und dem UN-Menschenrechtsrat, meist unerwähnt blieben.

Auch die öffentliche Einordnung seiner Expertise ist umstritten. Kritiker werfen ihm ein festes antiamerikanisches und antiisraelisches Deutungsmuster vor. In der Talkshow Anne Will wurde zudem gefragt, ob seine wirtschaftliche Beratungstätigkeit seine Analysen beeinflusse; Lüders sah darin einen Versuch, ihn zu diskreditieren. Brigitte Baetz kritisierte zugleich, dass vergleichbare Tätigkeiten anderer Gäste nicht angesprochen worden seien.

Bücher, Themen und Rezeption

Lüders veröffentlichte Sachbücher, Sachromane, Erzählungen und Thriller; außerdem schrieb er Hörspiele und produzierte Dokumentarfilme über Afghanistan und Ägypten. Seine Werke behandeln vor allem politische Konflikte, westliche Interventionen und gesellschaftliche Verhältnisse im Nahen und Mittleren Osten.

In „Wir hungern nach dem Tod“ (2001) verbindet er Analyse, Grundinformationen und Erlebnisse. Er kritisiert westliche Sichtweisen auf den Nahostkonflikt und die Politik der USA und Europas. „Tee im Garten Timurs“ (2003) beschreibt Krisengebiete nach dem Irakkrieg und verknüpft regionale Verhältnisse mit den geostrategischen Interessen der USA. Rezensionen lobten besonders seine Analysen zu Irak und Afghanistan, bemängelten aber fehlende eigene Quellen und geringe Anschaulichkeit in den Kapiteln zu Zentralasien.

„Im Herzen Arabiens“ schildert arabisches Alltagsleben und Lüders’ persönliche Begegnung mit der Region. Gelobt wurden Lesbarkeit, Offenheit und Kenntnisse; kritisiert wurden einzelne pauschale Urteile. Lüders führt Islamismus unter anderem auf westliche Unterstützung Israels zurück, betont aber zugleich, dass die politischen und sozialen Probleme der arabischen Welt auch ohne Israel bestünden.

„Tage des Zorns“ (2011) behandelt die „Arabellion“, also die arabischen Aufstände. Das Buch wurde für die Shortlist von „Das beste Wissenschaftsbuch 2011“ in Österreich ausgewählt. „Iran: Der falsche Krieg“ (2012) warnt vor einem militärischen Angriff und einem gewaltsamen Regimewechsel. Während einige Rezensionen seine Sachlichkeit und Expertise lobten, warfen andere ihm eine einseitig proiranische Darstellung, Fehler, unzureichende Quellenprüfung und die Verharmlosung des Chomeinismus vor.

„Wer den Wind sät“ (2015) stand bis April 2017 mehr als 100 Wochen in der Bestsellerliste von Buchreport. Das Werk stellt westliche Interventionen als wichtige Ursache von Islamismus, Terror und Staatszerfall dar. Es wurde als kenntnisreich und packend gelobt, aber auch wegen Einseitigkeit, Moralismus und der Vernachlässigung der Eigenverantwortung regionaler Regime kritisiert.

„Die den Sturm ernten“ (2017) erreichte Rang 1 der Paperback-Sachbuchliste von Buchreport. Lüders beschreibt eine lange Geschichte westlicher Eingriffe in Syrien und betont deren Beitrag zur Eskalation des Krieges. Rezensenten würdigten seine historische Übersicht, hielten die Behauptung, allein der Westen habe Syrien ins Chaos gestürzt, jedoch für nicht belegt. Seine Darstellung der Giftgasangriffe wurde besonders stark beanstandet.

„Armageddon im Orient“ (2018) analysiert den Gegensatz zwischen Saudi-Arabien und Iran. Lüders schildert die Entwicklung des Wahhabismus zur saudischen Staatsreligion, die Verbindungen Saudi-Arabiens zu den USA, die westliche Unterstützung für Schah Mohammed Reza Pahlevi, das amerikanisch geförderte iranische Atomprogramm ab 1957 und die Islamische Revolution von 1979. Er warnt vor einem Krieg und erklärt Machterhalt und Interessenpolitik zu den entscheidenden Faktoren. Kritiker erkannten die Brisanz seiner Analyse an, warfen ihm aber erneut Schwarz-Weiß-Denken, Nähe zu einem syrisch-russischen Narrativ sowie fehlende eigene Recherche und konkrete politische Alternativen vor.

Zu seinen späteren Sachbüchern gehören „Die scheinheilige Supermacht“ (2021), „Hybris am Hindukusch“ (2022), „Moral über alles?“ (2023), „Krieg ohne Ende?“ (2024) und „Drecksarbeit?“ (2025).

Romane und Thriller

Lüders’ Romane und Erzählungen spielen überwiegend im Nahen oder Mittleren Osten oder verbinden diese Regionen mit Deutschland. „Aminas Restaurant“ (2006) erzählt von einer aus Marokko nach Bremen eingewanderten Familie, die dort ein Restaurant eröffnet. Der Roman verbindet Lüders’ Erfahrungen im Orient mit seiner Bremer Heimat und wurde überwiegend positiv besprochen. „Blöder Hund“ (2010) ist ein humoristischer Roman.

Im Mittelpunkt der Sophie-Schelling-Reihe stehen die deutsche Journalistin Sophie Schelling und die norwegische Geheimdiensteinheit E 39. In „Never Say Anything“ (2016) überlebt Schelling in Marokko einen Militärangriff und entdeckt bei ihren Recherchen Spuren amerikanischer Elitesoldaten, wodurch sie selbst in Gefahr gerät. Besprechungen hoben Spannung, Fachwissen und die realistisch wirkende Handlung hervor. Weitere Teile der Reihe sind „Die Spur der Schakale“ (2020) und „Strahlendes Eis“ (2024).

Weiterlesen

Bremen Die Stadt Bremen ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl (ca. 580.000 Einwohner) die zehntgrößte Stadt in Deutschland. Sie gehört zur europäischen Metropolregion … Deutschland Deutschland (; Vollform des Staatsnamens: Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa. Es besteht aus 16 Ländern und ist als … Politikwissenschaft Die Politikwissenschaft zählt von ihrer Entwicklung als Wissenschaftsdisziplin im weiteren Sinne auch zu den Staatswissenschaften. Mit Nachbardisziplinen wie … Politikberatung Politikberatung bezeichnet den gesamten Komplex politischer Beratungstätigkeit, vom Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die politische Praxis bis hin … Bündnis Sahra Wagenknecht ... Fünf-Prozent-Hürde. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 erhielt das BSW 5,3 Prozent der Zweitstimmen und zog mit fünf Sitzen in den Landtag ein. Bundestagswahl 2025 Sitzverteilung im 20. Bundestag · BSW (G): 10 · Linke (G): 28 · SPD: 207 · Grüne: 117 · SSW: 1 · FDP: 90 · Union: 196 · AfD: 76 … Israel Während des Palästinakriegs erfolgte am 14. Mai 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung. Die folgenden Jahrzehnte sind vom andauernden arabisch- … Syrien Wirtschaftlich sind für Syrien die Landwirtschaft, die Förderung und der Export von Erdöl sowie die Erzeugung von Textilien und Nahrungsmitteln bedeutend. Durch … Türkei Die Türkei ist ein Schwellenland mit mittlerem Einkommen, liegt beim Bruttoinlandsprodukt weltweit auf dem 17. und bei der Kaufkraftparität auf dem 11. Platz. Europawahl in Deutschland 2024 Die Europawahl in Deutschland 2024 war die zehnte Direktwahl zum Europäischen Parlament in Deutschland. Sie fand am 9. Juni 2024 als Teil der EU-weiten … Sachsen-Anhalt Geographie. Bearbeiten. Im Norden wird Sachsen-Anhalt von Flachland geprägt ... Darunter zählen Energierohstoffe wie die Braunkohle bei Bitterfeld, Halle … Terroranschläge am 11. September 2001 Mit insgesamt 2996 Toten und mehr als 6000 Verletzten war das Ereignis der bisher schwerste Terroranschlag der Geschichte. Hauptfolge war der langjährige …