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Gegenwart
In der Sprachwissenschaft bezeichnet Gegenwart die Zeitform, die gegenwärtiges Geschehen ausdrückt; ein Synonym dazu ist Präsens. Ferner steht Gegenwart …
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Bedeutung der Gegenwart
Gegenwart bezeichnet die Zeit oder den Zeitpunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Synonyme sind Augenblick, Heute, Jetzt, gegenwärtige/heutige/jetzige Zeit, Jetztzeit und unsere Zeit. Das Wort kann außerdem Anwesenheit, Beisein, Beteiligung, Präsenz, Teilnahme oder Zugegensein bedeuten.
Als Gegenbegriff stehen Vorstellungen von Vergangenheit wie Erinnerung, Geschichte, Herkunft oder Ursache sowie von Zukunft wie Hoffnung, Angst, Planung, Vision oder Entwicklung gegenüber.
Gegenwart in der Grammatik
In der deutschen Grammatik gibt es für gegenwärtiges Geschehen eine Zeitform: das Präsens. Beispiele sind „wir denken“, „es läuft“ und „Lola rennt“.
In anderen Sprachen können formal perfektive und imperfektive Präsensformen unterschieden werden. Eine Präsensform muss dabei nicht unbedingt Gegenwart ausdrücken: Im Russischen bezeichnet das grammatische Präsens perfektiver Verben beispielsweise eine zukünftige Situation.
Auch im Deutschen kann die Präsensform von „haben“ im Präsensperfekt vergangene Ereignisse bezeichnen, etwa: „Es hat geregnet“ oder „Niemand hat ihn begleitet“. Teilweise schwingt dabei eine Rückschau aus der Gegenwart mit, aber nicht in allen Verwendungen. Manche Präsensformen drücken offenbar gar keine Zeitbedeutung aus; sie heißen atemporal.
Kunst, Literatur und Film
Gegenwartskunst, Avantgarde, contemporary art oder zeitgenössische Kunst meint aktuell angesehene Kunst. Meist ist dafür kein genauer Zeitraum festgelegt.
Auch Gegenwartsliteratur ist nicht allgemein gültig definiert und ihr Umfang verändert sich mit der Zeit. Das Kritische Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG) erscheint seit 1978. Zunächst verstand man darunter Werke ab 1945, später Literatur ab 1989/1990; inzwischen wird der Begriff auch als Alternative zu „Literatur des 21. Jahrhunderts“ verwendet.
Die Gegenwartsform in literarischen Texten kann eine lebendige, unmittelbare oder spannende Erzählweise erzeugen. Beim historischen Präsens soll sie Leser in die Zeit historischer Ereignisse versetzen.
Der Film „Lola rennt“ zeigt eine Fiktion multipler Gegenwart: Dieselbe Zeitspanne von 20 Minuten erscheint dreimal. Kleine Unterschiede führen jeweils zu völlig anderen Ausgängen; dies wird als Schmetterlingseffekt in einer Form ähnlich einer Zeitschleife beschrieben.
Zeit in der Physik
In der klassischen Physik bestimmt der Zeitpfeil die Richtung der Zeit von der Vergangenheit in die Zukunft. Die Gegenwart besteht aus allen Ereignissen, die kausal, also durch Ursache und Wirkung, von Ereignissen der Vergangenheit beeinflusst wurden und mit ihnen verbunden sind.
Die spezielle Relativitätstheorie von Albert Einstein verändert die Vorstellung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ereignisse, die für einen Beobachter gleichzeitig stattfinden, können für einen relativ zu ihm bewegten Beobachter nicht gleichzeitig stattfinden. Dies heißt Relativität der Gleichzeitigkeit.
Philosophische und psychologische Sichtweisen
Aristoteles zufolge lassen sich durch die Gegenwart verschiedene Zeitabschnitte unterscheiden und aufeinander beziehen: „Die Gegenwart ist Gegenstand der Wahrnehmung, die Zukunft Sache der Hoffnung (Erwartung), die Vergangenheit Gegenstand der Erinnerung.“
Augustinus von Hippo hielt die Gegenwart für die einzig denkbare Zeitform. Zeit verstand er als „distentio animi“ („Dehnung des Geistes“). Deshalb sprach er von der „Gegenwart der Vergangenheit“ und der „Gegenwart der Zukunft“, da Vergangenes bereits vorbei und Zukünftiges noch nicht da sei.
Für Heidegger ist Gegenwart der „Horizont, in dem uns Wirklichkeit erscheint und wir uns betrachtend, wertend, handelnd auf sie einlassen.“ Boethius bezeichnete reine Gegenwart als Ewigkeit: eine „niemals aufhörende Gegenwart“ und die „aktuelle ungeteilte Fülle unendlichen Seins“ ohne Anfang und Ende. Das Metzler Philosophie Lexikon fasst zusammen, Menschen könnten in einem erfüllten Augenblick einen „Schnittpunkt der Gegenwart mit der Zeit“ erfahren.
Psychologisch ist nur in der Gegenwart Wahrnehmung der Welt und des eigenen Selbst möglich. In Psychotherapie und Selbsterfahrung wird sie deshalb als „Hier-und-jetzt“ bezeichnet.
Religiöse Vorstellungen
Der Abschnitt ist laut Artikel nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet; seine Angaben könnten daher entfernt werden.
In vielen Religionen, etwa im Zen-Buddhismus, gilt es als Ideal, sich dem Hier und Jetzt zu öffnen. In östlichen Religionen wie Buddhismus und Hinduismus wird der gegenwärtige Augenblick – anders als ein nach dem Tod folgender Himmel in abrahamitischen Religionen – als Ort des ewigen Lebens angesehen.
Der katholische Kardinal Fulton John Sheen beschrieb den Himmel als das „ewige Jetzt“. Martin Buber schrieb: „Gott aber, die ewige Gegenwart, läßt sich nicht haben. Wehe dem Besessenen, der Gott zu besitzen meint!“
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