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Hochkultur (Geschichtswissenschaft)
Als Hochkultur wird in der Geschichtswissenschaft sowie in älterer ethnologischer Fachliteratur eine Gesellschaftsordnung bezeichnet, die sich durch …
Inhalt6 Abschnitte
Kernbegriff
Eine Hochkultur ist in der Geschichtswissenschaft eine besonders komplexe Gesellschaftsordnung. Welche Kulturen genau dazugehören und wie der Begriff abgegrenzt werden soll, ist teilweise strittig. Als Hochkulturen gelten vor allem manche Gesellschaften des Alten Orients und des präkolumbischen Amerika, außerdem die Indus-Kultur und die chinesische Erlitou-Kultur.
Der Begriff wird heute vorsichtig verwendet, weil er aus älteren evolutionistischen Vorstellungen stammt. Im 19. Jahrhundert nahm man oft an, Kulturen entwickelten sich gesetzmäßig vom Einfachen zum Komplexen, und nannte das höchste Stadium „Hochkultur“. Diese Sicht wurde im 20. Jahrhundert stark kritisiert, besonders die Vorstellung von „höheren“ und „niederen“ Entwicklungsstufen. In der Geschichtswissenschaft wird der Begriff weiter benutzt, aber ohne diese Wertung. Häufige Ersatzbegriffe sind komplexe Gesellschaft, städtische Gesellschaft, Zivilisation oder archaischer Staat.
Typische Merkmale
Hochkulturen unterscheiden sich von weniger komplexen Gesellschaften durch ihren Organisationsgrad und durch bestimmte zivilisatorische Entwicklungen. Die häufig genannten Merkmale treten oft zusammen auf, aber nicht immer.
Typische Merkmale sind entwickelte Technik, besonders Metalltechnik, und entwickelte Landwirtschaft, etwa Pflugbau und Überproduktion. Dazu kommen Marktwesen und Geldwirtschaft, Schriftgebrauch, soziale Differenzierung und Arbeitsteilung. Wichtig sind außerdem politische Zentralinstanzen mit institutionalisierter Herrschaft und Verwaltungsapparat, eine differenzierte Religion mit Priesterschaft, Städtewesen und Monumentalbauten.
Es gibt keinen Forschungskonsens darüber, welche dieser Merkmale notwendig und ausreichend sind, damit eine Kultur als Hochkultur gilt. Die Religionswissenschaftlerin Ulrike Peters betont ebenfalls, dass es keine allgemein akzeptierte Definition des Begriffs „Hochkultur“ gibt, auch wenn er weiterhin wissenschaftlich verwendet wird.
Frühe Beispiele
Die frühesten Hochkulturen im Bereich von Eurasien und Afrika entstanden im Nahen Osten. Genannt werden Ägypten ab 4000 v. Chr., Sumer etwa vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis 2000 v. Chr., Elam etwa ab 3500 v. Chr. bis 600 v. Chr. und Akkad etwa 2340–2200 v. Chr. Auch die syrischen Städte Mari, etwa 2900 v. Chr. bis 1759 v. Chr., und Ebla, etwa spätes 3. Jahrtausend v. Chr. und zwischen 1800 und 1650 v. Chr., zählen dazu.
Auf dem indischen Subkontinent entstand um 2800 v. Chr. die Indus- oder Harappa-Kultur, die bis um 1800 v. Chr. blühte. In Zentralasien wird die Oasen- oder Oxus-Kultur genannt, etwa 2200 v. Chr. bis 1700 v. Chr. In China gehört die Erlitou-Kultur dazu, etwa 2000–1500 v. Chr.; Schrift ist dort ab etwa 1250 v. Chr. belegt.
Amerika und spätere Kulturen
In Mittel- und Südamerika entstanden mehrere Hochkulturen. Dazu gehören Caral in Peru, um 3000 bis etwa 2500 v. Chr., die Olmeken, etwa 1500 bis etwa 400 v. Chr., die Maya-Zivilisation, um 3000 v. Chr. bis etwa 900 n. Chr., Teotihuacán, um 100 bis ca. 650 n. Chr., die Tolteken, um 800 bis ca. 1200 n. Chr., das Aztekenreich, ca. 1350 bis ca. 1550, sowie in Südamerika die Chavín-Kultur, 1200–200 v. Chr., die Tiwanaku-Kultur, 300 v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr., die Wari-Kultur, etwa 600 bis 1100 n. Chr., die Moche-Kultur, 100 bis 700 n. Chr., die Chimú-Kultur, 900–1480 n. Chr., und das Inka-Reich, um 1200 bis ca. 1550.
Als jüngere Hochkulturen nennt der Artikel im Nahen Osten Assyrien, Babylonien, das Perserreich sowie die Kulturen der Meder und Hethiter. Im Mittelmeerraum werden die Minoische Kultur, die Mykenische Kultur, die Kulturen der Phönizier/Punier und der Etrusker genannt. Weitere Beispiele sind die Kultur der Kök-Türken in Zentralasien, das Khmer-Reich in Südostasien und das Aksumitische Reich in Afrika.
Entstehungsbedingungen
Der Artikel weist für den Abschnitt zur Entwicklung darauf hin, dass er nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet ist. Seine Aussagen sind daher als entsprechend vorsichtig zu behandeln.
Die ersten Hochkulturen werden als sogenannte hydraulische Kulturen beschrieben, also Kulturen, die sich an Flüssen entwickelten. Beispiele sind Sumer, Babylon und Assyrien an Euphrat und Tigris, Ägypten am Nil, die Harappa-Kultur am Indus und chinesische Reiche am Gelben Fluss. Flüsse gelten aber nicht als zwingende Voraussetzung, weil sich die amerikanischen Hochkulturen später ohne solche Flusssysteme entwickelten.
Flüsse konnten Transport, Tauschhandel, Kultur- und Warenaustausch fördern. Sie lieferten Fisch, Muscheln sowie Trink- und Brauchwasser. Periodische Überschwemmungen machten Land fruchtbar und ermöglichten intensivere Landwirtschaft. Für Bewässerung, Staudämme, die Verteilung von fruchtbarem Land und Wasser sowie für Vorratshaltung brauchte man Organisation, Verwaltung und Rechtsprechung. Kalender, Mathematik und Astronomie halfen bei der Berechnung von Fluten; Mathematik wurde auch für den Städtebau benötigt.
Organisation und Austausch
Nach Herbert Wilhelmy konnten Hochkulturen entstehen, wenn durch Arbeit regelmäßig Nahrungsüberschüsse produziert wurden. Wichtig waren lagerfähige kohlenhydrathaltige Grundnahrungsmittel: Weizen im Orient, Reis in Ost-Asien, Mais in Mittelamerika und Kartoffeln in den Anden. Daneben nennt der Artikel organisierten Handel und Transport sowie haltbare Proteinquellen wie Geräuchertes, Gepökeltes, Käse, fermentierte Milcherzeugnisse und Wein. Auch Tonwaren, Salz, Feuerstein und Metall spielten eine Rolle.
In Hochkulturen wurden gesellschaftliche Normen als Gesetze kodifiziert, also schriftlich oder verbindlich festgelegt. Parallel zur politischen Organisation entstanden in fast allen staatlich-hierarchisch organisierten patriarchischen Gesellschaften eine Kriegerkaste und eine religiöse Hierarchie. Diese stützte den Herrscher als von den Göttern eingesetzt.
Zwischen Mesopotamiern und Ägyptern gab es früh Austausch. Auch die Harappa-Kultur trieb wohl Handel mit Mesopotamien. Für die Schriftgeschichte ist wichtig, dass die Schrift vermutlich mehrmals erfunden wurde. Die Annahme, die chinesische Schrift habe sich aus sumerischen und ägyptischen Zeichen entwickelt, gilt als widerlegt.
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