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Max Weber

Mit Webers Namen sind die Protestantismus-Kapitalismus-These, das Prinzip der Werturteilsfreiheit, der Begriff Charisma, das Gewaltmonopol des Staates sowie die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Forschungsprogramm und wissenschaftliche Methode
  3. 3. Grundbegriffe der Soziologie
  4. 4. Rationalisierung, Kapitalismus und Recht
  5. 5. Religion, Politik und zentrale Schriften
  6. 6. Wirkung und Einordnung

Bedeutung und Lebensweg

Maximilian „Max“ Carl Emil Weber (* 21. April 1864 in Erfurt; † 14. Juni 1920 in München) war deutscher Soziologe und Nationalökonom, seiner Ausbildung nach Jurist. Er gehört zu den Klassikern der Soziologie sowie der Kultur-, Sozial- und Geschichtswissenschaften. Sein Werk ist zwar fragmentarisch, wird aber durch ein Leitmotiv verbunden: den okzidentalen Rationalismus, also die zunehmende Ausrichtung des Lebens und gesellschaftlicher Ordnungen auf Berechenbarkeit. Damit verband Weber die „Entzauberung der Welt“.

Weber studierte von 1882 bis 1886 Jura, Nationalökonomie, Philosophie, Theologie und Geschichte in Heidelberg, Straßburg, Göttingen und Berlin. Nach Promotion 1889 und Habilitation 1892 lehrte er in Berlin, Freiburg und Heidelberg. Wegen eines als „Neurasthenie aus jahrelanger Überarbeitung“ diagnostizierten Nervenleidens gab er 1903 seine Heidelberger Professur auf und lebte bis 1918 als Privatgelehrter. In dieser Zeit arbeitete er publizistisch, gab ab 1904 das Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik mit heraus und schrieb zentrale Werke.

1918 lehrte Weber kurz in Wien, ab 1919 in München. Seine letzte Vorlesung hieß Abriß der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Anfang Juni 1920 erkrankte er an einer Lungenentzündung, möglicherweise ausgelöst durch die Spanische Grippe, und starb am 14. Juni 1920. Seine Frau Marianne Weber, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und Politikerin, gab wichtige Werke postum heraus und schrieb die erste ausführliche Biographie.

Forschungsprogramm und wissenschaftliche Methode

Webers Forschung verband Methodologie, Theorie und historisch-materiale Analyse. Er arbeitete disziplinübergreifend: „Kulturwissenschaften“ umfassten bei ihm Geschichts- und Sozialwissenschaften; „Sozialökonomik“ verknüpfte Geschichte und Theorie der Nationalökonomie durch verstehende Soziologie. Diese Soziologie soll soziales Handeln verstehen und seine Abläufe und Wirkungen ursächlich erklären.

Methodischer Individualismus bedeutet bei Weber: Begriffe wie Staat, Genossenschaft oder Feudalismus müssen für die Soziologie auf das verständliche Handeln beteiligter Einzelmenschen zurückgeführt werden. Anders als die Jurisprudenz behandelt die Soziologie den Staat daher nicht als Rechtspersönlichkeit, sondern als bestimmten Ablauf sozialen Handelns.

Wichtig ist auch der Idealtypus. Er ist ein theoretisches Konstrukt, das relevante Aspekte der sozialen Wirklichkeit bewusst überzeichnet und logisch zusammenfügt. Er entsteht aus Beobachtung und Abstraktion, ermöglicht trennscharfe Begriffe und dient als heuristisches Mittel, also als Orientierung für empirische Forschung und Hypothesenbildung. Er ist keine Hypothese und kein Vorbild, an dem Wirklichkeit bewertet werden soll.

Das Postulat der Werturteilsfreiheit verlangt die Trennung von Seinsaussagen und Sollensaussagen: Wissenschaft soll beschreiben und erklären, nicht wissenschaftlich begründete Werturteile ausgeben. Weber behandelte Wertfreiheit vor allem als methodisches Prinzip. Wissenschaftliche Spezialisierung und systematische Arbeit hielt er für notwendig; in Wissenschaft als Beruf bezeichnete er die akademische Karriere zugleich als „Glücksspiel“.

Grundbegriffe der Soziologie

Wirtschaft und Gesellschaft gilt als Webers soziologisches Hauptwerk. Der von ihm noch zum Satz gegebene Teil enthält die Kapitel zu soziologischen Grundbegriffen, Wirtschaften, Herrschaft sowie Ständen und Klassen. Zentral ist seine Definition: Soziologie ist eine „Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“.

Soziales Handeln ist Handeln, das seinem subjektiv gemeinten Sinn nach und im tatsächlichen Ablauf am Verhalten anderer orientiert ist. Weber unterscheidet vier Idealtypen: zweckrationales Handeln orientiert sich an Zielen und geeigneten Mitteln; wertrationales Handeln an bewusst vertretenen Werten; affektuelles Handeln an Gefühlen; traditionales Handeln an Gewohnheit.

Bei Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung fragte Weber nach Formen sozialen Handelns, nicht nach einer festen geschichtlichen Stufenfolge. Vergemeinschaftung bezeichnet soziale Bindungen unter unterschiedlichen gemeinsamen Gesichtspunkten; Vergesellschaftung meint vor allem rational geregeltes Zusammenhandeln. Der Tausch auf dem Markt ist für ihn der Typus rationalen Gesellschaftshandelns.

Weber trennt Macht und Herrschaft. Macht ist die „Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“. Herrschaft ist die „Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden“. Seine drei reinen Herrschaftstypen sind: traditionale Herrschaft, legitimiert durch den Glauben an alte Traditionen und gestützt auf Dienerschaft; charismatische Herrschaft, gestützt auf außeralltägliche Hingabe an eine Person und ihre Gefolgschaft; legale Herrschaft, gestützt auf den Glauben an gesetzte Ordnungen und verwaltet durch Bürokratie.

Den Staat definiert Weber als politischen Anstaltsbetrieb, dessen Verwaltungsstab erfolgreich das „Monopol legitimen physischen Zwanges“ für die Durchführung seiner Ordnungen beansprucht. Bürokratie ist für ihn die technisch rationalste Form der Verwaltung, kann aber zum „stahlharten Gehäuse der Hörigkeit“ werden, wenn sich der Verwaltungsapparat verselbständigt. Bei sozialer Ungleichheit unterscheidet Weber Besitzklassen, Erwerbsklassen und Mittelstandsklassen. Klassen beruhen auf Markt- und Erwerbslagen; Stände auf sozialer Schätzung und spezifischer Lebensführung.

Rationalisierung, Kapitalismus und Recht

Weber untersuchte, warum sich im Okzident seit dem ausgehenden Mittelalter eine besondere Form von Rationalismus entwickelte. Dazu zählen die okzidentale Stadt, rationales Recht, Bürokratie, rationale Betriebsorganisation und eine methodische Lebensführung. Verschiedene „Wertsphären“ wie Wirtschaft, Religion oder Politik folgen dabei eigenen Rationalitätsstandards und Werten.

Der moderne Kapitalismus war für Weber die „schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens“. Seine Kernform ist der „bürgerliche Betriebskapitalismus“: eine moderne kapitalistische Unternehmung, die formell freie Arbeit rational organisiert. Die Arbeit beruht auf einem „formal beiderseits freiwilligen Kontrakt“, bleibt aber materiell nicht frei, weil ihre Ausführung dem Kommando des Kapitals untersteht. Weber unterschied sich von Marx unter anderem dadurch, dass er Kapitalismus als Teil eines umfassenden, kaum entrinnbaren Rationalisierungsprozesses analysierte und keine eindeutige Ableitung geschichtlicher Entwicklungen aus nur einer Ursache akzeptierte.

Gesellschaftlicher Wandel folgt bei Weber einem bi-polaren Modell: Interessen bestimmen menschliches Handeln, während Ideen, die zu Weltbildern werden, als „Weichensteller“ die Bahnen dieses Handelns prägen. Er unterscheidet materielle und ideelle Interessen.

In der Rechtssoziologie trennt Weber normative Rechtswissenschaft von empirischer Rechtssoziologie; wegen des „logischen Hiatus von Sein und Sollen“ könne die Jurisprudenz nicht einfach soziologisiert werden. Recht besteht für ihn aus zwangsgarantierten Normen, die ein Durchsetzungsstab geltend macht. Es ist nicht auf den Staat beschränkt, sondern kann etwa in Stadtgemeinden oder Kirchen auftreten. Für den modernen Kapitalismus ist berechenbares Recht wichtig.

Religion, Politik und zentrale Schriften

Webers religionssoziologisches Hauptthema war das Verhältnis religiöser Ideen zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Handeln. In Die protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus (1904/05, 1920 überarbeitet) vertrat er keine direkte Ableitung des Kapitalismus aus dem Protestantismus. Er zeigte vielmehr eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für modernen „bürgerlichen Betriebskapitalismus“, wenn ökonomische Bedingungen mit einem religiös fundierten, innerweltlich-asketischen Berufsethos zusammentreffen.

Besonders im Calvinismus, aber auch im Methodismus, Quäkertum, täuferischen Sektenprotestantismus und teilweise Pietismus sah Weber eine methodische, auf dauerhafte Bewährung gerichtete Lebensführung. „Beruf“ ist dabei nicht nur Arbeit, sondern Berufung. Beruflicher Erfolg sollte nicht Seligkeit verdienen, sondern dem Gläubigen subjektive Gewissheit über sie geben. Weber nannte es ausdrücklich eine „töricht-doktrinäre These“, Kapitalismus als Wirtschaftssystem sei ein Erzeugnis der Reformation. Ebenso lehnte er sowohl einseitig materialistische als auch einseitig spiritualistische Geschichtsdeutungen ab.

In Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen verglich Weber Protestantismus mit Konfuzianismus und Taoismus, Hinduismus und Buddhismus sowie antikem Judentum. Er untersuchte wechselseitige Einflüsse von Religion und außerreligiösem Handeln und kam zum Schluss, asiatische Religionen hätten eine Lebensführung gefördert, die eine Entwicklung in Richtung Kapitalismus unmöglich machte.

Politisch hatte Weber nie ein Amt inne, engagierte sich jedoch in liberalen Organisationen, in der Deutschen Demokratischen Partei und als Publizist. Während des Ersten Weltkriegs setzte er sich später für Verständigungsfrieden ohne Annexionen sowie für Parlamentarisierung und Demokratisierung ein. 1918/19 beriet er bei Verfassungsfragen und Friedensverhandlungen. In Politik als Beruf formulierte er als Anforderungen an Politiker Leidenschaft, Verantwortlichkeit und „Augenmaß“. Er unterschied Gesinnungsethik, die sich an der Reinheit der eigenen Überzeugung orientiert, und Verantwortungsethik, die Folgen des Handelns einbezieht. Seine bekannte Formel lautet: „Die Politik bedeutet ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich.“

Wirkung und Einordnung

Weber beeinflusste besonders Wirtschafts-, Herrschafts-, Rechts-, Religions- und Organisationssoziologie. Neben Ferdinand Tönnies und Georg Simmel zählt er zu den Gründervätern der deutschen Soziologie; als Begründer der Herrschaftssoziologie und neben Émile Durkheim der Religionssoziologie wird er besonders hervorgehoben. Auch Arbeits-, Industrie-, Stadt- und Musiksoziologie erhielten wichtige Anregungen durch ihn.

Seine Werke wurden international rezipiert. Wirtschaft und Gesellschaft gilt weltweit als wichtiges soziologisches Lehrbuch; seine Staatsdefinition und sein Bürokratiemodell prägten die Politikwissenschaft und Organisationsforschung. Die Protestantismus-Kapitalismus-These wurde sehr häufig diskutiert, empirisch geprüft und vielfach kritisiert. Der Artikel betont, dass zahlreiche historische und empirische Fehler nachgewiesen wurden und die These in ihrer ursprünglichen Form kaum mehr vertreten wird.

Zu seinen wichtigsten Schriften gehören Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Wirtschaft und Gesellschaft, Wissenschaft als Beruf, Politik als Beruf, die Gesammelten Aufsätze zur Religionssoziologie sowie die postum veröffentlichten Arbeiten Wirtschaftsgeschichte und Die rationalen und soziologischen Grundlagen der Musik.

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