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Max Beckmann
Max Carl Friedrich Beckmann (* 12. Februar 1884 in Leipzig; † 27. Dezember 1950 in New York City) war ein deutscher Maler, Grafiker, Bildhauer, Autor und …
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Bedeutung und künstlerisches Profil
Max Carl Friedrich Beckmann (12. Februar 1884 in Leipzig; 27. Dezember 1950 in New York City) war deutscher Maler, Grafiker, Bildhauer, Autor und Hochschullehrer. Er gehört zu den bedeutenden bildenden Künstlern der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts.
Seine Kunst blieb gegenständlich, das heißt: Menschen, Dinge und Räume sind erkennbar dargestellt. Damit stellte er sich bewusst gegen die seit etwa 1911 aufkommende Gegenstandslosigkeit und gegen radikale Abstraktion. Er griff sowohl die Malerei des späten 19. Jahrhunderts als auch ältere kunsthistorische Traditionen auf. Kennzeichnend sind ein figurenreicher Stil, kräftige Konturen, eine eigenwillige Darstellung des Raums sowie häufig Porträts und Selbstporträts.
Beckmann wurde 1925 auch der Neuen Sachlichkeit zugerechnet. Sein Ziel war jedoch nicht bloß realistisches Abbilden: Er sprach von „transzendenter Sachlichkeit“. In seiner Rede „Meine Theorie der Malerei“ von 1938 erklärte er, er wolle durch die sichtbare Realität eine „Brücke zum Unsichtbaren“ finden und die „Magie der Realität“ in Malerei übersetzen. Neben Gemälden schuf er bedeutende Zeichnungen, Druckgrafiken, Illustrationen und acht Bronzeplastiken. Besonders wichtig sind zehn Triptychen, also dreiteilige Bildwerke, die zwischen 1932 und 1950 entstanden; eines blieb unvollendet.
Ausbildung, frühe Jahre und Familie
Beckmann wuchs nach dem Tod seines Vaters zunächst in Braunschweig auf. Er war kein guter Schüler, interessierte sich aber früh für Kunstgeschichte, fremde Kulturen und das Zeichnen. Um 1898 entstanden sein erstes erhaltenes Selbstporträt und eine Landschaft vom Thuner See.
Von 1901 bis 1903 besuchte er die moderne und liberal ausgerichtete Weimarer Kunstschule. Sein Lehrer Carl Frithjof Smith vermittelte ihm die kräftige Vorzeichnung, die Beckmann sein Leben lang beibehielt. Nach dem Verlassen der Schule ohne Abschluss hielt er sich in Paris auf, sah Werke von Paul Cézanne und arbeitete an Vorstudien für Junge Männer am Meer. Reisen führten ihn außerdem in die Niederlande, wo ihn besonders Rembrandt, Gerard ter Borch, Frans Hals und Jan Vermeer beschäftigten. 1904 richtete er ein Atelier in Berlin-Schöneberg ein.
1906 heiratete er die Malerin Minna Tube; 1908 wurde ihr Sohn Peter geboren. 1925 trennte er sich von Minna und heiratete Mathilde „Quappi“ Kaulbach. Quappi wurde zu einem seiner häufigsten Bildmotive. Mit Minna Beckmann-Tube blieb er nach der Scheidung durch Briefe verbunden.
Vom Frühwerk zum Umbruch im Krieg
Das Frühwerk verbindet Einflüsse des Neoklassizismus, des Impressionismus und alter Meister. Junge Männer am Meer (1905) brachte Beckmann 1906 den Villa-Romana-Preis des Deutschen Künstlerbundes. Er wurde Mitglied der Berliner Secession, lehnte aber eine Einladung der Künstlergruppe Brücke ab und wandte sich gegen den Expressionismus. Große Katastrophenszenen, Porträts, Interieurs und besonders Zeichnungen bestimmten diese Zeit. Er wollte eine moderne figurative Malerei entwickeln und formulierte 1912, die „Gesetze der Kunst“ seien „ewig und unveränderlich“.
Im Ersten Weltkrieg war Beckmann freiwilliger Sanitätshelfer, 1914 an der Ostfront sowie später in Flandern und Straßburg. Er gab nach eigener Aussage keinen Schuss ab. Die Erfahrung des Krieges und sein körperlicher sowie seelischer Zusammenbruch 1915 veränderten seine Kunst grundlegend. In Frankfurt-Sachsenhausen entwickelte er einen harten, schonungslosen Zeichenstil in Malerei und Grafik, etwa in Kaltnadelradierungen und dem Lithografienzyklus Die Hölle. Christliche Bildthemen dienten nun der Darstellung der conditio humana, also der grundlegenden menschlichen Existenz.
Die Nacht (1918/1919) zeigt die brutale Ermordung einer Familie und steht für die ausweglosen gesellschaftlichen Verhältnisse nach Kriegsende. Zugleich erschienen Motive aus Zirkus, Varieté, Jahrmarkt und Theater: Masken, Verkleidung, Rollenspiel und der Gegensatz von Wirklichkeit und Schauspiel wurden zentrale Themen.
Erfolg, Verfolgung und Exil
In der Weimarer Republik lehrte Beckmann ab 1925 in einem Meisteratelier an der Frankfurter Kunstgewerbeschule. Er malte Stadtansichten, Stillleben, Selbstporträts und Bilder mit Karnevals- oder Theatermotiven. 1928 erreichte sein Ruhm in Deutschland mit dem Reichs-Ehrenpreis Deutscher Kunst und einer Retrospektive in Mannheim einen Höhepunkt. 1932 begann er mit Departure, dem ersten seiner zehn Triptychen.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Beckmann im April 1933 aus der Frankfurter Städelschule entlassen. Die Nationalsozialisten betrachteten ihn als einen ihrer meistgehassten Künstler: 1937 wurden 21 seiner Werke in München in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt, und mehr als 650 Werke aus deutschen Museen beschlagnahmt. Am 19. Juli 1937 verließ er Deutschland mit Quappi und ging nach Amsterdam.
Im Amsterdamer Exil entstanden Selbstporträts wie Der Befreite sowie rätselhafte, oft mythologische Bilder und weitere Triptychen. Während der deutschen Besetzung der Niederlande ab Mai 1940 konnte er nicht in die USA ausreisen. Material- und Kohlenmangel zwangen ihn zeitweise vor allem zum Zeichnen. Er illustrierte 1941/42 die Apokalypse des Johannes und 1943/44 den zweiten Teil von Goethes Faust. Nach dem Krieg erhielten Beckmann und seine Frau erst im Sommer 1947 Visa für die Vereinigten Staaten.
Amerika, Nachwirkung und Bestände
Ab Ende September 1947 unterrichtete Beckmann an der Washington University in St. Louis; 1949 übernahm er eine Professur für Malen und Zeichnen an der Art School des Brooklyn Museums in New York. Trotz Anerkennung fiel es ihm zunehmend schwer, sich gegenüber der inzwischen populären gegenstandslosen Malerei durchzusetzen. Am 27. Dezember 1950 starb er an einem Herzinfarkt auf der Straße in Manhattan. Das neunte Triptychon Argonauten hatte er wenige Stunden zuvor vollendet, Ballettprobe blieb als zehntes Triptychon unvollendet.
In fünf Jahrzehnten schuf Beckmann ungefähr 850 Ölgemälde, nach dem Werkverzeichnis der Kaldewei Kulturstiftung 843, außerdem Tausende Zeichnungen, Illustrationen, Skizzen und Entwürfe. Seit dem Ersten Weltkrieg entstanden fast 400 Lithografien, Radierungen und Holzschnitte.
Wichtige Sammlungen befinden sich unter anderem in der Pinakothek der Moderne beziehungsweise den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit 37 Werken, im Städel Museum und in der Hamburger Kunsthalle. Das Max Beckmann Archiv bewahrt schriftliche Nachlässe, über 5000 Briefe, 6000 Fotografien und weitere Forschungsmaterialien. Die Hamburger Kunsthalle stellte im Januar 2021 ein kostenloses digitales Werkverzeichnis der Gemälde online. Im Dezember 2025 erschien nach neun Jahren Forschungsarbeit ein dreibändiges Werkverzeichnis der Zeichnungen von Hedda Finke und Stephan von Wiese.
Beckmanns Werke erreichen auf dem Kunstmarkt hohe Preise: Hölle der Vögel (1937/38) wurde 2017 für 36 Millionen GBP versteigert. Selbstbildnis gelb-rosa (1943) erzielte am 1. Dezember 2022 20 Millionen Euro beziehungsweise 23,2 Millionen Euro inklusive Nebenkosten und war damit laut Artikel das teuerste je in Deutschland versteigerte Kunstwerk.