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Porträt
Ein Porträt oder Portrait (von französisch portrait), gleichbedeutend mit Bildnis, ist ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellung …
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Grundbegriff und Bedeutung
Ein Porträt oder Portrait, gleichbedeutend mit Bildnis, ist eine Darstellung einer bestimmten Person. Es kann ein Gemälde, eine Fotografie, eine Plastik oder eine andere Darstellungsform sein. Häufig zeigt es nur das Gesicht. Werden mehrere Personen dargestellt, spricht man je nach Zahl und Zusammenhang von Doppelporträt, Familienporträt oder Gruppenporträt. Das Anfertigen eines Porträts heißt Porträtieren; ein Künstler, der Porträts schafft, wird Porträtist genannt.
Im engeren Sinn ist ein Porträt ein künstlerisches Bildnis. Dabei geht es nicht immer nur um äußerliche Ähnlichkeit. Manche Porträtisten versuchen auch, das Wesen oder die Persönlichkeit der dargestellten Person anzudeuten, zu karikieren oder zu übersteigern. Zahlreiche Maler, Grafiker und Bildhauer haben zur großen Vielfalt von Porträts beigetragen. Die Porträtmalerei hatte ihre Blütezeit etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts bis um 1900. Seit dem 19. Jahrhundert ergänzte die Porträtfotografie die gemalten Porträts und wurde später auch ein szenisches Element der Filmkunst.
Inhaltlich unterscheidet der Artikel nicht zwischen „Bildnis“ und „Porträt“. Als Idealbild oder Idealbildnis bezeichnet man repräsentative Darstellungen von Personen, deren wirkliches Aussehen nicht bildlich überliefert ist, oder Darstellungen, die über die äußere Ähnlichkeit hinaus eine bestimmte Persönlichkeit idealisiert wiedergeben. Unpassend ist „Bildnis“ dagegen für Darstellungen, bei denen es nicht auf Wirklichkeitswiedergabe ankommt, etwa Heiligenfiguren, mythologische oder fiktive Gestalten und ständische Typen.
Einteilung nach Personen, Ausschnitt und Kopfhaltung
Porträts werden nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt: nach der Anzahl der dargestellten Personen, nach dem Ausschnitt der Figur, nach der Kopfhaltung, nach ihrer Funktion oder nach ihrer thematischen Ausrichtung.
Nach der Anzahl unterscheidet man Einzelporträt, Doppelporträt und Gruppenporträt. Beim Einzelporträt wird eine einzelne Person dargestellt; es ist der häufigste Typ. Ein Doppelporträt zeigt zwei Personen in einem Bild, zum Beispiel Jan van Eycks Hochzeit des Giovanni Arnolfini mit Giovanna Cenami von 1434 oder Rubens’ Selbstporträt mit Isabella Brand in der Geißblattlaube von 1609. Zwei getrennte, zusammengehörige Pendant-Bilder gelten dagegen nicht als Doppelporträt. Ein Gruppenporträt zeigt mehr als zwei Personen. Dazu gehört auch das Familienporträt, also die Darstellung einer ganzen Familie in einem Werk.
Nach dem Ausschnitt unterscheidet man mehrere Formen. Die Ganzfigur zeigt die Person stehend oder sitzend vollständig; als Skulptur kann sie Statue oder Statuette heißen. Das Kniestück schließt die Knie ein. Das Hüftbild zeigt den Oberkörper bis zum Schritt, die Halbfigur bis zur Taille und meist mit angewinkelten Armen und Händen. Das Bruststück oder Brustbild zeigt Kopf, einen großen Teil des Oberkörpers, Schultern und Armabschnitte. Beim Schulterstück oder der Büste sind die Schulteransätze einbezogen, und das Porträt endet auf Achselhöhe. Das Kopfbild zeigt Kopf und Hals, aber keinen Teil des Rumpfes.
Nach der Kopfhaltung unterscheidet man unter anderem Frontalansicht, Viertelprofil, Halbprofil, Dreiviertelprofil, Profilansicht und verlorenes Profil. Bei der Frontalansicht ist das Gesicht direkt auf den Betrachter gerichtet; sie kann suggestiv und intim, aber auch steif wirken. Beim Viertelprofil oder der Dreiviertelansicht ist der Kopf leicht gedreht, wodurch die Darstellung lebendiger wirkt; auch in der Porträtfotografie wird eine leichte Drehung häufig bevorzugt. Das Halbprofil zeigt das Gesicht von der Seite, wobei das zweite Auge noch sichtbar ist. Beim Dreiviertelprofil überwiegt die Seitenansicht stärker. Die Profilansicht zeigt das Gesicht ganz von der Seite und galt nach dem Vorbild römischer Kaisermünzen als besonders charakter- und würdevoll. Das verlorene Profil ist eine Dreiviertelansicht von hinten, bei der nur Konturen der Wangenknochen erkennbar sind.
Besondere Porträtarten
Je nach Thema und Zweck gibt es viele besondere Porträtarten, darunter Ahnenbildnis, Aktporträt, Ehegattenbildnis, Familienbildnis, Herrscherbildnis, Idealporträt, Karikatur, Passfoto, Reiterporträt, Rollenporträt, Selbstporträt, Standesporträt, Stifterbildnis, Touristenporträt und Tronie.
Ein Selbstporträt ist ein Porträt, das ein Künstler von sich selbst oder vom eigenen Bild anfertigt. Selbstporträts gehören zu den berühmtesten Werken vieler Künstler. In der Fotografie hat sich das Selbstporträt weltweit verbreitet; in sozialen Netzwerken wurden Selbstporträts in den letzten Jahren besonders als Selfies bekannt.
Das Idealporträt stellt eine Person dar, die dem Künstler nicht persönlich bekannt ist, und formt sie als erfundenen Charaktertypus. Es soll eher das Wesen als die realistische Gestalt der Person zeigen oder idealisieren. Diese Form ist bereits aus griechischer Zeit bekannt. Darstellungen von Figuren aus Mythologie, Bibel, Sage und fiktionaler Literatur werden jedoch gewöhnlich nicht als Bildnis oder Porträt bezeichnet, obwohl sie in gewisser Weise Idealporträts sein können.
Ein Tronie ist ein ausdrucksvolles Porträtgemälde, das aus der persönlichen Vorstellungskraft des Malers entsteht, manchmal mithilfe eines Modells für Haltung und Proportionen. Solche Phantasieporträts konnten idealisierend sein, mussten es aber nicht.
Das Standesporträt erhielt zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine wichtige Rolle, als die Herrschaft von Adelsdynastien als gottgegeben galt. Es zeigte Aussehen, gesellschaftlichen Rang und Familienzugehörigkeit der dargestellten Person. Kleidung, Schmuck und andere Zeichen machten den Stand ablesbar. Im Heiligen Römischen Reich war dafür die seit 1497 entworfene und 1530 genehmigte Reichspolizeiordnung für Kleider und Luxusordnung wichtig. Kaiser Maximilian I. nutzte sein Porträt zu Propagandazwecken; der Typ des Staatsporträts wurde 1519 von Albrecht Dürer mit den Gemälden Kaiser Maximilian I. und Jakob Fugger begründet.
Das Touristenporträt wurde von Pompeo Batoni für englische Touristen in Rom entwickelt, die sich vor Relikten antiker Architektur darstellen ließen. Es verband gesellschaftliche Attribute mit einer Souvenirfunktion. Ein bekanntes Beispiel ist Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins Goethe in der Campagna von 1786/7. Nach A. M. Kluxen markieren die englischen Touristenporträts des 18. Jahrhunderts den Übergang vom Standesporträt zum ständeunabhängigen Gesellschaftsporträt.
Miniaturporträts gehören zu den persönlichsten Porträtformen. Sie wurden oft als Erinnerung an einen geliebten Menschen in Auftrag gegeben. Seit dem frühen 16. Jahrhundert spezialisierten sich Künstler auf kleine Porträts auf Papier, Pergament, Metall und besonders Elfenbein. Häufig wurden sie als Medaillons in kostbare goldene Rahmen gefasst und an einer Kette getragen. Blütezeiten gab es um 1600 im elisabethanischen und jakobinischen England sowie später im Empire und Biedermeier, also Ende des 18. und im frühen 19. Jahrhundert.
Das Reiterporträt zeigt eine Person zu Pferde. Es handelt sich oft um Herrscher oder Kriegshelden und damit um eine besonders repräsentative und kriegerische Form des Herrscherbildes. Ein antikes Beispiel ist das Reiterstandbild des Mark Aurel in Rom. Als Gemälde erscheint diese Form im 15. Jahrhundert, etwa in Paolo Uccellos Reiterbild des Giovanni Acuto von 1436. Tizian schuf 1547 mit Kaiser Karl V. nach der Schlacht bei Mühlberg den prägenden Prototyp des gemalten Reiterporträts. Frauen wurden seltener zu Pferde dargestellt; Beispiele sind Velázquez’ Königin Isabella von 1635 und einige Porträts der Kaiserin Elisabeth, genannt „Sisi“.
Geschichtliche Entwicklung
Die Darstellung des Menschen gehört zu den ältesten Motiven von Malerei und Bildhauerei. In der Prähistorie wurden individuelle Gesichtszüge zunächst nicht gezeigt; persönliche Merkmale erschienen eher durch Gegenstände wie Speer, Krone oder Standesabzeichen. In der Steinzeit wurden Gesichter gar nicht oder nur schematisch wiedergegeben.
In der mykenischen Kultur gilt die sogenannte Goldmaske des Agamemnon als besonders bedeutende Totenmaske. Sie stellt vermutlich ein idealisiertes Bildnis eines mykenischen Fürsten dar und stammt aus der Zeit um 1500 v. Chr. In Ägypten entstanden die ersten porträtähnlichen Plastiken und Malereien, vor allem in der Grabmalkunst. Erste ägyptische Porträts hatten religiösen Charakter; auch Könige wurden dargestellt, weil sie als irdische Repräsentanz der Gottheit galten. Bereits 2600–2160 v. Chr. gab es Bilder mit individuellen Porträts und Gruppenbildern. Um 1551–1070 v. Chr. erreichte die persönliche Porträtdarstellung in Ägypten einen Höhepunkt. Um 1400 v. Chr. entstand mit der Büste der Nofretete das erste tradierte Büstenporträt. Die Totenmaske des Tutanchamun zeigt dagegen keine realistische Physiognomie, sondern ein zeit- und kulturtypisches ägyptisches Idealantlitz. Um 50 n. Chr. entstanden in römischer Zeit Mumienporträts als Grabbeigaben.
In der griechischen Kunst war das Idealporträt prägend. Die griechische Antike legte weniger Wert auf genaue Ähnlichkeit und bevorzugte idealisierte Menschendarstellungen, zum Beispiel bei Homer. Im Hellenismus entstanden erste Kopfbilder auf Münzen, etwa Alexander der Große als Apoll. In der römischen Kunst hingen in Häusern Totenmasken der Vorfahren im Atrium; daraus entwickelte sich das Porträt. Anfänglich wurde auch in römischen Porträtbüsten nicht immer genaue Ähnlichkeit angestrebt. So zeigen Porträts des Kaisers Augustus während seiner gesamten Regierungszeit keinen Alterungsprozess. Spätrömische Münzporträts zeigen dagegen zunehmend individuelle Züge.
Im Mittelalter sind profane Porträts lebender Personen nach der Antike wieder bekannt, in Europa seit der Mitte des 14. Jahrhunderts. Das älteste genannte Beispiel ist das Profilbild König Johanns des Guten; das älteste Frontalporträt ist das von Herzog Rudolf IV. von Österreich. Bis zum 14. Jahrhundert waren individuelle Porträts selten. Danach wuchs das Bedürfnis nach naturnaher Sachtreue und Porträtähnlichkeit, etwa bei Peter Parlers Porträtbüste im Veitsdom in Prag und bei Werken Jan van Eycks.
In der Renaissance wuchs in Italien das Interesse an individuellen Porträts nicht nur bei Herrschenden, sondern auch bei Bankiers und Kaufleuten. Erwartet wurden Porträtähnlichkeit, aber auch Idealisierung und Typisierung nach dem Schönheitsideal der Zeit. Wichtige Künstler waren Sandro Botticelli, Leonardo da Vinci, Raffael und Albrecht Dürer. In Deutschland und den Niederlanden entstanden seit dem beginnenden 16. Jahrhundert besondere Formen wie das Standesporträt und das bürgerliche Porträt.
Im 17. Jahrhundert, dem Barock, machten Lasurtechnik und lockerer Pinselstrich Porträts besonders lebendig. Beispiele sind Anthonis van Dyck, Rembrandt, Frans Hals und Diego Velázquez. Französische Hofmaler idealisierten ihre Modelle oft und verbanden sie mit mythologischen oder historischen Figuren. Im 18. Jahrhundert wirkten Spätbarock, Rokoko und Klassizismus auf die Porträtdarstellung ein: Das Rokoko zeigte einen Hang zum Verspielten oder Intimen, der Klassizismus ab etwa 1770 wirkte strenger oder schlichter. In der Moderne war das gemalte Porträt kein zentrales Thema mehr, wurde aber von Künstlern wie Picasso, Kokoschka, Francis Bacon, Marlene Dumas, Lucian Freud, Willi Sitte und Luc Tuymans weiter bearbeitet.
Fotografie und Funktionen
Seit 1843 wurde der Porträtentwurf häufig mit der Fotokamera vorbereitet. Die Idee soll von Sir David Brewster stammen. Vermutlich nutzte der schottische Maler David Octavius Hill diese Methode als Erster für sein monumentales Gruppenporträt von 470 Personen in den Jahren 1843–1866. In der modernen Auftragsmalerei kann ein Ölporträt auf Grundlage einer Fotografie entstehen, die auch im Computer verändert oder bearbeitet sein kann. Dadurch entstand eine neue Arbeitsteilung: Der Künstler malt das Porträt, während Fotograf oder Auftraggeber das Motiv vorgibt.
Die Fotografie gilt mit ihren Weichzeichnungs-Effekten als Vorläufer des Impressionismus. Zur großen Beliebtheit des fotografischen Porträts trug ab etwa 1860 das Visitformat des französischen Fotografen André Adolphe-Eugène Disdéri bei. Anfangs wurden die Dargestellten wie auf einer Bühne mit Requisiten aufgenommen. Nadar war der erste, der die einzelne Persönlichkeit darstellte.
Porträts haben verschiedene Funktionen, die vom Gebrauchskontext abhängen. Häufig steht die Erinnerung an eine individuelle Person im Mittelpunkt, etwa bei ägyptischen Mumienporträts, Stifterbildern, Totenmasken, Hochzeitsfotos oder Inthronisationsporträts. In der Politik kann ein Herrscherbild oder das Porträt eines Regierungschefs als staatliches Symbol dienen, zum Beispiel auf öffentlichen Gebäuden, Münzen, Banknoten oder Briefmarken. Es kann auch Teil eines Personenkults sein.
Porträts dienten und dienen außerdem dem sozialen Austausch. In der frühen Neuzeit wurden transportable Bildnisse aus diplomatischen Gründen zwischen Fürstenhäusern ausgetauscht. In der Briefkultur der Aufklärung, Romantik, Moderne und Gegenwart konnten beigelegte Porträts familiäre oder freundschaftliche Beziehungen festigen. In sozialen Medien dienen Selbstporträts, Selfies und Profilbilder der Identifikation einer Person und der Inszenierung der eigenen Lebensrealität.
Erweiterter Porträtbegriff
Im weiteren Sinn kann fast jede Abbildung eines Menschen als Porträt gelten, auch ohne künstlerischen Anspruch, wenn die abgebildete Person gut erkennbar ist. Beispiele sind Fahndungsfoto, Passbild, Schnappschuss oder Selfie. Ein Selfie ist dabei eine moderne Form des Selbstporträts und soll oft die eigene Person charakterisieren oder eine emotionale Stimmung vermitteln.
Der Begriff wird außerdem auf Tierporträts und Landschaftsporträts übertragen. Tierporträts zeigen ein Tier oder mehrere Tiere besonders charaktervoll und detailreich. Im übertragenen Sinn kann auch eine schriftliche Beschreibung eines Menschen, etwa eine kurze Biografie, als Porträt bezeichnet werden. Ebenso spricht man von Porträts von Landschaften, Ländern, Städten, Firmen, Tieren oder anderen Gegenständen, wenn sie besonders detailreich und charakterisierend beschrieben werden.