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Maurice Ravel

März 1875 in Ciboure; † 28. Dezember 1937 in Paris) war ein französischer Komponist und neben Claude Debussy Hauptvertreter des Impressionismus in der Musik.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Einflüsse und musikalisches Profil
  3. 3. Arbeitsweise und Stil
  4. 4. Werke und typische Beispiele
  5. 5. Späte Jahre und zeitgenössische Resonanz

Bedeutung und Lebensweg

Joseph-Maurice Ravel (* 7. März 1875 in Ciboure; † 28. Dezember 1937 in Paris) war ein französischer Komponist und neben Claude Debussy ein Hauptvertreter des musikalischen Impressionismus. Sein bekanntestes Werk ist der zunächst als Ballettmusik geplante Boléro.

Ravel wurde im französischen Baskenland als Sohn des Ingenieurs Joseph Ravel und der Baskin Marie Delouart geboren. Noch 1875 zog die Familie nach Paris. Er erhielt ab dem siebten Lebensjahr Klavierunterricht und studierte später am Pariser Konservatorium, zunächst Klavier, ab 1897 Komposition bei Gabriel Fauré sowie Kontrapunkt, Fuge und Orchestration bei André Gedalge. Eine Pianistenlaufbahn gab er nach Misserfolgen in Prüfungen auf; später spielte er vor allem eigene Werke.

Fünf Bewerbungen um den Prix de Rome, damals die höchste Auszeichnung für junge französische Komponisten, blieben letztlich erfolglos. Der Wettbewerb verlangte unter anderem eine vierstimmige Fuge und ein Chorwerk innerhalb von sechs Tagen sowie in der Endrunde eine Kantate. Ravels Ausschluss bereits in der Vorrunde 1905 löste die öffentliche „Ravel-Affäre“ aus und trug zum Rücktritt des Konservatoriumsdirektors Dubois bei.

Im Ersten Weltkrieg diente Ravel ab 1915 als Kraftfahrer im Sanitätsdienst des 13. Artillerieregiments. Er lehnte Forderungen ab, Musik deutscher und österreichischer Komponisten nicht mehr aufzuführen. Der Tod seiner Mutter am 5. Januar 1917 traf ihn schwer. Ab 1921 lebte er bis zu seinem Tod in der Villa „Le Belvédère“ in Montfort-l’Amaury. Er blieb unverheiratet und kinderlos.

Eine Nominierung zum Ritter der Ehrenlegion ließ er 1920 durch Nichtzahlung der Gebühren verfallen; der Grund dafür ist nicht geklärt. Andere Ehrungen nahm er an, etwa 1928 die Ehrendoktorwürde der Universität Oxford.

Einflüsse und musikalisches Profil

Zu Ravels wichtigen Vorbildern gehörten Emmanuel Chabrier, Erik Satie, André Gedalge und Edvard Grieg. Satie schätzte er als Neuerer und Pionier. Richard Wagner bewunderte Ravel zwar, sah dessen Stil aber nicht als prägenden Einfluss auf sein eigenes Werk.

Mit Claude Debussy verband ihn zunächst ein regelmäßiger, aber eher distanzierter Kontakt. Musikkritiker Pierre Lalo stellte Ravel ab 1906 wiederholt als Nachahmer Debussys dar. Dies belastete die Beziehung, und beide brachen den Kontakt ohne erkennbare persönliche Aussprache ab. Trotz einzelner ähnlicher Themenwahl, etwa bei Trois Poèmes de Stéphane Mallarmé 1913, komponierten beide individuell.

Gemeinsamkeiten mit Debussy finden sich etwa in erweiterten und übermäßigen Dreiklängen, Kirchentonarten und Bitonalität, also dem gleichzeitigen Bezug auf zwei Tonarten. Ravel bevorzugte jedoch häufiger geschlossene Formen, Tanzformen wie Bolero, Walzer, Habanera und Malagueña sowie historische Vorbilder. Seine melodischen Linien und Kadenzen, also harmonische Abschlüsse, erscheinen oft klarer; seine Klangwelt wirkt häufig heller und transparenter.

Ravel nahm außerdem Anregungen aus Jazz, orientalischer Musik, europäischem Volkslied und besonders spanischer Musik auf. Seine baskische Herkunft und die Verbindung zu Spanien spiegeln sich beispielsweise in L’Heure espagnole, Rapsodie espagnole, Alborada del gracioso und Boléro. In der Rapsodie espagnole wird im ersten Satz eine viertönige absteigende ostinate Figur, also ein ständig wiederholtes Motiv, wiederholt. Der Satz Malagueña steigert ein rhythmisch betontes Tanzthema durch Trompeten, Streicher, Pauken und weiteres Schlagwerk.

Für den Pianisten Paul Wittgenstein, der im Ersten Weltkrieg den rechten Arm verloren hatte, schrieb Ravel das Klavierkonzert für die linke Hand. Die Uraufführung fand am 5. Januar 1932 in Wien statt. Weil Wittgenstein Verzierungen spielte, die nicht im Notentext standen, kam es zwischen beiden zum Streit.

Arbeitsweise und Stil

Ravel arbeitete äußerst sorgfältig, langsam und detailgenau. Igor Strawinski nannte ihn deshalb den „Schweizer Uhrmacher“ unter den Komponisten. Ravel korrigierte auch Druckfehler seiner Werke unermüdlich; bei L’enfant et les sortilèges fand er nach mehreren Korrekturen noch zehn Fehler pro Seite.

Kennzeichnend sind seine Harmonik und seine differenzierten Klangfarben. Harmonik bezeichnet das Zusammenwirken von Akkorden; Klangfarbe ist der besondere Klangcharakter von Stimmen oder Instrumenten. Ravel verstand sich zugleich als Klassizist: Neuartige Rhythmen und Harmonien band er oft in traditionelle Formen ein. Strukturelle Grenzen verwischte er durch unauffällige Übergänge und Unregelmäßigkeiten.

Die Pavane pour une infante défunte verbindet etwa Sept- und Septnonakkorde sowie impressionistisches Orchesterkolorit mit einer klar gegliederten, einprägsamen Melodie. In Valses nobles et sentimentales gehen acht Sätze ohne Pause ineinander über. In seiner Kammermusik ähneln manche Sätze einem Sonatenhauptsatz, ohne Durchführung und Reprise deutlich voneinander zu trennen. Le Tombeau de Couperin knüpft stilistisch an französische Cembalisten an, verwendet aber unter anderem große Septakkorde, Moll-Septnonakkorde und ungewöhnliche Akkordreihungen.

Als Orchestrator, also als Gestalter der Instrumentierung eines Werks, kannte Ravel die Möglichkeiten jedes Instruments genau. Seine Bearbeitungen eigener und fremder Klavierwerke, besonders Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, gelten als brillant und farbenreich.

Werke und typische Beispiele

Ravel schrieb Klavier-, Kammer-, Orchester- und Vokalmusik sowie Opern und Ballette. In seiner produktivsten Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg entstanden neben Klavierstücken und Liedern größere Formen wie Shéhérazade, das Streichquartett in F-Dur, L’Heure espagnole, Rapsodie espagnole und Daphnis et Chloé.

Das Streichquartett in F-Dur wurde 1904 zunächst heftig abgelehnt. Es besitzt jedoch einen klaren Aufbau: Die beiden Themen des ersten Satzes erscheinen verändert im dritten und vierten Satz wieder und werden miteinander verbunden. Die Sonate für Violine und Violoncello von 1922, Debussy gewidmet, enthält bitonale Elemente und entwickelnde Variationen. Der zweite Satz der Violinsonate Nr. 2 von 1923 bis 1927 ist ein Blues und zeigt Jazzeinfluss.

Ravels Klaviermusik reicht von klangmalerisch-impressionistischen Darstellungen bis zu klassisch geformten Werken. In La vallée des cloches aus Miroirs und Le Gibet aus Gaspard de la nuit wird Glockenklang nachgebildet; Oiseaux tristes gestaltet Vogelgesang. Alborada del gracioso sowie Ondine und Scarbo verlangen höchste pianistische Virtuosität. Als wichtigste Klavierwerke gelten Miroirs und Gaspard de la nuit.

Typisch für Ravels Spannweite sind Daphnis et Chloé, ein 1909 bis 1912 entstandenes Ballett, und der Boléro von 1928. Der Boléro wurde am 22. November 1928 als Ballett mit Ida Rubinstein uraufgeführt und mit starkem Beifall aufgenommen. Ravel selbst bezeichnete ihn distanziert als „simple Orchestrationsübung“, verteidigte aber genau vorgeschriebene Tempi entschieden gegen Arturo Toscanini.

Ravel spielte auch eigene Werke auf Klavierrollen ein: 1912 für Welte-Mignon Sonatines No. 1 und 2 sowie Valses nobles et sentimentales No. 1–8. Zwischen 1923 und 1928 entstanden weitere Rollen für Ampico und Duo-Art, darunter Toccata aus Le Tombeau de Couperin, Oiseaux tristes, Pavane pour eine verstorbene Prinzessin, Le Gibet und La vallée des cloches.

Späte Jahre und zeitgenössische Resonanz

Das zeitgenössische Publikum reagierte auf Ravels ungewohnte Harmonien und rhythmischen Wechsel oft ablehnend, während einzelne sachkundige Kritiker neue Ideen würdigten. Bei der Uraufführung von Histoires naturelles am 12. Januar 1907 kam es zu Buh-Rufen und Pfiffen. Rapsodie espagnole wurde am 15. März 1908 zunächst mit Unruhe und Pfiffen aufgenommen, später aber wohlwollender. L’Heure espagnole wurde bei der Uraufführung am 19. Mai 1911 abgelehnt, und auch Daphnis et Chloé galt nach der Uraufführung am 8. Juni 1912 zunächst als Misserfolg.

Seit Mitte der 1920er Jahre klagte Ravel über Schlaflosigkeit, starke Kopfschmerzen und Erschöpfung, reiste aber weiterhin als Dirigent und Pianist. 1928 führte ihn eine viermonatige Tournee durch 25 Städte in den USA und Kanada. Ein Taxiunfall am 8. Oktober 1932 mit Brustkorbquetschung und Schnittwunden wurde zur Zäsur. Danach traten Sprachstörungen wie Wernicke-Aphasie und Alexie sowie Amusie auf; durch Letztere verlor er die Fähigkeit zu komponieren.

Beginn und Ursache seiner letzten Erkrankung sind nicht gesichert. Als Möglichkeiten wurden Hirnschlag, Morbus Pick, eine andere Demenzerkrankung oder ein Hirntumor vermutet. Gegen eine Demenzerkrankung spricht laut Artikel, dass Ravel bis zuletzt bei klarem Verstand gewesen sei. Bei einer Operation am 19. Dezember 1937 wurde kein Tumor gefunden. Nach der Operation fiel er ins Koma und starb am 28. Dezember 1937. Er wurde am 30. Dezember auf dem Friedhof von Levallois-Perret neben seinen Eltern beigesetzt.

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