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Martin Sonneborn
Martin Hans Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Satiriker, Journalist und Politiker (Die PARTEI). Er war Chefredakteur des …
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Person und Bedeutung
Martin Hans Sonneborn (* 15. Mai 1965 in Göttingen) ist ein deutscher Satiriker, Journalist und Politiker der Partei Die PARTEI. Bekannt wurde er vor allem durch seine Arbeit beim Satiremagazin Titanic, dessen Chefredakteur er war, durch Fernsehauftritte und durch politische Satire-Aktionen. Seit der Gründung der Partei Die PARTEI ist er ihr Bundesvorsitzender. Seit 2014 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments.
Sonneborn verbindet Satire und Politik: Viele seiner Aktionen sind bewusst überzeichnet oder parodistisch angelegt, finden aber zugleich im echten politischen Raum statt, etwa bei Wahlen, im Europaparlament oder in öffentlichen Debatten. Dadurch wurde er immer wieder öffentlich wahrgenommen, aber auch kritisiert.
Ausbildung und journalistischer Werdegang
Sonneborn wuchs mit einem Bruder auf und besuchte die Ursulaschule, ein katholisches Privatgymnasium in Osnabrück, wo er das Abitur machte. Nach dem Grundwehrdienst 1990 und einer Ausbildung als Versicherungskaufmann studierte er Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft in Münster, Wien und Berlin.
Ab 1993 schrieb er für die taz und hatte dort später eine Kolumne. Seine Magisterarbeit verfasste er 1994 über das Satiremagazin Titanic und „die absolute Wirkungslosigkeit moderner Satire“; nach eigenen Angaben fälschte er dafür Interviews. 1995 machte er ein Praktikum beim Satiremagazin Eulenspiegel und arbeitete danach als Redakteur bei Titanic. Im Jahr 2000 wurde er verantwortlicher Chefredakteur, gab diese Position aber im Oktober 2005 an Thomas Gsella ab. Von 2006 bis zur Einstellung 2016 war er verantwortlicher Redakteur der Satire-Rubrik „Spam“ auf Spiegel Online.
Die PARTEI und Europaparlament
Am 2. August 2004 gründete Sonneborn gemeinsam mit weiteren Titanic-Redakteuren die Partei Die PARTEI. Er ist ihr Bundesvorsitzender; parteiintern wird er satirisch „GröVaZ – Größter Vorsitzender aller Zeiten“ genannt. Im Bundestagswahlkampf 2005 trat er in Fernsehwahlwerbespots auf. Die Partei hatte die „TV-Werbezeit im ZDF“ zuvor versteigert, und die Spots enthielten starke Werbung für Hapag-Lloyd Express. Dies löste eine Debatte über strengere Regeln für Wahlwerbespots aus.
Bei der Europawahl 2014 wurde Sonneborn als Spitzenkandidat ins Europäische Parlament gewählt; Die PARTEI erhielt 0,6 % der Stimmen. Er war Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung sowie in der Delegation für die Beziehungen zur Koreanischen Halbinsel. Sein „Bericht aus Brüssel“ erschien bis 2022 in der Titanic. 2017 schlug er in der 16. Bundesversammlung seinen Vater Engelbert Sonneborn als Bundespräsidenten vor; dieser unterlag Frank-Walter Steinmeier und weiteren Kandidaten im ersten Wahlgang.
2018 traf Sonneborn den armenischen Premierminister Nikol Paschinjan, der ihm für seinen Einsatz für Armenien im Europaparlament dankte, besonders im Zusammenhang mit dem Völkermord an den Armeniern und dem Bergkarabachkonflikt. Sonneborn kritisierte mehrfach den Umgang mit dem nicht anerkannten Staat Arzach und forderte Unterstützung der Europäischen Union für Arzach.
Bei der Europawahl 2019 erreichte Die PARTEI 2,4 %. Nico Semsrott zog ebenfalls ein und schloss sich der Fraktion Grünen/EFA an, während Sonneborn fraktionslos blieb. Im Februar 2023 gehörte Sonneborn zu den 69 Erstunterzeichnern des „Manifests für Frieden“ von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer. Dieses forderte einen Stopp von Waffenlieferungen an die Ukraine, einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg und Friedensverhandlungen mit Russland. Bei der Europawahl 2024 erhielt Die PARTEI 1,9 % der Stimmen und zwei Mandate; neben Sonneborn zog Sibylle Berg ein.
Fernsehen und Satire-Aktionen
Von 2009 bis 2014 war Sonneborn Außenreporter in der ZDF-Satiresendung heute-show. Kritik entstand 2010 nach einem Interview mit dem Pharmalobbyisten Peter Schmidt, weil Aussagen aus Interviewpausen verwendet wurden, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Nach Sonneborns Wahl ins Europäische Parlament beendete das ZDF seine Mitarbeit an der Sendung. Eine 2009 geplante Folge der WDR-Sendung Zimmer frei! mit Sonneborn wurde zunächst nicht ausgestrahlt, später aber nach medialem Wirbel am 20. Oktober 2009 kurz nach Mitternacht nachgeholt.
Zu seinen bekannten Satire-Aktionen gehörte ein „Bestechungsversuch“ bei der FIFA im Jahr 2000: Sonneborn schlug vor, die Fußball-WM 2006 in Deutschland stattfinden zu lassen, und bot Funktionären einen „Präsentkorb mit echtem Schwarzwälder Schinken und eine Kuckucksuhr“ an. Daraus entstand später die Ausstellung „Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte“ im Historischen Museum Frankfurt.
Auf der Frankfurter Buchmesse 2009 löste Sonneborn diplomatische Verstimmungen mit China aus, indem er Schriftstellern und Besuchern Sätze über Menschenrechtsverletzungen in China in den Mund legte. 2018 versuchte er bei einer Buchvorstellung von Björn Höcke, verkleidet als Claus Schenk Graf von Stauffenberg, eine Aktentasche in Höckes Nähe abzustellen, wurde aber nicht eingelassen.
Sonneborn parodierte außerdem mehrfach Politiker in Wahlkämpfen. 1998 trat er im Umfeld der DVU als angeblicher Büroleiter „Mirko Mokry“ auf. 2002 erschien er in Eisenach als fiktiver FDP-Wahlkämpfer „Klaus Schneider“ mit provokanten Parolen. 2003 gab er sich in Hessen als SPD-Spitzenkandidat Gerhard Bökel aus und betrieb mit gefälschten Wahlhandzetteln Haustürwahlkampf.
Kontroversen und Kritik
Sonneborns Satire war mehrfach Gegenstand öffentlicher Kritik. Im Berliner Wahlkampf 2011 ließ er sich vor einem PARTEI-Plakat mit schwarz angemaltem Gesicht und dem Slogan „Ick bin ein Obama“ abbilden. In der britischen Presse wurde dies wegen der rassistisch konnotierten Praxis des Blackfacings kritisiert. Später sagte Sonneborn, er stehe zu der Aktion, würde sie aber nicht wiederholen.
2019 stimmte er im Europaparlament gegen einen Änderungsantrag in einem nichtlegislativen Bericht zur Lage der Menschenrechte in der Europäischen Union. Der Antrag forderte die Mitgliedstaaten unverbindlich auf, Verbote sogenannter Konversionstherapien durchzusetzen. Mehrere Medien kritisierten sein Abstimmungsverhalten.
2021 wurde Sonneborn erneut Rassismus vorgeworfen, nachdem er auf Twitter ein Bild geteilt hatte, das eine klischeehafte Darstellung eines chinesischen Akzents verwendete. Nach einem kritischen Bericht von Vice trat Nico Semsrott aus der Partei aus. Sonneborn entschuldigte sich und erklärte, er habe die Wirkung des Witzes unterschätzt; eigentlich habe er Donald Trumps sinophobe Äußerungen karikieren wollen.
Innerhalb der PARTEI gab es außerdem Streit über Sonneborns Haltung zur „Querdenken“-Bewegung und zu Corona-kritischen Demonstrationen. Teile der Parteibasis kritisierten ihn, weil er sich gegen die Fokussierung auf „Schwurbler oder Spaziergänger“ wandte und stattdessen Regierungspolitik, Pharmaindustrie und Ursula von der Leyen als Gegner bezeichnete. Auch seine Position zur russischen Invasion der Ukraine wurde kritisiert, besonders wegen der Unterzeichnung des „Manifests für Frieden“.
2025 gab es weitere Kritik an Aktivitäten und Abstimmungen. Sonneborn und Sibylle Berg stimmten im EU-Parlament gemeinsam mit dem BSW für einen Misstrauensantrag gegen Ursula von der Leyen, der von Rechtsaußen-Parteien wie AfD und RN eingereicht worden war und mit 360:175 Stimmen abgelehnt wurde. T-Online vermutete eine Verbindung des Misstrauensvotums zu russischen Propagandanetzwerken. Im selben Jahr organisierten Sonneborn und Berg Aktionen unter dem Titel „Revolution Nr. 01“, darunter ein Bed-in, und nutzten dafür 60.000 Euro EU-Mittel für politische Veranstaltungen.
Privates, Auszeichnungen und Werke
Sonneborn ist mit einer Armenierin verheiratet und hat zwei Töchter. 2014 erhielt er den Grimme-Preis für „Sonneborn rettet die Welt“.
Zu seinen Veröffentlichungen gehören unter anderem seine Magisterarbeit „Das Satiremagazin TITANIC“ (1994), „Ich tat es für mein Land. Wie Titanic einmal die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte“ (2005), „Das PARTEI-Buch“ (2009), „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ (2019) und „Herr Sonneborn bleibt in Brüssel“ (2024). In der Filmografie werden unter anderem „Heimatkunde“ (2008), „Die PARTEI“ (2009), „Sonneborn rettet die Welt“ (2013), „Sonneborn rettet die EU bei Spiegel TV“ (2014) und „Sonneborn Semsrott – Für Europa reicht’s“ (2019) genannt.