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Alternative für Deutschland

Die AfD will den Sozialstaat abbauen, Geringverdiener gegenüber Gutverdienern schlechterstellen und einer Sparpolitik gegenüber Investitionen Vorrang geben.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Zentrale politische Positionen
  3. 3. Migration, Außenpolitik und Klima
  4. 4. Entwicklung und Wahlerfolge
  5. 5. Rechtsextreme Netzwerke und Verfassungsschutz
  6. 6. Organisation, Europa und Finanzierung

Überblick und Bedeutung

Die Alternative für Deutschland (AfD) ist eine 2013 gegründete politische Partei in Deutschland. Der Artikel ordnet sie als rechtsextrem, rechtspopulistisch und völkisch-nationalistisch ausgerichtet ein. Sie wurde am 6. Februar 2013 in Oberursel (Taunus) gegründet. Seit der Bundestagswahl 2025 stellt sie mit 151 von 630 Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Bundestag; Regierungsbeteiligungen auf Landes- oder Bundesebene gab es bisher nicht.

Die Partei begann als EU-skeptische, wirtschafts-, national- und neoliberale Partei. Im Artikel wird ihre Entwicklung als fortlaufende Radikalisierung nach rechts beschrieben, verbunden mit dem Austritt mehrerer gemäßigter Führungspersonen. Aktuelle Bundessprecher sind Alice Weidel und Tino Chrupalla. Die AfD hatte im Juli 2026 75.000 Mitglieder; das Mindestalter beträgt 16 Jahre. Sie verfügt über Landesverbände in allen 16 Ländern, 313 von 1.898 Landtagssitzen und 15 von 96 deutschen Sitzen im Europäischen Parlament.

Wichtige politische Schwerpunkte sind Migration, EU-Skepsis, Klima- und Energiepolitik sowie eine national ausgerichtete Gesellschaftspolitik. Innerhalb der Partei haben informelle Strömungen erheblichen Einfluss, besonders der formal aufgelöste, aber laut Artikel weiter aktive „Flügel“ um den Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke.

Zentrale politische Positionen

Europapolitik: Im Grundsatzprogramm von 2016 lehnte die AfD die EU als politisches Bündnis ab und befürwortete nur eine Wirtschaftsgemeinschaft ähnlich der EWG. Sie wollte den Euro beenden und über den Verbleib in der Eurozone abstimmen lassen. Ein Austritt Deutschlands aus der EU („Dexit“) wurde zeitweise als mögliche Folge ausbleibender Reformen behandelt. Im Bundestagswahlprogramm 2025 verlangte die Partei statt eines Dexit den „Übergang von der Europäischen Union in den Bund europäischer Nationen“.

Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik: Die AfD fordert Steuersenkungen, besonders für hohe Einkommen, und einen Höchststeuersatz von 25 statt 45 Prozent nach dem Kirchhof-Modell. Sie will Erbschaftsteuer und Grundsteuer abschaffen, die Schuldenbremse beibehalten und Schuldentilgung vor Investitionen stellen. Einer Analyse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung zufolge würde eine Familie mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen durch die Vorschläge zur Bundestagswahl 2025 440 Euro jährlich verlieren, eine Familie mit 180.000 Euro Bruttojahreseinkommen dagegen um 19.190 Euro entlastet. Das Bürgergeld soll auf sechs Monate begrenzt, Langzeitarbeitslose sollen zu „Bürgerarbeit“ verpflichtet werden. Zugleich fordert die Partei für 2025, das Rentenniveau von 50 % auf 70 % des Durchschnittseinkommens anzuheben; die sozialpolitischen Konzepte werden im Artikel insgesamt als uneinheitlich dargestellt.

Arbeits-, Familien- und Geschlechterpolitik: Die Partei befürwortet den Mindestlohn, aber keine weitere Erhöhung. Zuwanderung von Fachkräften soll vor allem aus kulturell nahestehenden europäischen Nachbarländern erfolgen. Die AfD vertritt ein konservativ-antifeministisches Familienbild, tritt für die Familie aus Mann und Frau ein und lehnt Frauenquoten, Gender-Mainstreaming, geschlechtergerechte Sprache und Aufklärung über sexuelle Vielfalt in Kindergarten und Grundschule ab.

Islam und direkte Demokratie: Im Grundsatzprogramm 2016 heißt es: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Die AfD fordert unter anderem Verbote von Minaretten, Muezzinruf, Vollverschleierung sowie bestimmte Kopfbedeckungsverbote. Sie bekennt sich zugleich zur Religionsfreiheit für gesetzes- und menschenrechtskonforme Glaubenspraxis. Der Artikel nennt diese Aussagen widersprüchlich, weil Religionsfreiheit zugesichert, ihre Ausübung für Muslime aber eingeschränkt werden solle. Die Partei fordert außerdem mehr Volksabstimmungen und kritisiert die etablierten Parteien als machtvolles „Kartell“.

Migration, Außenpolitik und Klima

Migration und Asyl wurden zum wichtigsten Thema des Parteiaufstiegs. Seit 2015 fordert die AfD unter anderem Grenzkontrollen, Asylverfahren innerhalb von 48 Stunden in Grenznähe, Obergrenzen für die Aufnahme von Flüchtlingen, Einschränkungen des Familiennachzugs und strengere Regeln für Einbürgerungen. Im Mai 2025 verlangte sie mindestens zehn Jahre rechtmäßigen Aufenthalt, Deutschkenntnisse auf Niveau C1, die Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft und eine Einbürgerung nur noch nach Ermessen statt eines Rechtsanspruchs.

Unter „Remigration“ versteht die Parteispitze öffentlich rechtsstaatliche Rückführungen ausreisepflichtiger Ausländer. Mehrere AfD-Mandatsträger äußerten jedoch weitergehende Forderungen. Björn Höcke verlangte 2018 ein „groß angelegtes Remigrationsprojekt“ und sprach von „wohltemperierte[r] Grausamkeit“. Nach dem Potsdamer Treffen vom 25. November 2023 berichtete Correctiv über einen Plan, nach dem auch „nicht assimilierte Staatsbürger“ Deutschland verlassen sollten. Die Parteispitze bestritt, Abschiebungen deutscher Staatsbürger zu planen. Die im Artikel genannte diskutierte Größenordnung eines „Remigrationsprojektes“ liegt bei 16 bis 25 Millionen Personen. Politikwissenschaftler beschreiben den Begriff als bewusst vage und weisen auf die unterschiedliche öffentliche und innerparteiliche Verwendung hin.

Außen- und Verteidigungspolitik: Die AfD fordert seit Jahren engere Beziehungen zu Russland, die Aufhebung von Sanktionen und einen ungestörten Handel mit Russland. Sie verurteilte den russischen Überfall auf die Ukraine 2022 zunächst als Bruch internationalen Rechts, verlangte später aber Waffenstillstand, Verhandlungen und die Aufhebung von Sanktionen. Im Wahlprogramm 2025 fehlt eine Verurteilung des russischen Angriffskriegs. Die Partei lehnt eine EU-Armee ab. Zur Wehrpflicht gibt es gegensätzliche Positionen; 2025 setzte sich die Ablehnung einer sofortigen Wiedereinführung durch.

Umwelt- und Klimapolitik: Seit dem Grundsatzprogramm 2016 lehnt die AfD die Klimaschutzpolitik grundsätzlich ab und bestreitet, dass Menschen den jüngsten Klimawandel maßgeblich beeinflusst hätten. CO₂ sei „kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens“. Die Partei will unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz abschaffen, Kernkraft verlängern beziehungsweise ausbauen, Kohle weiter nutzen, Fracking erforschen, die CO₂-Steuer abschaffen und Nord Stream 1 und 2 reparieren und wieder in Betrieb nehmen.

Entwicklung und Wahlerfolge

Die AfD entstand in der Eurokrise. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte sie 4,7 % der Zweitstimmen und verfehlte knapp den Einzug in Bundestag und hessischen Landtag. Bei der Europawahl 2014 erhielt sie 7,1 % und zog erstmals ins Europäische Parlament ein. Im selben Jahr zog sie mit 9,7 % in Sachsen sowie mit 12,2 % in Brandenburg und 10,6 % in Thüringen erstmals in Landtage ein.

Ein wichtiger Einschnitt war der Parteitag in Essen 2015: Frauke Petry setzte sich mit 60 % gegen den Mitgründer Bernd Lucke mit 38,1 % durch. Dies wird im Artikel als Sieg des nationalkonservativen über den wirtschaftsliberalen Flügel bewertet. Lucke und zahlreiche weitere Mitglieder traten aus und gründeten die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA); ungefähr 20 % der Mitglieder verließen die AfD.

2016 verabschiedete die Partei ihr Grundsatzprogramm. 2017 gewann sie bei der Bundestagswahl 12,6 % der Zweitstimmen und 94 Sitze; damit zog sie erstmals in den Bundestag ein. Nach der Wahl verließen Frauke Petry und weitere Funktionsträger die Partei. Bei den Landtagswahlen 2019 in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewann die Partei deutlich hinzu. Seit 2020 prägten unter anderem die Corona-Proteste, der Einfluss des „Flügels“ und weitere innerparteiliche Konflikte ihre Entwicklung.

Bei der Bundestagswahl 2025 wurde sie zweitstärkste Fraktion. Laut Artikel ist die AfD in Ostdeutschland meist erfolgreicher als in Westdeutschland. Bei der Bundestagswahl 2017 wurde sie deutlich häufiger von Männern als von Frauen gewählt; ihre größte Wählergruppe waren Männer mittleren Alters. Studien im Artikel nennen insbesondere ablehnende Einstellungen zur Flüchtlingszuwanderung, Sorgen über Zuwanderung, Kriminalität und gesellschaftliche Veränderungen als wichtige Faktoren.

Rechtsextreme Netzwerke und Verfassungsschutz

Der Artikel beschreibt personelle, organisatorische und ideologische Verbindungen der AfD zur Neuen Rechten und zu rechtsextremen Gruppen. Eine Unvereinbarkeitsliste schließt Mitglieder bestimmter Organisationen formal aus, wird laut Artikel aber nicht konsequent beachtet. Genannt werden Kontakte oder Überschneidungen mit der Identitären Bewegung, Pegida, NPD/Die Heimat, dem Institut für Staatspolitik und weiteren Gruppen. Recherchen zufolge beschäftigten AfD-Abgeordnete und Fraktionen wiederholt Mitarbeitende mit rechtsextremem Hintergrund.

Der „Flügel“ um Björn Höcke wurde im März 2020 vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ geführt. Die Gruppierung löste sich zum 30. April 2020 formal auf. Nach Angaben des Artikels blieb ihr Einfluss jedoch bestehen; 2024 wurden ihr 60 % der Delegierten und zwei Drittel des Vorstands zugerechnet. Die frühere Jugendorganisation Junge Alternative wurde 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuft und 2025 aufgelöst. Ihre Nachfolgeorganisation Generation Deutschland wurde am 29. November 2025 gegründet.

Das BfV stufte die Gesamtpartei Ende Februar 2021 als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein. Das Verwaltungsgericht Köln erlaubte die Beobachtung im März 2022; das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte dies am 13. Mai 2024. Die Entscheidung wurde am 20. Mai 2025 rechtskräftig. Im Mai 2025 erklärte das BfV die gesamte AfD zur „gesichert rechtsextremistischen Bestrebung“, setzte diese Einstufung nach einer Stillhaltezusage jedoch aus. Im Februar 2026 untersagte das Verwaltungsgericht Köln dem BfV vorläufig, die Gesamtpartei bis zur Entscheidung im Hauptsacheverfahren so einzustufen und zu behandeln. Das Gericht sah zwar zwei verfassungswidrige Forderungen im Bundestagswahlprogramm 2025 zu Muslimen, aber im Eilverfahren noch keine das Gesamtbild der Partei beherrschende Prägung.

Als gesichert rechtsextrem gelten laut Tabelle die Landesverbände Brandenburg seit April 2025, Sachsen seit Dezember 2023, Sachsen-Anhalt seit November 2023, Thüringen seit März 2021 und Niedersachsen seit Februar 2026. Für 2025 bezifferte das BfV das rechtsextreme Mitgliederpotenzial auf 28.000 Personen, etwa 40 % der rund 70.000 Mitglieder.

Organisation, Europa und Finanzierung

Die AfD gliedert sich in Bundesverband, Landesverbände sowie Bezirks-, Kreis- und Stadtverbände. Oberstes Organ ist der Bundesparteitag. Er besteht aus 600 Delegierten der Landesverbände; Bundesvorstandsmitglieder ohne Delegiertenmandat dürfen dort reden und Anträge stellen, aber nicht abstimmen. Der Parteitag beschließt Programme und Satzung, wählt alle zwei Jahre den Bundesvorstand und kann allein die Partei auflösen oder einen Zusammenschluss mit anderen Parteien beschließen.

Der Konvent entscheidet unter anderem über staatliche Parteienfinanzierung, Haushalt und Finanzplanung. Der Bundesvorstand führt die Partei und setzt Beschlüsse um. Die Bundesprogrammkommission und Bundesfachausschüsse erarbeiten Programmentwürfe. Für interne Streitigkeiten gibt es ein Bundesschiedsgericht mit neun für zwei Jahre gewählten Schiedsrichtern. Als parteinahe Stiftung gilt die Desiderius-Erasmus-Stiftung; die Parteizeitung heißt AfD Kompakt und erscheint monatlich.

Im Europäischen Parlament gehörte die AfD nacheinander den Fraktionen EKR (2014–2016), EFDD (2016–2019), Identität und Demokratie (2019–2024) und seit 2024 Europa der Souveränen Nationen (ESN) an. 2024 wurde sie aus der ID-Fraktion ausgeschlossen, nachdem unter anderem Aussagen Maximilian Krahs über die Waffen-SS und weitere Vorgänge Konflikte ausgelöst hatten. Die AfD bildet in der ESN die stärkste Gruppe und stellt etwa die Hälfte ihrer Abgeordneten.

Für 2019 weist der Rechenschaftsbericht Einnahmen von 26.279.606,18 Euro aus; 38,83 % stammten aus staatlichen Mitteln und 24,29 % aus Spenden natürlicher Personen. Die Ausgaben betrugen 23.797.463,24 Euro, darunter 30,30 % für Wahlkämpfe. Für 2025 werden staatliche Zuschüsse von 18.194.313,77 Euro genannt.

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