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Martin-Luther-Kirche (Reusrath)
Die Martin-Luther-Kirche in Reusrath, einem Stadtteil von Langenfeld im nordrhein-westfälischen Kreis Mettmann, ist eine der ältesten evangelische Kirchen …
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Bedeutung und Anfänge der Gemeinde
Die Martin-Luther-Kirche steht in Reusrath, einem Stadtteil von Langenfeld im nordrhein-westfälischen Kreis Mettmann. Sie zählt zu den ältesten evangelischen Kirchen im südlichen Bergischen Land. Ihre Bedeutung hängt eng mit der evangelisch-lutherischen Gemeinde zusammen: Reusrath wurde nach 1672 zum Mittelpunkt der wenigen evangelischen Christen im Gebiet zwischen Wupper und Itter sowie zwischen Rhein und Bergischem Land.
Grundlage dafür war der Religionsvergleich von Cölln an der Spree von 1672. Der Kurfürst von Brandenburg und der Pfalzgraf von Pfalz-Neuburg schlossen ihn, um konfessionelle Streitigkeiten im Herzogtum Berg zu lösen. Der seit spätestens Anfang des 17. Jahrhunderts bestehenden lutherischen Kirchengemeinde in Reusrath wurde dadurch erneut erlaubt, ihre Religion frei auszuüben.
1683 wurde die Evangelisch-Lutherische Gemeinde zu Reusrath neu gegründet. Ihr Kirchensiegel aus diesem Jahr zeigt einen Mann mit Axt, einen gesunden und einen verkümmerten Baum sowie das alte Pfarrhaus mit Glockentürmchen. Zum Pfarrgebiet gehörten damals evangelisch-lutherische Christen aus Hilden, Hitdorf, Monheim, Opladen, Reusrath, Rheindorf, Richrath und Urdenbach.
Erstes Pfarr- und Kirchenhaus
Die Gemeinde besaß zunächst kein eigenes Kirchengebäude. Sie nutzte ein ehemaliges Pfarr- und Kirchenhaus, das nach einer Übereinkunft mit der katholischen Kirche „in der vom katholischen Gotteshaus am weitesten abliegenden Ecke“ errichtet werden durfte.
Im Erdgeschoss lag die Wohnung des Pfarrers. Über eine Außentreppe erreichte man den Kirchenraum mit 162 Sitzplätzen, einer Sakristei, einem schlichten Altar und einer kleinen Orgel. Eine Sakristei ist ein Nebenraum, in dem Gegenstände für den Gottesdienst aufbewahrt und vorbereitet werden. Zunächst waren nur wenige Fenster verglast; 1687 erhielt das Haus einen Dachreiter mit einer kleinen Glocke.
Das 1683 errichtete Gebäude steht direkt neben der heutigen Kirche und diente bis zum Kirchenneubau 1794 als Gottesdienstraum. Es wurde 1988 als Denkmal ausgezeichnet. Bei Renovierungen von 1986 bis 1988 legte man unter dem Tragbalken der Decke des Kirchensaals eine Inschrift frei, die die ersten drei Geistlichen der Gemeinde nennt. Heute befinden sich dort eine Diakoniestation und die Wohnung des Küsters.
Heutige Kirche und ihre Ausstattung
Die heutige Kirche wurde wegen des Wachstums der Gemeinde 1792/94 erbaut. Den Namen Martin-Luther-Kirche erhielt sie erst 1883 zum Reformationsjubiläum. Das Gebäude gehört zum Klassizismus, einer Stilrichtung, die sich an Formen der Antike orientiert; als charakteristisches Baumerkmal wird die Zwiebelhaube genannt. Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse sowie Kriegszeiten führten zu einer schlichten Ausstattung. Die Kirche wurde 1985 als Denkmal ausgezeichnet.
1802 erwarb die Gemeinde eine Orgel aus der aufgelösten Kölner Stiftskirche „St. Maria ad Gradus“. Ihr Unterwerk stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ihr Oberwerk aus dem Hochbarock von 1729. Besonders ist ihre Anordnung: Die Orgel ist hoch über Altar und Kanzel aufgebaut. Diese Gestaltung ist vermutlich typisch für bergische Barock-Kirchen, in Langenfeld aber einmalig.
Ausstrahlung auf weitere Gemeinden
Von Reusrath gingen zahlreiche evangelische Gemeindegründungen aus. Dazu zählen zunächst alle evangelischen Kirchen in Langenfeld, soweit sie keine freien kirchlichen Gemeinden sind. Neben der Pfarrstelle Reusrath entstanden Pfarrstellen in Immigrath mit dem ersten Hilfsprediger 1901, in Langenfeld-Mitte 1954 und Langenfeld-Mitte II 1968, in Immigrath II 1970, in Wiescheid 1971 sowie in Richrath II 1977.
Eine erste evangelische Pfarrstelle in Reusrath bestand bereits um 1580, ebenso eine in Richrath. Die Reusrather Pfarrstelle bestand nur bis 1625, die Richrather wurde 1648 aufgelöst. Die 1683 neu gegründete Gemeinde in Reusrath besteht dagegen seitdem ohne Unterbrechung.
Weitere von Reusrath ausgehende Neugründungen waren Opladen 1859, das ab 1864 eine selbständige Gemeinde war, sowie die von Opladen aus gegründeten Gemeinden Wiesdorf 1904, Bürrig 1923 und Küppersteg 1933. Außerdem entstanden Gemeinden in Monheim 1839, Hitdorf 1913 und Rheindorf 1933. Die Simultankirche in Galkhausen wird von Reusrath aus betreut; eine Simultankirche wird von unterschiedlichen Konfessionen genutzt.