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Marienverehrung

Marienverehrung bezeichnet die Verehrung Marias, der Mutter Jesu Christi. Die Marienverehrung ist Bestandteil der Liturgie und zeigt sich darüber hinaus in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und theologische Bedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Katholische und orthodoxe Lehren
  4. 4. Anglikanische und evangelische Positionen
  5. 5. Andere Religionen und Ausdrucksformen

Grundidee und theologische Bedeutung

Marienverehrung ist die Verehrung Marias, der Mutter Jesu Christi. Sie gehört zur Liturgie, also zum kirchlich geordneten Gottesdienst, und zeigt sich außerdem in Gebeten, Festen, Wallfahrten, Kunst und Volksfrömmigkeit. Besonders wichtig ist sie in den Ostkirchen und in der römisch-katholischen Kirche. Viele evangelische Kirchen stehen den meisten Formen der Marienfrömmigkeit dagegen zurückhaltend oder ablehnend gegenüber.

Marias Sonderstellung beruht vor allem auf ihrer Mutterschaft. Das Konzil von Ephesus erklärte sie 431 zur Theotokos, zur „Gottesgebärerin“. Diese Aussage sollte ursprünglich nicht Maria hervorheben, sondern verdeutlichen, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist: Er wurde bereits als Gott geboren und nicht erst später zu Gott erhöht.

Ein zweiter zentraler Punkt ist ihre Jungfräulichkeit. Nach Mt 1,20 empfing Maria Jesus vom Heiligen Geist. Die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche lehren außerdem, dass sie auch bei und nach der Geburt Jesu Jungfrau blieb. Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen gilt dort als besonders lobenswerte Tugend.

Geschichtliche Entwicklung

Die Marienverehrung entwickelte sich im Zusammenhang mit der allgemeinen Heiligenverehrung. Nach der Mitte des 2. Jahrhunderts erhielten Märtyrer eine besondere Stellung; das Grab des um 155 wegen seines Christseins getöteten Polykarp von Smyrna wurde beispielsweise zum Ort gottesdienstlicher Feiern. Der Ausdruck „Heiliger“, den Paulus noch für alle Christen einer Gemeinde verwendet hatte, entwickelte sich zu einem besonderen Ehrentitel. Ab dem 3. Jahrhundert wurden auch Asketen, also ehelos lebende Christen, besonders hochgeschätzt.

Um die Mitte des 2. Jahrhunderts entstand das nicht zum Bibelkanon gehörende Protoevangelium des Jakobus. Es erzählt von Herkunft und Jugend Marias und betont besonders ihre Jungfräulichkeit. Erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts kam der Gedanke auf, zu Maria zu beten. Gregor von Nazianz berichtete damals, eine Frau namens Justina habe Maria um Hilfe angerufen. Ambrosius von Mailand prägte die Idealisierung Marias wesentlich.

Nachdem Kaiser Theodosius um 390 die trinitarische Form des Christentums zur Staatsreligion des Römischen Reiches gemacht hatte, gewann die Marienverehrung an Bedeutung. Einen entscheidenden Anstoß gab 431 das Konzil von Ephesus mit der Bezeichnung Marias als Gottesgebärerin. Im 5. und 6. Jahrhundert suchte man in der Bibel nach verschlüsselten Hinweisen auf Maria; ein Jahrhundert später entstanden erste Marienfeste und Gebete wie das Ave Maria. Weil in christologischen Streitigkeiten die Göttlichkeit Christi stark betont wurde, erschien Christus vielen Gläubigen weniger als erreichbarer Mittler. Die menschlich näher wirkende Maria gewann dadurch als Fürsprecherin an Bedeutung.

Nach der Reformation wirkte die katholische Gegenreformation widersprüchlich: Einerseits sollten unbiblische Texte eingeschränkt werden, andererseits nutzten besonders die Jesuiten seit den 1580er Jahren die Marienverehrung zur Stärkung des Katholizismus. In Bayern förderten Staat und Jesuiten die Verehrung der Patrona Bavariae und Wallfahrten etwa nach Dettelbach und Altötting. Die Frage nach der Anrufung Marias und der Heiligen diente sogar dazu, heimliche Protestanten zu erkennen. In der Romantik erlebte die Marienverehrung eine neue Blüte.

Einige Autoren sehen vorchristliche Parallelen zu Göttinnen wie Ištar, Isis, Artemis, Demeter, Athene oder Kybele. Besonders verwiesen wird auf Artemis, die sowohl als jungfräuliche Göttin als auch als anatolische Muttergöttin verehrt wurde. Die Annahme, solche Kulte seien in die Marienverehrung eingegangen, ist jedoch eine von bestimmten Autoren vertretene Deutung und keine einheitlich anerkannte Erklärung.

Katholische und orthodoxe Lehren

In der römisch-katholischen Kirche hat Maria eine herausragende Stellung. Nach dem Dogma der Unbefleckten Empfängnis war sie vom Augenblick ihrer eigenen Empfängnis im Leib ihrer Mutter Anna an von der Erbsünde befreit; das zugehörige Hochfest wird am 8. Dezember gefeiert. Damit ist nicht eine jungfräuliche Zeugung Marias gemeint: Nach der Tradition hatte sie mit Joachim einen menschlichen Vater. Ebenfalls ein katholisches Dogma ist die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel. Maria gilt als bereits vollendeter und durch Christus erlöster Mensch und damit als „Prototyp“ dessen, was allen Menschen verheißen ist.

Die katholische Lehre unterscheidet latreia, die ausschließlich Gott zustehende Anbetung, von dulia, der Verehrung der Heiligen. Die Maria aufgrund ihrer Würde als Gottesmutter zugeschriebene besondere Verehrung wurde als Hyperdulie bezeichnet. Maria wird als Mutter und Schwester der Gläubigen, Vorbild des Glaubens und Fürsprecherin verstanden. Innerhalb des Katholizismus gehen die Auffassungen zur angemessenen Form der Verehrung teilweise auseinander; kritisiert werden übersteigerte Formen, die nicht mehr Christus oder Gott ins Zentrum stellen.

Zu den katholischen Ausdrucksformen gehören Marienfeste, Maiandachten, Litaneien, Rosenkranz und Ave Maria sowie Wallfahrten unter anderem nach Lourdes, Fátima, Tschenstochau, Kevelaer, Neviges und Moresnet-Chapelle. Berichte über Marienerscheinungen sind auch nach kirchlicher Anerkennung keine verpflichtenden Glaubensinhalte. Katholiken dürfen daran glauben, müssen es aber nicht, weil solche Privatoffenbarungen der mit den Aposteln abgeschlossenen Offenbarung nichts hinzufügen.

In der Kunst erscheint Maria häufig als „apokalyptische Frau“ nach Offenbarung 12: mit Sternenkranz, Krone oder Zepter, auf dem Mond oder einer Mondsichel stehend und oft mit dem Jesuskind. Als „Königin des Himmels und der Erde“ soll sie den Gläubigen durch ihre Fürbitte helfen. Manche Religionswissenschaftler deuten ihre tatsächliche Funktion deshalb als die einer Göttin oder sehen in ihr die christliche Fortsetzung antiker Göttinnenkulte. Der protestantische Theologe Jörg Lauster betont dagegen, Darstellungen von Geburt und Stillen zeigten Maria gerade als wirkliche Frau und Mutter und machten den Gedanken der Menschwerdung Gottes zugänglicher.

Die orthodoxen Kirchen verehren Maria als Gottesgebärerin und Jungfrau und betrachten sie als heilig und sündlos. Wegen ihres anderen Verständnisses der Erbsünde übernehmen sie jedoch nicht die katholische Lehre von der Unbefleckten Empfängnis. Die Aufnahme Mariens in den Himmel wird in den Ostkirchen als „Entschlafung der Gottesgebärerin“ gefeiert.

Die altkatholische Kirche verehrt Maria als jungfräuliche Mutter Gottes und Erste der Heiligen und bittet um ihre Fürsprache. Sie erkennt Gottesmutterschaft und ewige Jungfräulichkeit an, verwirft aber die katholische Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis und der leiblichen Aufnahme in den Himmel. Der persönliche Glaube an Marias Himmelfahrt ist dennoch gestattet.

Anglikanische und evangelische Positionen

Im Anglikanismus reichen die Positionen von deutlicher Ablehnung bis zu ausgeprägter Verehrung. Die englische Reformation wandte sich gegen Maria als Mittlerin, weil Jesus Christus als einziger Mittler zwischen Gott und Mensch gelten sollte. Beibehalten wurden jedoch ihre Gottesmutterschaft und meist auch ihre ewige Jungfräulichkeit. Seit 1561 kannte der Kalender der Church of England fünf Marienfeste: Mariä Empfängnis, Geburt, Verkündigung, Heimsuchung und Reinigung; Mariä Himmelfahrt wurde gestrichen. Magnificat, Marienpatrozinien und einzelne Gebete blieben erhalten.

Seit der Oxford-Bewegung des 19. Jahrhunderts und der liturgischen Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts gewann Maria wieder an Bedeutung. Viele Anglikaner sehen sie als wichtigstes Mitglied der Gemeinschaft der Heiligen und als Vorbild für Heiligkeit, Glauben und Gehorsam. Besonders anglokatholische Gläubige verwenden Angelus, Regina coeli und Rosenkranz. Der 15. August wird vielfach als Hauptfest zu Ehren Marias gefeiert. Wegen des fehlenden einheitlichen anglikanischen Lehramts gibt es keine für alle verbindliche Position. Die katholischen Dogmen der Unbefleckten Empfängnis und der leiblichen Aufnahme in den Himmel gelten nicht als bindend. 2005 veröffentlichten anglikanische und katholische Vertreter die gemeinsame Erklärung „Mary: Hope and Grace in Christ“, auch „Seattle Statement“ genannt.

In lutherischen Kirchen spielt Marienverehrung praktisch kaum eine Rolle. Martin Luther lehnte Maria als Himmelskönigin oder notwendige Mittlerin des Heils ab, weil Christi Opfertod keiner Ergänzung bedürfe. Zugleich würdigte er sie als Vorbild für Demut, Reinheit und Glauben. Die Konkordienformel nennt sie „hochgelobte Jungfrau“ und wahrhaftige Gottesmutter. Traditionell bestehen drei Feste mit marianischem Bezug, die inhaltlich als Christusfeste gelten: Darstellung des Herrn am 2. Februar, Verkündigung des Herrn am 25. März und Mariä Heimsuchung am 2. Juli. Einige lutherische Kirchen begehen außerdem den 15. August als Gedenktag, lehnen aber Marias leibliche Aufnahme in den Himmel ab.

In den reformierten Kirchen akzeptierte Zwingli eine biblisch begründete Marienverehrung; Calvin lehnte sie wegen der Gefahr des Götzendienstes grundsätzlich ab. Baptisten und Brüdergemeinden betrachten Maria als Glaubensvorbild, rufen sie aber nicht im Gebet an. Evangelikale, Zeugen Jehovas, Christadelphians und Siebenten-Tags-Adventisten schätzen sie als Mutter Jesu und glauben an die Jungfrauengeburt, lehnen Marienverehrung jedoch als unbiblisch und götzendienerisch ab.

Andere Religionen und Ausdrucksformen

Im Islam wird Maria unter den Namen Maryam oder Meriem als Mutter des Propheten Jesus, Isa, hochgeschätzt. Der Koran beschreibt sie als besonders rein und rechtschaffen. Er lehrt die jungfräuliche Empfängnis Jesu nicht als Zeugungsakt, sondern als Erschaffung Jesu in Marias Leib. Maria ist die einzige im Koran namentlich genannte Frau; die 19. Sure trägt ihren Namen. Im haitianischen Voodoo wird Maria mit dem weiblichen Geistwesen Erzulie verbunden. Dessen Zeichen, ein von einem Schwert durchbohrtes Herz, entspricht einem christlichen Mariensymbol.

Zu den wichtigsten Gebeten und Andachtsformen zählen Angelus, Ave Maria, Magnificat, Rosenkranz, Hymnos Akathistos, Lauretanische Litanei, marianische Antiphonen, Marienweihe, Salve Regina sowie „Unter Deinen Schutz und Schirm“. Brauchtum und Liturgie umfassen Marienfeste, Maiandachten, Marienheiligtümer und die Krönung von Marienbildern.

Die frühesten bekannten Marienbilder stammen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert; bereits in Katakomben erscheint Maria mit dem Kind auf dem Schoß. Nach dem Konzil von Ephesus 431 wurden solche Bilder häufiger. Griechische Ikonen folgen festgelegten Typen, während die westliche Kunst freiere Formen entwickelte. Bekannte Bildtypen sind Schutzmantelmadonna, Mondsichelmadonna, Schwarze Madonna und Maria im Ährenkleid. Der Hortus conclusus, der „verschlossene Garten“ des Hohen Liedes, steht für ihre Jungfräulichkeit. Viele Bildmotive stammen nicht aus der Bibel, sondern aus apokryphen Schriften oder der Legenda aurea.

In der romanischen Bildhauerei war Maria als Sedes sapientiae, „Sitz der Weisheit“, mit dem Jesuskind auf dem Schoß verbreitet. Seit der Gegenreformation dominieren Darstellungen als Himmelskönigin, Regina Coeli, oder als kinderlose Immaculata. Tritt Maria auf eine Schlange, verweist dies auf Gen 3,15. Nach den Erscheinungsberichten des 19. und 20. Jahrhunderts entstanden Darstellungen wie Lourdesgrotten.

Marianische Hymnen gehören zu den ältesten Marienliedern. Ave Maria, Litaneien und andere Gesänge wurden für Gottesdienste, Wallfahrten und Festtage vertont. Seit dem Spätmittelalter war das Motiv Stella Maris, „Meerstern“, besonders beliebt; auch das Magnificat wurde von zahlreichen Komponisten aller Epochen vertont.

Seit dem Mittelalter wird Maria außerdem durch zahlreiche Sinnbilder dargestellt, darunter Sonne, Mond, Stern, Zeder, Lilie, Rose, verschlossener Garten, makelloser Spiegel, brennender Dornbusch, Turm Davids, Tempel Salomos und Himmelspforte. Viele stammen aus dem Alten Testament, besonders dem Hohen Lied. Weitere Symbole wie Phönix, Pelikan, Löwe und Einhorn beruhen auf mittelalterlichen Naturvorstellungen. In Wappen können unter anderem Ölbaum, Ölzweig, Meerstern und Rose auf Maria hinweisen.

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