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Entdeckung Amerikas

Aus welthistorischer Sicht erfolgte die erstmalige Entdeckung und Besiedlung Amerikas durch Menschen nach der bisherigen Lehrmeinung vor 12.000 Jahren über die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Gesicherte Fahrten vor und nach Kolumbus
  3. 3. Weitere frühe Kontakte und pazifische Hypothesen
  4. 4. Ungesicherte Atlantikberichte
  5. 5. Umstrittene Karten und Theorien
  6. 6. Kritik am Entdeckungsbegriff

Begriff und Bedeutung

Als „Entdeckung Amerikas“ bezeichnet man die erste Sichtung des amerikanischen Doppelkontinents durch Seefahrer aus der Alten Welt, nachdem die Besiedlung durch die Vorfahren der Ureinwohner Amerikas bereits abgeschlossen war. Grönland gehört geografisch zwar zu Nordamerika, wird in diesem Begriff aber nicht mitgemeint.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der ersten menschlichen Besiedlung und späteren europäischen Entdeckungsfahrten. Aus welthistorischer Sicht wurde Amerika nach bisheriger Lehrmeinung vor etwa 12.000 Jahren über die Beringstraße von Menschen aus Nordostasien besiedelt; ihre Nachkommen sind die amerikanischen Ureinwohner. Neuere Forschungen und Funde lassen auch frühere Besiedlungen als möglich erscheinen: vor 15.000 Jahren an der südlichen Pazifikküste Südamerikas von Ozeanien aus oder vor mehr als 20.000 Jahren mit dem Südäquatorialstrom aus Westafrika.

Obwohl Grænlendingar unter Leif Eriksson nachweislich bereits 1021 amerikanischen Boden betraten, gilt Christoph Kolumbus oft als „Entdecker Amerikas“. Der Grund ist, dass erst nach seiner Landung in der Karibik am 12. Oktober 1492 die dauerhafte europäische Erkundung und Eroberung sowie die Wahrnehmung Amerikas als zusammenhängende Landmasse einsetzten. Deshalb gilt dieses Datum als Wendepunkt der Menschheitsgeschichte. Als erster Europäer, der in der Neuzeit das amerikanische Festland erreichte, gilt derzeit Giovanni Caboto, der 1497 für England Neufundland fand. Als eigener Kontinent wurde Amerika erst 1507 von Amerigo Vespucci erkannt und im selben Jahr von Martin Waldseemüller auf einer Karte nach ihm „America“ genannt.

Gesicherte Fahrten vor und nach Kolumbus

Zu den sicher belegten Entdeckungsfahrten gehören vor allem die skandinavischen Fahrten um 875 bis 1000, die Reise des Christoph Kolumbus von 1492, Giovanni Cabotos Fahrt von 1497 und Vasco Núñez de Balboas Sichtung des Pazifiks 1513.

Der erste Europäer, der das nordamerikanische Festland gesehen haben dürfte, war Bjarni Herjúlfsson. Er kam 986 auf der Fahrt von Island nach Grönland vom Kurs ab und berichtete später von „bewaldeten Hügeln im Westen“, erkundete das Land aber nicht weiter. Da Grönland geografisch zu Nordamerika gehört, kann auch Gunnbjörn Úlfsson als Entdecker eines nordamerikanischen Gebiets gelten: Er sichtete um 875 die nach ihm benannten Gunnbjarnarsker an der grönländischen Küste. Ob er das amerikanische Festland erreichte, ist ungewiss.

Nach heutigen Erkenntnissen war Leif Eriksson der erste Europäer, der 1021 das amerikanische Festland betrat. Archäologische Funde in L’Anse aux Meadows auf Neufundland werden den Grænlendingar, also skandinavischen Bewohnern Grönlands, zugeordnet. Seit 2021 lässt sich ihre Anwesenheit dort dendrochronologisch, also durch Jahrringdatierung von Holz, für das Jahr 1021 nachweisen. In den Vinland-Sagas heißen entdeckte Küstenabschnitte Helluland, Markland und Vinland; ihre genaue Zuordnung ist umstritten und reicht von Baffininsel und Labrador bis Neuschottland oder Massachusetts. Spätere Siedlungsversuche, etwa durch Thorfinn Karlsefni, scheiterten nach wenigen Jahren unter anderem an Frauenmangel und Kämpfen mit Einheimischen, die die Grænlendingar Skraelinger nannten.

Christoph Kolumbus erreichte Amerika bei dem Versuch, Indien beziehungsweise Ostasien durch Überquerung des Atlantiks zu erreichen. Giovanni Caboto, auch John Cabot genannt, trat 1484 in englische Dienste und wurde 1496 von König Heinrich VII. mit der Suche nach einem Westweg nach China beauftragt. Am 24. Juni 1497 entdeckte er wahrscheinlich Labrador. 1498 verschwand er auf einer zweiten Atlantikreise mit vier Schiffen.

Vasco Núñez de Balboa lieferte am 25. September 1513 einen wichtigen Beweis dafür, dass Amerika ein eigener Kontinent ist: Nach einer verlustreichen Expedition durch Panama sah er als erster Europäer vom amerikanischen Festland aus den Pazifik. Amerigo Vespucci hatte die Kontinent-Eigenschaft Amerikas zuvor bereits aufgrund genauer Beobachtungen von Fauna und Flora angenommen.

Weitere frühe Kontakte und pazifische Hypothesen

Neben den gesicherten Fahrten nennt der Artikel Hinweise auf Kontakte, die nicht unbedingt als europäische Entdeckungsfahrten gelten. Über die Beringstraße gab es offenbar schon vor der Ankunft der ersten europäischen Entdecker Verbindungen zur eurasischen Landmasse. Als Beleg werden venezianische Glasperlen genannt, die zwischen 1400 und 1480 vermutlich aus Sibirien über die Beringstraße nach Alaska kamen.

Für mögliche transpazifische Kontakte gibt es verschiedene Hinweise und Deutungen. Einige Ethnologen, Anthropologen und Altamerikanisten, darunter Robert von Heine-Geldern, Gordon F. Ekholm und Paul Kirchhoff, nahmen an, dass alte Kulturen Mittelamerikas durch Kontakte mit Besuchern aus der Alten Welt, besonders aus Asien, beeinflusst worden seien. Diese Auffassungen gelten jedoch nicht als gesichert.

Bei den Polynesiern wird auf ihre hohe Seefahrtskunst verwiesen. Ausgegrabene Hühnerknochen aus dem 14. Jahrhundert sprechen dafür, dass das Haushuhn von Polynesien nach Südamerika kam. Umgekehrt wurde lange angenommen, die Süßkartoffel sei um das Jahr 1000 von Amerika nach Polynesien gelangt. Beide Verbreitungen könnten zwar auch durch natürliche Mechanismen wie Treibgut in Meeresströmungen erklärt werden, doch erscheint transpazifische Seefahrt nach dem Artikel wahrscheinlicher. Untersuchungen von 2018 ergaben allerdings, dass die Süßkartoffel schon vor der menschlichen Besiedlung auf Inseln Polynesiens heimisch war. Genetische Untersuchungen an Einwohnern der Osterinsel deuten auf einen ersten Kontakt zwischen der Osterinsel und Südamerika zwischen 1310 und 1420 hin.

Ungesicherte Atlantikberichte

Der Artikel nennt viele Hypothesen zu möglichen präkolumbianischen Atlantikfahrten, betont aber, dass keine dieser Hypothesen in der historischen Forschung der westlichen Welt als hinreichend belegt oder gesichert gilt.

Für sehr frühe Kontakte wird angeführt, dass Thor Heyerdahl 1970 zeigte, dass eine Atlantiküberquerung mit einem Schilfboot möglich ist, wie es im Alten Ägypten üblich war. Felszeichnungen und andere Funde in der Serra da Capivara werden als Hinweis auf eine Besiedlung vor mehr als 20.000 Jahren gedeutet, möglicherweise über den Südäquatorialstrom aus Westafrika. Solche Deutungen bleiben umstritten.

Auch die Phönizier werden genannt: Aristoteles und Diodorus berichten, Phönizier seien jenseits der Säulen des Herakles auf eine größere Landmasse gestoßen. Für muslimische Fahrten wird unter anderem der arabische Geograph al-Mas'udi erwähnt, der berichtete, der Andalusier Chaschchasch ibn Said ibn Aswad habe 889 den Atlantik überquert. Außerdem gibt es Berichte über eine mögliche Fahrt des malischen Königs Abubakari II. Anfang des 14. Jahrhunderts.

Weitere Berichte haben legendären Charakter. Madoc, ein walisischer Prinz, soll nach einer wahrscheinlich erst Ende des 16. Jahrhunderts entstandenen Legende um 1170 in Amerika gelandet sein und Siedlungen gegründet haben. Tim Severin zeigte 1977 mit einem Curragh, also einem irischen Bootstyp, dass eine Reise des Heiligen Brendan nach Nordamerika möglich gewesen wäre. Für die Paul-Knudson-Expedition von 1355 bis 1363 ist nur der Befehl König Magnus Erikssons erhalten, nach Grönland zu fahren; die Behauptung, Paul Knudson habe Nordamerika erreicht, stützt sich unter anderem auf den Runenstein von Kensington, der als Fälschung gilt. Auch eine angebliche Reise Henry St. Clairs 1398 gilt als Legende.

Für das 15. Jahrhundert werden Basken genannt, die bei Neufundland Wale und Kabeljau gefangen haben sollen. Zur dänisch-portugiesischen Expedition von 1473 gibt es Berichte über João Vaz Corte-Real, Didrik Pining, Hans Pothorst und Johannes Scolvus; Beweise für eine Ankunft an der heutigen kanadischen Küste fehlen jedoch. Auch Kaufleute aus Bristol könnten nach einem Brief John Days von 1498 bereits vor Caboto Land im Westen gefunden haben, doch die genannte „Insel Brasilien“ ist eine Phantominsel. Amerigo Vespucci berichtete, er sei schon im Juni 1497 in Mexiko gewesen; wäre das zutreffend, könnte er einer der frühesten christlichen Europäer auf dem amerikanischen Doppelkontinent gewesen sein.

Umstrittene Karten und Theorien

Ein eigener Bereich des Artikels behandelt Karten und Theorien, deren Aussagekraft umstritten ist. Die Zeno-Karte soll auf Fahrten der venezianischen Zeno-Brüder in den Jahren 1388 und 1390 zurückgehen und eine nordamerikanische Küste bei Neuschottland zeigen, die Drogno genannt worden sei. Historiker halten die Karte heute überwiegend für eine Fälschung.

Die Vinland-Karte ist besonders umstritten. Sie zeigt Island, Grönland und Vinland und vermerkt, Vinland sei von Gefährten Bjarnis und Leifs entdeckt worden. Das Pergament wurde mit der Radiokarbonmethode auf 1434 datiert. Die Zeichnungen enthalten jedoch Titandioxid in der Tinte, das erst seit 1924 industriell hergestellt und regelmäßig in Tinte verwendet wird; deshalb wurde die Karte als Fälschung eingestuft. Neuere Forschungen zeigten allerdings, dass Tinte mit seltenem natürlichem Titandioxid vereinzelt schon im 14. Jahrhundert genutzt wurde, wodurch der Streit wieder auflebte.

Die Karte des Piri Reis wurde 1929 in Istanbul entdeckt und stammt vermutlich aus dem Jahr 1513. Piri Reis gab an, etwa zwanzig Karten als Grundlage verwendet zu haben. Südamerika ist darauf sehr genau abgebildet, während Nordamerika fehlt; Mittelamerika und die Karibik sind übergroß dargestellt. Es gibt Fehler wie einen doppelt dargestellten Amazonas und ein senkrecht gezeichnetes Kuba. Unklar bleibt, woher die Vorlagen stammten und aus welcher Zeit sie waren.

Weitere umstrittene Theorien betreffen Chinesen, Muslime und Phönizier. Charles Godfrey Leland deutete alte chinesische Quellen so, dass der buddhistische Missionar Hui Shen 499 Amerika nördlich von Kalifornien erreicht und Fusang genannt habe; die Theorie wurde schon zu Lelands Lebzeiten abgelehnt. Gavin Menzies behauptete 2002, eine chinesische Flotte aus dem Umfeld Zheng Hes habe 1421 Amerika entdeckt; Fachhistoriker lehnen dies als Fiktion ab. Muslimische Entdeckungstheorien wurden unter anderem von Fuat Sezgin und Luisa Isabel Álvarez de Toledo y Maura vertreten. Für phönizische Fahrten wurde die Inschrift von Parahyba angeführt, die jedoch vielfach für eine Fälschung gehalten wird.

Kritik am Entdeckungsbegriff

Am Begriff „Entdeckung Amerikas“ wird kritisiert, dass er eine europäische Perspektive einnimmt und die Sicht der dort lebenden Völker ausblendet. Diese Menschen mussten Amerika nicht erst „entdecken“, weil ihre Vorfahren den Kontinent bereits seit Tausenden von Jahren bewohnten.

Noam Chomsky formulierte diese Kritik besonders deutlich: Die Rede von der „Entdeckung“ Amerikas sei „ganz offensichtlich falsch“, weil ein bereits von Einwohnern entdecktes Amerika vorgefunden worden sei; folglich habe es sich um eine Invasion Amerikas gehandelt. Auch die mexikanische Regierung forderte 1984 nach Beratung durch eine nationale Historikerkommission eine Revision der Begriffe „Entdeckung“ und „Eroberung“ Amerikas. Diese Begriffe stellten nur die Europäer als Handelnde dar und die indigene Bevölkerung als passiv Leidende.

Als Alternative empfahl die mexikanische Regierung den Begriff encuentro de culturas, auf Deutsch etwa „Zusammenprall“ oder „Begegnung der Kulturen“. Seit den frühen 1990er Jahren ersetzen Historiker „Entdeckung“ zunehmend durch „Begegnung“. Dieser Begriff gilt als neutraler, weil er keine einseitige Subjekt-Objekt-Beziehung ausdrückt, sondern eine Wechselwirkung zwischen Gruppen beschreibt.

Lernvideos zu Entdeckung Amerikas

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