Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Februarrevolution 1848

Die bürgerlich-demokratische Februarrevolution von 1848 in Frankreich beendete am 24. Februar 1848 die Herrschaft des ursprünglich eher liberalen …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und europäischer Zusammenhang
  2. 2. Unzufriedenheit vor der Revolution
  3. 3. Sturz der Julimonarchie und erste Reformen
  4. 4. Juniaufstand und Konterrevolution
  5. 5. Bonapartes Weg zum Kaiserreich

Bedeutung und europäischer Zusammenhang

Die Februarrevolution von 1848 war eine bürgerlich-demokratische Revolution in Frankreich. Sie beendete am 24. Februar 1848 die Herrschaft des „Bürgerkönigs“ Louis-Philippe und führte zur Ausrufung der Zweiten Französischen Republik. Ihre Bedeutung reichte über Frankreich hinaus: Sie wirkte als Funke für die anschließende Märzrevolution, besonders in den Staaten des Deutschen Bundes.

Zusammen mit den Revolutionen in weiteren Teilen Europas werden die Ereignisse als Revolution(en) von 1848/1849 bezeichnet. Sie hatten zunächst gemeinsame bürgerlich-liberale Ziele, entwickelten sich in den einzelnen Ländern aber unterschiedlich und nahmen nationale bis nationalistische Formen an. Bereits Frankreichs Rolle im Schweizer Sonderbundskrieg von 1847 hatte die innenpolitische Gärung begünstigt.

Unzufriedenheit vor der Revolution

Louis-Philippe war 1830 durch die bürgerlich-liberale Julirevolution an die Macht gekommen, nachdem das reaktionäre Bourbonenregime unter Karl X. gestürzt worden war. Seine Regierungszeit von 1830 bis 1848, die Julimonarchie, entfernte sich jedoch zunehmend vom Liberalismus. Skandale und Korruptionsfälle verstärkten die Kritik.

Der König wandte sich außerdem stärker der von Österreich dominierten Heiligen Allianz zu. Diese stand im Zusammenhang mit der restaurativen Politik Fürst Metternichs: Seit dem Wiener Kongress von 1815 sollte in Europa wieder eine Ordnung wie vor der Französischen Revolution von 1789 hergestellt werden, mit Vorherrschaft des Adels und Rückgewinnung seiner Privilegien.

Das Bürgertum war besonders über das Zensuswahlrecht enttäuscht. Dieses Wahlrecht knüpfte die politische Teilnahme an Besitz oder Steuerleistung und gewährte dem Bürgertum nicht den Einfluss auf die Gesetzgebung, den es seiner Stärke entsprechend erwartete. Auch unter den Arbeitern wuchs die Unzufriedenheit. Eine Agrar- und Handelskrise im Jahr 1847 verschärfte die soziale Lage und förderte revolutionäre Stimmung.

Sturz der Julimonarchie und erste Reformen

Auslöser war das Verbot eines geplanten Banketts zur Reform des Wahlrechts durch den König. Ab dem 21. Februar 1848 protestierten Menschen in Paris. Arbeiter und Bürger vereinigten sich vorübergehend; am 23. und 24. Februar kam es zu heftigen Straßen- und Barrikadenkämpfen gegen königliche Truppen.

Am 24. Februar trat der großbürgerliche Ministerpräsident François Guizot zurück. Kurz danach dankte Louis-Philippe ab und floh nach England ins Exil. Eine provisorische Regierung unter dem liberalen Politiker Alphonse de Lamartine wurde eingesetzt und die Republik ausgerufen.

Der erste Ministerrat bestand aus elf Personen und war politisch sehr unterschiedlich zusammengesetzt: Vertreter der Linken, darunter der reformorientierte Sozialist Louis Blanc, standen neben Liberalen und Demokraten wie Lamartine sowie der konservativen Rechten. Die Regierung versuchte, gegensätzliche Interessen auszugleichen. Außenpolitisch blieb sie konservativ, innenpolitisch verfolgte sie gemäßigte Reformen. Sie schaffte die Sklaverei in den Kolonien und die Todesstrafe für politische Delikte ab, führte Pressefreiheit und allgemeines Männerwahlrecht ein und erkannte ein Recht auf Arbeit an.

Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gegensätze führten jedoch bald wieder zur Trennung von Bürgertum und Arbeiterschaft; die Regierung bestand nur wenige Monate. Während der Unruhen kam es zudem zu antisemitischen Ausschreitungen. Beim „Judenrumpel“ im Elsass im Frühjahr 1848 wurden jüdische Häuser in Dörfern geplündert und teilweise verbrannt; es gab Verletzte und Tote. Bern und Basel-Stadt boten bedrohten Juden Schutz, und das Schweizer Militär wurde für mögliche Grenzübertritte bewaffneter Banden herangezogen.

Juniaufstand und Konterrevolution

Bei der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung am 23. April 1848 unterlag die Linke. Konservative und gemäßigte Liberale gingen als Sieger hervor.

Vom 22. bis 26. Juni 1848 erhob sich die Arbeiterschaft erneut. Anlass war die Schließung der Nationalwerkstätten, die vielen Arbeitslosen Beschäftigung ermöglicht hatten. Der Pariser Juniaufstand, die Journées de Juin, wurde von Armee und Nationalgarde unter Louis-Eugène Cavaignac blutig niedergeschlagen. Auf Seiten dieser Truppen starben etwa 1500 Mann, darunter drei Generäle. Die Zahl der getöteten Arbeiter wird auf 5000 geschätzt; etwa 1500 von ihnen wurden ohne Prozess erschossen. 25.000 Menschen wurden festgenommen, 11.000 zu Gefängnis oder Deportation in überseeische Kolonien verbannt, mehrere tausend davon nach Algerien.

Louis Blanc hatte nicht selbst am Aufstand teilgenommen, sich aber für den Erhalt der Nationalwerkstätten eingesetzt. Er floh nach England und kehrte erst 1870 nach Frankreich zurück. Die Niederschlagung löste eine reaktionäre Konterrevolution aus, auch in anderen europäischen Ländern der Märzrevolution. Historisch steht der Juniaufstand für die Abspaltung des revolutionären Proletariats vom Bürgertum. Karl Marx und andere Sozialisten sahen diese Trennung als notwendige Voraussetzung eines Klassenkampfs, der langfristig zum Kommunismus als klassenloser Gesellschaft führen solle.

Bonapartes Weg zum Kaiserreich

Am 4. November 1848 verabschiedete die Nationalversammlung eine Verfassung, die die Wahl eines Staatspräsidenten vorsah. Louis Napoléon Bonaparte, der aus dem Exil zurückgekehrte Neffe Napoleons Bonaparte, war zuvor mit Putschversuchen gegen Louis-Philippe in den Jahren 1836 und 1840 gescheitert. Am 10. Dezember 1848 wurde er mit 75 % der Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt.

Die Zweite Republik bestand nur drei Jahre. Louis Napoléon bereitete den Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 langfristig vor und spielte Monarchisten und Republikaner gegeneinander aus. Nach dem erfolgreichen Staatsstreich erhielt er diktatorische Vollmachten. Ein Jahr später erklärte er sich selbst zum Kaiser Napoleon III. und begründete damit das Zweite Kaiserreich Frankreichs.

Weiterlesen

Frankreich Die Französische Republik wird in ihrer Verfassung als unteilbar, laizistisch, demokratisch und sozial erklärt. Ihr Grundsatz lautet: „Regierung des Volkes … Napoleon Bonaparte Seit 1796 nannte sich Napoleone Buonaparte selbst französisch Napoléon Bonaparte. · Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. · Günter Müchler: Napoleon. Napoleon III. Charles-Louis-Napoléon Bonaparte (Napoleon III.), war der Sohn von Hortense de Beauharnais und Louis Bonaparte – Bruder Napoleons I. und König von Holland … Deutsche Revolution 1848/1849 Mai 1848 in der Paulskirche in der damals freien Stadt Frankfurt am Main zusammentrat. Die Nationalversammlung setzte eine Zentralregierung ein und sah sich … Deutscher Bund In der Schweiz entstand im Rahmen des „Jungen Europas“ von Giuseppe Mazzini eine deutsche Sektion als Junges Deutschland. In Paris entstand aus Vorläufern … Bürgertum Entstehung und Wandel des Bürgertums · 1. Der Bürgerstand begreift alle Einwohner des Staats unter sich, welche, ihrer Geburt nach, weder zum Adel, noch zum … Liberalismus Der klassische Liberalismus entwickelte sich im 17. und 18. Jahrhundert um bestimmte Denker, darunter John Locke, Montesquieu und Immanuel Kant. Heute zählt er … Nationalismus Nationalismus ist eine Denkhaltung oder eine politische Bewegung, die eine Identifizierung und Solidarisierung aller Mitglieder einer Nation anstrebt und … Haus Bourbon Das Haus Bourbon [buʁbɔ̃] oder die Bourbonen ist der Name eines französischen Adelsgeschlechts, das sieben französische Könige sowie weitere Monarchen anderer … Kaisertum Österreich Es wurde am 11. August 1804 als Erbmonarchie von Erzherzog Franz von Österreich gegründet, der als Franz II. letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Wiener Kongress Der Wiener Kongress, der vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 stattfand, ordnete nach der Niederlage Napoleon Bonapartes in den Koalitionskriegen Europa … Französische Revolution Die Französische Revolution (1789–1799) gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte.