Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln

Damit wurde erstmals in der Geschichte ein spezielles Mahnmal für die lesbischen und schwulen NS-Opfer durch eine Gewerkschaft errichtet. Mahnmal für die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und historischer Hintergrund
  2. 2. Entstehung und Aufstellung
  3. 3. Aufschrift und Standort
  4. 4. Auswahl und künstlerische Gestaltung
  5. 5. Enthüllung und heutige Nutzung

Bedeutung und historischer Hintergrund

Das Mahnmal für die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus in Köln erinnert seit dem 24. Juni 1995 vor allem an die Verfolgung homosexueller Menschen während der NS-Zeit. Es steht am Rheinufer an der Hohenzollernbrücke und gehört zu den frühen eigenständigen Mahnmalen zu diesem Thema in Deutschland. Zuvor gab es im deutschsprachigen Raum hauptsächlich Gedenktafeln, unter anderem in den ehemaligen Konzentrationslagern Mauthausen, Neuengamme, Dachau und Sachsenhausen sowie am Berliner Nollendorfplatz. Am 11. Dezember 1994 war in Frankfurt am Main mit dem Frankfurter Engel bereits ein weiteres entsprechendes Mahnmal entstanden; am 27. Mai 2008 folgte das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen.

Eine systematische Verfolgung von Lesben gab es im Nationalsozialismus nicht. Dennoch waren auch lesbische Lebensumstände und ihre soziale Infrastruktur von den nationalsozialistischen Maßnahmen betroffen. Deshalb nennt das Mahnmal ausdrücklich schwule und lesbische Opfer. Die Worte „Totgeschlagen – Totgeschwiegen“ beziehen sich außerdem auf die Situation der Opfer in der Nachkriegs-Bundesrepublik: Sie erinnern sowohl an die Verfolgung während des Nationalsozialismus als auch an die weitere Verfolgung und anhaltende Diskriminierung von Lesben und Schwulen.

Entstehung und Aufstellung

Die Initiative begann im März 1990 beim Arbeitskreis Lesben und Schwule der ÖTV Köln, der damaligen Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Jörg Lenk war bis zur Aufstellung des Gedenksteins der hauptverantwortliche Ansprechpartner und die treibende Kraft des Projekts. Offizieller Antragsteller war der Deutsche Gewerkschaftsbund, Kreis Köln. Verschiedene Organisationen und Parteien unterstützten das Vorhaben öffentlich.

Nach einer Stellungnahme des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln wurde die ursprüngliche Idee aufgegeben, das Mahnmal an der Kölner Messe in Köln-Deutz mit einer Gedenktafel zur Deportation von Juden, Sinti und Roma zu verbinden. Auch anfängliche Zweifel von Vertretern des Rates der Stadt Köln an der Verfolgung von Lesben konnten durch das NS-Dokumentationszentrum ausgeräumt werden. Der Rat wollte zunächst die Begriffe „schwul und lesbisch“ durch „homosexuell“ ersetzen. Auf Initiative der Fraktion der GRÜNEN blieb die Formulierung jedoch den Initiatorinnen und Initiatoren überlassen.

1993 gab es eine beschränkte Ausschreibung unter 25 vom Kulturamt der Stadt Köln vorgeschlagenen Künstlerinnen und Künstlern. Die Errichtung wurde – bis auf Gegenstimmen aus der CDU – in einem breiten Konsens beschlossen und ohne öffentliche Diskussion umgesetzt. Eine Spendensammlung erbrachte 30.900,00 DM, entsprechend 15.798,92 €. Im Juni 1995 wurde das Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben. Es wurde der Stadt Köln von der ÖTV als Schenkung übergeben und war damit das erste spezielle Mahnmal für lesbische und schwule NS-Opfer, das durch eine Gewerkschaft errichtet wurde.

Aufschrift und Standort

Die einzige inhaltliche Vorgabe neben dem Standort war die Aufschrift: „Totgeschlagen – Totgeschwiegen, den schwulen und lesbischen Opfern des Nationalsozialismus“. Die Formulierung „Totgeschlagen – Totgeschwiegen“ war bereits auf der Gedenktafel am Berliner Nollendorfplatz verwendet worden. Sie verweist auf die nationalsozialistische Verfolgung, auf die weitere Verfolgung im Nachkriegsdeutschland und auf die fortdauernde Diskriminierung in der heutigen Bundesrepublik. Die Initiatorinnen und Initiatoren lehnten „homosexuell“ ab, weil ihnen dieser Ausdruck zu medizinisch erschien; sie bezeichneten sich selbst als Lesben oder Schwule.

Das Mahnmal steht im stark frequentierten Rheingarten beziehungsweise an der Frankenwerft direkt an der Hohenzollernbrücke. Im Hintergrund liegen das Museum Ludwig und der Kölner Dom. Der Ort hat auch einen historischen Bezug: Die Rheingegend an der Brücke war seit Langem ein Treffpunkt homosexueller Männer und ermöglichte anonyme Kontakte. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg stand dort ein seit der Jahrhundertwende von schwulen Männern genutztes Pissoir. In der Nachkriegszeit wurden die kriegszerstörten Treppentürme der Hohenzollernbrücke als Treffpunkt genutzt.

Auswahl und künstlerische Gestaltung

Unter den 11 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen wählte eine unabhängige Fachjury einstimmig den Entwurf des Rostocker Bildhauers Achim Zinkann als zweiten Preis aus. Ein erster Preis wurde nicht vergeben. Die elf Modelle waren vom 14. Juni bis 15. Juli 1994 im Forum der Volkshochschule Köln ausgestellt.

Zinkanns Mahnmal besteht aus rosa und grauem Granit. Es ist 120 cm hoch und hat eine Kantenlänge von 69 cm. Die Gestaltung greift den Rosa Winkel auf, ein Symbol, mit dem während der NS-Zeit männliche Häftlinge in Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden, die wegen ihrer Homosexualität dorthin verschleppt worden waren.

Die Skulptur geht von zwei gleich großen Granitblöcken in grauer und rosa Färbung aus. Beide Blöcke wurden über eine Seitendiagonale zersägt und neu zusammengesetzt. Die grauen Keile stehen mit quadratischen Flächen auf dem Boden und bilden eine diagonale Kerbe. In dieser Kerbe liegen zwei rosa Keile, die zu einem gleichseitigen Dreieck zusammengefügt sind. Druck, Gegendruck und Reibung halten die Teile zusammen. Wird ein Keil entfernt, verliert mindestens ein anderer den Halt und das Gefüge wird zerstört.

Die diagonale Stellung der grauen Steine, das Wechselspiel von Körper- und Schlagschatten sowie die veränderliche Silhouette beim Vorübergehen erzeugen Spannung. Der Text ist in die quadratischen Flächen der rosa Keile eingegraben und dadurch optisch und haptisch erfahrbar. Zinkann nennt als mögliche Bezüge unter anderem zwei Blöcke, zwei Farben und zwei Schnitte, die zu einem Ganzen werden, sowie Männer und Frauen beziehungsweise Lesben und Schwule. Weitere Deutungen überlässt er den Betrachtenden.

Enthüllung und heutige Nutzung

Die feierliche Aufstellung am 24. Juni 1995 war zugleich ein Beitrag der ÖTV zum 50. Jahrestag der Befreiung Deutschlands von der NS-Terrorherrschaft und Teil der schwul-lesbischen Veranstaltungen des Cologne Pride. Für Oberbürgermeister Norbert Burger war die Rede sein erster offizieller Auftritt bei einem Christopher Street Day.

Die Aufstellung wurde in den ZDF-Nachrichtensendungen „heute“ und „heute-Journal“ sowie in Radiosendungen, Tageszeitungen, der Gewerkschaftspresse und schwulen- und lesbischen Medien im In- und Ausland berichtet.

Am 27. Januar, dem offiziellen deutschen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus und Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, werden am Mahnmal jährlich Kränze und Blumen niedergelegt. Bei Stadtführungen zu schwulen und lesbischen Themen dient es häufig als Ausgangs- oder Endpunkt. Die Stadt Köln übertrug dem schwulen Männerchor „Zauberflöten“ die Patenschaft. Der Chor pflegt das Mahnmal ehrenamtlich und begleitet die jährlichen Gedenkveranstaltungen musikalisch.

Weiterlesen

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen Das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist eine Gedenkstätte am Berliner Tiergarten, die am 27. Mai 2008 eingeweiht wurde. Konzentrationslager Dieser Artikel behandelt das zwischen 1933 und 1945 entstandene und unterhaltene System der Konzentrationslager im Herrschaftsbereich des Deutschen Reiches. KZ Neuengamme Das Konzentrationslager (KZ) Neuengamme in Hamburg-Neuengamme war ein nationalsozialistisches deutsches Konzentrationslager. Es wurde 1938 zunächst als … KZ Dachau Seit 1965 befindet sich auf dem Gelände die KZ-Gedenkstätte Dachau, die z. B. im Jahr 2019 von 900.000 Menschen besucht wurde. Gewerkschaft Eine Gewerkschaft ist eine Vereinigung der Interessenvertretung von abhängig beschäftigten Arbeitnehmern zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen, sozialen und … Homosexualität in der Zeit des Nationalsozialismus Rosa Winkel – die Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus. von Alexander Zinn ; Denkmal für die erste Homosexuelle Emanzipationsbewegung: homo-denkmal.de … Nationalsozialismus Seine Wurzeln hat er in der völkischen Bewegung, die sich etwa zu Beginn der 1880er Jahre im deutschen Kaiserreich und in Österreich-Ungarn entwickelte. Ab 1919 … Homosexualität Gleichgeschlechtliche Sexualität wurde in verschiedenen Epochen und Kulturen unterschiedlich behandelt: teils befürwortet und toleriert, teils untersagt und … Juden Religiöse wie nichtreligiöse Juden verstehen sich im Anschluss an die Bibel als Teil dieses Volkes, einer durch Abstammung und Geschichte verbundenen … Sinti Nationalsozialismus. → Hauptartikel: Völkermord an den Sinti und Roma in der Zeit des Nationalsozialismus ... Die Geschichte der Roma und Sinti. Aufbau-Verlag, … Roma In Berlin wurde 2012 das von Dani Karavan entworfene Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas eingeweiht. Österreich. Bündnis 90/Die Grünen Politik in Bund, Land, Kommunen und EU ; Bundestagsfraktion · Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen ; Europäisches Parlament und internationale Mitgliedschaften.