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KZ Dachau
Seit 1965 befindet sich auf dem Gelände die KZ-Gedenkstätte Dachau, die z. B. im Jahr 2019 von 900.000 Menschen besucht wurde.
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Bedeutung und Entwicklung des Lagers
Das Konzentrationslager Dachau bestand vom 22. März 1933 bis zur Befreiung durch Soldaten der 7. US-Armee am 29. April 1945. Es lag ungefähr 20 Kilometer nordwestlich von München auf dem Gelände einer ehemaligen Königlichen Pulver- und Munitionsfabrik. Das NS-Regime errichtete es zunächst vor allem zur Inhaftierung, Einschüchterung und Terrorisierung politischer Gegner. Dachau war eines der ersten dauerhaft betriebenen Konzentrationslager und blieb während der gesamten NS-Herrschaft in Betrieb.
Heinrich Himmler nutzte Dachau als „Münchner Modell“ und als organisatorische Vorlage für viele spätere Konzentrationslager. Nach der Entmachtung der SA 1934 baute die SS ihr Lagersystem aus. Von 1937 bis 1938 wurde Dachau stark erweitert; seine Organisation und sein räumlicher Aufbau wurden für weitere Lager übernommen. Das Lager war außerdem Ausbildungsort für SS-Wachmannschaften und SS-Führer, darunter spätere Kommandanten anderer Konzentrations- und Vernichtungslager.
Dachau war kein Vernichtungslager. Dennoch wurden dort besonders viele politische Morde verübt. Das Lager entwickelte sich zu einem „Staat im Staate“: Die SS entzog Haft und Ermordung politischer Gegner dem Zugriff der Justiz und schuf eigene Regeln, Strafen und Gerichtsverfahren. Propagandistisch stellte das Regime Dachau als „Vorzeigelager“ dar und versuchte damit, Berichte über die Verbrechen als angebliche „Gräuelpropaganda des Auslands“ zurückzuweisen.
Von der frühen Verfolgung zum KZ-System
In der Nacht des Reichstagsbrandes vom 27. Februar 1933 begannen die Nationalsozialisten mit der Verhaftung politischer Gegner. Betroffen waren unter anderem Reichs- und Landtagsabgeordnete, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, Konservative, Liberale und Monarchisten. Viele frühe Haftstätten waren improvisierte „wilde“ Konzentrationslager unter unterschiedlicher Zuständigkeit von SA, SS, Polizei oder Innenministerien. Dachau war das einzige dieser frühen Lager, das nicht bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs aufgelöst wurde.
Am 13. März 1933 veranlasste Himmler die Errichtung eines politischen Konzentrationslagers bei Dachau und gab dies am 20. März öffentlich bekannt. Am 22. März trafen etwa 150 Häftlinge aus Gefängnissen in Landsberg und München ein. Die Haftnummer eins erhielt der Kommunist Claus Bastian. Zunächst bewachte die Bayerische Landespolizei das Lager; ab dem 11. April teilten sich Polizei und SS die Bewachung, Anfang Juni übernahm die SS sie allein.
Am 12. April 1933 ermordete die SS die Häftlinge Rudolf Benario, Ernst Goldmann und Arthur Kahn. Der erste Kommandant Hilmar Wäckerle gab sich im Mai eine Lagerordnung, die dem Kommandanten alleinige Gerichtsbarkeit verlieh und sogar Todesurteile ermöglichte. Unter Theodor Eicke, der Ende Juni 1933 Kommandant wurde, wurde das Lager weiter abgeschottet. Nachdem Ermittlungen zu den ersten Morden eingestellt worden waren, entstand ein rechtsfreier Raum.
Bis Januar 1934 bestanden im Reich viele kleine Lager. 34 wurden bis Oktober 1933, weitere 14 bis zum 9. Mai 1934 geschlossen. Dachau gehörte zu den wenigen verbliebenen Lagern. Nach der Entmachtung der SA Ende Juni 1934 ermordete die SS am 1. und 2. Juli im Lager 17 Menschen, darunter SA-Mitglieder, Regimegegner und fünf Dachauer Häftlinge. Eicke wurde anschließend Leiter der SS-Inspektion der Konzentrationslager und übertrug die in Dachau entwickelten Regeln auf das gesamte SS-Lagersystem.
Ausbau, Gefangenengruppen und Zwangsarbeit
Ab 1935 wurden neben politischen Gegnern auch aus Gefängnissen entlassene Personen sowie vereinzelt Sinti und Roma, Juden, Zeugen Jehovas und Homosexuelle eingewiesen. Mit den Nürnberger Rassengesetzen vom September 1935 erhielt die Verfolgung jüdischer Bürger eine rechtliche Grundlage. 1936 führte Kommandant Hans Loritz ein einheitliches Kennzeichnungssystem ein: Stoffdreiecke, sogenannte Winkel, zeigten durch ihre Farbe die Häftlingsgruppe an. Zusätzlich trug jeder Häftling eine Nummer.
1937 entstand das neue Häftlingsgelände mit einer Fläche von 583 mal 278 Metern. Es umfasste Appellplatz, Baracken, Bunker, Wirtschaftsgebäude und Küche. Das Häftlingsgelände war von Graben, elektrisch geladenem Stacheldrahtzaun, Patrouillenweg und Mauer umgeben. Sieben Wachtürme waren üblicherweise mit je zwei SS-Wachen und zwei Maschinengewehren besetzt. Die 34 Baracken lagen in zwei Reihen an der Lagerstraße. Ursprünglich sollten in einem Wohnblock 208 Häftlinge untergebracht werden; in den letzten Kriegsjahren mussten sich bis zu 1600 Menschen einen Block teilen.
Auf dem Appellplatz fanden morgens und abends Zählappelle statt. Fehlende Häftlinge konnten nächtelangen oder halbtägigen Strafappell auslösen. Zum Häftlingsbereich gehörten außerdem Krankenrevier, Kantine, Arbeitsbaracke, Küche, das sogenannte „Bad“ und der Bunker für Arrest, verschärfte Einzelhaft und Erschießungen. Es gab unter anderem Strafblöcke, Judenblock, Invalidenblock, Prominentenblock und Pfarrerblock; ab Kriegsbeginn wurden Blöcke auch nach Nationalitäten eingeteilt.
Die Häftlingsarbeit diente zunächst der Kultivierung von Mooren, wurde aber rasch auf handwerkliche und wirtschaftliche Tätigkeiten ausgeweitet. Häftlinge arbeiteten unter anderem im Straßenbau, als Maurer, Tischler, Schlosser, Schneider, Schuhmacher, Sattler, Bäcker und Schlachter. 1933 arbeiteten bereits 300 Häftlinge für die SS. Die SS nutzte die Arbeitskraft zur Herstellung von Waren und zur Verringerung ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit von anderen staatlichen Stellen. Zwangsarbeit war vielfach mit Erniedrigungen, Misshandlungen und körperlicher Vernichtung verbunden.
Zum Dachauer System gehörten 34 Innenkommandos und 45 weitere Arbeitskommandos, deren Mitglieder nach der Arbeit in das Hauptlager zurückkehrten. Außerdem entstanden 169 Außenlager. Besonders große Außenlagerkomplexe waren Kaufering und Mühldorf; große einzelne Außenlager bestanden unter anderem in Allach und Lauingen. Ab 1942 wurden Häftlinge für unterirdische Rüstungsanlagen eingesetzt oder an Unternehmen und staatliche Stellen wie BMW, Messerschmitt AG, Reichsbahn, Luftschiffbau Zeppelin und Agfa verliehen. Zu dieser Zeit arbeiteten etwa 37.000 Häftlinge in den Außenlagern.
Verschärfung im Krieg und medizinische Verbrechen
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurden zunehmend Menschen aus den besetzten Ländern Europas nach Dachau gebracht. Zugleich stieg der Bedarf der Rüstungswirtschaft an billiger Häftlingsarbeit. Zwischen dem 27. September 1939 und dem 18. Februar 1940 wurden die meisten Häftlinge aus Dachau in andere Lager verlegt; 2138 kamen nach Buchenwald, 1600 nach Mauthausen und 981 nach Flossenbürg. In Dachau wurden währenddessen etwa 7000 Angehörige der SS-Totenkopfverbände ausgebildet.
Nach der Reichspogromnacht wurden 10.911 Juden nach Dachau gebracht, darunter 3700 aus Wien. Die meisten wurden bis Mai 1939 wieder entlassen, nachdem die SS sie und ihre Familien zur Auswanderung und zur Übertragung ihres Vermögens unter Zwang gedrängt hatte. 1940 wurden Priester und Pfarrer aus verschiedenen Konzentrationslagern im Dachauer Pfarrerblock zusammengelegt. Ab Oktober 1941 deportierte die SS außerdem tausende sowjetische Kriegsgefangene nach Dachau und erschoss insgesamt mehr als 4000 von ihnen.
1942 begann eine besonders intensive Phase der Gewalt. Im Rahmen der Aktion 14f13 wurden etwa 3000 als krank, arbeitsunfähig oder „unliebsam“ bezeichnete Häftlinge in 32 Transporten in die NS-Tötungsanstalt Hartheim gebracht und dort durch Gas ermordet. Im Lager selbst fanden zahlreiche medizinische Experimente statt. An etwa 200 Häftlingen wurden Unterdruckversuche durchgeführt; 70 bis 80 starben. Claus Schilling infizierte 1100 Häftlinge mit Malaria; in den Dachauer Prozessen wurden ihm zehn Todesopfer eindeutig zugerechnet. Die Unterkühlungsversuche betrafen 220 bis 240 Menschen, von denen etwa 65 bis 70 starben. Die Versuchsreihe „Phlegmone“ kostete mindestens 17 Häftlingen das Leben. Außerdem gab es unter anderem Tuberkulose-, Leberpunktions- und Mescalinversuche.
Die Baracke X enthielt ab 1943 vier Krematoriumsöfen und einen als „Brausebad“ bezeichneten Raum mit Duschkopf-Attrappen und Vorrichtungen, durch die Zyklon B hätte eingefüllt werden können. US-Truppen identifizierten ihn am 29. April 1945 als Gaskammer. Eine Massentötung durch Gas fand in Dachau nachweislich nicht statt. Ob einzelne Personen oder eine kleine Gruppe durch Gas getötet wurden, ist wegen vernichteter Dokumente und widersprüchlicher Aussagen nicht eindeutig geklärt. Nachweislich ließ die SS Dachau-Häftlinge zur Vergasung nach Hartheim oder Auschwitz deportieren.
Überfüllung, Befreiung und unmittelbare Nachkriegszeit
1943 stand das Lager vom 1. Januar bis zum 15. März wegen einer Typhusepidemie unter Quarantäne. Gleichzeitig wurden etwa 800 bis 1000 Häftlinge wegen angeblicher „Sabotage“ hingerichtet. 1944 füllte sich Dachau durch Evakuierungstransporte aus östlichen Lagern. Für 52 Menschen geplante Stuben mussten sich nun 300 bis 500 Personen teilen. Die Flecktyphusepidemie ließ die Sterberaten stark ansteigen: von 403 Toten im Oktober auf 997 im November und 1915 im Dezember 1944.
Anfang 1945 trafen weitere Evakuierungstransporte ein. Im Januar starben 2903 Menschen; die Sterblichkeit stieg in den folgenden Monaten weiter. Das Krematorium wurde außer Betrieb genommen, und ab dem 12. Februar wurden Tote in Massengräbern auf dem Leitenberg bestattet. Himmlers Evakuierungsbefehl vom 14. April führte zu Todesmärschen und Transporten. Ein Marsch mit 6887 Häftlingen wurde am 30. April von US-Amerikanern gestoppt; viele der Häftlinge waren zuvor an Erschöpfung gestorben oder ermordet worden. Das Lagerkomitee rettete durch Sabotage 1000 weitere russische Häftlinge vor dem Marsch.
Am 29. April 1945 befreite die US-Armee das Hauptlager. Neben dem Häftlingsbereich stand ein Todeszug aus Buchenwald mit etwa 2300 Leichen. Nach dem schockierenden Fund erschossen US-Soldaten SS-Männer; diese nicht zur Befreiung notwendigen Erschießungen wurden später als „Dachau-Massaker“ propagandistisch von rechtsextremen Kreisen verwendet.
Das Lager stand zunächst unter Quarantäne, weil Typhus und Fleckfieber grassierten. Im Mai 1945 mussten täglich zwischen 100 und 300 Tote bestattet werden; die Epidemien und die Folgen der Unterernährung forderten unter den Befreiten noch etwa 2000 weitere Todesopfer. Im Juli richteten die US-Behörden auf dem Gelände ein Internierungslager ein. Eine US-amerikanische Untersuchungskommission veröffentlichte bald den 72-seitigen Bericht Dachau. Ende 1945 begann der Dachau-Hauptprozess: Alle 40 Angeklagten wurden schuldig gesprochen, 36 zum Tod verurteilt und 28 der 36 Todesurteile 1946 in Landsberg vollstreckt. Bis 1948 folgten 121 Verfahren mit etwa 500 Beschuldigten.
Opferzahlen und Gedenken
Insgesamt waren nach Angaben des Artikels etwa 200.000 Menschen in Dachau und seinen Außenlagern inhaftiert; an anderer Stelle wird die Zahl der registrierten Häftlinge mit mindestens 161.896 angegeben. Die Häftlingsnummern der ersten Serie reichten vom 22. März 1933 bis zum 31. März 1940 von 1 bis 37.575, die zweite Serie vom 1. April 1940 bis zum 28. April 1945 von 1 bis 161.896.
Schriftlich belegt sind 32.009 Sterbefälle. Diese Zahl erfasst jedoch nicht alle Toten, weil die SS Akten vernichtete, nicht sämtliche Morde dokumentierte und das lagereigene Standesamt Todesfälle nur bis zum 20. April 1945 registrierte. Auch die Toten der Todesmärsche wurden vielfach nicht amtlich erfasst. Die historische Forschung geht deshalb von etwa 41.500 Todesopfern aus. Zusätzlich starben viele Häftlinge in Außenlagern oder nach Deportationen in andere Lager.
Seit 1965 befindet sich auf dem Gelände die KZ-Gedenkstätte Dachau. Grundstücke, einige Außenstellen sowie Ausstellungs- und Archivbestände gehören überwiegend zur 2003 eingerichteten Stiftung Bayerische Gedenkstätten; verschiedene kirchliche Einrichtungen befinden sich in eigener Trägerschaft. Die ehemaligen SS-Gebäude werden heute unter anderem von der bayerischen Bereitschaftspolizei genutzt und sind nicht öffentlich zugänglich.
Der 27. Januar ist seit 1996 deutscher und seit 2005 internationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Gedenkstätte erinnert mit erhaltenen und rekonstruierten Gebäuden, Friedhöfen, Denkmälern und Ausstellungen an die Verfolgten und die Verbrechen. Die Originaltür mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ wurde im November 2014 gestohlen, 2016 in Norwegen gefunden und kehrte am 22. Februar 2017 nach Dachau zurück. Sie wird heute in einer gesicherten Vitrine ausgestellt.