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Magie

Magie (lateinisch magia) oder Zauberei bzw. Zauber, früher auch Zauberkunst, nimmt für sich in Anspruch, durch mehr oder minder ritualisierte Handlungen ( …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Entwicklung in Geschichte und Gegenwart
  3. 3. Wissenschaftliche Erklärungsansätze
  4. 4. Magie in religiösen Traditionen
  5. 5. Zwecke, Ziele und Mittel

Begriff und Grundidee

Magie oder Zauberei bezeichnet den Anspruch, durch mehr oder minder ritualisierte Handlungen übernatürliche Wirkungen zu erzielen. Solche Handlungen werden auch Ritualmagie genannt. Magier oder Zauberer berufen sich dabei auf besonderes, nicht allgemein zugängliches Wissen oder auf eine besondere Begabung. Dieses Wissen wird schriftlich in magischer Literatur und in manchen Traditionen auch mündlich überliefert.

Früher wurde Magie in der Wissenschaft stärker von Religion unterschieden. Heute gelten die Grenzen als fließend. Beide können Rituale, Gebete, Beschwörungen, Heilungen und den Bezug auf Geistwesen oder Götter umfassen. Als „Magie“ werden im Alltag außerdem die Täuschungskünste von Zauberkünstlern bezeichnet; diese beruhen jedoch auf Tricks und Unterhaltung.

Entwicklung in Geschichte und Gegenwart

Die frühesten schriftlichen Zeugnisse magischer Vorstellungen stammen aus Mesopotamien, Ägypten und anderen alten Hochkulturen. Schon steinzeitliche Höhlenmalereien und Steinkreise werden manchmal als Hilfsmittel magischer Zeremonien gedeutet; diese Deutungen sind jedoch spekulativ.

In Mesopotamien sind seit dem 27. Jahrhundert v. Chr. beziehungsweise schriftlich ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. Liebeszauber, Potenzzauber, Bildzauber, Astrologie und Wahrsagung aus Tiereingeweiden belegt. Ab dem 1. Jahrtausend v. Chr. wurden magische Handbücher für Spezialisten am Hof systematisiert. Der Ašipu war für Beschwörungen und Exorzismus zuständig, der Asû für Diagnose und Therapie und der Bārû für Weissagungen. Eine wichtige Aufgabe war der Schutz vor Dämonen, etwa vor der kinderraubenden Lamaštu. Amulette, Tonmodelle und Rituale wie Maqlû („Verbrennen“) sollten Schaden abwehren oder auf ein Ersatzobjekt umlenken.

In Ägypten waren Religion und Magie untrennbar verbunden. Achu bezeichnet die Fähigkeit, Zaubermacht auszuüben, Heka das Wirken des Zaubers. Heka konnte Menschen und Göttern zukommen, Krankheiten abwehren, den Verstorbenen im Jenseits schützen oder auch Feinde schädigen. Pyramidentexte und das Ägyptische Totenbuch enthielten dafür Formeln. Namen und Bilder galten als magisch mit ihrem Träger verbunden: Ein Name oder Bild konnte als Stellvertreter zerstört oder für eine Aufgabe eingesetzt werden. Der Gott Thot galt als eigentlicher Meister der Magie; aus Thot-Hermes entwickelte sich die Gestalt des Hermes Trismegistos, die für die spätere Hermetik wichtig wurde.

In Griechenland reicht die Überlieferung von Homers Kirke bis zu den Papyri Graecae Magicae, die aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 5. Jahrhundert n. Chr. stammen. Diese Papyri zeigen einen „spätpaganen Synkretismus“, in dem ägyptische, griechische, römische, jüdische und andere Traditionen verbunden wurden. In der Antike galten geheime Namen, Initiationen und ein göttlicher Beistand, der Parhedros, als Quellen magischer Macht. Die Theurgie („Gottesarbeit“) zielte nicht nur auf praktische Wirkungen, sondern auf die Einigung mit dem Göttlichen, die Henosis.

Im römischen Reich wurden Fluch- und Bindungstäfelchen, die Defixiones, verwendet. Auf Bleitäfelchen wurden Namen eingeritzt; sie wurden in Gräbern, Brunnen oder Gruben versenkt, um Menschen dem eigenen Willen zu unterwerfen, etwa bei Liebeszauber oder gegen Konkurrenten. Magie wurde zunehmend gesetzlich verfolgt, besonders wenn sie als politische Bedrohung oder als Schadenzauber galt.

Im Mittelalter verbanden sich germanische und christliche Traditionen. Zu den ältesten althochdeutschen magischen Texten gehören die Merseburger Zaubersprüche und der Lorscher Bienensegen. Der altnordische Seiðr umfasste magischen Angriff und Wahrsagerei; Runenzauber und die Prophetie der Völva bildeten weitere Bereiche.

Während der Christianisierung Europas wurde Magie häufig mit nichtchristlichem Paganismus und später mit Häresie gleichgesetzt. Gleichzeitig übernahmen Klöster und kirchliche Autoren einzelne einheimische Praktiken und verbanden sie mit christlichen Riten. Grimoires, also Zauberbücher, beschrieben Dämonologie, Angelologie und Rituale mit Fasten, Gebeten und der Anrufung der Dreifaltigkeit. Die Vorstellung, Magie beruhe auf einem Dämonen- oder Teufelspakt, prägte die kirchliche Verurteilung.

In Renaissance und früher Neuzeit wurden Hermetik und Neuplatonismus wiederentdeckt. Die magia naturalis, eine angeblich göttlich inspirierte „natürliche Magie“, erklärte verborgene Wirkungen durch Naturkräfte, Planeten und Talismane statt durch Dämonen. Marsilio Ficino entwickelte eine Magia spiritualis, in der Planetenkräfte durch Talismane, Musik, Farben, Mineralien, Metalle und astrologisch bestimmte Lebensweisen beeinflusst werden sollten. Agrippa von Nettesheim legte 1530 in De occulta philosophia eine systematische Gesamtdarstellung vor und unterschied Naturmagie, Astralmagie und Zeremonialmagie. Paracelsus verstand magia naturalis als Mittel zur Erkenntnis und Heilung. John Dee suchte mithilfe eines Mediums und der henochischen Sprache Erkenntnisse über die überirdische Welt.

Im 17. Jahrhundert gingen Vorstellungen der Magia naturalis teilweise in Naturphilosophie und moderne Naturwissenschaften über. Alchemie, Astrologie und die Erforschung von Magnetismus standen dabei nebeneinander. Zugleich wirkten Hermetik, christliche Kabbala, Rosenkreuzertum und Pansophie fort. Im 18. Jahrhundert bestritten Aufklärung und Wissenschaft die Existenz übernatürlicher Magie zunehmend. Dennoch verbreiteten sich Zauberbücher, höfische Scharlatane, Geheimgesellschaften und Franz Anton Mesmers Lehre vom animalischen Magnetismus. Hexenprozesse gab es beispielsweise in Bayern bis in die 1760er Jahre; der letzte Hexenprozess der Schweiz fand 1782 statt. Gesetzliche Verbote der Hexenverfolgung bestanden in Frankreich seit 1682, in England seit 1736, in Österreich seit 1768 und in Schweden seit 1779.

Im 19. Jahrhundert wurde „Magie“ häufig nahezu gleichbedeutend mit Esoterik und Okkultismus verwendet. Spiritismus, Séancen, Tischrücken und automatische Schrift verbreiteten sich ab 1848 von den USA aus. Die Society for Psychical Research wurde 1882 gegründet; daraus entwickelte sich die um Anerkennung ringende Parapsychologie. Der 1888 gegründete Golden Dawn verband Kabbala, Tarot, Astrologie, Alchemie, henochische Magie, altägyptische und griechische Götter sowie christliche und jüdische Elemente.

Im 20. Jahrhundert und in der Gegenwart verbreiteten sich neben magischen Orden zunehmend individuelle Formen. Wicca, Chaosmagie, Thelema, modernes Channeling, Tarot, I Ging und Kabbalah Centres stehen für unterschiedliche Entwicklungen. Ein zentrales Merkmal ist der Synkretismus, also die Verbindung von Elementen aus verschiedenen Zeiten und Kulturen. In der Chaosmagie wird die Aneignung dessen, was „funktioniert“, zum Prinzip.

Wissenschaftliche Erklärungsansätze

Seit dem 19. Jahrhundert untersucht die Religionswissenschaft Magie und versucht, sie von Religion und Wissenschaft abzugrenzen. Diese Abgrenzung blieb schwierig. Der ältere Diskurs war oft evolutionistisch und eurozentrisch: Magie galt als frühe, irrende Vorstufe von Religion und Wissenschaft oder als unmoralisch und antisozial. Neuere Forschung betont, dass magische Praktiken in vielen Religionen nicht klar von religiösen Handlungen getrennt werden können.

Wichtige Ansätze sind:

• Der intellektualistische Ansatz von Edward B. Tylor und James George Frazer erklärt Magie als Versuch, unverstandene Naturkräfte zu erklären und zu beeinflussen. Frazer unterscheidet imitative Magie, bei der „Gleiches Gleiches hervorbringt“, und kontagiöse oder übertragende Magie, bei der Dinge, die einmal verbunden waren, auch getrennt weiter aufeinander wirken sollen. Seine Entwicklungslinie lautet Magie – Religion – Wissenschaft.

• Der emotionalistische Ansatz von Robert Ranulph Marett, Bronisław Malinowski und Sigmund Freud sieht in Magie und Religion Wege, mit Angst, Leid, Krankheit und Tod umzugehen. Freud sprach von der „Allmacht der Gedanken“: Gedanken und Vorstellungen werden so behandelt, als könnten sie unmittelbar Wirkungen in der Außenwelt hervorbringen.

• Der phänomenologische Ansatz von Rudolf Otto, Mircea Eliade, Ninian Smart und C. G. Jung untersucht die Erfahrungen und Bedeutungen der Handelnden. Otto beschreibt das Numinose als „Mysterium tremendum“ oder „Mysterium fascinans“. Smart unterscheidet ein devisches Kausalitätsmodell, bei dem eine Gottheit beeinflusst werden soll, von einem mantrischen Modell, bei dem die Formel selbst das Ergebnis bewirken soll.

• Der funktionalistische Ansatz von Émile Durkheim, Marcel Mauss und Malinowski untersucht gesellschaftliche Aufgaben. Durkheim sieht Religion als „solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken“, das Menschen in einer moralischen Gemeinschaft, der Kirche, verbindet. Der Magier habe dagegen „eine Kundschaft und keine Kirche“. Mauss und Henri Hubert verstehen Magie als privaten, geheimen und tendenziell verbotenen Ritus, betonen aber, dass Form und Haltung magischer und religiöser Rituale oft nicht unterscheidbar sind.

• Symbolistische, neo-intellektualistische, strukturalistische, kognitive und feministische Ansätze stellen einfache Gegensätze zwischen Magie, Religion und Wissenschaft infrage. Claude Lévi-Strauss kritisierte insbesondere, aus dem polynesischen Begriff Mana ein universales Konzept der Magie abzuleiten.

Hegel, Marx und Max Weber deuteten Magie als Vorläufer der Religion. Weber sah einen fließenden Übergang und unterschied die nüchterne Haltung des Zauberers nach dem Grundsatz „Do ut des“ („Ich gebe, damit du gibst“) von der bittenden Haltung gegenüber dem Gott. Der heutige Stand der Diskussion geht überwiegend davon aus, dass Magie kein klar abgegrenztes, überall gleiches System ist. Außerdem wurde die ältere Gleichsetzung außereuropäischer Magie mit „Primitivität“ als Teil kolonialer und ethnozentrischer Ideologien kritisiert.

Magie in religiösen Traditionen

Als Magie klassifizierte Praktiken finden sich im Judentum, Christentum und Islam sowie in hinduistischen und buddhistischen Tantras, im Daoismus, Bön, Wicca und in verschiedenen ethnischen und synkretistischen Religionen. Die Bezeichnung „Magie“ ist dabei häufig eine Außenzuschreibung westlicher Wissenschaftler.

Im Tanach wird Magie überwiegend negativ bewertet, verboten und fremden oder gottlosen Menschen zugeschrieben. Gleichzeitig gehörten Reinigungsriten und andere magische Elemente zum israelitischen Alltag. In der jüdischen Antike sind exorzistische Texte aus Qumran sowie Zauberschalen und Amulette aus dem 4.–6./7. Jahrhundert bekannt. Sie dienten Schutz, Dämonenabwehr und Heilung. Jüdische Mystik und Magie standen in enger Verbindung; die Merkabahmystik enthielt Beschwörungen und Reisen in die göttliche Thronwelt.

Im frühen Christentum wurden Zauberei und Wahrsagerei abgelehnt, zugleich setzte das Neue Testament die Möglichkeit übernatürlicher Einwirkungen voraus. Heilungen Jesu durch Speichel und Handauflegung erschienen Gegnern als dämonische Magie, während die christliche Deutung die Überwindung dämonischer Mächte durch Christus betonte. Im Mittelalter wurde Schadenzauber als Malefizium bezeichnet. Verurteilt wurden unter anderem Impotenzzauber, Wetterzauber, Flüche, der böse Blick, Liebes- und Todeszauber sowie bestimmte Totenmessen für Lebende. Astrologie und Loswerfen waren umstritten; Thomas von Aquin unterschied verteilendes, beratendes und wahrsagerisches Los.

Im Islam heißt Magie Sihr. Koran und Hadith verurteilen sie häufig, doch al-Ghazālī hielt Kenntnisse über Stoffeigenschaften und günstige astrologische Konstellationen grundsätzlich für zulässig, solange sie nicht zum Schaden anderer eingesetzt werden. Fachr ad-Dīn ar-Rāzī unterschied acht Arten, darunter chaldäische Sterndeutung, psychische Magie, Magie durch Dschinn, Gaukelei, Maschinen und Automaten, Drogen, vorgebliche Beherrschung des größten Gottesnamens oder der Dschinn sowie Ohrenbläserei und das Säen von Zwietracht.

In Südasien reicht die schriftliche Überlieferung bis zum Veda zurück. Mantras, also heilige Formeln, sollen verborgene kosmische Beziehungen nutzbar machen. Atharvana bezeichnete gemeinwohlorientierte Schutzmagie, Angirasah schädigende Magie. In Hinduismus und Buddhismus heißen magische Fähigkeiten Siddhi. In China, Korea, Japan und Tibet verbinden sich magische Praktiken mit Buddhismus, Daoismus, Shinto, Schamanismus, Bön und Vajrayana. Verwendet werden unter anderem Talismane, Amulette, Mantren, Mudras, Mandalas, Meditation und Rituale.

Zwecke, Ziele und Mittel

Magie wird nach ihren Zwecken, ihren Zielen und ihren Mitteln unterschieden. Der Artikel weist darauf hin, dass der Abschnitt „Formen der Magie“ unzureichend belegt sei und zum größten Teil reine Theoriefindung enthalte.

Nach dem Zweck wird häufig zwischen weißer und schwarzer Magie unterschieden. Weiße Magie soll Gutes, Heilung, Schutz, Fruchtbarkeit oder Glück bewirken. Schwarze Magie, auch Schadenzauber, soll anderen schaden. Ein Angriff kann durch einen Fluch, eine Fluchtafel oder den bösen Blick erfolgen. Schutzzauber, Amulette und apotropäische Gegenstände sollen Böses abwehren. Ein Gegenzauber richtet sich gegen einen bereits erfolgten Angriff; bei einem Geistwesen spricht man von Exorzismus.

Weitere Ziele sind Heilung, Zuneigung, Reichtum, Verwandlung und Wissen. Liebeszauber verwendet beispielsweise Liebestränke, Amulette oder Schriftrollen. Reichtumszauber soll Schätze auffinden oder durch alchemistische Transmutation Blei in Gold verwandeln. Metamorphosen und Unsichtbarkeit erscheinen vor allem in Mythologie, Märchen und Volksglauben. Wahrsagen oder Mantik nutzt Zufalls- und Beobachtungsverfahren wie Astrologie, Chiromantie, Geomantie, Oneiromantie, Kartenlegen, Tarot, I Ging, Bleigießen, Gläserrücken und die Planchette.

Zu den Mitteln gehören:

• Ritualmagie: regelgebundene, symbolisch aufgeladene Handlungen, oft mit Opfern, Gebeten und Beschwörungen.

• Utensilien: festgelegte Werkzeuge und Kleidungsstücke wie das Athame, ein magischer Dolch, oder symbolisch gestaltete Roben.

• Analogiezauber: Wirkungen werden aufgrund von Ähnlichkeit, Abbild und Gegenstand, Teil und Ganzem oder der Beziehung von Makrokosmos und Mikrokosmos angenommen. Die hermetische Formel lautet: „Wie oben, so unten.“

• Sprache und Schrift: Namen, Zauberworte, Gebete, Flüche, Buchstaben und Zahlenwerte gelten als wirksam. In der Gematrie erhalten Wörter durch ihre Buchstaben-Zahlenwerte verborgene Bedeutungen; beim hebräischen Wort Adam ergibt sich aus Aleph, Daleth und Mem der Wert 1+4+40=45. Sigillen, Pentagramme, Davidsterne und Yantras können als magisch wirksame Zeichen dienen.

• Beschwörung: Bei der Evokation wird ein Geistwesen außerhalb des Beschwörenden anwesend gedacht; bei der Invokation soll es vom Körper des Beschwörenden Besitz ergreifen. Ist diese Besessenheit unerwünscht, wird ein Exorzismus nötig.

• Körper und Bewusstsein: Tanz, Handauflegung, Trance, Meditation, Visionen und Sexualität können Bestandteile magischer Rituale sein. In der Sexualmagie gilt Sexualität entweder selbst als magisch oder als Energiequelle für einen magischen Zweck. Drogen wie Fliegenpilz, Peyote, Zauberpilze, Ayahuasca und LSD sind in religiös-magischen Zusammenhängen belegt; historische Belege für einen ausdrücklich magischen Drogengebrauch gelten jedoch als dünn oder zweifelhaft.

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