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Transsubstantiation
Die Transsubstantiationslehre beschreibt die dauerhafte Wandlung von Brot und Wein in der priesterlichen Vergegenwärtigung des einen Opfers Christi während der …
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Grundverständnis und Bedeutung
Transsubstantiation bezeichnet in der römisch-katholischen Theologie die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi während der heiligen Messe. Sie geschieht bei der Konsekration, also innerhalb des Hochgebets und während der Wandlungsworte. Gemeint ist eine dauerhafte Wandlung des Wesens von Brot und Wein, durch die das eine Opfer Christi sakramental vergegenwärtigt wird.
Die Lehre gehört zum Glaubensgut der römisch-katholischen Kirche, der mit Rom unierten Ostkirchen und der Christengemeinschaft. Nach katholischem Verständnis handelt der Priester bei der eucharistischen Wandlung in persona Christi, also in der Person Christi, und die Wandlung erfolgt durch göttliche Gnade.
Substanz und Akzidens
Die Lehre verwendet den aristotelischen Begriff der Substanz. Substanz bedeutet hier das nicht sinnlich wahrnehmbare Wesen eines Dinges an sich. Dieser Begriff ist nicht mit dem heutigen naturwissenschaftlichen Verständnis von Substanz, etwa einem chemischen Stoff, gleichzusetzen. Die Wandlung soll das Wesen von Brot und Wein betreffen, nicht aber ihre sinnlich wahrnehmbaren Eigenschaften, die als Akzidens bezeichnet werden.
Nach der Wandlung sehen, schmecken und fühlen sich die eucharistischen Gestalten weiterhin wie Brot und Wein an. Der Leib Christi ist dabei nach Thomas von Aquin nicht räumlich im Brot gegenwärtig. Die katholische Lehre unterscheidet somit zwischen der veränderten Substanz und den fortbestehenden äußeren Gestalten. Aus aristotelischer Sicht entsteht dabei jedoch ein Erklärungsproblem, weil Akzidentien normalerweise von der Substanz abhängen.
Mit der Lehre von der Konkomitanz wird erklärt, weshalb die Eucharistie gültig auch nur unter einer Gestalt gespendet werden kann: Brot wird zwar in den Leib und Wein in das Blut Christi verwandelt, doch ist jeweils das andere aufgrund der inneren Verbindung von Leib und Blut stets mitgesetzt und mitvergegenwärtigt.
Entwicklung zur katholischen Dogmenlehre
Die begriffliche Entwicklung stand im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen über das Eucharistieverständnis, besonders mit Berengar von Tours. Seine Gegner deuteten die Wandlung teilweise als stoffliche Veränderung und formulierten Vorstellungen, die Berengar als absurden, kruden Realismus zurückwies. Er betonte demgegenüber den Zeichencharakter der Eucharistie und den verklärt auferstandenen Leib Christi.
Lanfrank von Bec und Guitmund von Aversa sprachen von einer Substanzverwandlung. Die römische Synode von 1079 verwendete die Formulierung „substantialiter converti“ (DH 700). Der Ausdruck Transsubstantiation ist erstmals für 1155/56 bei Rolandus Bandinelli belegt; möglicherweise hatte Robertus Pullus ihn bereits um 1140 verwendet. Das Vierte Laterankonzil von 1215 schrieb diese Redeweise als orthodox fest, ohne sie bereits als Dogma zu definieren.
Martin Luther hielt an der Realpräsenz Christi fest, lehnte die Transsubstantiationslehre jedoch als nicht schrift- und vernunftgemäße „sophistische Subtilität“ ab. Er schrieb sie Thomas von Aquin zu und billigte ihr nur den Rang einer „Lehrmeinung“ (opinio) zu. Auch Jean Calvin kritisierte sie mit einer ähnlichen Begründung.
Das Konzil von Trient bekräftigte 1551 die Lehre des Vierten Laterankonzils und der hochscholastischen Theologie und erhob sie zum Dogma. Danach geschieht „durch die Konsekration des Brotes und Weines“ eine Verwandlung „der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi“ und „der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes“, während nur die Gestalten von Brot und Wein bleiben. Die katholische Kirche nennt diese Wandlung „im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung (Transsubstantiation)“.
Orthodoxe und lutherische Auffassungen
Die orthodoxen Kirchen bekennen ebenfalls eine wesenhafte Verwandlung, die als Enhypostasierung oder metabolē bezeichnet wird. Brot und Wein werden beim Kommunionempfang „kostbarer Leib und kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus“ genannt. Die orthodoxen Kirchen lehnen jedoch die Definition als Transsubstantiation ab und bezweifeln, dass die Wandlung allein durch die vom Priester gesprochenen Einsetzungsworte geschieht. In ihrer Lehre werden Brot und Wein in den himmlischen Leib und das himmlische Blut Christi hineinverwandelt und haben dadurch Anteil (methexis) an ihnen. Im Hintergrund steht eher ein platonisches als das in der Westkirche vorherrschende aristotelische System.
Die Evangelisch-lutherische Kirche bekennt in der Augsburger Konfession von 1530, dass der „wahre Leib und Blut Christi wahrhaftiglich unter der Gestalt des Brots und Weins“ im Abendmahl gegenwärtig sei und ausgeteilt und genommen werde. Die Verteidigung der Konfession von 1531 spricht lateinisch von einer wahren und wesenhaften Gegenwart („vere et substantialiter“). Der Begriff Transsubstantiation wird dabei nicht verwendet.
Luther lehrte in den Schmalkaldischen Artikeln, dass Gläubige Leib und Blut Christi „in, mit und unter“ Brot und Wein empfangen. Diese Realpräsenz wird häufig, aber ungenau als Konsubstantiation bezeichnet; Luther selbst benutzte diesen Begriff nie. Viele Lutheraner lehnen ihn ab, weil er entweder eine neue gemeinsame Substanz oder eine körperliche Anwesenheit Christi neben der natürlichen Anwesenheit von Brot und Wein nahelegen könnte. Nach lutherischem Verständnis bleiben Brot und Wein natürlich gegenwärtig, während Leib und Blut Christi auf übernatürliche, himmlische, aber nicht fleischliche Weise gegenwärtig sind. Diese Gegenwart entsteht nicht erst durch den Glauben, sondern durch die sakramentale Vereinigung und wird mit der Allgegenwart beziehungsweise Ubiquität Christi begründet.
Reformierte, täuferische und altkatholische Positionen
In den reformierten Kirchen gibt es unterschiedliche Auffassungen von der geistigen Gegenwart Christi. Johannes Calvin lehrte eine Vereinigung der Seele der Gläubigen mit Christi Leib im Himmel. Bei Huldrych Zwingli steht die Vergegenwärtigung im gläubigen Gedenken an die Passion Christi im Vordergrund. Die reformierte Kritik an der Transsubstantiationslehre richtet sich unter anderem auf die Einsetzungsworte „hoc est corpus meum“. Im Zusammenhang mit Brot und Wein wird eher die Bedeutung „dies symbolisiert meinen Leib“ als „dies ist mein Leib“ angenommen.
Die Täufer lehnen eine Verwandlung der Abendmahlselemente vollständig ab. Brot und Wein behalten für sie ihren Nahrungscharakter und stehen nur symbolhaft für Leib und Blut Christi.
Die altkatholische Theologie lehnt sowohl die römisch-katholische Transsubstantiationslehre als auch die evangelische Konsubstantiationslehre ab. Die Wandlung der eucharistischen Gaben gilt als Mysterium, das menschliche Kategorien wie „Substanz“ übersteigt und deshalb nicht ausreichend mit diesem Begriff erklärt werden kann. Zugleich bekennt die altkatholische Kirche die bleibende Gegenwart Christi in den eucharistischen Gaben auch nach dem Ende der Messfeier und steht damit dem orthodoxen Verständnis nahe.
Im ökumenischen Gespräch wird geprüft, ob unterschiedliche Begriffe dennoch sachlich übereinstimmende Glaubensinhalte ausdrücken. Für das orthodoxe und das römisch-katholische Eucharistieverständnis gilt ein Konsens in der Sache bereits als erreicht. Zwischen der katholischen Kirche und den aus der Reformation hervorgegangenen getrennten Gemeinschaften bleibt nach dem Katechismus der Katholischen Kirche von 1993 beziehungsweise der authentischen lateinischen Fassung von 1997 eine Grunddifferenz bestehen: Wegen des Fehlens des Weihesakraments sei die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt. Deshalb ist für die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nach Nr. 1400 nicht möglich.