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Macht
Weil Menschen Wünsche, Bedürfnisse, Probleme, Engpässe und Sehnsüchte haben, besitze derjenige potentiell Macht, der sie befriedigen kann. Macht werde …
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Grundbegriff und Bedeutung
Macht bezeichnet die Fähigkeit einer Institution, Person oder Gruppe, auf das Denken und Verhalten einzelner Personen, sozialer Gruppen oder Bevölkerungsteile so einzuwirken, dass diese sich ihren Ansichten oder Wünschen unterordnen und entsprechend verhalten. Sie ist an fast allen Formen menschlichen Zusammenlebens beteiligt und beeinflusst, wie soziale Strukturen, Rollen, Positionen und Handlungsmöglichkeiten entstehen.
Macht ist kein sichtbarer Gegenstand, sondern eine Eigenschaft sozialer Beziehungen. Sie beschreibt den Umfang physischer und psychischer Handlungsmöglichkeiten einer Person oder Gruppe. Diese Handlungsmacht kann positiv oder negativ eingesetzt werden. Im Alltag ist der Begriff oft negativ besetzt, etwa in Wörtern wie Machtmensch, Machtbesessenheit, Machthunger oder Machtergreifung. Der Artikel betont aber, dass Macht differenziert betrachtet werden muss: Auch die staatlich geregelte Anwendung physischer Gewalt, etwa durch die Polizei, kann in einer demokratischen Gesellschaft als notwendig gelten. In demokratischen Systemen wird Macht durch Verfassung und Gesetz eingeschränkt.
Macht kann in extremer Form bedeuten, dass ein Mächtiger einseitig definierte Ziele durchsetzt, ohne auf die Ansprüche anderer Rücksicht zu nehmen. Dies geschieht etwa durch mögliche Strafandrohung und Zwang. In gemäßigten alltäglichen Machtverhältnissen handelt es sich eher um Austauschverhältnisse: Eine Seite hat eine stärkere Ausgangs- oder Verhandlungsposition, zum Beispiel durch Belohnungen, Bevorzugung oder überlegenes Wissen, und die andere Seite duldet, befolgt oder passt sich an. Macht ist eng mit Einfluss verwandt, aber nicht immer identisch: Einfluss, etwa durch Experten, zielt besonders auf die Veränderung von Einstellungen.
Grundlagen, Träger und Formen
Als Träger von Macht kommen einzelne Personen, Gruppen und Institutionen infrage. Staatliche Institutionen wie Regierung oder Militär können als Ordnungs- oder Schutzmacht auftreten. Auch privatrechtliche Institutionen wie Unternehmen besitzen Macht, etwa in Anbieter-Kunden-Beziehungen. Großunternehmen können erhebliche Wirtschaftsmacht ausüben, Medienkonzerne können durch Reichweite, Reputation und Glaubwürdigkeit gesellschaftliche Ereignisse deuten oder beeinflussen. Innerhalb von Unternehmen ist die Macht einzelner Abteilungen ebenfalls wichtig für gemeinsame Ergebnisse.
Die Sozialpsychologen French und Raven unterschieden 1959 fünf klassische Machtbasen: legitime Macht, Macht durch Belohnung, Macht durch Zwang, Macht durch Identifikation und Macht durch Wissen. Macht kann also aus anerkannten Positionen, aus Vorteilen, aus Strafmöglichkeiten, aus Vorbildern oder aus besonderer Sachkenntnis entstehen.
Macht erscheint in verschiedenen Formen, zum Beispiel als Definitionsmacht oder Benennungsmacht, Deutungshoheit, Entscheidungsmacht und Verfügungsmacht. Diese Formen beschreiben jeweils besondere Arten von Handlungsmacht: Wer Begriffe festlegt, Bedeutungen bestimmt, Entscheidungen trifft oder über Mittel verfügt, kann das Verhalten anderer beeinflussen.
Machtsensibilität und Tabu
Machtsensibilität bedeutet eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Anwendung von Macht. Dazu gehört Wissen über den eigenen Status, mögliche Korrumpierungsmechanismen, das Eigenwirkpotenzial von Macht, unterschiedliche Wahrnehmungen von Machtanwendung je nach Standpunkt und sozialpsychologische Fallstricke der eigenen Wahrnehmung. Der Begriff macht deutlich, dass Macht nicht nur vorhanden ist, sondern reflektiert werden sollte, weil sie je nach Einsatz konstruktive oder destruktive Folgen haben kann.
Ein zentrales Merkmal von Macht ist laut Artikel ihre Tabuisierung. Macht wird häufig verschleiert, verleugnet, naturalisiert, charismatisiert oder mythologisiert. Menschen vermeiden es oft, Machtaspekte einer Beziehung offen zu benennen, weil dadurch Abhängigkeiten sichtbar werden, Legitimationsdruck entsteht oder Kränkungen drohen. Das betrifft sowohl mächtige Akteure als auch Menschen oder Gruppen, die sich freiwillig oder unfreiwillig unterordnen.
Wer Machtstrukturen offenlegt, wird nach dem Artikel häufig diffamiert. Ihm wird dann etwa unterstellt, das friedliche Einvernehmen einer Gruppe stören zu wollen oder aus Machthunger beziehungsweise paranoiden Motiven zu handeln. Die Tabuisierung von Machtverhältnissen gilt zugleich als Zeichen ihrer Stabilität: Wenn Machtverhältnisse instabil werden, nimmt auch die Fähigkeit ab, ihre Machtaspekte zu verbergen.
Wichtige Machttheorien
Max Weber definiert Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“ Diese Definition ist besonders einflussreich, weil sie Macht allgemein als Möglichkeit der Willensdurchsetzung beschreibt, ohne die Quelle dieser Macht festzulegen.
Hannah Arendt versteht Macht anders: Sie entspricht „der menschlichen Fähigkeit, nicht nur zu handeln oder etwas zu tun, sondern sich mit anderen zusammenzuschließen und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln“. Macht entsteht für sie, wann immer Menschen gemeinsam handeln. Sie unterscheidet Macht klar von Kontrolle, Dominanz und Gewalt. Macht kann nach Arendt nicht gespeichert werden und zeigt sich zum Beispiel in politischen Zusammenschlüssen freier Menschen.
Michel Foucault kritisiert traditionelle Vorstellungen, nach denen Macht vor allem von oben ausgeübt wird, etwa durch Herrscher, Gesetz oder Staat. Für ihn durchzieht Macht den gesamten Gesellschaftskörper. Sie wirkt nicht nur unterdrückend, sondern auch produktiv, weil sie Diskurse, Subjekte, Denkweisen und Selbstregierung hervorbringt. Deshalb solle man Macht „ohne den König“ denken.
Norbert Elias beschreibt Macht als Aspekt jeder menschlichen Beziehung. Er spricht lieber von Machtbalance, um zu zeigen, dass Machtverhältnisse veränderlich sind und nicht einfach als Besitz einer Person verstanden werden sollten. Björn Kraus unterscheidet „instruktive Macht“, also die Chance, Verhalten oder Denken eines anderen zu bestimmen, und „destruktive Macht“, also die Chance, Möglichkeiten eines anderen zu reduzieren. Gegen instruktive Macht sei Verweigerung möglich, gegen destruktive Macht nicht.
Weitere Ansätze betonen unterschiedliche Seiten von Macht: Joseph Nye prägte das Modell der „weichen Macht“ (soft power), bei der ein Akteur andere dazu bringt, ähnliche Ziele zu entwickeln. Susan Strange spricht von struktureller Macht, also Macht über Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und Produktion. Michael Mann unterscheidet im IEMP-Modell vier Machtquellen: ideological, economic, military, political. Heinrich Popitz definiert Macht als Vermögen, sich gegen andere Kräfte durchzusetzen, kurz: Macht ist Verändernkönnen.
Macht in Wissenschaft und Organisationen
Verschiedene Wissenschaften untersuchen Macht aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Psychologie betrachtet das Verhalten von Menschen, die Macht ausüben oder von Macht betroffen sind, auch in kleinen Gruppen. Soziologie und Politologie untersuchen Machtverteilung, Ursachen und Auswirkungen in Gesellschaften oder Machteliten. Kriminologie analysiert unter anderem die Definitionsmacht von Polizei und anderen Instanzen sozialer Kontrolle im Prozess der Kriminalisierung. Ethnologen unterscheiden nach dem Grad der Differenzierung der Machtverhältnisse gesellschaftliche Organisationsformen wie Familienverband, Stamm, Häuptlingsherrschaft und Staat.
Pädagogik fragt nach gesellschaftlichen Machteinflüssen auf Erziehung und Unterricht, etwa durch politische, religiöse oder wirtschaftliche Interessen. Dabei spielt das Bildungsziel der Emanzipation eine zentrale Rolle. Aus ethischer Sicht ist Macht ambivalent: Sie kann konstruktiv oder destruktiv wirken. Positiv bewertet werden Fähigkeiten, die dem Leben dienen; negativ bewertet werden Programme und Handlungen, die vor allem auf Profit und Macht zielen. Die starke Ambivalenz von Macht zeigt sich laut Artikel beispielhaft bei der Triage.
In der Organisationstheorie definiert Henry Mintzberg Macht als „die Fähigkeit, organisatorische Ergebnisse zu bewirken oder zu beeinflussen“ („Power is the capacity to effect (or affect) organisational outcomes.“). Mallory, Segal-Horn und Lovitt formulieren allgemeiner: Macht sei „die Fähigkeit von A, B dazu zu bringen etwas zu tun, was er ansonsten nicht getan hätte“. Gareth Morgan nennt verschiedene Machtquellen in Organisationen: formale Autorität, Verfügung über knappe Ressourcen, Organisationsstrukturen und Prozeduren, Kontrolle über Entscheidungsprozesse, Wissen und Information, Boundary Management, Fähigkeit zur Verarbeitung von Unsicherheit, Kontrolle über Technologie, Allianzen und informelle Netzwerke, ausgleichende Macht, Kontrolle über Symbole und Bedeutungen sowie Geschlechtermacht.
Für Organisationen ist außerdem wichtig, zwischen Regelmacht und operativer Macht zu unterscheiden. Regelmacht betrifft die Entscheidung darüber, nach welchen Spielregeln eine Organisation handelt; operative Macht betrifft Entscheidungen innerhalb der Organisation. Das Modell von Winstanley et al. unterscheidet Stakeholder mit Arm’s-length power, Comprehensive Power, operativer Macht oder Entmachtung. Solche Modelle helfen, Machtverhältnisse besonders bei Veränderungsprozessen in Organisationen zu analysieren.
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