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Blut und Macht im antiken Griechenland: Die dunkle Vergangenheit Europas | ZDFinfo Doku

ZDFinfo Dokus & Reportagen44:49 282.036 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

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  1. Kreta vor rund 3700 Jahren. Erdbeben suchen die Inselheim. Ein Menschenopfer soll die Götter besänftigen.
  2. Doch es ist zu spät. Für moderne Archäologen wird es ein Fund sein, der sie erschaudern lässt.
  3. Das antike Griechenland. Es gilt als Wiege des Abendlands. Vor mehr als 2000 Jahren setzen hier Menschen neue Maßstäbe als Wissenschaftler,
  4. Architekten, Erfinder der Demokratie und Philosophen. Doch ist das alte Griechenland wirklich so strahlend, so vorbildlich für die
  5. Welt? Die Forschung enthüllt mehr und mehr dunkle Seiten einer lange verklärten Kultur.
  6. Die Wahrheit über das antike Griechenland. Eine Welt des Lichts.
  7. Kunst, [musik] Wissenschaft und Architektur machen die alten Griechen berühmt. Sie sollen das Fundament unserer
  8. westlichen Zivilisation gelegt haben. Die Geschichten, die das antike Griechenland prägen, sind allerdings
  9. alles andere als hell und funkelnd. Sagen und Legenden aus einer dunklen, lange zurückliegenden Zeit.
  10. Geschichten von totbringender Natur, von brutalen Kriegen, von verhängnisvoller Liebe
  11. und menschenfressenden Monstern. Die alten Sagen führen in eine Welt, die wie ein Albtraum wirkt. Ihre Schauplätze
  12. sind das Festland und die Inseln im Mittelmeer, vor allem Kreta. Im 19. Jahrhundert erwacht der Forscherdang, dem mythischen
  13. Griechenland nachzuspüren. Der Brit Arthur Evans hat das Geld und die Leidenschaft, [musik] sich ganz der Suche nach dem sagen
  14. umwobenen Minotaurus zu widmen. Eine Bestie, halb Mensch, halb Stier. Zunächst verwehren lokale Behörden die Lizenz zum Graben. Evans nutzt die Zeit
  15. Kreter zu erforschen. Unter jedem Olivenhein könnten wertvolle Fundstücke verborgen sein. Tiefe Höhlen durchziehen die Berge
  16. Gelandschaft. Geheimnisvolle Orte, an denen seit jeher die Götter ihre Spielchen treiben sollen.
  17. In eine dieser Höhlen auf Kreta, so glaubten die Menschen der Antike, bringt Zeus, getarnt als Stier, die phyzische Prinzessin Europa und verführt sie.
  18. Der gemeinsame Sohn wird später Minus, Herr des Minotaurus. Evans hört von einem Bauern, der in einer Höhle im Osten Kretas kleine
  19. uralte Stierfiguren gefunden hat. Stiere gelten als Sinnbilder von Göttervater Zeus.
  20. Die Höhle muss ein heiliger Ort sein, den Menschen vermutlich schon seit mehr als zwei Jahrtausenden verehren.
  21. Als nächstes will Evans die Residenz des mythischen Königs Minos aufspüren und damit den Eingang zum Reich des Minotaurus.
  22. Der Sage nach bittet Minos den Meeresgott Poseidon um ein Wunder. Es soll seinen Anspruch auf den Thron von Kreta untermauern.
  23. Poseidon schenkt ihm einen Stier. Statt das prächtige Tier den Göttern zu opfern, wie er es versprochen hat, tauscht Minos ihn gegen ein altes Tier
  24. aus seiner Herde. Die Götter bemerken den Betrug und zwingen Minus Frau Pasiifae sich mit dem Stier zu paaren. Ihr Kind ist der
  25. Minotaurus. Nach der Geburt sperrt Minus ihn in ein Labyrinth unter seinem Palast.
  26. Der Minotaurus ernährt sich von Menschenfleisch. Alle 9 Jahre werden ihm 14 Jungen und Mädchen in seinem Labyrinth geopfert.
  27. Wenn an der Geschichte etwas dran ist, da ist sich Evans sicher, wird er den Palast von König Minos finden.
  28. Er kann den Beginn der Grabung kaum erwarten. Im Sommer des Jahres 1900 ist es endlich soweit.
  29. Schon bald stößt sein Team auf erste Fundstücke. Sie stammen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus, älter als das antike
  30. Griechenland. Evans war natürlich vertraut mit den Geschichten, die über König Minos und
  31. Kreta erzählt wurden. Und so entschied er sich, die Städte als Palast des Minos zu bezeichnen.
  32. Einen realen König Minos hat es vermutlich nie gegeben. Trotzdem [musik] setzt sich der Name minuische Kultur durch.
  33. Evans legt einen großen Palast frei. Knossos. Das Labyrinth aus der Sage wird nicht gefunden.
  34. Evans lässt Teile des Palastes nach eigener Fantasie wieder aufbauen. Die Räume nennt er Thronsaal, Karavanserei, Badezimmer der Königin.
  35. Auch das heute beliebteste Fotomotiv von Knossus entspringt der Fantasie von Evans. Ein gefundenes Stierfresco platziert er in einen Säulengang, den es
  36. so nie gegeben hat. Er konstruierte tatsächlich in vielerlei Hinsicht die minoische Zivilisation,
  37. basierend auf seinen Kenntnissen der Frühgeschichte und der griechischen Mythologie. [musik]
  38. Seit den Zeiten von Evans stellen sich Archäologen die Frage, was ist die wahre Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben? [musik]
  39. Erste Antworten finden sich 110 km nördlich von Kreta, auf der Kükladeninsel Santurin.
  40. In den 1960er Jahren wird hier nahe des Dorfes Akutri eine Siedlung aus der Bronzezeit ausgegraben.
  41. Voller Werkzeuge, Vasen und Malereien, die Evans Funden auf Kreta verblüffend ähneln.
  42. Prunkstück ist ein fast 4 m langes Wandgemäde. Festlich geschmückte Schiffe, die auf ihrer Fahrt von Delfinen begleitet
  43. werden. Die Schiffe sind offenbar in der Lage, weite Strecken übers Meer zu fahren.
  44. Über das Meer erschließen sich Kontakte zu den Nachbarn und zu weiter entfernten Teilen der Welt. Und wer Kontakte hat, der hat Möglichkeiten sich zu
  45. entwickeln. Insofern war das Meer für die Minoa das Element, dass die Zukunft versprach. Wenn man sagen kann, irgendjemand beherrschte das mehr, dann
  46. waren es die Menschen aus dem antiken Kreta. Kretische Händler reisen bis nach Ägypten.
  47. Das Grab eines ägyptischen Visier aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Die reich verzierten Wände zeigen Abgesandte, die dem Pharao Geschenke
  48. bringen. Unter ihnen eine Gruppe mit Frisuren, die typisch für Kreta sind. Archäologische Funde belegen ein dichtes minuisches Handelsnetz im gesamten
  49. östlichen Mittelmeerraum. Schiffe aus Kreta, transportierten Heilkräuter, Wein und Öl, Keramik, Kosmetik, Textilien, Schmuck und Waffen.
  50. Woher die Bewohner Kretas ursprünglich stammen, ist lange ein Rätsel. Kommen Sie aus Asien, aus Afrika oder sind Sie gar so die gewagteste These, in Wahrheit
  51. Flüchtlinge aus Atlantis? [musik] Experten des Max Plank Instituts für evolutionäre Anthropologie können das
  52. Rätsel schließlich lösen. Sie extrahieren die DNA [musik] der ersten Kreta aus Knochenfunden.
  53. Hinweise auf Atlantis finden Sie nicht. Wir haben dann nach der Analyse von vielen [musik] Proben aus Kreta
  54. herausgefunden, dass die Ursprünge dieser Ackerbauen und Vielzüchter auf Kreta letztlich in Westanatolien der heutigen Westtürkei liegen.
  55. Der Westen der heutigen Türkei und die EGS sind damals ein Kulturraum. Verbunden durch Handel und gemeinsame Geschichten von Helden und Monstern wie
  56. dem Minotaurus. Woher die Sprache kommt, in der sich die Menschen damals verständigten, auch das können die Forscher vom Max Plan
  57. Institut entschlüsseln. Wir konnten feststellen, dass alle Europäer auch eine dritte genetische
  58. Komponente haben und diese kam mit Einwanderern aus den osteuropäischen Steppen im dritten Jahrtausend quer durch Europa. Mit diesen Einwanderern
  59. aus der Steppe wurden eben auch die indoeuropäischen Sprachen quer durch Europa ausgebreitet. Und so kam dann vermutlich im dritten Jahrtausend eben
  60. auch eine Frühform des Griechischen aufs griechische Festland. Mit der Sprache kommen auch die Mythen und die gemeinsame Vorstellung einer
  61. Götterwelt. Auf Kreta entsteht in der Bronzezeit die älteste griechische Kultur.
  62. Die Minoa hinterlassen Paläste und Spuren eines Handelsnetzes. Doch über ihre Gottheiten ist nur wenig bekannt.
  63. Sicher ist nur, dass der Stier eine zentrale Rolle spielt und das nicht nur als Opfertier. Viele Forscher glauben, die Minoa
  64. verehren den Stier als heiliges Wesen. Minoische Fresken zeigen ein rätselhaftes Ritual. Junge Männer und
  65. wohl auch Frauen scheinen todesmutig über einen wilden Stier zu springen. Eine lebensgefährliche Aktion,
  66. die offenbar ihre Opfer fordert. Ein Fresco zeigt einen Springer am Boden unter den Hufen des Stiers.
  67. Auf der ganzen Welt entwickeln frühe Zivilisationen Rituale, bei denen Menschen ihr Leben verlieren.
  68. Die Motive dafür sind von Region zu Region verschieben. In der Frühzeit des ägyptischen Reiches nimmt König Hoa seinen gesamten Haushalt
  69. mit in den Tod. Archäologen finden in seinem Grab Frauen, Diener und Tiere, die offenbar getötet wurden, um ihrem Herrn im Jenseits zu dienen.
  70. In Japan [musik] werden Menschen noch vor 400 Jahren bei lebendigem Leib in Brücken und Bogen eingemauert.
  71. Als Hit Basihira sind ihre Geister auf ewig zum Schutz des Bauberks verdammt. Bei den Maja in Mittelamerika opfern Herrscher Kriegsgefangene. Damit sollen
  72. Naturgewalten und göttlicher Zorn abgewendet werden. Für die Menschen der Antike war das Verhältnis zu den Göttern ganz elementar
  73. wichtig. Und um die Götter gnädig zu stimmen, musste man ihnen Opfer darbringen. Zu Menschenopfern griff man in extrem Situationen. Dann opferte man
  74. den Göttern unter Umständen seine eigenen Verwandten, vielleicht sogar seine eigenen Kinder. [musik]
  75. Werden auch beim Stiersprung der Minoa Menschen geopfert? Viel wurde diskutiert, ob der Stiersprung wirklich vollzogen wurde.
  76. Ich denke, die Mehrheit glaubt heute, dass er wirklich praktiziert wurde, aber eher als Übergangsritual zum Erwachsen werden. Auf jeden Fall war es ein sehr
  77. wichtiges Symbol. Der Stiersprung auf Kreta ist wohl kein Opferritual.
  78. Dennoch töten auch die Minoa für ihre Götter. 1979 entdecken Archäologen in Animus Pilia, südlich von Knossos, einen Tempel mit einem dunklen Geheimnis.
  79. Sie legen einen Tatort frei. Insgesamt vier Leichen werden gefunden. Schnell wird klar, drei der Männer werden von einem Erdbeben überrascht und
  80. von herabstürzenden Gebäudeteilen erschlagen. Die Fundsituation erzählt ihre hektischen letzten Sekunden.
  81. Während zwei Männer im Tempel noch versuchen, Kultgegenstände zu retten, [musik]
  82. wird ein Dritter kurz vor dem rettenden Ausgang verschüttet. In der Nähe des dritten Opfers finden die Forscher einen Krug, verziert mit
  83. dem Bild eines Stieres. In solchen Gefäßen fangen die Mino das Blut von Opfertieren auf. Die vierte Leiche ist kein Opfer des
  84. Erdbebens. Sie liegt im südwestlichen Teil des Gebäudes, gefesselt auf einem Tisch, bedeckt mit einem Dolch.
  85. Der Stier wurde oft als Opfertier genutzt, denn er war wie auch beim Stiersprung ein mächtiges Symbol. Die Verzierungen auf einem Gefäß aus Anemos
  86. Pilia weisen darauf hin, dass in ihm eigentlich Stierblut aufgefangen wurde, nur dass es in diesem Fall wohl Menschenblut war.
  87. Der Tatort in Anemosuspilia ist ein klarer Beweis. Auch die Minoa opfern Menschen in der Hoffnung auf göttlichen Schutz vor Naturgewalten.
  88. Doch in diesem Fall bebt ausgerechnet während der Opferzeremonie die Erde. So finden vier Menschen an diesem Tag den Tod in Anemospilia.
  89. Menschenopfer und Naturgewalten. Bei vielen frühen Kulturen hängt das zusammen. Ist Naturgewalt auch der Grund für das
  90. Ende der Minor? So wie es die Legende von Atlantis erzählt, die heute fester Bestandteil
  91. der Popkultur ist. Viele Forscher haben versucht, den Mythos von Atlantis mit dem Untergang der Minoa in Verbindung zu bringen.
  92. Im vierten Jahrhundert vor Christus setzt der Athener Gelehrte Platon die Geschichte von Atlantis in die Welt. Inmitten des Meeres gelegen sei die
  93. mächtige Stadt ringförmig angelegt gewesen. Ein großer Handelshafen, breite Kanäle und schimmerndes Metall sollen den Ort geprägt haben. Orehalkos, das
  94. griechische Wort für Messing [musik] oder Bronze, sei so Platon die Quelle von Macht und Reichtum der Atlanta.
  95. Die Mythos nach stammen die Bewohner von Atlantis vom Meeresgott Poseidon ab. Dank ihres göttlichen Wesens sollen sie fortschrittlich und wissbegierig sein.
  96. Doch als sie sich mit den Menschen mischen, werden sie arrogant, selbstherrlich und kriegerisch. Sie fallen bei Zeus in Ungnade,
  97. der sie bestrafen will. Über Atlantis bricht eine Naturkatastrophe herein, wie Platon
  98. berichtet, innerhalb eines Tages und einer Nacht werden Stadt und Menschen vom Meer verschlungen.
  99. Seitdem Platon Atlantis erstmals erwähnte, hat die Vorstellung einer versunkenen Zivilisation die Fantasie vieler Menschen beflügelt und sie ist
  100. seitdem in allen Formen der Kunst und Literatur aufgetaucht. Es gibt eine anhaltende Faszination für dieses Konzept, weshalb wir heute noch nach
  101. Atlantis suchen. Forscher und Hobbyforscher haben Atlantis im Mittelmeer, im Atlantik und
  102. in der Nordsee gesucht. Vergeblich. Doch es gibt verblüffende Parallelen von Platons Geschichte zu einer realen Katastrophe, die sich
  103. nördlich von Kreta in der Bronzezeit ereignet, auf der Vulkaninsel Santurin. Das Fresco der untergegangenen Siedlung Akrutiri zeigt, wie Santurin zurzeit der
  104. Minoa ausgesehen hat. Im Zentrum des Archipels liegt damals eine dicht besiedelte Insel.
  105. Durch Handel zwischen Kreta und dem griechischen Festland werden die Bewohner von Akrotier reich. Doch mit einem Schlag endet ihre Geschichte und
  106. die Insel Santurin erhält eine völlig neue Gestalt. In den 1960er Jahren entdecken Archäologen die Überreste von Akrutiri
  107. unter einer metadicken Schicht aus Bimsstein. Für die Menschen der Bronzezeit ist der Untergang eine Tragödie. Für die
  108. Forschung heute ein Glücksfall. Bimstein kennen wir aus Pompei vom Wesf. ist das Produkt von Vulkanausbrüchen.
  109. Wir können sicher sein, dass an dem Ort von Akroti in der Antike ein großer Vulkanausbruch stattfand und dass die antike Siedlung dem zum Opfer gefallen
  110. ist. Die Insel Santurin ist ein aktiver Vulkan. Die Menschen der Antike nennen ihn Thera, die Wilde.
  111. Ein erdgeschichtliches Pulverfass, das im 16. Jahrhundert vor Christus explodiert. [musik] In Akroti finden sich keine
  112. menschlichen Überreste. Vermutlich kann ein Teil der Bevölkerung noch übers Meer fliehen, weil sich der Mega Ausbruch vorher durch Erdbeben ankündigt.
  113. Es war ein Ausbruch, wie es ihn nie zuvor gegeben hat. Es war einer der größten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte.
  114. Das ausgeworfene Material legte sich in einer 60 m dicken Schicht über [musik] die Insel. Für die Bewohner der Insel war es das Ende von allem.
  115. Eine Katastrophe, die das gesamte östliche Mittelmeer erfasst. Löscht sie auch die Kultur der Minoa auf Kreta aus.
  116. 2017 untersuchen Wissenschaftlerinnen und Forscher des Helmholzzentrums für Ozeanforschung den Boden des Mittelmeers. Ihr Ziel, die Intensität
  117. der Eruption von Santorin genauer zu bestimmen. Mit Tauchrobotern werden neue Daten gewonnen. Schallwellen sollen helfen,
  118. die Menge des Magmas zu ermitteln, die der Vulkan vor über 3600 Jahren ausgestoßen hat. Bisher ging die Forschung von einem
  119. Gesamtvolumen von 86 Kubikom Magma aus. Das Ergebnis der Untersuchung, die tatsächliche Menge liegt vermutlich
  120. bei knapp der Hälfte. Damit gehört der Ausbruch von Santurin immer noch zu den zehn verheerendsten in der Geschichte der Menschheit.
  121. Die Katastrophe hat nicht nur tödliche Auswirkungen auf Santurin selbst. Der Himmel über dem Mittelmeer verdunkelt sich.
  122. Verheerende Tsunami zerstören die Küstenregionen noch in hunderten Kilometern entfernt.
  123. Wir wissen, dass die Auswirkungen auf Kreta zu spüren waren, aber auch weiter entfernt, selbst an den Küsten Ägyptens. Wir kennen Inschriften, die besagen,
  124. dass zu dieser Zeit ein großer Sturm Ägypten traf. Im ägyptischen Tempel von Karnak berichtet eine Stele des Pharaos amen
  125. Hoteps desen. Da ließen die Götter am Himmel einen Regensturm aufziehen. Finsternis in der westlichen Gegend. Der Himmel bewölkt
  126. ohne ein Wolkenloch. Das Unwetter tobte über der Wüste. Jedes Haus und jedes Lager war eingestürzt. Die wichtigste schriftliche Quelle über
  127. die Eruption auf Santurin. Die Folgen für den minischen Kulturraum müssen um ein Vielfaches dramatischer
  128. gewesen sein als in Ägypten. Die meisten Schiffe werden zerstört, die Küstenorte von Tsunamis verwüstet,
  129. aber die Minoa erholen sich wieder. Archäologische Funde zeigen, die Städte auf Greta werden wieder aufgebaut. Der Handel nimmt wieder Fahrt auf.
  130. Und dennoch steht die erste griechische Kultur vor ihrem Untergang. Im 15. Im Jahrhundert vor Christus, mehr als 100 Jahre nach der Eruption von
  131. Zanturin, erhebt sich eine neue Macht in Griechenland, auf dem Festland im Osten der Pelipones.
  132. Im Jahr 1870 untersucht der deutsche Archäologe Heinrich Schlimann hier die Mauern einer stark befestigten Stadt.
  133. Ihr Name [musik] ist Mykene. Im Osten der Stadt kommen prunkvolle Gräber zutage. Die Grabbeigaben zeigen, mächtige und wohlhabende Menschen
  134. sollten hier ihre letzte Ruhe finden. Schlimann findet einen Prunkdolch, verziert mit filigranen Einlegerarbeiten.
  135. Sie zeigen Männer auf der Jagd und im Kampf mit wilden Löwen, ein Meisterwerk bronzezeitlicher Handwerkskunst. Und mehr noch. Die Funde führen auch auf
  136. die Spur des Schicksals der Minoa. Einer relativ kleinen Zahl von Menschen wurde eine sehr bemerkenswerte
  137. Bestattung zugestanden. Sie haben auch die materielle [musik] Kultur von Kreta übernommen und angepasst.
  138. So wurden viele der Siegelsteine, von denen wir annehmen, dass sie auf Kreta hergestellt wurden, mit Mkenern begraben.
  139. Sind die Mächtigen von Mkene womöglich minische Krieger, die sich mit Kunst aus der Heimat haben bestatten lassen? Haben sie das Festland erobert und Kolonien
  140. errichtet? Eine These, [musik] die durch neue DNA Untersuchungen widerlegt wird.
  141. Diese frühe myenische Kunst war unglaublich ähnlich der Minosenkunst. Interessanterweise aus einer genetischen Perspektive [musik] waren die sich zwar
  142. ähnlich, aber doch sehr unterschiedlich. Das heißt, dieser Austausch war weniger ein genetischer Austausch als viel mehr ein kultureller Austausch und diese
  143. frühen mykänischen Zentren müssen einfach Kreta und seine Kunst unglaublich bewundert haben. Anfang des zweiten Jahrtausends vor
  144. Christus entstehen in ganz Griechenland Städte wie Mykene, Tirünns, Pylos, Teben und Athen. Die Bewohner sind von der älteren Kultur der Minua fasziniert.
  145. Doch ihre Gesellschaft entwickelt sich ganz anders als auf Kreta. Auf hohen Hügeln stellt die mykenische Oberschicht ihre Macht weit sichtbar
  146. [musik] zur Schau. Burgähnliche Herrensitze, geschützt von mächtigen Mauern. Das einfache Volk lebt am Fuß der Hügel.
  147. Die mykenische Kultur trennt scharf zwischen Arm und Reich, anders als auf Kreta. Um das Jahr 1450 vor Christus muss es
  148. zum Konflikt zwischen Mkene und den Minoren gekommen sein. Arthur Evans kommt ihm als erster auf die Spur.
  149. Bei seinen Grabungen in Knorsos stößt der Brite [musik] auf Täfelchen mit Schriftzeichen. Er stellt fest, dass es sich um zwei
  150. unterschiedliche Schriften handelt. Der älteren Schrift gibt er den Namen Linea A. Die Jüngere nennt er Linea B. Linea B findet sich oft in mykenischen
  151. Städten und seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch in Knos auf Kreta. [musik]
  152. Evans entdeckt auch Brandschichten aus genau dieser Zeit. Sie und das Auftauchen der Linea Bchrift auf Kreta sind die Spuren des Untergangs der
  153. Minoa. Krieger vom Festland haben Kreta angegriffen und erobert.
  154. Die Linia B Schrifttafeln belegen den Siegeszug der Mykene. Insgesamt 90 Silbenzeichen und 160 Zeichen konnten entschlüsselt werden.
  155. Der Begriff Knossos etwa Warnax als Bezeichnung für mykenische Fürsten.
  156. Ebenso Basileus, was so viel bedeutet wie Herführer und bis in die heutige Zeit der Titel griechischer [musik] Könige ist.
  157. Es sind die ältesten Zeugnisse der griechischen Sprache. Namensregister, Warenein und Ausgänge,
  158. Grundbesitzverzeichnisse, Auflistungen [musik] von Opfergaben. Eigentlich nur einfache Verwaltungstexte.
  159. Doch für Archäologen und Historiker ein wahrer Schatz, denn die Entschlüsselung der Schriftzeichen offenbart auch die Namen
  160. ihrer Götter. Hera und Poseidon können identifiziert werden. Ebenso Ares, Hefistos, Artemis, Apollon, Athena und Hermes und auch Zeus der Göttervater.
  161. Neun der zwölf späteren olympischen Götter werden schon von den Mükenern verehrt. Einzig Hestia, Aphrodite und Demiter fehlen noch.
  162. Einige dieser Gottheiten kommen später auch im griechischen Pantheon vor. Doch es ist schwieriger, die Natur dieser Verehrung zu verstehen.
  163. Durch die Untersuchung von Tierknochen wissen wir jetzt, dass Opferrituale, wie sie in der späteren griechischen Kultur vorkommen, wohl schon in der späten
  164. Bronzezeit verbreitet waren. Nach der Eroberung Kretas wird die mykenische Kultur zur Großmacht im
  165. Mittelmeerraum. Die Paläste in Mkene, Pylos, Tirünns und anderen Orts beherrschen das Wirtschaftsleben und den Fernhandel.
  166. Die Bevölkerung der neuen Machtzentren wächst. Am besten [musik] erforscht ist der Ort Mykene, der von seiner geographischen
  167. Lage profitiert. Die Stadt liegt an einem der Haupthandelswege der Bronzezeit.
  168. Aus Zypern wird Kupfer und aus Südengland Zinn gehandelt. Von den Küsten an Ost und Nordsee [musik] gelangt Bernstein bis nach
  169. Ägypten, das seinerseits Luxusgüter exportiert. Vom Reichtum Mückenes scheint auf den ersten Blick nicht viel übrig, als
  170. Heinrich Schliann die Stadt erforscht. Fast zwei Jahre lässt er graben. Dann gelingt ein sensationeller Fund.
  171. 13 kg Grabbeigaben, Kostbarkeiten aus hauchdünnem Gold von meisterlicher Kunstfertigkeit.
  172. Schliman kann sein Glück kaum fassen, als er in einer der Ruhestädten auch noch Totenmasken entdeckt.
  173. Er glaubt, er blickt geradewegs ins Gesicht von Agamemnon. dem legendären Heerführer der Griechen im trojanischen Krieg.
  174. Die Welt der Mykener ist keine friedliche Welt. Massive Mauern der Machtzentren spiegeln die ständige Gefahr von Angriffen durch Rivalen.
  175. Ausgräber legen das prachtvolle Löwentour von Mkine im 19. Jahrhundert frei und richten es wieder auf.
  176. Von diesem Tor aus umläuft eine mächtige Mauer die gesamte Stadt. Im 14. Jahrhundert vor Christus schützen sich viele griechische Städte auf diese Weise
  177. durch Bollwerke aus riesigen Steinen, meter lang und tonnenschwer. Interessant [musik] an den Mauern von Mkene ist schon die schiere Größe
  178. einiger ihrer Blöcke. Die späteren Griechen glaubten, dass sie nur von den durch die Odyssee berühmt gewordenen Zyklopen bewegt werden konnten. Odyssee.
  179. Der Aufstieg der mykenischen Palastzentren ist eine Zeitenwende für Griechenland. Immer mehr Kriege machen immer festere Mauern notwendig. Blutige
  180. Konflikte, wie sie auch der größte Mythos der griechischen Welt festhält, der trojanische Krieg. Im 8. Jahrhundert vor Christus berichtet
  181. der Dichter Homer in seinen Epen Ilias und Odyssee von diesem Krieg. Der Auslöser, eine Liebesgeschichte.
  182. Prinz Paris von Troja soll die schöne Helena aus Griechenland entführt und in seine Heimatstadt gebracht haben. Aber Helena ist verheiratet mit Menelaus, dem
  183. König von Spartachter. Minelaus bittet seinen Bruder Agamemnon um Hilfe, den mächtigsten König
  184. Griechenlands. Der schmiedet eine Allianz der griechischen Städte.
  185. Mehr als 10 Jahre halten die Mauern Trojas stand, bis der listige Odysseus die Griechen zum Schein abrücken lässt und den Trojanern ein hölzernes Pferd
  186. als Siegestrophäe zurücklässt. Sie bringen es in ihre Stadt und feiern den Sieg. Als die Trojaner schlafen, kommen Griechen aus dem Bauch des
  187. Pferdes, öffnen die Stadtore für das zurückgekehrte Heer und legen Troja in Schutt und Asche.
  188. Lange glaubt die Forschung, der Krieg und Troja selbst seien die reine Erfindung von Homer, bis Heinrich Schlimann 1873 verkündet, er habe Troja
  189. gefunden unter einem Hügel in der Westtürkei. Eine archäologische Sensation. Brandspuren, Pfeilspitzen und Waffen
  190. zeigen, dass diese Stadt auf einen Schlag zerstört wurde, so wie es Homer beschreibt.
  191. Für die tragische Liebesgeschichte von Helena und Paris finden sich keine archäologischen Belege. Doch eine verheerende Schlacht um Troja zur
  192. Glanzzeit der mykenischen Kultur hat es gegeben. Dichtung wird zwar erst Jahrhunderte später geschrieben, aber viele Details
  193. stimmen. Der Dichter beschreibt mykenische Waffen und Rüstungen. Odysseus trägt einen
  194. Kopfschutz, für den die Mkener damals berühmt sind. Einen Helm aus Eberzähnen.
  195. 30 Eber müssen für einen einzigen Helm erlegt werden. Es sind Meisterwerke bronzeitlicher Handwerkskunst,
  196. für die mykenische Kämpfer weit über die Grenzen Griechenlands bekannt sind. In Mittelgypten finden Forscher einen Papyrus aus der Zeit der 18. Dynastie.
  197. Die Fragmente zeigen Söldner aus Mkene mit Eberzahnhelmen im Kampf. Söldner waren in der Antike etwas völlig normales. Es gab sie immer und überall
  198. und die Mikena kamen eher vom Rand äh der des bronzezeitlichen Systems. Äh vermutlich war es deshalb für sie attraktiv, sich äh als Söldner in
  199. reicheren Zivilisationen zu verdienen. Gut zwei Jahrhunderte Blütezeit von Mkene in der griechischen Welt.
  200. Myenische Kaufleute kontrollieren die Transportwege der GS. Sie handeln mit den Supermächten der Bronzezeit, den Hititern und Ägyptern.
  201. Müenische Söldner sind gefragt bei fremden Herrschern. Doch dann ohne Vorwarnung geht diese Welt unter.
  202. In kurzer Zeit werden fast alle mykenischen Paläste zerstört. Die sogenannten dunklen Jahrhunderte brechen an. Keine stolzen Krieger, die
  203. in großen Schlachten kämpfen, kein lukrativer Handel, keine neuen Kunstwerke und auch über Jahrhunderte kaum noch archäologische Funde.
  204. Die große Zivilisation, die große Geschichte Griechenlands war ins wanken geraten. Dafür scheint es eine Reihe von Gründen gegeben zu haben. Vielleicht
  205. haben Naturkatastrophen dazu beigetragen, aber auch interne Streitigkeiten. Und allgemein war es einfach ein wirtschaftlicher Niedergang,
  206. der Griechenland in eine Zeit der Finsternis stürzte. Die wenigen Quellen aus dieser Zeit zeichnen ein apokalyptisches Bild.
  207. Fremde Stämme aus dem Norden seinen plündernd und mordend in die mykenische Welt eingefallen. Ist das die Ursache des Untergangs?
  208. Da gibt's ja dieses große Narrativ, da kommen die bösen dorischen Horden aus dem Norden und zerstören alles. Das sehen wir in der Zwischenzeit weder
  209. archäologisch, aber auch nicht genetisch. Also, wir sehen in der Zwischenzeit und da muss ich sagen, sind wir noch mitten in der Arbeit und mitten
  210. in der Forschung, dass es doch auch genetische Verschiebungen im kleineren Maße gab und die eben in den Norden weißen. Das heißt, es müssen Menschen
  211. aus dem Norden eingewandert sein [musik] nach dem Ende des mykischen Griechenlands, aber es waren keine Horden.
  212. Zuwanderung, ja, aber keine Invasion. Was ist dann der Auslöser? Während Mkäene untergeht, suchen Schiffe mit Plünderern die Küsten des östlichen
  213. Mittelmeersheim. Entlang der Levante zerstören die sogenannten Seevölker ganze Städte. Ebenso wie die mykenische Kultur
  214. zerfällt das Reich der Hita. Die Supermacht Ägypten muss sich auf ihr Kerngebiet längst des Nils zurückziehen.
  215. Diese Angriffe wurden Angriffe der Seevölker genannt. [musik] Dabei scheint es sich um verschiedene Gruppen von Menschen zu handeln, die in dieser
  216. unglaublich schwierigen Zeit bei dem verzweifelten Versuch zu überleben, begannen sich gegenseitig anzugreifen.
  217. In Medinet Habu, dem Totentempel von Ramses, dem Gritten, sind die Kämpfe dokumentiert. Reliefs und Inschriften halten fest, wie
  218. der Pharao Ägypten gegen Völker verteidigt, die von den Inseln in Mitten des Meeres kommen.
  219. Aber können Schiffe mit Plünderern für das Ende einer ganzen Epoche sorgen oder sind sie weniger Ursache als Symptom einer anderen größeren Katastrophe?
  220. Schrifttafeln berichten von einer dramatischen Hungersnot im Reich der Hitaiter und über einen Hilferuf der überraschten.
  221. Der Empfänger ist niemand geringeres als der alte Erzweind der Hetiter. Ägypten.
  222. Get und Ägypter waren lange Zeit erbitterte Rivalen um die Vorherrschaft in Vorderasien. Vermutlich standen beide Mächte schon so stark
  223. unter Druck, dass sie es sich gar nicht mehr leisten konnten, Feinde zu sein. Und vermutlich ist das auch das Motiv für die Ägypter den Hetitan tatsächlich
  224. dann in dieser Notsituation zu Hilfe zu kommen. Burkern Untersuchungen zeigen, die Meerestemperatur sinkt damals um bis zu
  225. 4°. Kälteres Klima bedeutet weniger Regen. Die Folge sind dramatische Dürreperioden.
  226. Vor allem die ländliche Bevölkerung leidet. Eine Gefahr für die Herrschaft der mykenischen Fürsten. Bringen wachsende Spannungen zwischen Arm und
  227. Reich den Untergang ihrer Kultur. ist sehr gut möglich, dass solche krisenhaften Prozesse dann lokal auch zu
  228. Hungersnöten geführt haben und das wiederum bringt Legitimitätsprobleme für die lokalen Eliten. Das kann also sehr gut sein, dass Hungerre
  229. mykenische Welt zu dieser Zeit erschüttert haben. Wenn Hunger die Welt der Mkener erschüttert, dann sind die Seeevölker
  230. Klimaflüchtlinge der Bronzezeit. Funde aus der Levante zeigen, dass auf den Schiffen der Seevölker auch Griechen rudern.
  231. Das Alte Testament berichtet, zur Zeit der Einfälle in Ägypten werde auch das Land der Israeliten von Invasoren heimgesucht.
  232. Die Bibel nennt sie Philister. Ihr berühmtester Kämpfer ist der Hühne Goliat, der vom späteren König David mit der Steinschleuder besiegt wird.
  233. Die zugewanderten Philister gründen Siedlungen in der Levante. Eine davon ist das heutige Aschkelon. Hier finden Archäologen Gräber aus der Zeit der
  234. Seeevölker. Die meisten Skelette stimmen mit dem genetischen Profil der lokalen Bevölkerung überein. Vier Skelette aber sind Fremde, die übers Meer gekommen
  235. sind. Diese Lokalisierung dessen, was wir oft als Seevölker
  236. bezeichnen über genetische Analysen [musik] ist erst uns gelungen vor einigen wenigen Jahren. Es war uns möglich aus Aschkalon aus Gräbern um
  237. 1200. Also genau aus der Zeit, als sie ankamen, hatten wir vier Individuen, vier Kinder. Die hatten eine genetische Komponente drin, die im ersten entweder
  238. nach Kreta verweist oder nach Sizilien. [musik] Aber wir sehen damit das erste Mal auch genetisch, dass es Einwanderer eben auch
  239. aus der EGS gab. Die letzten Spuren einer versunkenen Epoche. Klimawandel stürzt die mykenische Welt
  240. in den Untergang. Es ist das Ende der Bronzezeit.

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