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Blut und Macht im antiken Griechenland: Die dunkle Vergangenheit Europas | ZDFinfo Doku
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 240 Zeilen
- Kreta vor rund 3700 Jahren. Erdbeben suchen die Inselheim. Ein Menschenopfer soll die Götter besänftigen.
- Doch es ist zu spät. Für moderne Archäologen wird es ein Fund sein, der sie erschaudern lässt.
- Das antike Griechenland. Es gilt als Wiege des Abendlands. Vor mehr als 2000 Jahren setzen hier Menschen neue Maßstäbe als Wissenschaftler,
- Architekten, Erfinder der Demokratie und Philosophen. Doch ist das alte Griechenland wirklich so strahlend, so vorbildlich für die
- Welt? Die Forschung enthüllt mehr und mehr dunkle Seiten einer lange verklärten Kultur.
- Die Wahrheit über das antike Griechenland. Eine Welt des Lichts.
- Kunst, [musik] Wissenschaft und Architektur machen die alten Griechen berühmt. Sie sollen das Fundament unserer
- westlichen Zivilisation gelegt haben. Die Geschichten, die das antike Griechenland prägen, sind allerdings
- alles andere als hell und funkelnd. Sagen und Legenden aus einer dunklen, lange zurückliegenden Zeit.
- Geschichten von totbringender Natur, von brutalen Kriegen, von verhängnisvoller Liebe
- und menschenfressenden Monstern. Die alten Sagen führen in eine Welt, die wie ein Albtraum wirkt. Ihre Schauplätze
- sind das Festland und die Inseln im Mittelmeer, vor allem Kreta. Im 19. Jahrhundert erwacht der Forscherdang, dem mythischen
- Griechenland nachzuspüren. Der Brit Arthur Evans hat das Geld und die Leidenschaft, [musik] sich ganz der Suche nach dem sagen
- umwobenen Minotaurus zu widmen. Eine Bestie, halb Mensch, halb Stier. Zunächst verwehren lokale Behörden die Lizenz zum Graben. Evans nutzt die Zeit
- Kreter zu erforschen. Unter jedem Olivenhein könnten wertvolle Fundstücke verborgen sein. Tiefe Höhlen durchziehen die Berge
- Gelandschaft. Geheimnisvolle Orte, an denen seit jeher die Götter ihre Spielchen treiben sollen.
- In eine dieser Höhlen auf Kreta, so glaubten die Menschen der Antike, bringt Zeus, getarnt als Stier, die phyzische Prinzessin Europa und verführt sie.
- Der gemeinsame Sohn wird später Minus, Herr des Minotaurus. Evans hört von einem Bauern, der in einer Höhle im Osten Kretas kleine
- uralte Stierfiguren gefunden hat. Stiere gelten als Sinnbilder von Göttervater Zeus.
- Die Höhle muss ein heiliger Ort sein, den Menschen vermutlich schon seit mehr als zwei Jahrtausenden verehren.
- Als nächstes will Evans die Residenz des mythischen Königs Minos aufspüren und damit den Eingang zum Reich des Minotaurus.
- Der Sage nach bittet Minos den Meeresgott Poseidon um ein Wunder. Es soll seinen Anspruch auf den Thron von Kreta untermauern.
- Poseidon schenkt ihm einen Stier. Statt das prächtige Tier den Göttern zu opfern, wie er es versprochen hat, tauscht Minos ihn gegen ein altes Tier
- aus seiner Herde. Die Götter bemerken den Betrug und zwingen Minus Frau Pasiifae sich mit dem Stier zu paaren. Ihr Kind ist der
- Minotaurus. Nach der Geburt sperrt Minus ihn in ein Labyrinth unter seinem Palast.
- Der Minotaurus ernährt sich von Menschenfleisch. Alle 9 Jahre werden ihm 14 Jungen und Mädchen in seinem Labyrinth geopfert.
- Wenn an der Geschichte etwas dran ist, da ist sich Evans sicher, wird er den Palast von König Minos finden.
- Er kann den Beginn der Grabung kaum erwarten. Im Sommer des Jahres 1900 ist es endlich soweit.
- Schon bald stößt sein Team auf erste Fundstücke. Sie stammen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus, älter als das antike
- Griechenland. Evans war natürlich vertraut mit den Geschichten, die über König Minos und
- Kreta erzählt wurden. Und so entschied er sich, die Städte als Palast des Minos zu bezeichnen.
- Einen realen König Minos hat es vermutlich nie gegeben. Trotzdem [musik] setzt sich der Name minuische Kultur durch.
- Evans legt einen großen Palast frei. Knossos. Das Labyrinth aus der Sage wird nicht gefunden.
- Evans lässt Teile des Palastes nach eigener Fantasie wieder aufbauen. Die Räume nennt er Thronsaal, Karavanserei, Badezimmer der Königin.
- Auch das heute beliebteste Fotomotiv von Knossus entspringt der Fantasie von Evans. Ein gefundenes Stierfresco platziert er in einen Säulengang, den es
- so nie gegeben hat. Er konstruierte tatsächlich in vielerlei Hinsicht die minoische Zivilisation,
- basierend auf seinen Kenntnissen der Frühgeschichte und der griechischen Mythologie. [musik]
- Seit den Zeiten von Evans stellen sich Archäologen die Frage, was ist die wahre Geschichte der Menschen, die hier gelebt haben? [musik]
- Erste Antworten finden sich 110 km nördlich von Kreta, auf der Kükladeninsel Santurin.
- In den 1960er Jahren wird hier nahe des Dorfes Akutri eine Siedlung aus der Bronzezeit ausgegraben.
- Voller Werkzeuge, Vasen und Malereien, die Evans Funden auf Kreta verblüffend ähneln.
- Prunkstück ist ein fast 4 m langes Wandgemäde. Festlich geschmückte Schiffe, die auf ihrer Fahrt von Delfinen begleitet
- werden. Die Schiffe sind offenbar in der Lage, weite Strecken übers Meer zu fahren.
- Über das Meer erschließen sich Kontakte zu den Nachbarn und zu weiter entfernten Teilen der Welt. Und wer Kontakte hat, der hat Möglichkeiten sich zu
- entwickeln. Insofern war das Meer für die Minoa das Element, dass die Zukunft versprach. Wenn man sagen kann, irgendjemand beherrschte das mehr, dann
- waren es die Menschen aus dem antiken Kreta. Kretische Händler reisen bis nach Ägypten.
- Das Grab eines ägyptischen Visier aus dem 15. Jahrhundert vor Christus. Die reich verzierten Wände zeigen Abgesandte, die dem Pharao Geschenke
- bringen. Unter ihnen eine Gruppe mit Frisuren, die typisch für Kreta sind. Archäologische Funde belegen ein dichtes minuisches Handelsnetz im gesamten
- östlichen Mittelmeerraum. Schiffe aus Kreta, transportierten Heilkräuter, Wein und Öl, Keramik, Kosmetik, Textilien, Schmuck und Waffen.
- Woher die Bewohner Kretas ursprünglich stammen, ist lange ein Rätsel. Kommen Sie aus Asien, aus Afrika oder sind Sie gar so die gewagteste These, in Wahrheit
- Flüchtlinge aus Atlantis? [musik] Experten des Max Plank Instituts für evolutionäre Anthropologie können das
- Rätsel schließlich lösen. Sie extrahieren die DNA [musik] der ersten Kreta aus Knochenfunden.
- Hinweise auf Atlantis finden Sie nicht. Wir haben dann nach der Analyse von vielen [musik] Proben aus Kreta
- herausgefunden, dass die Ursprünge dieser Ackerbauen und Vielzüchter auf Kreta letztlich in Westanatolien der heutigen Westtürkei liegen.
- Der Westen der heutigen Türkei und die EGS sind damals ein Kulturraum. Verbunden durch Handel und gemeinsame Geschichten von Helden und Monstern wie
- dem Minotaurus. Woher die Sprache kommt, in der sich die Menschen damals verständigten, auch das können die Forscher vom Max Plan
- Institut entschlüsseln. Wir konnten feststellen, dass alle Europäer auch eine dritte genetische
- Komponente haben und diese kam mit Einwanderern aus den osteuropäischen Steppen im dritten Jahrtausend quer durch Europa. Mit diesen Einwanderern
- aus der Steppe wurden eben auch die indoeuropäischen Sprachen quer durch Europa ausgebreitet. Und so kam dann vermutlich im dritten Jahrtausend eben
- auch eine Frühform des Griechischen aufs griechische Festland. Mit der Sprache kommen auch die Mythen und die gemeinsame Vorstellung einer
- Götterwelt. Auf Kreta entsteht in der Bronzezeit die älteste griechische Kultur.
- Die Minoa hinterlassen Paläste und Spuren eines Handelsnetzes. Doch über ihre Gottheiten ist nur wenig bekannt.
- Sicher ist nur, dass der Stier eine zentrale Rolle spielt und das nicht nur als Opfertier. Viele Forscher glauben, die Minoa
- verehren den Stier als heiliges Wesen. Minoische Fresken zeigen ein rätselhaftes Ritual. Junge Männer und
- wohl auch Frauen scheinen todesmutig über einen wilden Stier zu springen. Eine lebensgefährliche Aktion,
- die offenbar ihre Opfer fordert. Ein Fresco zeigt einen Springer am Boden unter den Hufen des Stiers.
- Auf der ganzen Welt entwickeln frühe Zivilisationen Rituale, bei denen Menschen ihr Leben verlieren.
- Die Motive dafür sind von Region zu Region verschieben. In der Frühzeit des ägyptischen Reiches nimmt König Hoa seinen gesamten Haushalt
- mit in den Tod. Archäologen finden in seinem Grab Frauen, Diener und Tiere, die offenbar getötet wurden, um ihrem Herrn im Jenseits zu dienen.
- In Japan [musik] werden Menschen noch vor 400 Jahren bei lebendigem Leib in Brücken und Bogen eingemauert.
- Als Hit Basihira sind ihre Geister auf ewig zum Schutz des Bauberks verdammt. Bei den Maja in Mittelamerika opfern Herrscher Kriegsgefangene. Damit sollen
- Naturgewalten und göttlicher Zorn abgewendet werden. Für die Menschen der Antike war das Verhältnis zu den Göttern ganz elementar
- wichtig. Und um die Götter gnädig zu stimmen, musste man ihnen Opfer darbringen. Zu Menschenopfern griff man in extrem Situationen. Dann opferte man
- den Göttern unter Umständen seine eigenen Verwandten, vielleicht sogar seine eigenen Kinder. [musik]
- Werden auch beim Stiersprung der Minoa Menschen geopfert? Viel wurde diskutiert, ob der Stiersprung wirklich vollzogen wurde.
- Ich denke, die Mehrheit glaubt heute, dass er wirklich praktiziert wurde, aber eher als Übergangsritual zum Erwachsen werden. Auf jeden Fall war es ein sehr
- wichtiges Symbol. Der Stiersprung auf Kreta ist wohl kein Opferritual.
- Dennoch töten auch die Minoa für ihre Götter. 1979 entdecken Archäologen in Animus Pilia, südlich von Knossos, einen Tempel mit einem dunklen Geheimnis.
- Sie legen einen Tatort frei. Insgesamt vier Leichen werden gefunden. Schnell wird klar, drei der Männer werden von einem Erdbeben überrascht und
- von herabstürzenden Gebäudeteilen erschlagen. Die Fundsituation erzählt ihre hektischen letzten Sekunden.
- Während zwei Männer im Tempel noch versuchen, Kultgegenstände zu retten, [musik]
- wird ein Dritter kurz vor dem rettenden Ausgang verschüttet. In der Nähe des dritten Opfers finden die Forscher einen Krug, verziert mit
- dem Bild eines Stieres. In solchen Gefäßen fangen die Mino das Blut von Opfertieren auf. Die vierte Leiche ist kein Opfer des
- Erdbebens. Sie liegt im südwestlichen Teil des Gebäudes, gefesselt auf einem Tisch, bedeckt mit einem Dolch.
- Der Stier wurde oft als Opfertier genutzt, denn er war wie auch beim Stiersprung ein mächtiges Symbol. Die Verzierungen auf einem Gefäß aus Anemos
- Pilia weisen darauf hin, dass in ihm eigentlich Stierblut aufgefangen wurde, nur dass es in diesem Fall wohl Menschenblut war.
- Der Tatort in Anemosuspilia ist ein klarer Beweis. Auch die Minoa opfern Menschen in der Hoffnung auf göttlichen Schutz vor Naturgewalten.
- Doch in diesem Fall bebt ausgerechnet während der Opferzeremonie die Erde. So finden vier Menschen an diesem Tag den Tod in Anemospilia.
- Menschenopfer und Naturgewalten. Bei vielen frühen Kulturen hängt das zusammen. Ist Naturgewalt auch der Grund für das
- Ende der Minor? So wie es die Legende von Atlantis erzählt, die heute fester Bestandteil
- der Popkultur ist. Viele Forscher haben versucht, den Mythos von Atlantis mit dem Untergang der Minoa in Verbindung zu bringen.
- Im vierten Jahrhundert vor Christus setzt der Athener Gelehrte Platon die Geschichte von Atlantis in die Welt. Inmitten des Meeres gelegen sei die
- mächtige Stadt ringförmig angelegt gewesen. Ein großer Handelshafen, breite Kanäle und schimmerndes Metall sollen den Ort geprägt haben. Orehalkos, das
- griechische Wort für Messing [musik] oder Bronze, sei so Platon die Quelle von Macht und Reichtum der Atlanta.
- Die Mythos nach stammen die Bewohner von Atlantis vom Meeresgott Poseidon ab. Dank ihres göttlichen Wesens sollen sie fortschrittlich und wissbegierig sein.
- Doch als sie sich mit den Menschen mischen, werden sie arrogant, selbstherrlich und kriegerisch. Sie fallen bei Zeus in Ungnade,
- der sie bestrafen will. Über Atlantis bricht eine Naturkatastrophe herein, wie Platon
- berichtet, innerhalb eines Tages und einer Nacht werden Stadt und Menschen vom Meer verschlungen.
- Seitdem Platon Atlantis erstmals erwähnte, hat die Vorstellung einer versunkenen Zivilisation die Fantasie vieler Menschen beflügelt und sie ist
- seitdem in allen Formen der Kunst und Literatur aufgetaucht. Es gibt eine anhaltende Faszination für dieses Konzept, weshalb wir heute noch nach
- Atlantis suchen. Forscher und Hobbyforscher haben Atlantis im Mittelmeer, im Atlantik und
- in der Nordsee gesucht. Vergeblich. Doch es gibt verblüffende Parallelen von Platons Geschichte zu einer realen Katastrophe, die sich
- nördlich von Kreta in der Bronzezeit ereignet, auf der Vulkaninsel Santurin. Das Fresco der untergegangenen Siedlung Akrutiri zeigt, wie Santurin zurzeit der
- Minoa ausgesehen hat. Im Zentrum des Archipels liegt damals eine dicht besiedelte Insel.
- Durch Handel zwischen Kreta und dem griechischen Festland werden die Bewohner von Akrotier reich. Doch mit einem Schlag endet ihre Geschichte und
- die Insel Santurin erhält eine völlig neue Gestalt. In den 1960er Jahren entdecken Archäologen die Überreste von Akrutiri
- unter einer metadicken Schicht aus Bimsstein. Für die Menschen der Bronzezeit ist der Untergang eine Tragödie. Für die
- Forschung heute ein Glücksfall. Bimstein kennen wir aus Pompei vom Wesf. ist das Produkt von Vulkanausbrüchen.
- Wir können sicher sein, dass an dem Ort von Akroti in der Antike ein großer Vulkanausbruch stattfand und dass die antike Siedlung dem zum Opfer gefallen
- ist. Die Insel Santurin ist ein aktiver Vulkan. Die Menschen der Antike nennen ihn Thera, die Wilde.
- Ein erdgeschichtliches Pulverfass, das im 16. Jahrhundert vor Christus explodiert. [musik] In Akroti finden sich keine
- menschlichen Überreste. Vermutlich kann ein Teil der Bevölkerung noch übers Meer fliehen, weil sich der Mega Ausbruch vorher durch Erdbeben ankündigt.
- Es war ein Ausbruch, wie es ihn nie zuvor gegeben hat. Es war einer der größten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte.
- Das ausgeworfene Material legte sich in einer 60 m dicken Schicht über [musik] die Insel. Für die Bewohner der Insel war es das Ende von allem.
- Eine Katastrophe, die das gesamte östliche Mittelmeer erfasst. Löscht sie auch die Kultur der Minoa auf Kreta aus.
- 2017 untersuchen Wissenschaftlerinnen und Forscher des Helmholzzentrums für Ozeanforschung den Boden des Mittelmeers. Ihr Ziel, die Intensität
- der Eruption von Santorin genauer zu bestimmen. Mit Tauchrobotern werden neue Daten gewonnen. Schallwellen sollen helfen,
- die Menge des Magmas zu ermitteln, die der Vulkan vor über 3600 Jahren ausgestoßen hat. Bisher ging die Forschung von einem
- Gesamtvolumen von 86 Kubikom Magma aus. Das Ergebnis der Untersuchung, die tatsächliche Menge liegt vermutlich
- bei knapp der Hälfte. Damit gehört der Ausbruch von Santurin immer noch zu den zehn verheerendsten in der Geschichte der Menschheit.
- Die Katastrophe hat nicht nur tödliche Auswirkungen auf Santurin selbst. Der Himmel über dem Mittelmeer verdunkelt sich.
- Verheerende Tsunami zerstören die Küstenregionen noch in hunderten Kilometern entfernt.
- Wir wissen, dass die Auswirkungen auf Kreta zu spüren waren, aber auch weiter entfernt, selbst an den Küsten Ägyptens. Wir kennen Inschriften, die besagen,
- dass zu dieser Zeit ein großer Sturm Ägypten traf. Im ägyptischen Tempel von Karnak berichtet eine Stele des Pharaos amen
- Hoteps desen. Da ließen die Götter am Himmel einen Regensturm aufziehen. Finsternis in der westlichen Gegend. Der Himmel bewölkt
- ohne ein Wolkenloch. Das Unwetter tobte über der Wüste. Jedes Haus und jedes Lager war eingestürzt. Die wichtigste schriftliche Quelle über
- die Eruption auf Santurin. Die Folgen für den minischen Kulturraum müssen um ein Vielfaches dramatischer
- gewesen sein als in Ägypten. Die meisten Schiffe werden zerstört, die Küstenorte von Tsunamis verwüstet,
- aber die Minoa erholen sich wieder. Archäologische Funde zeigen, die Städte auf Greta werden wieder aufgebaut. Der Handel nimmt wieder Fahrt auf.
- Und dennoch steht die erste griechische Kultur vor ihrem Untergang. Im 15. Im Jahrhundert vor Christus, mehr als 100 Jahre nach der Eruption von
- Zanturin, erhebt sich eine neue Macht in Griechenland, auf dem Festland im Osten der Pelipones.
- Im Jahr 1870 untersucht der deutsche Archäologe Heinrich Schlimann hier die Mauern einer stark befestigten Stadt.
- Ihr Name [musik] ist Mykene. Im Osten der Stadt kommen prunkvolle Gräber zutage. Die Grabbeigaben zeigen, mächtige und wohlhabende Menschen
- sollten hier ihre letzte Ruhe finden. Schlimann findet einen Prunkdolch, verziert mit filigranen Einlegerarbeiten.
- Sie zeigen Männer auf der Jagd und im Kampf mit wilden Löwen, ein Meisterwerk bronzezeitlicher Handwerkskunst. Und mehr noch. Die Funde führen auch auf
- die Spur des Schicksals der Minoa. Einer relativ kleinen Zahl von Menschen wurde eine sehr bemerkenswerte
- Bestattung zugestanden. Sie haben auch die materielle [musik] Kultur von Kreta übernommen und angepasst.
- So wurden viele der Siegelsteine, von denen wir annehmen, dass sie auf Kreta hergestellt wurden, mit Mkenern begraben.
- Sind die Mächtigen von Mkene womöglich minische Krieger, die sich mit Kunst aus der Heimat haben bestatten lassen? Haben sie das Festland erobert und Kolonien
- errichtet? Eine These, [musik] die durch neue DNA Untersuchungen widerlegt wird.
- Diese frühe myenische Kunst war unglaublich ähnlich der Minosenkunst. Interessanterweise aus einer genetischen Perspektive [musik] waren die sich zwar
- ähnlich, aber doch sehr unterschiedlich. Das heißt, dieser Austausch war weniger ein genetischer Austausch als viel mehr ein kultureller Austausch und diese
- frühen mykänischen Zentren müssen einfach Kreta und seine Kunst unglaublich bewundert haben. Anfang des zweiten Jahrtausends vor
- Christus entstehen in ganz Griechenland Städte wie Mykene, Tirünns, Pylos, Teben und Athen. Die Bewohner sind von der älteren Kultur der Minua fasziniert.
- Doch ihre Gesellschaft entwickelt sich ganz anders als auf Kreta. Auf hohen Hügeln stellt die mykenische Oberschicht ihre Macht weit sichtbar
- [musik] zur Schau. Burgähnliche Herrensitze, geschützt von mächtigen Mauern. Das einfache Volk lebt am Fuß der Hügel.
- Die mykenische Kultur trennt scharf zwischen Arm und Reich, anders als auf Kreta. Um das Jahr 1450 vor Christus muss es
- zum Konflikt zwischen Mkene und den Minoren gekommen sein. Arthur Evans kommt ihm als erster auf die Spur.
- Bei seinen Grabungen in Knorsos stößt der Brite [musik] auf Täfelchen mit Schriftzeichen. Er stellt fest, dass es sich um zwei
- unterschiedliche Schriften handelt. Der älteren Schrift gibt er den Namen Linea A. Die Jüngere nennt er Linea B. Linea B findet sich oft in mykenischen
- Städten und seit Mitte des 15. Jahrhunderts auch in Knos auf Kreta. [musik]
- Evans entdeckt auch Brandschichten aus genau dieser Zeit. Sie und das Auftauchen der Linea Bchrift auf Kreta sind die Spuren des Untergangs der
- Minoa. Krieger vom Festland haben Kreta angegriffen und erobert.
- Die Linia B Schrifttafeln belegen den Siegeszug der Mykene. Insgesamt 90 Silbenzeichen und 160 Zeichen konnten entschlüsselt werden.
- Der Begriff Knossos etwa Warnax als Bezeichnung für mykenische Fürsten.
- Ebenso Basileus, was so viel bedeutet wie Herführer und bis in die heutige Zeit der Titel griechischer [musik] Könige ist.
- Es sind die ältesten Zeugnisse der griechischen Sprache. Namensregister, Warenein und Ausgänge,
- Grundbesitzverzeichnisse, Auflistungen [musik] von Opfergaben. Eigentlich nur einfache Verwaltungstexte.
- Doch für Archäologen und Historiker ein wahrer Schatz, denn die Entschlüsselung der Schriftzeichen offenbart auch die Namen
- ihrer Götter. Hera und Poseidon können identifiziert werden. Ebenso Ares, Hefistos, Artemis, Apollon, Athena und Hermes und auch Zeus der Göttervater.
- Neun der zwölf späteren olympischen Götter werden schon von den Mükenern verehrt. Einzig Hestia, Aphrodite und Demiter fehlen noch.
- Einige dieser Gottheiten kommen später auch im griechischen Pantheon vor. Doch es ist schwieriger, die Natur dieser Verehrung zu verstehen.
- Durch die Untersuchung von Tierknochen wissen wir jetzt, dass Opferrituale, wie sie in der späteren griechischen Kultur vorkommen, wohl schon in der späten
- Bronzezeit verbreitet waren. Nach der Eroberung Kretas wird die mykenische Kultur zur Großmacht im
- Mittelmeerraum. Die Paläste in Mkene, Pylos, Tirünns und anderen Orts beherrschen das Wirtschaftsleben und den Fernhandel.
- Die Bevölkerung der neuen Machtzentren wächst. Am besten [musik] erforscht ist der Ort Mykene, der von seiner geographischen
- Lage profitiert. Die Stadt liegt an einem der Haupthandelswege der Bronzezeit.
- Aus Zypern wird Kupfer und aus Südengland Zinn gehandelt. Von den Küsten an Ost und Nordsee [musik] gelangt Bernstein bis nach
- Ägypten, das seinerseits Luxusgüter exportiert. Vom Reichtum Mückenes scheint auf den ersten Blick nicht viel übrig, als
- Heinrich Schliann die Stadt erforscht. Fast zwei Jahre lässt er graben. Dann gelingt ein sensationeller Fund.
- 13 kg Grabbeigaben, Kostbarkeiten aus hauchdünnem Gold von meisterlicher Kunstfertigkeit.
- Schliman kann sein Glück kaum fassen, als er in einer der Ruhestädten auch noch Totenmasken entdeckt.
- Er glaubt, er blickt geradewegs ins Gesicht von Agamemnon. dem legendären Heerführer der Griechen im trojanischen Krieg.
- Die Welt der Mykener ist keine friedliche Welt. Massive Mauern der Machtzentren spiegeln die ständige Gefahr von Angriffen durch Rivalen.
- Ausgräber legen das prachtvolle Löwentour von Mkine im 19. Jahrhundert frei und richten es wieder auf.
- Von diesem Tor aus umläuft eine mächtige Mauer die gesamte Stadt. Im 14. Jahrhundert vor Christus schützen sich viele griechische Städte auf diese Weise
- durch Bollwerke aus riesigen Steinen, meter lang und tonnenschwer. Interessant [musik] an den Mauern von Mkene ist schon die schiere Größe
- einiger ihrer Blöcke. Die späteren Griechen glaubten, dass sie nur von den durch die Odyssee berühmt gewordenen Zyklopen bewegt werden konnten. Odyssee.
- Der Aufstieg der mykenischen Palastzentren ist eine Zeitenwende für Griechenland. Immer mehr Kriege machen immer festere Mauern notwendig. Blutige
- Konflikte, wie sie auch der größte Mythos der griechischen Welt festhält, der trojanische Krieg. Im 8. Jahrhundert vor Christus berichtet
- der Dichter Homer in seinen Epen Ilias und Odyssee von diesem Krieg. Der Auslöser, eine Liebesgeschichte.
- Prinz Paris von Troja soll die schöne Helena aus Griechenland entführt und in seine Heimatstadt gebracht haben. Aber Helena ist verheiratet mit Menelaus, dem
- König von Spartachter. Minelaus bittet seinen Bruder Agamemnon um Hilfe, den mächtigsten König
- Griechenlands. Der schmiedet eine Allianz der griechischen Städte.
- Mehr als 10 Jahre halten die Mauern Trojas stand, bis der listige Odysseus die Griechen zum Schein abrücken lässt und den Trojanern ein hölzernes Pferd
- als Siegestrophäe zurücklässt. Sie bringen es in ihre Stadt und feiern den Sieg. Als die Trojaner schlafen, kommen Griechen aus dem Bauch des
- Pferdes, öffnen die Stadtore für das zurückgekehrte Heer und legen Troja in Schutt und Asche.
- Lange glaubt die Forschung, der Krieg und Troja selbst seien die reine Erfindung von Homer, bis Heinrich Schlimann 1873 verkündet, er habe Troja
- gefunden unter einem Hügel in der Westtürkei. Eine archäologische Sensation. Brandspuren, Pfeilspitzen und Waffen
- zeigen, dass diese Stadt auf einen Schlag zerstört wurde, so wie es Homer beschreibt.
- Für die tragische Liebesgeschichte von Helena und Paris finden sich keine archäologischen Belege. Doch eine verheerende Schlacht um Troja zur
- Glanzzeit der mykenischen Kultur hat es gegeben. Dichtung wird zwar erst Jahrhunderte später geschrieben, aber viele Details
- stimmen. Der Dichter beschreibt mykenische Waffen und Rüstungen. Odysseus trägt einen
- Kopfschutz, für den die Mkener damals berühmt sind. Einen Helm aus Eberzähnen.
- 30 Eber müssen für einen einzigen Helm erlegt werden. Es sind Meisterwerke bronzeitlicher Handwerkskunst,
- für die mykenische Kämpfer weit über die Grenzen Griechenlands bekannt sind. In Mittelgypten finden Forscher einen Papyrus aus der Zeit der 18. Dynastie.
- Die Fragmente zeigen Söldner aus Mkene mit Eberzahnhelmen im Kampf. Söldner waren in der Antike etwas völlig normales. Es gab sie immer und überall
- und die Mikena kamen eher vom Rand äh der des bronzezeitlichen Systems. Äh vermutlich war es deshalb für sie attraktiv, sich äh als Söldner in
- reicheren Zivilisationen zu verdienen. Gut zwei Jahrhunderte Blütezeit von Mkene in der griechischen Welt.
- Myenische Kaufleute kontrollieren die Transportwege der GS. Sie handeln mit den Supermächten der Bronzezeit, den Hititern und Ägyptern.
- Müenische Söldner sind gefragt bei fremden Herrschern. Doch dann ohne Vorwarnung geht diese Welt unter.
- In kurzer Zeit werden fast alle mykenischen Paläste zerstört. Die sogenannten dunklen Jahrhunderte brechen an. Keine stolzen Krieger, die
- in großen Schlachten kämpfen, kein lukrativer Handel, keine neuen Kunstwerke und auch über Jahrhunderte kaum noch archäologische Funde.
- Die große Zivilisation, die große Geschichte Griechenlands war ins wanken geraten. Dafür scheint es eine Reihe von Gründen gegeben zu haben. Vielleicht
- haben Naturkatastrophen dazu beigetragen, aber auch interne Streitigkeiten. Und allgemein war es einfach ein wirtschaftlicher Niedergang,
- der Griechenland in eine Zeit der Finsternis stürzte. Die wenigen Quellen aus dieser Zeit zeichnen ein apokalyptisches Bild.
- Fremde Stämme aus dem Norden seinen plündernd und mordend in die mykenische Welt eingefallen. Ist das die Ursache des Untergangs?
- Da gibt's ja dieses große Narrativ, da kommen die bösen dorischen Horden aus dem Norden und zerstören alles. Das sehen wir in der Zwischenzeit weder
- archäologisch, aber auch nicht genetisch. Also, wir sehen in der Zwischenzeit und da muss ich sagen, sind wir noch mitten in der Arbeit und mitten
- in der Forschung, dass es doch auch genetische Verschiebungen im kleineren Maße gab und die eben in den Norden weißen. Das heißt, es müssen Menschen
- aus dem Norden eingewandert sein [musik] nach dem Ende des mykischen Griechenlands, aber es waren keine Horden.
- Zuwanderung, ja, aber keine Invasion. Was ist dann der Auslöser? Während Mkäene untergeht, suchen Schiffe mit Plünderern die Küsten des östlichen
- Mittelmeersheim. Entlang der Levante zerstören die sogenannten Seevölker ganze Städte. Ebenso wie die mykenische Kultur
- zerfällt das Reich der Hita. Die Supermacht Ägypten muss sich auf ihr Kerngebiet längst des Nils zurückziehen.
- Diese Angriffe wurden Angriffe der Seevölker genannt. [musik] Dabei scheint es sich um verschiedene Gruppen von Menschen zu handeln, die in dieser
- unglaublich schwierigen Zeit bei dem verzweifelten Versuch zu überleben, begannen sich gegenseitig anzugreifen.
- In Medinet Habu, dem Totentempel von Ramses, dem Gritten, sind die Kämpfe dokumentiert. Reliefs und Inschriften halten fest, wie
- der Pharao Ägypten gegen Völker verteidigt, die von den Inseln in Mitten des Meeres kommen.
- Aber können Schiffe mit Plünderern für das Ende einer ganzen Epoche sorgen oder sind sie weniger Ursache als Symptom einer anderen größeren Katastrophe?
- Schrifttafeln berichten von einer dramatischen Hungersnot im Reich der Hitaiter und über einen Hilferuf der überraschten.
- Der Empfänger ist niemand geringeres als der alte Erzweind der Hetiter. Ägypten.
- Get und Ägypter waren lange Zeit erbitterte Rivalen um die Vorherrschaft in Vorderasien. Vermutlich standen beide Mächte schon so stark
- unter Druck, dass sie es sich gar nicht mehr leisten konnten, Feinde zu sein. Und vermutlich ist das auch das Motiv für die Ägypter den Hetitan tatsächlich
- dann in dieser Notsituation zu Hilfe zu kommen. Burkern Untersuchungen zeigen, die Meerestemperatur sinkt damals um bis zu
- 4°. Kälteres Klima bedeutet weniger Regen. Die Folge sind dramatische Dürreperioden.
- Vor allem die ländliche Bevölkerung leidet. Eine Gefahr für die Herrschaft der mykenischen Fürsten. Bringen wachsende Spannungen zwischen Arm und
- Reich den Untergang ihrer Kultur. ist sehr gut möglich, dass solche krisenhaften Prozesse dann lokal auch zu
- Hungersnöten geführt haben und das wiederum bringt Legitimitätsprobleme für die lokalen Eliten. Das kann also sehr gut sein, dass Hungerre
- mykenische Welt zu dieser Zeit erschüttert haben. Wenn Hunger die Welt der Mkener erschüttert, dann sind die Seeevölker
- Klimaflüchtlinge der Bronzezeit. Funde aus der Levante zeigen, dass auf den Schiffen der Seevölker auch Griechen rudern.
- Das Alte Testament berichtet, zur Zeit der Einfälle in Ägypten werde auch das Land der Israeliten von Invasoren heimgesucht.
- Die Bibel nennt sie Philister. Ihr berühmtester Kämpfer ist der Hühne Goliat, der vom späteren König David mit der Steinschleuder besiegt wird.
- Die zugewanderten Philister gründen Siedlungen in der Levante. Eine davon ist das heutige Aschkelon. Hier finden Archäologen Gräber aus der Zeit der
- Seeevölker. Die meisten Skelette stimmen mit dem genetischen Profil der lokalen Bevölkerung überein. Vier Skelette aber sind Fremde, die übers Meer gekommen
- sind. Diese Lokalisierung dessen, was wir oft als Seevölker
- bezeichnen über genetische Analysen [musik] ist erst uns gelungen vor einigen wenigen Jahren. Es war uns möglich aus Aschkalon aus Gräbern um
- 1200. Also genau aus der Zeit, als sie ankamen, hatten wir vier Individuen, vier Kinder. Die hatten eine genetische Komponente drin, die im ersten entweder
- nach Kreta verweist oder nach Sizilien. [musik] Aber wir sehen damit das erste Mal auch genetisch, dass es Einwanderer eben auch
- aus der EGS gab. Die letzten Spuren einer versunkenen Epoche. Klimawandel stürzt die mykenische Welt
- in den Untergang. Es ist das Ende der Bronzezeit.