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Mosel
Die Mosel (französisch, luxemburgisch, lateinisch Mosella) ist mit 544 km Fließstrecke der zweitlängste Nebenfluss des Rheins nach der Maas.
Inhalt5 Abschnitte
Lage, Verlauf und Kennzahlen
Die Mosel ist mit 544 km Fließstrecke nach der Maas der zweitlängste Nebenfluss des Rheins. Sie entspringt in Frankreich in den Vogesen am Col de Bussang auf etwa 696,5 m Höhe und mündet bei Koblenz am Deutschen Eck auf 59,7 m Höhe von Westen in den Mittelrhein. Ihr Wasser fließt somit über den Rhein in die Nordsee. Zwischen Quelle und Mündung liegen rund 636,8 m Höhenunterschied; das Sohlgefälle, also das Gefälle des Flussbetts, beträgt etwa 1,2 ‰.
313 km der Mosel liegen in Frankreich, 231 km in Deutschland; etwa 36 km verlaufen gemeinsam mit Luxemburg. In Lothringen führt sie unter anderem über Remiremont, Épinal und Metz nach Thionville. Danach wendet sie sich nach Nordosten, bildet die deutsch-luxemburgische Grenze und erreicht über Trier schließlich Koblenz. Wichtige Großstädte am Fluss sind Metz, Trier und Koblenz.
An der Mündung beträgt der mittlere Abfluss 320 m³/s. Damit ist die Mosel nach Aare und Maas, aber vor Main und Neckar, der drittgrößte Nebenfluss des Rheins. Am Pegel Cochem wurden für 1900–2015 ein mittlerer Niedrigwasserabfluss von 60,1 m³/s, ein mittlerer Abfluss von 313 m³/s und ein höchster Abfluss von 4.020 m³/s gemessen. Der niedrigste bekannte Wasserstand betrug 47 cm am 28. Juli 1921 in Bernkastel.
Flussraum, Abschnitte und Zuflüsse
Das Einzugsgebiet, also die Fläche, aus der Wasser zur Mosel abfließt, umfasst 28.153,275 km² und hat 4,3 Millionen Einwohner. Davon liegen 15.360 km² beziehungsweise etwa 54,5 % in Frankreich. Auf Rheinland-Pfalz entfallen 6.980 km², auf das Saarland 2.569 km², auf Luxemburg 2.521 km², auf die belgische Wallonie 767 km² und auf Nordrhein-Westfalen 88 km².
Vom deutsch-französisch-luxemburgischen Dreiländereck bis zur Saarmündung bei Konz wird der Abschnitt in Deutschland Obermosel genannt, obwohl diese Bezeichnung geographisch nicht korrekt ist. Von Trier bis Pünderich folgt die Mittelmosel, von Pünderich bis Koblenz die Untermosel oder Terrassenmosel. Mittel- und Untermosel sind durch tief eingeschnittene Talmäander im Rheinischen Schiefergebirge geprägt. Ein Mäander ist eine große Flussschleife; besonders auffällig ist der Cochemer Krampen zwischen Bremm und Cochem. Die steilen Hänge tragen häufig Weinbergterrassen.
Die 20 größten direkten Zuflüsse decken zusammen etwa 23.000 km² und damit rund 82 % des Mosel-Einzugsgebiets ab. Der längste und zugleich wasserreichste Zufluss ist die Saar: 227 km lang, mit 7.431 km² Einzugsgebiet und 78,2 m³/s Abfluss. Es folgen unter anderem Sauer mit 173 km und 53,8 m³/s sowie Meurthe mit 161 km und 41,1 m³/s. Weitere wichtige Zuflüsse sind Seille, Orne, Kyll, Madon, Moselotte, Vologne, Lieser, Salm und Elzbach.
Die heutige Landschaft entstand über sehr lange Zeiträume: Die Vogesen bildeten sich vor etwa 50 Millionen Jahren. Als sich im Quartär das Rheinische Schiefergebirge langsam hob, schnitt sich die Mosel tiefer ein und ihre Mäander entstanden. Während der Saale-Kaltzeit vor rund 250.000 Jahren zapfte die Mosel den damaligen Oberlauf der Maas an; dieser wurde dadurch zum heutigen Oberlauf der Mosel.
Schifffahrt, Staustufen und Verwaltung
Die Mosel wurde ab 1958 im Rahmen der Moselkanalisierung zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut. Anlass war vor allem der Wunsch Frankreichs, die lothringischen Industriegebiete mit dem Seehafen Rotterdam zu verbinden. Grundlage war der Moselvertrag vom 27. Oktober 1956 zwischen Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und Luxemburg. Am 26. Mai 1964 wurde der Abschnitt Metz–Koblenz als staugeregelte Großschifffahrtsstraße mit 14 Staustufen eröffnet; Frankreich führte den Ausbau bis 1979 nach Neuves-Maisons fort.
Heute sind 394 km von Koblenz bis Neuves-Maisons mit insgesamt 28 Staustufen ausgebaut. Die Fahrrinne ist 3,00 m tief und 40 m breit, in Kurven breiter. Die Vertiefung von 2,70 m auf 3,00 m in den Jahren 1992–1999 erhöhte bei einem 1.500-Tonnen-Frachter die mögliche Ladung um etwa 20 %. Die Mosel gehört von der deutsch-französischen Grenze bis zur Mündung zur europäischen Wasserstraßenklasse Vb. 1970 wurden bereits mehr als zehn Millionen Tonnen Güter transportiert; bergwärts vor allem Brennstoffe und Erze, talwärts vor allem Stahlerzeugnisse, Kies und Steine.
Es gibt 15 Staustufen in Frankreich, eine an der französisch-luxemburgischen Grenze, zwei an der deutsch-luxemburgischen Grenze und zehn in Deutschland. Eine Staustufe besteht im Regelfall aus Schleuse, Wehr und Laufwasserkraftwerk; außerdem gehören Bootsgasse oder Bootsschleppe, Bootsschleuse und Fischtreppe dazu. An allen zwölf Staustufen in Deutschland und Luxemburg steht jeweils ein Laufwasserkraftwerk. Schleusen werden jeden Sommer acht bis zehn Tage lang für Wartung und Reparaturen gesperrt. Am 8. Dezember 2024 beschädigte ein Unfall das untere Schleusentor der Staustufe Müden; 74 Schiffe saßen mehrere Wochen oberhalb fest.
Als Bundeswasserstraße wird die Mosel von Apach bis Koblenz auf 242 km durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn verwaltet. Ihre Kilometrierung beginnt anders als beim Rhein an der Mündung bei km 0 und zählt flussaufwärts. Von Apach an bildet sie auf 36 km ein deutsch-luxemburgisches Kondominium, also gemeinschaftliches Hoheitsgebiet. Für die Schifffahrt ist die Internationale Moselkommission zuständig; ihre Regelung gilt von Metz bis Koblenz. Die Bundesrepublik Deutschland beschloss 2025, die internationalen Schifffahrtsgebühren abzuschaffen.
Wasserstände und Wasserqualität
An der Mosel werden Wasserstände an Pegeln wie Perl, Trier, Zeltingen und Cochem beobachtet. Am Pegel Trier liegen der höchste Schifffahrtswasserstand bei 695 cm und der Normalstau bei 200 cm. Das größte Hochwasser der vergangenen 500 Jahre, für das Daten bekannt sind, trat im Februar 1784 nach Schneeschmelze und Eisgang auf. Mit 5.750 m³/s übertraf es die Hochwasser der 1990er Jahre, die höchstens 4.500 m³/s erreichten; in Cochem war das Hochwasser von 1781 sogar noch höher als 1784. Für möglicherweise stärkere Ereignisse von 1226 und 1342 reichen die Daten für eine mögliche Verbindung zu isländischen Vulkanausbrüchen nicht aus.
Gütemessstellen liegen in Palzem, Fankel und Koblenz sowie in Kanzem an der Saar. Im März 2013 stellte der VSR-Gewässerschutz e.V. an deutschen Messpunkten Nitratwerte von 15,9 bis 20 mg/l fest. Nach den Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser dürfte die Mosel für einen „guten Zustand“ nur 11 mg/l Nitrat aufweisen; dieser Wert wurde an allen Messstellen überschritten. Als Gründe wurden belastete Nebenflüsse und eine schon an der deutschen Grenze hohe Belastung genannt. Trotz intensiven Weinbaus nahm die Nitratbelastung in Deutschland nur wenig zu. Wegen des Klimawandels könnte die Nitratauswaschung aus Weinbergen jedoch wieder zunehmen.
Weinbau und Tourismus
Das Weinbaugebiet an der Mosel umfasst etwa 10.540 Hektar. Knapp 9.000 ha liegen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, etwa 1.300 ha in Luxemburg. In Frankreich reichen die Anbauflächen bis zur Seille im Gebiet Côtes de Moselle mit 130 ha und in das Gebiet Côtes de Toul mit 110 ha. Die deutsche Weinregion heißt seit 2007 „Mosel“; bis 2006 lautete die Herkunftsbezeichnung „Mosel-Saar-Ruwer“.
Fachlich wird die Region häufig in vier Bereiche gegliedert. An der Obermosel prägen Muschelkalkböden den Weinbau; die wichtigste Sorte auf deutscher Seite ist dort Elbling mit etwa 65 %, während Riesling 2010 nur rund 10 % ausmachte. Um Trier sowie in Saar- und Ruwertal dominiert Riesling mit über 80 % auf Schieferböden. Die Mittelmosel ist mit rund 6.000 ha Weinbergen der flächenmäßig größte Bereich. Die Untermosel ist durch enge, windungsreiche Täler, kleinterrassierte Steillagen und einen besonders hohen Arbeitsaufwand gekennzeichnet.
Der deutsche Weinbau an der Mosel ging von 10.375 ha im Jahr 2005 auf 8.491 ha im Jahr 2012 zurück. Besonders extreme Steillagen sowie kleine und nebenberufliche Betriebe waren betroffen. Gleichzeitig vergrößerten einzelne Traditionsweingüter und jüngere, fachlich ausgebildete Winzer ihre Betriebe durch die Rekultivierung bekannter, lange nicht genutzter Lagen.
Für den Tourismus sind Weinorte, Burgen, Schiffsausflüge sowie Rad- und Wanderwege wichtig. Der Mosel-Radweg führt auf 311 km von Metz über Trier bis Koblenz. Der Moselhöhenweg besteht seit 1910 und ist auf der Eifelseite 185 km, auf der Hunsrückseite 262 km lang. Der 2014 eröffnete Moselsteig führt auf 365 km von Perl nach Koblenz. Der Mosel-Camino ist seit 2008 Teil des Jakobswegs und führt auf etwa 160 km von Koblenz-Stolzenfels zur Benediktinerabtei St. Matthias in Trier.