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Luftkrieg im Ersten Weltkrieg
Der Luftkrieg im Ersten Weltkrieg umfasst den Zeitraum vom 28. Juli 1914 bis zum 11. November 1918. Der Erste Weltkrieg kann als eigentlicher Beginn der …
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Bedeutung und Einsatzbereiche
Der Luftkrieg im Ersten Weltkrieg dauerte vom 28. Juli 1914 bis zum 11. November 1918. Er gilt als Beginn der modernen Luftkriegsführung, weil sich dabei die meisten heute üblichen Gattungen von Militärflugzeugen und weiterhin gültige Luftkriegskonzepte entwickelten. Das Flugzeug war erst elf Jahre zuvor erfunden worden; Fesselballons und Militärluftschiffe spielten nur Nebenrollen.
Zu Kriegsbeginn setzten die kriegführenden Mächte etwa 1000 Flugzeuge ein. Die wichtigste erste Aufgabe war die Luftaufklärung. Im Stellungskrieg wurden Flugzeuge außerdem für die Artilleriebeobachtung eingesetzt, also zur Lenkung des Geschützfeuers. Später wurden sie zunehmend eigenständige Waffenplattformen. Ihr Erfolg hing davon ab, ob sie ungestört fliegen konnten. Deshalb wurde die Erringung der Luftüberlegenheit zu einem zentralen Ziel und stark von der technischen Entwicklung bestimmt.
Der strategische Luftkrieg richtete sich gegen das Hinterland: Infrastruktur und Rüstungspotenzial sollten zerstört und dadurch die gegnerische Kriegsführung geschwächt werden. Weil genügend Flugzeuge und Möglichkeiten für genaue Bombardierungen fehlten, beeinflusste er den Kriegsverlauf nicht entscheidend. Angriffe sollten aber auch Moral und Kampfbereitschaft der Zivilbevölkerung treffen; dazu gehörte die von Frühjahr 1917 bis Frühjahr 1918 befohlene deutsche Luftoffensive gegen London.
Der taktische Luftkrieg unterstützte Land- und Seestreitkräfte direkt. Die Alliierten nutzten Jagdflieger dafür meist nur begrenzt, weil Bodenluftabwehr sehr gefährlich war. Deutschland entwickelte besondere Verfahren und Muster für die Luftnahunterstützung, jedoch mit mäßigem Erfolg. Für die Frühjahrsoffensive 1918 entstanden 38 Schlachtstaffeln. Ihre Flugzeuge griffen im Tiefflug gegnerische Linien an und sollten die Infanterie nach dem Vorverlegen des Artilleriefeuers weiter in Deckung zwingen.
Technische Entwicklung und Flugzeugtypen
Ballons wurden im Stellungskrieg wieder wichtig. Fesselballons, meist Drachenballons, standen nahe der Front, beobachteten feindliche Linien und lenkten Artilleriefeuer. Verbesserte Caquot-Ballons der Alliierten ermöglichten Beobachtung weit ins Hinterland, waren aber leichte Ziele bewaffneter Flugzeuge.
Deutschland setzte zunächst große Hoffnungen in Zeppelin- und Schütte-Lanz-Luftschiffe. Sie konnten höher und weiter fliegen, länger in der Luft bleiben und größere Lasten tragen als frühe Flugzeuge. Gegen Flugabwehr blieben sie jedoch wegen ihrer Größe, geringen Geschwindigkeit, schlechten Manövrierbarkeit und brennbaren Gasfüllung verwundbar. Größere Einsatzhöhen verringerten Motorleistung und Bombenzielgenauigkeit; die Besatzungen litten unter Höhenkrankheit. Mehr als zwei Drittel der deutschen Kriegsluftschiffe, 110 von 123, gingen verloren, etwa je zur Hälfte durch Feindeinwirkung oder Unfälle. Auf See waren Aufklärungsfahrten noch nützlich, Bombenangriffe standen aber in keinem Verhältnis zum Aufwand.
Wichtig für Jagdflugzeuge war die Möglichkeit, nach vorn zu schießen. Roland Garros nutzte im Frühjahr 1915 an seiner Morane Parasol einen keilförmigen Geschossabweiser hinter dem Propeller. Deutschland entwickelte daraufhin ein Unterbrechergetriebe: Es synchronisierte Maschinengewehr und Propeller, sodass kein Geschoss den Propeller traf. Der Fokker E.I kam Anfang August 1915 an die Front und verschaffte Deutschland für Monate Überlegenheit; nach der Erbeutung einer Fokker E.III im April 1916 entwickelten die Alliierten entsprechende Verfahren.
Eindecker wie die Morane-Saulnier L und die Fokker E.I–IV prägten die Frühzeit, verschwanden 1916 aber weitgehend. Doppeldecker wurden zum wichtigsten Jagdflugzeugtyp. Die Nieuport 11 und Nieuport 17 beendeten die Überlegenheit der Fokker-Eindecker. Deutsche Albatros D.I, D.II und D.III brachten 1916/17 erneut Vorteile; die D.III hatte allerdings wegen ihres schmalen, nur einholmigen Unterflügels häufig Flügelbrüche. Ab 1917 beendeten unter anderem SPAD S.XIII, S.E.5 und Sopwith Camel die deutsche Luftherrschaft. Die ab April 1918 eingesetzte Fokker D.VII galt vielen, besonders den Alliierten, als bestes Jagdflugzeug des Krieges: Sie war steigfähig, in großer Höhe wendig und beim steilen Steigen wenig trudelanfällig.
Die Leistungssteigerung war groß: Die Vickers F.B.5 erreichte mit 100 PS 113 km/h und 2743 m Dienstgipfelhöhe. S.E.5a, SPAD S.XIII und Siemens-Schuckert D.IV erreichten gegen Kriegsende mit 160 bis 220 PS bis zu 222 km/h und bis zu 8000 m. Umlaufmotoren ermöglichten enge Steilkurven, verloren aber über 4000 m deutlich Leistung. Reihenmotoren machten Flugzeuge schwerer und weniger wendig, blieben aber in allen Höhen leistungsfähiger. Dreidecker wie Sopwith Triplane und Fokker Dr.I waren besonders wendig und steigfähig, spielten insgesamt aber keine große Rolle.
Bei Aufklärern wurden deutsche unbewaffnete A- und B-Typen durch bewaffnete zweisitzige C-Typen ersetzt. Der Beobachter bediente ein bewegliches Parabellum-MG im hinteren Sitz; später kam ein starres Spandau-MG für den Piloten hinzu. Der Rumpler C.VII „Rubild“ flog zur Bildaufklärung über 7000 m und besaß Sauerstoffanlage, elektrisch beheizte Fliegerkombinationen und elektrisch ausgelöste Kamera. Funkgeräte dienten ab 1915 der Artilleriebeobachtung; Luftbildkameras wurden weiterentwickelt.
Ganzmetallflugzeuge waren ein Ergebnis des Krieges. Hugo Junkers verwirklichte die Bauweise erstmals mit der Junkers J 1, deren Jungfernflug am 12. Dezember 1915 stattfand. Die Junkers J.I war das erste seriengebaute Ganzmetallflugzeug. Spätere Muster nutzten Duralumin; Junkers D.I und Dornier D.I kamen kaum noch an die Front.
Bomber, Schlacht- und Seeflugzeuge sowie Abwehr
Anfangs warfen Aufklärungsflugzeuge Bomben und Fliegerpfeile von Hand ab. Danach entstanden spezielle Bomber. Deutschland setzte ab Mitte 1915 zweimotorige AEG-G-Typen ein; die AEG G.IV war die meistgebaute Version. Als mittlere Bomber werden unter anderem Friedrichshafen-G-Typen sowie Gotha G.IV und G.V genannt. Strategische Bomber waren etwa Zeppelin (Staaken) R.VI und AEG R.I; die AEG R.I konnte 2000 kg Bomben tragen. Die Siemens-Schuckert R-VIII hatte 48 m Spannweite und 15 Tonnen Startmasse, kam aber nicht mehr zum Einsatz. Russland verfügte bereits 1914 mit der Sikorsky Ilja Muromez über einen viermotorigen Bomber. Bei den Alliierten gehörten unter anderem Handley Page Type O mit 1120 km Reichweite und 909 kg Bombenladung sowie Caproni Ca.36 zu den bekannten Mustern.
Deutsche Schlachtflugzeuge waren für Luftnahunterstützung vorgesehen. Aus Tiefflügen zur Feststellung der vordersten Infanterielinie entstanden Einsätze mit MG-Feuer, Bomben, geballten Ladungen sowie Abwürfen von Munition und Proviant. Zunächst nutzte man C-Typen; später bildeten leichtere zweisitzige CL-Typen das Rückgrat der Schlachtstaffeln. Halberstadt CL.II, gepanzerte Albatros J.I und AEG J.I sowie die Ganzmetall-Junkers J.I und CL.I stehen dafür. Bei Cambrai im November 1917 erzielten Schlachtstaffeln große Erfolge. Die britische Sopwith TF.2 Salamander erschien im April 1918, kam aber nur noch einzeln an die Front.
Wasserflugzeuge dienten unter anderem Geleitschutz, U-Boot-Jagd und Angriffen auf Luftschiffe. Die Short 184 übernahm seit 1915 U-Boot-Jagd; am 12. August 1915 beschädigte C. H. Emonds mit ihr ein türkisches Versorgungsschiff, das später sank. Deutsche Seejäger waren unter anderem Rumpler 6B1, Hansa-Brandenburg KDW, W.12, W.19 und der freitragende Eindecker W.29.
Flugabwehr nutzte zunächst umfunktionierte Feldkanonen und Maschinengewehre, später besondere Geschütze bis etwa 88 mm. Die deutsche 8,8-cm-Flak 16 war ein Vorläufer der späteren „Acht-Acht“. Ab etwa 1916 entstanden gegen Tiefflieger kleinkalibrige Maschinenkanonen wie die 3,7-cm-Sockel-Flak L/14,5. Luftabwehr blieb wesentlich weniger wirksam als Jagdflugzeuge: Statistisch kam nur ein Treffer auf 12.000 Schuss. Brandmunition ab Frühjahr 1916 erhöhte besonders die Abschüsse von Ballons und Luftschiffen.
Grundsätze des Luftkampfs
Die Grundregel lautete: „Wer den Höhenvorteil besitzt, bestimmt das Gefecht“. Höhe lieferte im Sturzflug zusätzliche Geschwindigkeit, erleichterte Überraschungen und machte ein Entkommen wahrscheinlicher. Frühe Angriffe erfolgten aus dem toten Winkel hinter dem Heck oder aus Richtung der Sonne im Sturzflug. Mit starren, durch den Propellerkreis feuernden Maschinengewehren zielte der Pilot mit der Achse des Flugzeugrumpfes auf den Gegner. Die Fokker-Plage bezeichnet die darauf beruhende zeitweilige deutsche Überlegenheit nach Einführung der Fokker E.I.
Der historische Immelmann Turn bestand aus einem Sturzangriff mit Feuer, einem scharfen Steigflug, einer überzogenen Kurve am Scheitelpunkt ohne Querruder und einem erneuten Sturzangriff. Max Immelmann nutzte damit die senkrechte Ebene für Angriffe.
Oswald Boelckes 1916 formulierte Dicta Boelcke verlangte: Vorteile durch Geschwindigkeit, Höhe, zahlenmäßige Überlegenheit und Position vor dem Angriff sichern, möglichst aus der Sonne angreifen; einen begonnenen Angriff entschlossen beenden; nur aus nächster Nähe und bei sicherem Visier feuern; den Gegner stets beobachten und Finten erkennen; sich von hinten annähern; bei einem Sturzangriff des Gegners ihm entgegenkurven statt auszuweichen; über feindlichem Gebiet die Rückzugslinie beachten; und mit Staffeln grundsätzlich in Gruppen von 4 bis 6 angreifen.
Ab 1916 ersetzten Verbände Einzelkämpfe. Rotten und Ketten umfassten zwei bis drei Flugzeuge, Jagdstaffeln meist sechs. Die erste reine Jagdstaffel war Boelckes Jasta 2; zwischen 1916 und 1918 entstanden 79 Jagdstaffeln. Jagdgeschwader bestanden zumeist aus vier Staffeln. Richthofens Jagdgeschwader 1 vereinte etwa 30 Flugzeuge und wurde wegen bunter Bemalung und schneller Verlegung als Flying Circus bezeichnet. Formationen flogen vor allem Keil, versetzte Kettenreihe oder Linie und verständigten sich durch Handzeichen, farbige Signalkugeln und Flugbewegungen.
Der alliierte Abwehrkreis ließ Flugzeuge im Kreis fliegen, sodass jeder Bordschütze das Heck der vorausfliegenden Maschine deckte. Er kostete jedoch Höhe und Treibstoff. Kurvenkämpfe galten als gefährlich und wenig erfolgreich; vier von fünf Abschüssen erfolgten nicht im Kurvenkampf. Verbandsführer empfahlen daher, sie möglichst zu vermeiden.
Wichtige Entwicklungsschritte 1914 bis 1918
1914 zeigte sich schnell der militärische Nutzen der Luftaufklärung: Am 6. September entdeckte das Royal Flying Corps die Lücke zwischen der 1. und 2. deutschen Armee und gab damit möglicherweise den entscheidenden Hinweis für den alliierten Sieg an der Marne. Am 5. Oktober wurde erstmals ein Flugzeug mit einem Maschinengewehr von einem anderen abgeschossen. Am 6. September erfolgte zudem vom japanischen Flugzeugmutterschiff Wakamiya aus der erste seegestützte Luftangriff der Geschichte.
1915 begannen Luftschiffangriffe auf England, am 19. Januar mit L3, L4 und L6. Am 1. August erreichte die Fokker E.I mit synchronisiertem MG die Front. Ebenfalls 1915 wurden Funkverbindungen zwischen Flugzeugen und Bodenstation erprobt, Artilleriefeuer erstmals direkt aus der Luft unterstützt und der erste erfolgreiche Lufttorpedoangriff geflogen.
1916 zeigte die steigende Verwundbarkeit der Luftschiffe: LZ 77 wurde am 21. Februar als erster Zeppelin mit Brandmunition abgeschossen. In der Sommeschlacht besaßen die Alliierten zunächst Luftüberlegenheit und griffen Bodenziele planmäßig mit MG-Feuer und Bomben an. Im September wurde ein Luftschiff über England erstmals durch ein Flugzeug abgeschossen. Im selben Jahr entstanden die Jagdstaffeln und die zentrale deutsche Führung der Luftstreitkräfte unter dem „Kommandierenden General der Luftstreitkräfte“.
1917 errang Deutschland mit der Albatros D.III im „Blutigen April“ zeitweise Luftüberlegenheit, verlor sie im Sommer aber weitgehend wieder. Am 13. Juni tötete ein deutscher Großangriff mit Gotha G.IV auf London 162 Menschen und verletzte 432; dies waren die höchsten Opferzahlen eines Luftangriffs auf England im gesamten Krieg. Der letzte große Marineluftschiffangriff auf England am 19./20. Oktober kostete fünf von elf eingesetzten Luftschiffen.
1918 konzentrierte Deutschland am 21. März für die Frühjahrsoffensive 730 Flugzeuge gegen etwa 580 alliierte Maschinen auf einem rund 80 km breiten Abschnitt und errang dort Lufthoheit. Am 1. April wurden Royal Flying Corps und Royal Naval Air Service zur Royal Air Force zusammengefasst. Der letzte deutsche Luftangriff auf London fand am 19./20. Oktober statt; sechs Gotha-Großflugzeuge wurden durch Abfangjäger und Flak abgeschossen.