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Schlacht von Cambrai

Die Schlacht von Cambrai im Ersten Weltkrieg war die erste große Panzeroffensive der Geschichte. Sie begann am 20. November 1917 nahe dem strategisch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ausgangslage
  2. 2. Planung und eingesetzte Technik
  3. 3. Verlauf der Offensive und Gegenoffensive
  4. 4. Ergebnis und historische Einordnung
  5. 5. Folgen, Erinnerung und zweite Schlacht

Bedeutung und Ausgangslage

Die Schlacht von Cambrai war eine große Schlacht des Ersten Weltkriegs und die erste große Panzeroffensive der Geschichte. Sie fand nahe Cambrai in Frankreich statt, einem strategisch wichtigen Eisenbahnknotenpunkt und 1917 einer Schlüsselversorgungsstellung der deutschen Siegfriedstellung. Die britische 3. Armee wollte mit Panzern das deutsche Stellungssystem durchbrechen und den seit mehr als drei Jahren andauernden Stellungskrieg wieder in einen Bewegungskrieg verwandeln. Die Entente hoffte dadurch auf eine entscheidende Wende gegen das Deutsche Kaiserreich.

Die Schlacht begann am 20. November 1917. Die Übersicht nennt als Zeitraum den 20. November bis 6. Dezember; im Fließtext werden die Kämpfe bis zum 7. Dezember 1917 beschrieben. Das Ergebnis war ein Unentschieden: Keine Seite erzielte einen größeren dauerhaften Erfolg, und die Gesamtsituation des Krieges veränderte sich kaum.

Die deutsche Westfront war 1917 geschwächt worden, weil Truppen und Material wegen des Zusammenbruchs des russischen Zarenreiches an die Ostfront verlegt wurden. Mehrere Offensiven der Entente, darunter französische Angriffe an der Aisne und in der Champagne sowie die britische Offensive in Flandern, brachten trotz hoher Verluste nur geringe Geländegewinne. Die französischen Verluste führten sogar zu schlechter Truppenmoral und Meutereien.

Die Briten setzten zunehmend auf Panzer. Deren psychologische Wirkung war jedoch geringer geworden; ihre relativ schwache Panzerung hielt konzentriertem Flammenwerfer-, Maschinengewehr- oder Artilleriebeschuss nicht stand. In unebenem und schlammigem Gelände blieben sie häufig stecken. Die Deutschen begegneten feindlichen Angriffen unter anderem mit Stoßtrupps und schnell verlegbaren Verbänden. Diese von Oskar von Hutier geprägte Vorgehensweise wurde als „Hutier-Taktik“ bezeichnet. Der Kriegseintritt der USA und Griechenlands auf Seiten der Entente stärkte zugleich deren Selbstbewusstsein.

Planung und eingesetzte Technik

Die Planung beruhte vor allem auf zwei Vorschlägen. Brigadegeneral Henry Hugh Tudor entwickelte Verfahren der Artillerieaufklärung und Feuerleitung, mit denen deutsche Geschützstellungen genauer bekämpft werden konnten, ohne die Geschütze vorher einzuschießen. John Frederick Charles Fuller, Stabschef des Panzerkorps, schlug einen Angriff mit etwa 200 Panzern vor, um die deutsche Artillerie im Abschnitt Banteux–Ribécourt zu überrennen.

General Sir Julian Byng, Oberbefehlshaber der britischen 3. Armee, verband beide Ideen zu einem Durchbruchsplan. Sein Ziel war, die gesamte deutsche Front in einem fünf Kilometer breiten Abschnitt zwischen dem Canal du Nord und dem Canal de Saint-Quentin zu durchbrechen. Cambrai wurde ausgewählt, weil das Gelände für einen massiven Panzerangriff geeigneter schien als Flandern oder die Somme-Region: Es gab weniger natürliche Hindernisse, und der Boden war weniger schlammig.

Im Norden sollte das IV. Corps mit der 56., 36., 62. und 51. Division zwischen Moeuvres und Havrincourt angreifen und Flesquières sowie Graincourt erobern. Das V. Corps sollte später zur Sicherung nachrücken. Im Süden führte das III. Corps mit der 6., 20. und 12. Division den Hauptstoß auf Marcoing, Crèvecoeur und Bonavis. Das Tank Corps sollte den Angriff anführen; ein Kavallerie-Korps sollte anschließend den geplanten Brückenkopf bei Masnières erweitern. Die 29. Division stand als Reserve bereit, während die 55. Division die rechte Flanke deckte.

Die britische Seite setzte 476 Panzer ein, von denen mehr als 350 einsatzfähig waren; 216 sollten in der ersten Welle im Abschnitt des III. Korps angreifen, 96 blieben als Reserve. Die Panzer-, Luft- und Infanterieangriffe wurden als Gefecht der verbundenen Waffen kombiniert. Die Infanterie folgte den Panzern in einem Abstand von 45 bis 50 Metern. Faschinen, also zu Bündeln verschnürte Stöcke, wurden in Gräben gekippt, um Übergänge zu schaffen. „Gun-Carrying-Tanks“ sollten ursprünglich Geschütze transportieren, wurden aber vor allem für Nachschub und Personal eingesetzt.

Am 12. November übten 80 bis 100 Panzer gemeinsam mit Infanterie. Für weitere Einheiten blieb keine Zeit, was zu hohen Verlusten beitrug. Die britische Luftunterstützung bestand aus 14 neu formierten Staffeln des Royal Flying Corps. Auf deutscher Seite standen sieben Divisionen des XIV. Reserve-Korps und der Gruppe Caudry unter General Georg von der Marwitz; eine achte Division, die 107. Infanterie-Division, war aus Russland unterwegs.

Verlauf der Offensive und Gegenoffensive

Am 20. November 1917 begann um 06:15 Uhr das Artillerietrommelfeuer, um 06:20 Uhr griff die erste Panzerwelle an. Nebelgranaten erschwerten den deutschen Truppen die Beobachtung, verhinderten zunächst Artilleriebeschuss und Luftaufklärung und führten teilweise zu Gasalarm. Das britische Artilleriefeuer blieb im Vergleich zu früheren Offensiven kurz, damit die Deutschen überrascht wurden und das Gelände nicht durch zu viele Granattrichter für die Panzer unpassierbar wurde.

Die Briten durchbrachen innerhalb weniger Stunden fast das gesamte deutsche Stellungssystem. Sie stießen auf einer Breite von zwölf Kilometern mehr als sechs Kilometer vor; bis zum Abend war die deutsche Front auf einer Breite von 16 Kilometern und einer Tiefe von neun Kilometern durchbrochen. Bonavis, der Lateux-Wald, La Vacquerie, Ribécourt, Marcoing, Havrincourt und Graincourt wurden erobert. Bei Masnières war eine wichtige Brücke über den St.-Quentin-Kanal zunächst in britischer Hand. Sie wurde jedoch zerstört, entweder durch deutsche Sprengung oder durch einen britischen Panzer, der sie beim Überqueren beschädigte. Dadurch wurden der Kanalübergang und ein wirksamer Kavallerieangriff auf Cambrai erschwert.

Flesquières, der stärkste deutsche Verteidigungspunkt, konnte zunächst nicht genommen werden. Die Verteidiger unter Major Krebs zerstörten dort 40 britische Panzer durch Artilleriebeschuss. Der britische Angriff in diesem Abschnitt litt unter der mangelnden Abstimmung zwischen Panzern und Infanterie. Die 51. Highland Division ließ ihre Infanterie zu weit hinter den Panzern folgen, sodass beide Verbände ohne ausreichende gegenseitige Unterstützung unter deutsches Feuer gerieten. Flesquières wurde erst eingenommen, nachdem sich die deutschen Truppen zurückgezogen hatten.

Das Hauptziel wurde nun der Wald von Bourlon und der weitere Vormarsch auf Fontaine. Die Briten erreichten zeitweise Fontaine und den Kamm der Anhöhe, konnten sich aber nicht dauerhaft durchsetzen. Die 40. Division ersetzte die stark geschwächte 62. Division; diese Kämpfe kosteten innerhalb von drei Tagen fast 4000 britische Soldaten. Der Wald wurde von deutschen Spezialtruppen mit Gelbkreuz verseucht. Ein letzter erfolgloser britischer Versuch am 27. November wurde von 30 Panzern unterstützt. Am 27. November wurden die Panzer zur Überholung abgezogen, am 28. November weitere Vorstöße eingestellt. Die britische Offensive hatte den vollständigen Durchbruch und die Eroberung Cambrais nicht erreicht.

Am 30. November begann die deutsche Gegenoffensive. General Erich Ludendorff hatte starke Verbände herangeführt; innerhalb von zehn Tagen wurden dafür 734 Transportzüge eingesetzt. Drei Korpsgruppen mit 13 Divisionen griffen an, während drei Divisionen defensiv blieben und zwei weitere als Armeereserve dienten. Die Gruppen Caudry und Busigny eröffneten um 08:50 Uhr den Angriff im Zentrum und Süden, die Gruppe Arras folgte im Norden um 11:50 Uhr. Die deutschen Stoßtrupps nutzten Flammenwerfer, Maschinengewehre und Granatwerfer. Gas- und Sprenggranaten sollten britische Batterien ausschalten; das Verfahren des „Buntschießens“ kombinierte verschiedene Giftgasarten.

Die Deutschen überraschten die Entente und erzwangen einen Durchbruch. Caudry und Busigny rückten am ersten Tag auf einer Breite von rund 16 Kilometern acht Kilometer vor. Arras stieß bis zum 6. Dezember auf einer Breite von zehn Kilometern vier Kilometer vor, traf aber auf stärkeren Widerstand. Die Kämpfe führten erneut zu einer Pattsituation und wurden am 7. Dezember vorläufig eingestellt.

Ergebnis und historische Einordnung

Nach der im Artikel genannten Gesamtangabe betrugen die Verluste etwa 50.000 deutsche und 45.000 britische Soldaten. Insgesamt wurden rund 95.000 Soldaten verwundet, getötet oder gefangen genommen. Mehr als 250 britische Panzer wurden zerstört oder erbeutet. Von den 476 eingesetzten britischen Panzern waren 378 bewaffnet.

Die Zahlen sind jedoch nicht einheitlich. Das deutsche Generalstabswerk nennt 41.000 deutsche Verluste, davon 27.000 beim britischen Angriff vom 20. bis 29. November und 14.000 beim deutschen Gegenangriff vom 30. November bis 6. Dezember, gegenüber 45.000 britischen Verlusten. Als deutsche Beute werden dort 9.000 Gefangene, 165 Geschütze, 200 Minenwerfer, 600 Maschinengewehre und 70 Panzer angegeben; die britische Beute wird mit 11.000 Gefangenen und 145 Geschützen beziffert. Andere auf Sanitäts- und Reichsarchivangaben beruhende Statistiken nennen für deutsche Verbände im britischen Frontabschnitt vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1917 insgesamt 54.720 Verluste. Für britische Verbände an der Westfront vom 20. November bis 31. Dezember werden 75.681 Verluste genannt. Deshalb könnten die britischen Verluste höher als 45.000 gewesen sein.

Militärisch änderte sich der Frontverlauf nur wenig. Die Briten behielten leichte Geländegewinne bei Havrincourt, Ribécourt und Flesquières, während die Deutschen Gelände südlich des Welsh Berges eroberten. Die Schlacht zeigte der Entente, dass Deutschland noch nicht militärisch besiegt war. Die britische Führung setzte trotz der enttäuschenden Ergebnisse weiterhin auf die Serienproduktion und den Masseneinsatz von Panzern; manche Quellen bewerten Cambrai sogar als Durchbruch in der Tankkriegsführung. Die deutsche Seite sah in der Schlacht einen Beleg für wirksame Abwehrtaktiken gegen Panzer und für das Nachlassen des früheren psychologischen Panzereffekts. Umstritten blieb, ob daraus eine stärkere oder eine zurückhaltende deutsche Panzerentwicklung folgen sollte.

Folgen, Erinnerung und zweite Schlacht

Während der Kämpfe unterstützten beide Seiten ihre Bodentruppen mit Flugzeugen zur Aufklärung und zur Abwehr feindlicher Maschinen. Am 23. November 1917 erzielte Manfred von Richthofen bei Cambrai seinen 62. Luftsieg. Der deutsche Leutnant Kurt Küppers schoss an diesem Tag eine britische Maschine ab. Der kanadische Lieutenant Colonel Andrew Edward McKeever schoss am 30. November in einem Luftgefecht vier deutsche Albatros-D.V-Jäger ab; auch Captain Edmund Roger Tempest erzielte einen Abschuss.

Im Raum Cambrai erinnern heute mehrere Gedenkstätten an die Schlacht. Auf dem Soldatenfriedhof von Louverval steht das Cambrai Memorial für 7048 Offiziere und Soldaten des Britischen Empires, die zwischen dem 20. November und dem 3. Dezember 1917 fielen und kein bekanntes und geehrtes Grab erhielten. Im Wald von Bourlon befindet sich eine kanadische Gedenkstätte; die Bäume auf ihrer Terrasse stammen noch aus der Zeit der Schlacht. Im Stadtpark von Cambrai erinnert eine weitere Gedenkstätte an den Angriff vom 20. November 1917 und an zivile Opfer. Auf dem deutschen Soldatenfriedhof an der Route de Solesmes liegen 10.685 deutsche und 502 britische Gefallene. Die Anlage wurde im März 1917 eingerichtet und 1921 bis 1924 durch Umbettungen erweitert. Das Hauptdenkmal entwarf Wilhelm Kreis.

Das ehemalige Schlachtfeld wird heute wieder landwirtschaftlich genutzt; südwestlich von Cambrai verlaufen die Autobahnen A2 und A26. In Deutschland wurden unter anderem die Cambrai-Kaserne in Bremen und die Cambrai-Fritsch-Kaserne in Darmstadt nach der Schlacht benannt. Henry Moore, Franz Radziwill und Ernst Jünger verarbeiteten ihre Erlebnisse in Kunst oder Literatur.

Im Rahmen der Hunderttageoffensive kam es am 8. und 9. Oktober 1918 zur zweiten Schlacht von Cambrai. Britische, französische, kanadische, australische und amerikanische Truppen griffen im Raum Saint-Quentin–Cambrai an und durchbrachen die deutsche Hindenburg-Linie auf 65 Kilometern Breite. Die Briten gingen nun mit ausreichender Infanterieunterstützung vor und hatten aus den Fehlern von 1917 gelernt. Am 9. Oktober wurde Cambrai vollständig zurückerobert; die deutschen Truppen zogen sich hinter den Fluss Selle zurück.

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