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Müllheim im Markgräflerland
_ Temperatur (°C) _ Niederschlag (mm). Quelle: Monatliche ... Grundschule Britzingen als Außenstandort der Grundschule Buggingen · Michael …
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Überblick und Raum
Müllheim im Markgräflerland (alemannisch Mille oder Mülle; bis Ende April 2023 Müllheim) ist eine Stadt im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald in Baden-Württemberg und im Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum ausgewiesen. Sie liegt zwischen Freiburg und Basel, am Übergang des Klemmbach- beziehungsweise Weilertals in die Oberrheinebene unterhalb des Blauenmassivs. Am 31. Dezember 2025 hatte die Stadt 20.241 Einwohner, ihre Fläche beträgt 57,91 km².
Das Stadtgebiet erstreckt sich 15 Kilometer in Ost-West- und zehn Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Es reicht von 217,81 m über NN in der Rheinebene bis zum 1220,49 m hohen Köhlgarten im südlichen Schwarzwald. Von etwa 57,90 km² Fläche sind 16 km² Wald und etwa 5 km² Reben; hinzu kommen Wiesen, Obstflächen, Felder, Gewerbe- und Wohngebiete. Zur Stadt gehören die Kernstadt sowie Britzingen mit Dattingen, Feldberg, Hügelheim, Niederweiler, Vögisheim und Zunzingen. Die eingemeindeten Orte haben jeweils eigene örtliche Vertretungen, mit Ausnahme von Vögisheim mit einem Ortsbeauftragten.
Geologisch treffen Schwarzwald mit Gneissockel und Granit, lösshaltiges Hügelland und die sand- und kiesreichere Rheinebene aufeinander. Die geothermische Aktivität des Oberrheingrabens ermöglicht Thermalquellen; der Warmbach speist das öffentliche Freibad. Das durch warme Südwestströmungen über die Burgundische Pforte begünstigte und vom Schwarzwald geschützte Klima erlaubt Weinbau mit Gutedel und Burgunder. Die Jahresmitteltemperatur der Station Müllheim (273 m) beträgt 11,2 °C, der Jahresniederschlag 792 mm.
Historische Entwicklung
Der Ortsname geht auf frühalthochdeutsch Mulīnhaim zurück und verweist auf Mühlen am Klemmbach. In einer Schenkungsurkunde des alamannischen Edelfreien Strachfrid an das Kloster St. Gallen wird villa Mulinhaimo 757/758 erstmals genannt; auch eine Urkunde des Lorscher Codex von 804/805 nennt Mulinheim.
Das Gebiet war spätestens ab 1200 v. Chr. stärker besiedelt; 1954 wurden in Hügelheim zwei Urnengräber der Urnenfelderzeit freigelegt. Auf keltische Besiedlung folgte um 70 n. Chr. die römische Herrschaft. Römische Funde unter der Martinskirche belegen diese Zeit; die Römer führten Reb- und Weinkultur ein. Ab 230 eroberten Alamannen das rechtsrheinische Gebiet, bevor es nach ihrer Niederlage bei Zülpich an das Frankenreich der Merowinger fiel. Aus der Merowingerzeit sind Keramiken und Gräberfelder bekannt.
Über Zähringer, Staufer, Grafen von Freiburg und weitere Herrschaften kam Müllheim 1444 an die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg. Der Zusammenschluss von Rötteln, Sausenberg und Badenweiler am 8. September 1444 begründete das Markgräflerland. Seit 1503 gehörte es zur Markgrafschaft Baden. Die Reformation wurde am 1. Juni 1556 eingeführt. Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts brachten Plünderungen, Besatzungen und Bevölkerungsverluste. 1698 erhielt Müllheim Marktrecht; 1727 wurde der Verwaltungssitz der Vogtei Badenweiler nach Müllheim verlegt.
1806 wurde Müllheim Teil des Großherzogtums Baden, 1810 zur Stadt erhoben. In der Badischen Revolution 1848/49 war es Treffpunkt und zeitweise Hauptquartier revolutionärer Kräfte; Gustav Struve proklamierte am 23. September 1848 vom Stadthaus die „Deutsche Republik“. Von 1871 bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich. Der Weinmarkt besteht seit 1872, das „Müllemer Bähnle“ nach Badenweiler fuhr von 1896 bis 1955, und seit 1905 war Müllheim Garnisonsstadt.
Im Nationalsozialismus war Müllheim früh eine „Nazi-Hochburg“: Bei der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP 48 % der Stimmen. Jüdische Einwohner wurden verfolgt; die Synagoge wurde im November 1938 zerstört, die Gemeinde 1941 aufgelöst. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt beschossen und bombardiert. Am 23. April 1945 wurde sie kampflos an das französische 23. Kolonial-Infanterieregiment übergeben; 247 Menschen wurden als Gefallene, Vermisste oder „Ziviltote“ registriert. Etwa 780 Zivilpersonen verschiedener Nationen wurden im Raum Müllheim zur Zwangsarbeit gezwungen.
1949 wurde Müllheim Teil der Bundesrepublik Deutschland, 1953 des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Müllheim wurde zum 1. Januar 1973 aufgelöst; die Stadt kam zum Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Seit dem 27. April 2023 lautet der offizielle Name Müllheim im Markgräflerland.
Gesellschaft, Religion und Politik
Müllheim war nach der Reformation mehrheitlich evangelisch. Laut Zensus 2011 waren 42,4 % der Einwohner evangelisch, 25,0 % römisch-katholisch und 32,6 % konfessionslos, einer anderen Glaubensgemeinschaft zugehörig oder ohne Angabe. Im Juli 2020 waren von 19.387 Einwohnern 34,3 % evangelisch, 22,3 % katholisch und 43,4 % einer anderen Glaubensgemeinschaft zugehörig oder konfessionslos. Die Anteile von Protestanten und Katholiken sanken somit im beobachteten Zeitraum.
Eine jüdische Gemeinde bestand seit 1720; 1716 waren zunächst vier Familien als „Schutzjuden“ aufgenommen worden. 1865 zählte die Gemeinde 422 Menschen, fast 15 % der örtlichen Bevölkerung. Durch rechtliche Gleichstellung, Niederlassungs- und Reisefreiheit zogen viele Menschen in Städte wie Freiburg, Basel und Zürich; 1905 waren es noch 209 Personen beziehungsweise 6,6 %. Die Novemberpogrome 1938 führten zu Angriffen, Inhaftierungen und Zerstörungen. Heute erinnern der jüdische Friedhof, ein Mahnmal am früheren Synagogenstandort und seit 2006 Stolpersteine an die Verfolgten und Ermordeten. Auf dem Friedhof werden 45 örtliche Opfer der Shoa namentlich genannt.
Der Gemeinderat wird seit 1841 geheim gewählt. Die unechte Teilortswahl sichert den Ortsteilen je nach Größe Sitze. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 lag die Wahlbeteiligung bei 60,42 %: CDU und FWG erhielten jeweils 9 Sitze, die Grünen 6 und die SPD 4; insgesamt gibt es 28 Sitze. Bürgermeister ist seit dem 11. Januar 2020 Martin Löffler. Müllheim ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Müllheim-Badenweiler mit Badenweiler, Sulzburg, Auggen und Buggingen.
Kultur und Erinnerung
Prägend sind Weinbau, alemannischer Dialekt und ein reges Vereinsleben. Der örtliche Dialekt gehört zum Hochalemannischen und hat Gemeinsamkeiten mit dem Baseldeutschen. Zu den Bräuchen zählen der Narrenumzug am Sonntag vor dem „Schmutzige Dunschtig“ sowie Scheiben- oder Fastnachtsfeuer nach Aschermittwoch. Wichtige regelmäßige Veranstaltungen sind der seit 1872 bestehende Müllheimer Weinmarkt, der älteste badische Weinmarkt und Spezialmarkt für Markgräfler Weine, das seit 1971 veranstaltete Stadtfest und der Jahrmarkt Anfang November.
Das Markgräfler Museum im Blankenhorn-Palais zeigt regionale Geologie, Archäologie, Orts-, Weinbau- und Mühlengeschichte sowie Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Frick-Mühle ist seit 2008 als Mühlenmuseum eine Außenstelle des Museums. Mühlen waren für die Stadt entscheidend: Am Klemmbach sind ab dem 13. Jahrhundert sieben bis acht Wassermühlen belegt; 1758 gab es auf neun Kilometern 13 Getreidemühlen mit 30 Mahlwerken.
Die Martinskirche steht auf Resten einer römischen Villa rustica; ihr Turm aus dem 12. Jahrhundert gilt als ältestes erhaltenes Bauwerk Müllheims. Seit 1881 ist sie entwidmet und dient heute kulturellen Veranstaltungen. Die evangelische Stadtkirche wurde 1881 eingeweiht, die katholische Herz-Jesu-Kirche 1878. Das 1727 bis 1729 errichtete Amtshaus war Verwaltungssitz der Vogtei Badenweiler und beherbergt heute unter anderem Tourist-Information und Kulturamt. Das 1976 eröffnete Bürgerhaus ist ein zentraler Veranstaltungsort mit Räumen für bis zu etwa 850 Personen.
Bildung, Wirtschaft und Versorgung
Müllheim ist Schulstandort mit Gemeinschaftsschule Adolph Blankenhorn, Alemannen-Realschule, Markgräfler Gymnasium, Grundschulen und Förderschule. Zu den beruflichen Schulen gehören die Georg-Kerschensteiner-Schule und die Kaufmännischen Schulen Müllheim; letztere bieten seit dem Schuljahr 2011/2012 ein Wirtschaftsgymnasium mit internationalem Abitur. Weitere Angebote sind Waldorfschule, Krankenpflegeschule, Schule für Erziehungshilfe und Werkstattschule. Die städtische Musikschule besteht seit dem 1. Oktober 1974. Die Volkshochschule Markgräflerland wurde 1973 gegründet und führt unter anderem Integrationskurse durch.
Wichtige Unternehmen sind AUMA Riester, Hellma, Pulmoll-Kalfany GmbH, Schott Pharma in Hügelheim und Neoperl. Die Helios-Klinik verfügt über Innere Medizin, Geriatrie, Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Anästhesie sowie Belegabteilungen für Urologie, HNO und Augenheilkunde. Sie ist regionale Schlaganfalleinheit und seit 2010 akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Freiburg. Die Stadtwerke Müllheim–Staufen liefern seit 2009 Wasser, Gas und Strom; die Abwasserbeseitigung bleibt Aufgabe der Stadt.
Als ehemaliger Verwaltungssitz verfügt Müllheim über Polizeirevier, Finanzamt, Amtsgericht, Außenstellen des Landratsamts und weiterer Behörden. Die Robert-Schuman-Kaserne beherbergt seit 1992 den Stab und das Versorgungsbataillon der Deutsch-Französischen Brigade.
Verkehr und Verbindungen
Der Bahnhof Müllheim im Markgräflerland liegt an der Bahnstrecke Mannheim–Basel und gehört zum Tarifgebiet des Regio-Verkehrsverbundes Freiburg. Ihn bedienen RE 7 zwischen Basel Bad Bf und Offenburg, RB 27 zwischen Basel Bad Bf und Freiburg im Breisgau sowie RB 28 zwischen Müllheim im Markgräflerland und Mulhouse; einzelne ICE der Relation Basel–München Hbf halten ebenfalls. Seit Dezember 2012 verkehren täglich wieder Regionalzüge nach Mulhouse. Beim Ausbau Karlsruhe–Basel wurde der Bahnhof umgebaut; das frühere Empfangsgebäude wurde 2022 abgebrochen, barrierefreie Bahnsteige und neue Zugänge entstanden.
Die Bundesstraße 3 durchquert die Stadt. Die Bundesstraße 378 führt über Neuenburg am Rhein zur Bundesautobahn 5 sowie zur französischen Grenze und weiter Richtung Mülhausen. Der Badische Weinradweg verläuft durch Müllheim. Der nächstgelegene Flugplatz ist Bremgarten EDTG in 12 km Entfernung; außerdem gibt es den Flugplatz Müllheim und als nächsten Verkehrsflughafen Basel-Mülhausen.